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www.assisi.ch
Assisi Verlag
Bücher und Zeitschriften
Projekt Brasilien – Helft den Straßenkindern
Über diesen Verlag können noch die gesamten Nr. der Ewig Zeitschrift, die bis ins Jahr 2000 erschien, bezogen werden.
Die röm-kath. Zeitschrift EWIG erschien von 1991-2000 (Motto: Durch Wissen zum Verstehen). Der verstorbene Kardinal Alfons M.Stickler SDB bezeichnete Ewig als kath. Enzyklopädie in Kurzform.
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Theologie: katholische Mystik; Aktuelles, Selbsthilfe
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Diese Seite soll einen Überblick geben über das Leben und Wirken des Heiligen Pater Pio, einer der ganz großen Heiligen in unserer Zeit, der die Wundmale trug und viele Wunder vollbrachte.
In der Nachfolge und Nachahmung Christi, des Gekreuzigten, war er so hochherzig und vollkommen, dass man hätte sagen können: »Ich bin mit Christus gekreuzigt worden, nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2, 19)

segenskreis.at
Der Segenskreis ist eine Gemeinschaft von Priestern, die täglich segnen. Alle, die sich dem Segenskreis angeschlossen haben, empfangen täglich den Segen Gottes. Die Priester - sie haben von Jesus die Segensvollmacht - spenden den Segen morgens und abends. Wenn der Priester segnet, ist es Jesus Christus selber, der durch den Priester segnet.
Aufklärung über Esoterik (Anneliese Scherer, Martina Schmilewski), Download von Vorträgen etc.

Barbara Weigand
Das Leben und Wirken der Barbara Weigand von Schippach. Ihr schriftlicher Nachlaß, hat in interessierten Kreisen unter dem Titel „Schippacher Schriften“ schon früh einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. Ihre vielen visionären Begegnungen mit ihrem Herrn und Heiland Jesus Christus, ihrem „Seelenbräutigam“, seiner Mutter Maria und vielen Heiligen, vollzogen sich meist in Form von sogenannten „Laut-Ekstasen“, die für die Umstehenden hörbar wurden und mitgeschrieben werden konnten. Von 1894 bis 1903 geschahen 297 Visionen, die sich in „Laut- Ekstasen“ vollzogen. In der späteren Zeit (bis weit in die zwanziger Jahre) waren ihre Eingebungen oft ohne innere Schauungen. Das ganze Schrifttum der Barbara Weigand hat zum Ziel: Die Verehrung und Verherrlichung des Herrn in der heiligen Eucharistie und die Annahme seines Kreuzes, wozu er uns immer wieder einlädt.

www.gebete.ch

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Dies ist ein Gebetsarchiv, in welchem Sie viele nützliche und wertvolle Gebete für jeden Tag finden können. Die Gebete sind in übersichtliche Kategorien eingeteilt und Sie können auch ganz einfach nach einem bestimmten Gebet suchen. Es besteht zudem die Möglichkeit, selbst Gebete der Homepage hinzuzufügen!

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Hier sehen Sie das aktuelle K-TV Programm live im Internet (es kann bis zu 20 Sekunden dauern bis das Bild angezeigt wird, bitte haben Sie etwas Geduld). Sie benötigen einen Breitband Telefonanschluss (DSL, ADSL, Sky-DSL, Breitbandanschluss von Kabelanbietern...)

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Fra. Jozo Zovko
"Ehemaliger Pfarrer von Medjugorje zur Zeit der ersten Erscheinungen"

Adoremus
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Leitgedanke - Gemeinsam Beten. Das Andachtsgebet ist seit Jahrzehnten ins Abseits gedrängt worden. Aber in aller Stille entstanden Gebetsgruppen. Das Adoremus ist gewachsen aus der Erfahrung dieser Gebetsgruppen. Durch ein handliches Taschenbuch sollten gleichzeitig diese Gruppen verbunden werden. 100 bekannte Wechselgebete und 100 alte, beliebte Lieder vereinen die Beterseelen zu einem innigen Zwiegespräch mit dem Herrn.
jungfrau-der-eucharistie.de
Jesus, König der Offenbarung und Maria, Jungfrau der Hl. Eucharistie von der immerwährenden Salbung sprechen in Manduria.
herzmariens.ch
Katholisches Apostolat zur Verbreitung und Verteidigung des katholischen Glaubens nach Weisung der Päpste und der mit ihnen verbundenen Bischöfe.

 

 

 

 

Über Kleiderpracht und Moden zur Warnung und Belehrung
Predigt des hl. Leonhard über die Zahl der Auserwählten
Höllenvision der hl. Franziska Romana

Der fromme Diener Gottes

Niklaus Wolf von der Rippertschwand

Ein Mann der katholischen Aktion
Von Pfarrer Johann Erni

Neu herausgegeben von Klemens Kiser
© Copyright by Klemens Kiser

Nil obstat Solodori, die 12. Sept. 1931Dr. G. Lisibach, Canc.
Imprimi potest Solodori, die 14. Sept. 1931  + Josephus, Epps.
 
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Wirken Vater Wolfs in der Familie
Niklaus Wolf als musterhafter Bürger, Bauer, Beamter
Niklaus Wolf als Bürger
Wolfs Einfluß
Wolfs Gebetsarmee
Niklaus Wolf als Wohltäter seiner Mitmenschen
Wie Wolf zu seinen Krankenheilungen geführt wurde
Wie Wolf seine Krankenheilungen ausführte
Die beeidigte Teufelspredigt
Wie Wolf wegen seinen Krankenheilungen bekämpft wurde
Wie Wolf seine Krankenheilungen verteidigte
Wolfs letzte Lebensjahre und Tod
Hebung und Wiederbestattung der Gebeine Niklaus Wolfs
Das höhere Glaubensleben Niklaus Wolfs
Die von Vater Wolf verfaßte Litanei
Des frommen Niklaus Wolfs Leben mit der Kirche
Seine Hochschätzung der hl. Messe
Vater Wolf, der große Verehrer des allerheiligsten Altarssakramentes
Seine Andacht zu der Menschwerdung des Sohnes Gottes
Sein großes Vertrauen zu Maria, der Mutter Gottes
Seine Ermahnungen zu Sanftmut und Demut
Seine Mahnungen zur Übung der entgegengesetzten Tugend
Sein schmerzhafter Rosenkranz für allg. und bes. Anliegen
Seine hohe Weisheit der hl. Einfalt u. reicher Schatz der Demut
Einige Gebete, die Vater Wolf selber verfaßt und gebetet hat
Sein Almosengebet
Seine Andacht zu den hl. Wundmalen Jesu Christi
Betrachtungen zu den hl. Wundmalen
Anhang Gebetserhörungen
Schluß
 

 Einleitung

Bis vor wenigen Jahren sah man auf dem alten „Bruderklausenkalender" neben dem Bild des Bruder Klaus auch das heimelige Bild unseres frommen Niklaus Wolf von Rippertschwand, wie er dasteht mit dem Rosenkranz in der Hand. Zu seinen Lebzeiten war er weit über die Grenzen seines Heimatkantons hinaus bekannt. Er übte auf seine Zeitgenossen den größten Einfluß aus. Weit und breit war er der populärste Mann; das schönste Vorbild eines Volksmannes; ein Mann, der durch sein Wirken in der Öffentlichkeit am meisten gehaßt und am meisten geliebt wurde.

Leider ist dieser kernige katholische Mann aus dem Volk vielfach vergessen worden. Es ist deshalb gewissermassen eine Ehrenpflicht, dieses Lebensbild dem heutigen Geschlecht
(Generation) wieder vor Augen zu führen. Er ist ein herrliches Beispiel des lebendigen katholischen Glaubens. Er ist ein Mann der katholischen Aktion im besten Sinn des Wortes, grosszügig und opferwillig, von treuester kirchlicher Gesinnung und makellosem Lebenswandel.

Der Verfasser dieser Zeilen hat sich schon über zwanzig Jahre mit diesem Mann beschäftigt; er hielt über ihn auch mehrere Vorträge. Als Hauptrolle zu diesem Lebensbild diente das Büchlein: Die Macht des christlichen Glaubens. Dargestelit im Leben des durch auffallende Gebetserhörungen merkwürdig gewordenen Niklaus Wolf von Rippertschwand”; von Pfarrer Josef Ackermann.
Die erste Auflage erschien schon vierzehn Tage nach Wolfs Tod, im Herbst 1832. Ackermann  war von 1821 bis 1841 Pfarrer von BalIwil und von 1841 bis 1846 Pfarrer von Emmen. Er war ein gelehrter Herr, Verfasser mehierer wissenschaftlicher Bücher und von 1817 an der vertrauteste Freund von Wolf. Ihm stand auch der ziemlich umfangreiche schriftliche Nachlass Vater Wolfs zur Verfugung. Ich benützte die vom Verfasser selbst noch vermehrte und verbesserte vierte Auflage von 1846.

Daneben stand mir zur Verfügung das Büchlein: ,,Josef Leu von Ebersol”, ebenfalls von Pfarrer Ackermann. Dann das Werk von Siegwart-Müller über Leu; der Ehrentempel von Pfarrer X. Herzog; das Leben des Pfarrers Schiffmann, von Alois Lütolf; die Zeitschrift: Zeichen der gegenwärtigen Zeit im Guten und Bösen, 1823 bis 1825, von Gügler und Segesser ferner der,,Waldstätterbote” 1841; ferner: ,,Die Kilminalprozedur gegen Jakob Müller von Stechenrain°, von Ammann, ausserordentlichem Verhörrichter (Schulthess, Zürich, 1846); auch mündliche Mitteilungen des alten Pfarrers Staffelbach von Neuenkirch, der Pfarrkinder hatte, die Vater Wolf noch gesehen und gesprochen hatten. Dann sei auch namentlich erwähnt die Arbeit des Lehrers Josef Buck, dessen Forschungen im Pfarr-, Gemeinde- und Staatsarchiv wertvolle Dienste leisteten. Endlich wurde beraten: Franz Bernhard Göldlin von Tiefenau, von Bernhard Fleischlin (Stans, C. von Matt, 1876).

Man wird sich vielleicht wundern, daß in einem Lebensbild so viele Gebete und Andachtsübungen enthalten sind. Ich verweise auf den Titel des Buches: „Der fromme Niklaus Wolf". Das ganze Sinnen und Denken dieses außerordentlichen Mannes ist in seinen herrlichen Gebeten niedergelegt. Ohne sie würde man den großen Mann nicht verstehen. Zudem ist dieses Büchlein dem katholischen Volk gewidmet. In manchen stillen Stunden wird vielleicht ein alter Vater, eine kranke Mutter, auch ein braver Sohn zu diesen Gebeten greifen, gleichsam mit Vater Wolf beten und da manchen Trost und manche Wegleitung finden. Diese Gebete sind um so wertvoller, weil Vater Wolf zwischenhinein seine Belehrungen eingeflochten hat.
 

Bemerkung zur zweiten Auflage
Die erste Auflage dieses Büchleins fand gute Aufnahme. Von verschiedenen Seiten kamen mir Anregungen und Anfragen zu, die mich veranlaßten, weitere Forschungen anzustellen. Dabei entdeckte ich im Pfarrarchiv Neuenkirch wichtige Ergänzungen. Sodann konnten mir direkte Nachkommen Vater Wolfs, darunter eine 87jährige, geistig vollständig frische Frau, wertvolle Mitteilungen machen. - So erscheint die zweite Auflage um manches bereichert. Möge sie mit Gottes Hilfe Gutes stiften!
In völliger Übereinstimmung mit den Dekreten Urbans VIII. erkläre ich, daß ich alles und jedes, was in diesem Buch in Bezug auf Wunderbares, Gebetserhörungen und dergleichen gesagt ist, rückhaltlos dem Urteil der heiligen Kirche unterwerfe. Sempach, im Oktober 1932        Der Verfasser
 
Bemerkung zur dritten Auflage
Gerade in diesen schweren Zeiten der allgemeinen Krisis hat die Verehrung des katholischen Volkes und sein Vertrauen zum frommen Beter und kräftigen Helfer Vater Wolf mächtig zugenommen. „Der fromme Niklaus Wolf von Rippertschwand hat mir schon viel geholfen"; dieses Wort aus gläubigem Mund bestätigt nur die Tatsache, daß der fromme Beter auch heute noch der bedrängten Menschheit gerne und wunderbar helfen kann. Möge auch diese dritte, fast unveränderte Auflage viel Segen stiften.
Sempach, im Juni 1936               Der Verfasser
 
Anmerkung zur Neuauflage
Rr. Johann Erni verstarb 1941. Diese Neuauflage wurde sprachlich leicht angepaßt, wie Frau statt Weib und an einigen Stellen ergänzt. 1952 geschah die Umbettung der Gebeine in die Unterkirche von Neuenkirch. 2017 wurde die Unterkirche neu gestaltet.
Neuenkirch ist leicht zu erreichen. Es liegt in der Schweiz bei Luzern 5km von der Autobahn Basel -Luzern, Abfahrt Sempach oder Rothenburg oder Emmen-Nord, also auf dem Weg in die Innerschweiz zum hl. Br. Niklaus von der Flüe.
Die Neuauflage geschieht in Zusammenarbeit mit der Niklaus-Wolf Stiftung.
 

Das Wirken Vater Wolfs im engsten und heiligsten Kreis:
in der Familie

Die katholische Aktion beginnt in der Kinderstube. Wenn es am Familienleben und an der Kindererziehung fehlt, dann können Schule und Kirche selten dauerhafte Arbeit leisten. Denn was Schule und Religionsunterricht solch unglücklichen Kindern auf den Lebensweg mitgeben wird, ist gewöhnlich nur wie der Verputz an einer Mauer, deren Steine nichts wert sind. Nach wenigen Jahren löst sich der angeworfene Zement los. Aber ein glaubenstreuer katholischer Vater, eine grundbrave christliche Mutter, eine solide, religiöse Kindererziehung sind die festen Grundsäulen der katholischen Aktion.
 

Der fromme Niklaus Wolf ist ein herrliches Vorbild
als Vater und Erzieher.

Niklaus Wolf erblickte das Licht der Welt am 1. Mai 1756 in Rippertschwand. Das ist ein Bauernhof von 90 Jucharten. Er wird im Engelberger Rodel von 1176 angeführt. Damals mußte Rippertschwand dem Kloster Engelberg neuneinhalb Mütt Kernen (Zürcher Mütt) und acht sculteras, d. h. Schultern, nach heutigem Sprachgebrauch geräucherte Vorderschinken von Schweinen, abliefern.
Ein altes Bild, das auf einem Meßgewand aufgeheftet war, stellt einen Bauern dar, der vor dem Gnadenbild der Mutter Gottes betet. Darunter stehen die Worte: „Claus Wolf von Rippertschwand hat in einer Feuersbrunst Anno 1736, den 28. April, dieses Meßgewand hier auf Werthenstein uoverlobt und versprochen". Dieser Claus war der Onkel unseres frommen Niklaus.
Zur Zeit der Geburt Niklaus Wolfs gehörte das Gehöft vorn Rippertschwand noch zur Pfarrei Sempach; seit 1807 ist es der Pfarrei Neuenkirch (Kanton Luzern) zugeteilt. Damit wurde aber nur gesetzlich verankert, was schon lange bestehende Tradition war. Alle Vorfahren Vater Wolfs bis 1600 zurück, sind in Neuenkirch getauft. Seine Eltern, Johann Wolf und Anna Maria Muff waren wohlhabende, geachtete Bauern und fromme, gottesfürchtige Christen. Alle Monate gingen die Eltern wenigstens einmal zu den hl. Sakramenten; das war viel für die damalige Zeit. Sie erzogen ihre Kinder in heiliger Gottesfurcht. Das Hauptgewicht legten sie auf die Bildung des Charakters und des Herzens, freilich nicht zum Schaden der Schulbildung.
Die damaligen Zeitverhältnisse waren, wenigstens auf dem Land draußen, sicher für eine christliche Erziehung noch günstiger als heutzutage. Es herrschte vielfach noch ländliche Einfachheit der Sitten und Gebräuche. Noch wehte damals nicht der kalte Nordwind des Unglaubens und der religiösen Gleichgültigkeit, auch nicht der heiße Südwind des Luxus und der Sinnlichkeit. Und der heilige Glaube war noch frisch und lebendig im Land. - Vater Wolf erzählte selber von dieser Zeit: „Die Geistlichen predigten damals noch nicht so gelehrt wie jetzt, sondern eine einfache, kräftige Kirchensprache, aber diese machte einen weit größern Eindruck auf das Volk als ihre gelehrte Sprache jetzt". Wolf meinte damit die Sprache der liberalen Geistlichen in der Aufklärungszeit.
 
Die Eltern Wolf hatten, laut Taufbuch von Neuenkirch, 12 Kinder:
1. Anna Maria Aloysia Wolf, geboren 14. Jan. 1750.
2. Johann Leonz Wolf, geboren 6. Juli 1751.
3.  Maria Anna Wolf, geboren 2. März 1753.
4. Johann Martin Wolf, geboren 20. Juli 1754.
5. Niklaus Philipp Wolf, geboren 1. Mai 1756. Sein Pate war Niklaus Wolf (ein Onkel), Patin Marie Kopmann.
6. Anna Maria Margaretha Wolf, geboren 11. Mai 1758.
7.  Franziskus Wolf, geboren 19. Mai 1760.
8. Anna Maria Barbara Margaretha Wolf, geboren am 27. Juni 1762.
9. Anna Maria Jakobea Dorothea Wolf, geboren 6. Febr. 1764.
10. Anna Maria Verena Aloysia Wolf, geboren 18. Sept. 1766.
11. Johann Ulrich Leonz Aloysius Wolf, geboren 4. April 1769.
12. Anna Maria Elisabetha Wolf, geboren 3. Sept. 1771.

Von diesen Kindern starben laut Sterbebuch von Neuenkirch:
Leontius Wolf, als Sechsjähriger, am 12. Aug. 1757; Jungfrau Anna Maria Wolf, am 28. Jan. 1765; Jungfrau Maria Anna Wolf, als Fünfzehnjährige, am 12. Aug. 1768; Maria Jakobea Wolf, als Dreiundzwanzigjährige, am 16. April 1787.
Die Mutter unseres Niklaus starb am 2. Juni 1773; der Vater Johann Wolf am 28. Juni 1799, 75 Jahre alt. Maria Anna Wolf, die am 2. März 1753 geboren wurde, heiratete Johann Rüttimann in Abtwil, Kt. Aargau, und starb am 1. Mai 1828.
Von diesen zwölf Kindern verdienen ein besonderes Interesse die beiden Söhne Niklaus und Martin.

Damals konnten die Kinder noch nicht, wie es heutzutage der Fall ist, alle Tage in eine öffentliche Gemeindeschule gehen. Es gab eben damals wenig Gemeindeschulen. Dafür nahmen sich gewöhnlich auf dem Land die Geistlichen der Schule an, besonders die Kapläne, die nicht so stark mit der Seelsorge belastet waren. Und die Geistlichen leisteten diese Arbeit freiwillig und unentgeltlich. So gingen auch die Wolfbuben zu dem damaligen Kaplan Schwendimann in Neuenkirch in die Schule.
Dieser Kaplan Schwendimann war vom 12. Aug. 1757 bis 1767 in Neuenkirch, also zur Zeit, wo die jetzige Pfarrkirche von Neuenkirch gebaut wurde. Wir können uns leicht vorstellen, wie die wißbegierigen und geistig regsamen Knaben den Arbeitern zuschauten, bevor sie zum H. H. Kaplan in den gestrengen Unterricht gingen. Und gewiß sahen die Wolfbuben mit Freude das Wachsen der Kirche. Beim H. H. Kaplan lernten sie tüchtig lesen, schreiben und rechnen. Niklaus lernte dazu noch sehr gut Lateinisch und auch etwas Italienisch.
Es ist ein ungerechter Vorwurf, der dieser Zeit oft gemacht wird, als hätte sie viele Talente unentwickelt gelassen oder vergraben. Für die Hauptsache, für das ewige Ziel des Menschen, wurde damals vielfach besser gesorgt als heutzutage. Für die irdische, die eigentliche Schulbildung, legte man das Hauptgewicht auf das zum Leben Notwendigste. Man nahm die Sache praktisch. Und wenn wir aus der damaligen Zeit von nicht weiter gebildeten Leuten z. B. die Schriften, die Kunst des Schreibens, anschauen, so müssen wir geradezu staunen, wie gleichmäßig und schön sie geschrieben haben. Aber noch mehr muß man sich verwundern, wie bei den begabteren Schülern später ihre Talente zum Vorschein kamen und herrliche Resultate zeitigten. So werden wir noch staunen über die Tiefe der Gedanken und der Geistesschärfe des Niklaus Wolf.
 
Der ältere Bruder Martin zeigte Lust zum Studieren. Der Vater war damit einverstanden und schickte ihn nach Luzern. Dabei gab er ihm die strenge, aber sehr wohltuende Weisung mit: „Du darfst in Luzern nur drei Häuser besuchen: Das Gotteshaus, das Schulhaus und das Kosthaus". Unserem Martin hat dieses Rezept sehr gut angeschlagen. Er machte große Fortschritte im Studieren, in den Wissenschaften, aber namentlich auch in der Liebe zu Gott. Mit zwanzig Jahren trat er in den Kapuzinerorden ein und erhielt den Namen Leopold. Er wirkte als musterhafter, heiligmäßiger Kapuziner sehr segensreich: Als gründlich gebildeter Lektor im Orden, als Missionär auf der Kanzel und im Beichtstuhl, als frommer Ordensmann durch Gebet. Besonders tat er Außerordentliches durch die Anrufung des Namens Jesus, so daß Hilfesuchende von weit her zu ihm kamen. Er starb am 20. Mai 1826 auf dem Wesemlin in Luzern. Scharenweise strömte das Volk aus der Stadt und Umgebung zu seiner Leiche und ehrte ihn wie einen Heiligen. Viele wollten eine Reliquie von ihm erhalten und schnitten Stücke von seinem Totenkleid ab, um sie als teures Andenken aufzubewahren.
 
Niklaus war eine andere Laufbahn beschieden. Er mußte zu Hause bleiben und sollte Erbe des väterlichen Berufes und des schönen Hofes werden. Sein Freund und gründlicher Kenner seines Lebens, Pfarrer Ackermann, sagt von diesem Lebensabschnitt Wolfs: „Es ist erfreulich, von des Niklaus Wolfs Jugend nicht mehr sagen zu können, als was der Hauptinhalt und Text der heiligsten Jugendgeschichte zum Muster aller übrigen erzählt: Er wurde im Tempel gefunden; und - er war seinen Eltern untertänig".
Doch gab es in seinem 19. Lebensjahr, im Jahr 1775, eine schöne Abwechslung. Die katholische Kirche feierte ein Jubeljahr. In Gesellschaft mehrerer frommer Männer machte der junge Bauernsohn eine Wallfahrt nach Rom. Freilich war diese in den damaligen Zeiten mit großen Gefahren und Strapazen verbunden. Aber die Pilger wurden in der heiligen Stadt reichlich dafür entschädigt. Der Gottesdienst in der Karwoche, die Majestät der Kirchen, namentlich des Petersdomes, und die Liebenswürdigkeit des Hl. Vaters Pius VI. blieben ihm zeitlebens unvergeßlich. Diese Erinnerungen wurden ihm eine Quelle lebendiger Glaubensfreude und heiligen Pflichteifers. - Der schöne Ablaßbrief auf Pergament befindet sich in den Händen des Verfassers dieser Lebensgeschichte.
Heimgekehrt, ging er mit neuem Mut an seinen Beruf und arbeitete eifrig und pflichtgetreu, frohgemut und zufrieden in Feld und Wald, auf Matten und Wiesen. - Die freien Stunden, namentlich die für den Landmann weniger strenge Winterszeit, benützte er zur Lesung nützlicher Bücher religiösen und geschichtlichen Inhaltes. Oft ging der junge Bauernsohn nach Bero-Münster, um da im alten Stiftsarchiv geschichtlichen Studien obzuliegen. Darum kannte er sich in der Schweizergeschichte so gut aus wie kaum ein zweiter. Gerade diese Studien im Stiftsarchiv von Beromünster zeugen von dem regen Geist des jungen Wolf. Aber er las praktische, belehrende Bücher über Landwirtschaft, Obstbaumzucht, Bienenpflege usw. Er erwarb sich dadurch so viele theoretische und praktische Kenntnisse, daß er sich darin noch im hohen Alter auszeichnete und die Bewunderung vieler erregte.
 
Merkwürdigerweise bereitete ihm das Lesen nicht geringe innere Schwierigkeiten. Wolf gesteht einmal: „Ich hatte viele Mühe dabei, bei Sinnen zu bleiben, auf daß mir nicht das Herz gefressen würde".
Da seine Mutter gestorben war, wünschte der alte Vater, daß Niklaus sich eine tüchtige Hausfrau suche. Der brave Bauernsohn nahm diese für das ganze Leben so wichtige Angelegenheit sehr ernst und betete viel und inständig dafür. Die Gottesfurcht, die seine ruhige Seele beherrschte, hielt jeden Sturm der Leidenschaften im Zaum. Fleischeslust und Geldsucht hatten bei dieser Wahl kein Mitspracherecht.
Niklaus fand eine passende Lebensgefährtin im benachbarten Bauernhaus Neuhaus, Jungfrau Barbara Müller. Die Heirat fand statt am 8. Febr. 1779.
Über fünfzig Jahre lebten sie miteinander in Glück und Frieden. Der Herrgott schenkte ihnen neun Kinder:
1. Anna Maria Barbara Aloysia, geb. 24. April 1780. Diese starb am 10. Aug. 1789.
2. Anna Maria Barbara Aloysia, geb. 3. Sept. 1782.
3. Anna Maria Katharina Barbara Jakobea Crescentia, geb. 31. Jan. 1785.
    Diese starb am 27. Mai 1788.
4. Anna Maria Barbara, geb. 17. Okt. 1786. Sie starb als Klosterfrau in Altdorf 1864.
5. Johann Melchior, geb. 4. März 1788. Dieser starb am 4. April 1788.
6. Johann Franz Niklaus, geb. 2. Aug. 1790.
7. Anna Maria Margaretha, geb. 26. Juli 1791.
8. Ein Knabe, geb. 20. Sept. 1792 wurde von der Hebamme getauft
    und starb gleich nach der Geburt.
9.  Katharina Anna Maria, geboren 12. Aug. 1795.
Vier Töchter und der Sohn Johann blieben am Leben und wuchsen unter der Liebe und Aufsicht der Eltern in Unschuld und Gottesfurcht heran.
Vater Wolf überließ die Kindererziehung nicht der Mutter allein. Er unterstützte die Mutter und nahm selber die Erziehung an die Hand. - Die Hauptsache war die religiöse Erziehung. Täglich besuchte Vater Wolf, der vielbeschäftigte Bauer, mit einem oder mehreren Kindern die hl. Messe in der Pfarrkirche zu Neuenkirch. Er hielt den Kirchenbesuch nicht für Zeitverlust, sondern für Gewinn. Mit Recht sagte er oft:
 
„Wenn der Mensch in der Kirche täglich eine Summe Geldes holen könnte, so klein sie auch wäre, er wäre keinen einzigen Tag zu träge, sie zu holen. Ist denn aber der geistliche Schatz des hl. Meßopfers nicht mehr als Geld?"
 
Der gleiche religiöse Eifer herrschte auch im Familienleben Wolfs. So fortschrittlich er war in der Bebauung und Bewirtschaftung seines Landgutes - keine praktische und bewährte Neuerung wurde ferngehalten -, in der Hausordnung blieb es beim alten katholischen Wesen. Täglich gab es ein Abendbrot für die Seele, indem jeden Abend ein Hausgottesdienst abgehalten wurde. Dieser bestand in Gebet und einer geistlichen Lesung. In der Fastenzeit las man aus einem Betrachtungsbuch über das Leiden Christi, in der übrigen Zeit aus einer Heiligenlegende, an Sonn-und Feiertagen aus dem alten Goffine. Zudem bildete an Sonn- und Feiertagen die sonntägliche Predigt das Tischgespräch, nicht um sie zu kritisieren, sondern um sich zu erbauen. So mußten die Kinder in der Predigt aufpassen, damit sie daraus erzählen konnten.
Streng nahm es Vater Wolf auch mit der Sonntagsruhe. Die ehrw. Schw. Zäzilia B. in M. R. erzählt: „Mein Großvater, Leonz B., hat viel mit Wolf um Schweine gehandelt. Er sagte immer: 'Nie an einem Sonntag kommen!'Da wollte er nicht handeln. An einem Sonntag durfte man ihm nie kommen."
Dabei wurden die Schulbildung und die berufliche Ausbildung der Kinder in keiner Weise vernachlässigt. Vater Wolf unterrichtete seine Kinder selber im Lesen, Schreiben und Rechnen und den Sohn in der landwirtschaftlichen Ausbildung. Und das tat er so tüchtig, daß die Kinder Wolf den andern Kindern der Gemeinde in der Schulbildung weit voraus waren.
Drei Töchter gingen ins Kloster. Vater Wolf hatte eine große Hochachtung vor den Klöstern. Er sagte oft: „Die Klöster sind die Festungen der Religion". Er schätzte sich jedesmal glücklich, wenn er wieder eine Tochter ins Kloster begleiten konnte. Gerne bestritt er für sie den Einkauf, obschon seine Vermögensverhältnisse nur mittelmäßige waren. Er war kein reicher Bauer. Aber er sagte vom Klosterberuf seiner Töchter: „Dieses Glück ist ja mehr als Geldeswert. Die Seelen sind dem Hirten auf die Achseln gelegt, daß sie ihm nicht mehr entrinnen können. Sie sind dem Herrn vermählt; der Bräutigam wird wohl Sorge zu ihnen tragen."
 
Zwei dieser Töchter sind ins Kloster St. Karl in Altdorf eingetreten und wurden fromme Kapuzinerinnen. Schw. M. Theresia Wolf, geboren 1791, trat dort als achtzehnjährige im Jahr 1809 ein und starb 1869. Eine 1919 noch lebende Schwester dieses Klosters, die mit Sr M. Theresia Wolf mehrere Jahre zusammengelebt, bezeugt von ihr:
„Sie war eine heiligmäßige Schwester, die in beständiger Vereinigung mit Gott und mit seinem heiligsten Willen lebte; bei allen Ereignissen pflegte sie zu sagen: ,Es geschehe Gottes heiligster Wille'. Besonders zeichnete sie sich aus durch eine große Liebe zur hl. Armut und bewohnte bis zu ihrem Tod eine der schlechtesten Zellen des Klosters. Dann hatte sie eine große Liebe zu den armen Heidenkindern. Bei allem war sie immer zufrieden und geduldig. Gegen Ende des Lebens verlor sie fast gänzlich das Augenlicht; auf deshalb bezeugtes Beileid sagte sie scherzend: ,Es ist doch gleich, was man auf der Erde sehen kann oder nicht'."

Die andere, Sr. M. Seraphina Wolf, geboren 1786, trat 1810 ins Kloster in Altdorf und starb 1864. In der Klosterchronik heißt es von ihr: „Eine fromme, gutmütige und friedsame Schwester, welche recht viel betete, besonders Schußgebetlein. Sie las auch viel und hatte ein gutes Gedächtnis, das Gelesene zu behalten und wieder zu erzählen, und bereitete dadurch anderen manche frohe Stunde."
Selbstverständlich besuchte Vater Wolf seine Töchter oft. In der Klosterchronik liest man: „Im Jahr 1831 fingen wir auf Anraten des gottseligen Niklaus Wolf an, alle Montage nach dem Examen die Litanei vom heiligsten Namen Jesu zu beten um Erhaltung des Glaubens und um Bekehrung der Sünder". Das war wohl der letzte Besuch.

Die dritte Tochter trat ins Kloster bei den Zisterzienserinnen in Eschenbach, Kanton Luzern. Wir lesen in der dortigen Klosterchronik:
„Dominika Katharina Wolf, Eltern Niklaus Wolf zu Rippertschwand und Barbara Müller. Geboren 12. Aug. 1795. Ihr Vaterstand im Ruf der Heiligkeit. Eintritt 19. Okt. 1815, Einkleidung 26. Mai 1817, Profeß 31. Mai 1818. Sie war zuerst Gehilfin der Küchenmeisterin (1824), und wird 1834 als Krankenwärterin, 1828 als Subpriorin, 1831 als Lehrfrau der Kandidatinnen, 1837 bis 1840 als Kantorin genannt. Um das Jahr 1846 bis 1851 war sie Großkellnerin (Verwalterin), 1861 bis 1868 Priorin. Gestorben am 18. Aug. 1869, 74 Jahre alt, und im 52. ihrer Profeß."
Daß sie eine ausgezeichnete und fromme Ordensperson war, sehen wir aus den vielen und wichtigen Ämtern, die man ihr übertrug.
Die vierte Tochter wurde eine brave, christliche Familienmutter, Frau Marie Bühlmann-Wolf, Gattin des Josef Bühlmann, in Helfenstegen, Gemeinde Neuenkirch. Die Heirat fand statt am 10. Febr. 1806. Von dieser Mutter sind drei Töchter ins Kloster gegangen, die eine bei den Kapuzinerinnen im Bruch zu Luzern, die zweite bei den Benediktinerinnen in Sarnen, die dritte bei den Zisterzienserinnen in Eschenbach. Von dieser wird in der Klosterchronik Eschenbach bemerkt: „Sie war eine Enkelin des gottseligen Niklaus Wolf von Rippertschwand. Geboren 20. Jan. 1818, hatte sie schon mehr als acht Jahre im Kloster zugebracht, als die regierungsrätliche Bewilligung zur Gelübdeablegung erfolgte. Sie war eine ausgezeichnete Organistin, mit Künstlertalent begabt, 40 Jahre, von ihrem Eintritt an bis 1871, Kapellmeisterin. Sie hatte noch zwei Schwestern im Ordensstand." (Ein Beweis, wie damals die Regierung die Profeßablegung verboten hatte.)
Über eine andere Enkelin des frommen Niklaus Wolf berichtet das Nekrologium des Frauenklosters St. Andreas in Sarnen folgendes:
 
Anno 1894, den 16. März, morgens halb 3 Uhr starb die wohlehrwürdige Chorfrau M. Bernarda Bühlmann, von Neuenkirch, Luzern. (Niklaus Wolf von Rippertschwand war ihr Großvater.) Sie war am 15. Aug. 1816 geboren und legte am 8. Mai 1837 die hl. Gelübde ab. Sie war 26 Jahre Lehrerin an der Primarschule, zum großen Segen der Gemeinde. Daneben war sie eine gute Stickerin und spielte früher bei der Instrumentmusik den Baß. Man konnte sie fast zu jeder Arbeit brauchen, und bis in ihre Krankheit beschäftigte sie sich noch mit Laubholzsägen und war unermüdlich tätig. Sieben Jahre verwaltete sie auch das Amt der Priorin. Am 8. Mai 1887 legte sie die goldene Jubelprofeß ab. Sie war eine große Verehrerin der seligsten Jungfrau Maria und nannte sie nur ihre „gute Mutter". Gegen alle war sie nur Güte und Liebe, und keiner Mitschwester schlug sie einen Dienst ab. Ihr größtes Glück war es, andern eine Freude zu machen und alles herzugeben, was für sie nicht dringendes Bedürfnis war. Ebenso war sie eine große Liebhaberin des Gebetes und im Chordienste so eifrig, daß sie am Morgen fast immer die Erste im Chor war. Sie wohnte bis in ihr letztes Lebensjahr immer der Matutin bei. Ihre letzte Krankheit ertrug sie mit größter Geduld und hatte fast beständig ein Muttergottesbild auf ihrem Bett. Ungefähr eine Stunde vor ihrem Tod konnte sie nochmals die hl. Kommunion empfangen und starb am Fest der Sieben Schmerzen Maria sanft und selig. Möge sie nun recht nahe bei ihrer „lieben Mutter" sich ewig der Anschauung Gottes erfreuen!
 
Auch Wolfs einziger Sohn hatte zwei Töchter, die ins Kloster gingen, die eine in Solothurn, die andere in Rathausen. (Nach Franziska-Rosen Nr. 5, Febr. 1919.) - Das Gotteshaus Nominis Jesu in Solothurn schreibt uns:

„Ehrwürden Sr. M. Johanna Baptista Wolf, Kapitularin unseres Gotteshauses, war die Enkelin des so hoch verehrten Niklaus Wolf von Rippertschwand. Geboren den 19. März 1818, legte sie am 28. Nov. 1843 in unserem Gotteshaus die feierlichen Gelübde ab. Sie zeichnete sich durch vorzügliche Eigenschaften des Geistes und des Herzens aus. Von tiefer, inniger Frömmigkeit durchdrungen, war sie stets heiteren und frohen Gemütes. Ein hervorragender Charakterzug von Sr. M. Johanna Baptista war ihre große Herzensgüte. Für alle hatte sie ein liebes Wort, ein gütiges Lächeln. Sie half allen, wo sie konnte. Ihr sonniges Wesen, ihre gewissenhafte Beobachtung der Ordensvorschriften erwarben ihr die Liebe und Hochschätzung ihrer Obern und Mitschwestern. Viele Jahre versah sie mit großer Liebe und äußerster Gewissenhaftigkeit im Kloster das Amt einer Krankenwärterin. - In den letzten Jahren ihres Lebens erblindete sie fast ganz. Sie ertrug das schwere Leiden mit vorbildlicher Geduld und Heiterkeit. Sie starb - reich an Tugend, friedlich, wie sie gelebt - am 20. Jan. 1881."

Der Sohn Vater Wolfs blieb auf dem väterlichen Hof und wurde vom Vater selbst in alle landwirtschaftlichen Arbeiten eingeführt, und zwar so, daß der Sohn schon früh selbständig den ganzen Betrieb leiten konnte.
 

Am 26. Aug. 1811 hatte der Teufel aus einer besessenen Frau zu Vater Wolf gesagt: „Dich kann ich nicht mehr verführen, aber deine Kinder und Kindeskinder". Dieses Wort scheint sich erfüllt zu haben. Der schöne Hof zu Rippertschwand ging 1883 durch mißliche Verhältnisse in fremde Hände über.
 
Das ist in kurzen Zügen ein Bild vom Leben und Wirken des Vaters Wolf im engsten und heiligsten Kreis, in der Familie.
 
Dieser Lebensabschnitt zeigt uns, daß ein gutes Familienleben für das Glück der Kinder und das Wohl des Volkes immer von ausschlaggebender Bedeutung ist. Wenn es daheim in der Familie fehlt, dann können Schule und Religionsunterricht meistens nur halbe Arbeit leisten; ihr Einwirken hat nur kurzen Bestand.
Aber die solide Grundlage für eine glückliche Kindererziehung kann nur die Religion sein. Der Grund ist leicht einzusehen. Infolge der Erbsünde ist das Menschenherz vergiftet, mit schlimmen Neigungen und Anlagen behaftet. Diesen können nur die Gnadenmittel der hl. Religion wirksam entgegentreten. Und eben deshalb darf in der Schule der Religionsunterricht kein Stiefkind sein. Noch viel weniger können konfessionslose Schulen der vergifteten Menschennatur gerecht werden.
Noch eins! In der christlichen Familie dürfen zwei Möbelstücke niemals fehlen: Der Hausschlüssel und der Rosenkranz. Der Hausschlüssel muß dafür sorgen, daß eine gute, christliche Hausordnung herrscht, besonders am Abend, damit die erwachsenen Söhne und Töchter am Abend nicht nach Belieben heimkommen können, oft vielleicht in einem Zustand, daß das Dunkel der Nacht ihnen gute Dienste leistet. Der Hausschlüssel bewahrt vor Unglück und Schande. Und der Rosenkranz hält die Familie zusammen und ruft reichen Gottessegen auf sie herab. So war es in der Familie des frommen Gottesmannes von Rippertschwand.
 

Vater Niklaus Wolf als musterhafter Bürger seines Landes

Wir müssen es dem frommen Gottesmann von Rippertschwand hoch anrechnen, daß er sich von den Mitmenschen nicht absonderte, sondern daß er sich auch um das öffentliche Leben, um das Wohl und Wehe seiner Mitmenschen bekümmerte. Er tat es als Bauer, als Beamter und als Bürger.

 

Niklaus Wolf als Bauer 

Alle Lebensbeschreiber und alle geschichtlichen Aktenstücke bestätigen es: Vater Wolf war einer der fortgeschrittensten und tüchtigsten Bauern weit und breit. Schon äußerlich war er ein echter Luzerner Bauer; er war ziemlich fest und beleibt. Auf den Straßen sah man ihn oft, wie er den Stock quer über den Rücken gelegt und beide Ellbogen eingesteckt hatte. Auch die Tabakpfeife fehlte nicht.
Das Bauern verstand Vater Wolf meisterhaft. Er hatte eben neben der praktischen Erfahrung durch Lesen nützlicher Bücher auch große theoretische Kenntnisse erworben. So konnte er seinen Nachbarn gerade in landwirtschaftlichen Fragen manch guten Rat und viele wertvolle Dienste leisten. Seine große Obstbaumschule z.B. war weit herum im Land bekannt. Viele hundert junge Obstbäumchen sind aus ihr in den Kanton Luzern hinausgewandert.
Und bei aller Tüchtigkeit war er äußerst gewissenhaft. Dafür ein Beispiel. Die Familie Wolf in Rippertschwand hatte etwa sieben Jucharten Land an das Stift St. Leodegar im Hof zu Luzern zu verzehnten. Wie alle Pflichtigen, hatte auch Vater Wolf die ersten drei Jahre der helvetischen Revolution nichts bezahlt. Da erzählt nun der Protokollauszug im Hof folgende Begebenheit: „Nun kommt er (Wolf) und will nachholen, was er versäumt hat. Herr... ist in dieser Hinsicht von ihm ersucht worden, bei den übrigen Anteilhabern die Eintrage zu tun: Ob sie zufrieden seien, wenn er (Wolf) für die drei obigen Jahre drei Malter und dieses zu 20 GI. nachbezahle? Das Anerbieten wurde ohne weiteres angenommen, und zwar mit der Bemerkung: Daß es gut wäre, wenn sich unter der christlichen Herde viele solcher Wölfe befänden."
Das ist ein Fingerzeig für alle katholischen Männer, die im öffentlichen Leben etwas bedeuten, etwas wirken wollen: Sie müssen berufstüchtig sein und ehrlich bis zum letzten Heller.

 

Niklaus Wolf als Beamter

Infolge seiner Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit stand Wolf bei seinen Mitbürgern in hohem Ansehen, sodaß er in der Gemeinde Neuenkirch der allgemeine Ratgeber wurde. Wer in irgendeiner Angelegenheit einen Rat notwendig hatte, ging zu Wolf nach Rippertschwand.
So war es selbstverständlich, daß Vater Wolf auch in die Behörde gewählt wurde.
 
Am 31. Jan. 1798 erklärte sich die Tagsatzung für aufgelöst. Am gleichen Tag ging auch die Selbständigkeit der alten Republik Luzem in Trümmer. Die revolutionären Ideen wurden in die Praxis umgesetzt. Die Räte von Luzern erklärten sich an jenem denkwürdigen Tag als provisorische Regierung. Alle Vorrechte der Geburt wurden abgeschafft. Man ordnete die Wahl von Volksvertretern an; diese sollten mit den einstigen Landesvätern über eine neue Verfassung beraten. - Das Luzerner Landvolk war bestürzt. Nur mit Mißtrauen sah es den neuen Gesetzen und Behörden entgegen.
 
Mitte Februar 1798 fand die Wahl der Volksvertreter statt, und zwar im Städtchen Sempach. Das Viertel Sempach konnte drei Wahlmänner wählen. Gewählt wurden: Niklaus Wolf von Rippertschwand, Johann Peter Genhart in Sempach und Martin Sidler in Nottwil. Von diesen wurde dann als Abgeordneter gewählt Peter Genhart.
Die Helvetik hatte glücklicherweise nur ein kurzes Dasein. Wir wissen zur Genüge, in welch kirchenfeindlichem Sinn sie regierte. Darum stellte sie sich auch sofort in schroffen Gegensatz zum Sinnen und Denken des damals in seiner großen Mehrheit noch gläubigen und kirchlich gesinnten Luzemervolkes. - Die Freiheitsbäume mit den weißblauen Bändern, dem Tellenhut und der Freiheits- und Gleichheitstafel verschwanden nach und nach. Die Begeisterung für die Helvetik erkaltete.
 
1803 wurden im Kanton Luzern durch die Gesetzgebung auch Gemeindebehörden eingeführt. In Neuenkirch wurde 1809 Niklaus Wolf als Nachfolger von Joseph Helfenstein zum Gemeindevorsteher erkoren. Dann 1810 zum Kirchenrat von Sempach und 1822 zum Kirchenrat von Neuenkirch.

Niklaus Wolf wurde auch zum Mitglied des Großen Rates gewählt. - Der Wahlverbal auf dem Staatsarchiv in Luzem berichtet:, Am 7. April 1803, mittags 12 Uhr, versammelten sich die stimmfähigen Bürger des Viertels Sempach in dem Gemeindehaus und wählten die drei Bürger: Xaver Balthasar mit 190 Stimmen, Matthias Wolfisberg aus dem Lohn mit 208 Stimmen und Niklaus Wolf von Rippertschwand mit 220 Stimmen zu Mitgliedern des Großen Rates.
 

Aber unserm Vater Wolf behagte es nicht in dieser Behörde. Der glaubens- und kirchenfeindliche Geist der Helvetik war mit dem Sturz der Helvetik nicht beseitigt; er hatte auch seine Vertreter im neuen Großen Rat. Wolf sprach: „Es kämpfte schon damals im Rat zwischen der alten, ehnwürdigen Staatswissenschaft, die auf Glauben und Religion aufgebaut war, und der neuen kirchenfeindlichen Politik; und es stand zu erwarten, daß die Staatswissenschaft der Alten verstummen mußte."
 
Über diese Zeitverhältnisse äußerte sich Wolf gelegentlich in Freundeskreisen mit folgenden Gedanken: „Die Alten faßten nebst der zeitlichen Wohlfahrt des Menschen vorzüglich sein höheres, geistliches Ziel und Ende, seine ewige Bestimmung ins Auge und machten die Religion zum Hauptziel des Staates. Die Neuerer schienen aber ob der zeitlichen eingebildeten Hoheit und Glückseligkeit die ewige zu vergessen. Und so wie sie einenteils in Religionssachen große Kälte und Gleichgültigkeit an den Tag legten, so waren sie andernteils doch heftig im falschen Mißtrauen und Neid gegen die Kirchengewalt. Statt sich als Diener Gottes zu betrachten, erhoben sie sich, über das Heilige zu herrschen und es ihrer Gewalt und ihren politischen Zwecken unterzuordnen. Ihre Politik schien mir ganz an die Feinde der Religion verkauft oder verraten. Alles zielte mehr dahin ab, niederzureißen als aufzubauen, Lebensgenuß über Gewissenstrost und Schein über Wahrheit zu erheben. Und es konnte mir schon nicht behagen, daß man die Früchte der Erfahrung nicht zunutze ziehen und die Grundsätze des Altertums und der heiligen Religion nicht mehr den Beratungen zugrunde legen wollte."
So tief durchschaute der einfache Bauersmann die Pläne der politischen Neuerer. Und sein Urteil wurde durch die Erfahrungen der folgenden Jahre bestätigt. Fast mit Wehmut schreibt Wolf dann weiter: „Wie sollte auch der ungebildete und unerfahrene Landmann dem Wirrwarr der neuen Politik gewachsen sein? Mir war allemal schwer und bang, wenn ich zu diesem verantwortungsvollen und schweren Geschäft gerufen wurde." - Nicht die Religion sollte in Zukunft die Grundlage des Staates bilden, sondern in vielen Köpfen steckte sogar die Meinung, die Religion sei eine Feindin des Staates, deshalb müsse man sie aus dem öffentlichen Leben verbannen. - Wolf fürchtete, wie er sagte, er müsse im Geist der neuen Staatsverfassung am Unheil des Landes mitarbeiten. Darum wünschte er, je eher desto lieber, seines Amtes enthoben zu werden.
 
In der Großratssitzung vom 27. Okt. 1804 gab er die mündliche Erklärung ab, daß er wieder zu seinem früheren Stand zurückkehren wolle. - Unter dem 5. November des gleichen Jahres schrieb er an die
„Hochgeehrten Herren Amtsschultheiß und Herren des Kleinen Rates.

Mit untertäniger und ehrerbietiger Ehrfurcht, Hochgeachtete Herren Amtsschultheiß und Herren des Kleinen Rats, tun Ihnen jene Erklärung, so ich den 27. Tag 8 bis in der Nachmittagigen Sitzung mich erklärt habe, daß ich dieser meiner Meinung getreu bleibe und ich in meinen vormaligen Stand zurücktrete, also meine abgetretene Stell nach Belieben zu ersetzen. Ich werde also den 27. Xber nicht erscheinen, weillen ich als Austretender nicht kann gewählt werden.
Verbleibe also meinen Hochgeehrten Herren, Herren Amtsschultheiß und Herren des Kleinen Rats untertäniger Diener
Claus Wolf zu Rippertschwand, den 5t 9bris 1804."
 
Die Kanzlei des Großen Rates antwortete ihm unterm 7. Nov., daß er nicht entlassen werden könne und daß er bei den gegebenen Eiden am 27. Xber in der Großrats­Versammlung erscheinen müsse. Am 12. November erhielt Niklaus Wolf den betreffenden Brief. Am 16. und 17. November schrieb er wiederholt an den Rat und bittet und beschwört ihn, daß er ihn doch um Gottes Willen entlasse. Zwei Jahre sei er nun Ratsherr gewesen, und zwar aus Liebe zum Vaterland und nicht aus Ehrsucht. In einem Brief vom 10. Dezember kommt er auf die zwei Entlassungsschreiben vom 5. und 16. November zurück und versichert den Rat, „daß ich der Sehnsucht und der Stimme meines Herzens nach meinem vorigen Stande nicht konnte Widerstand leisten."
 
Aus dieser Stelle erkennen wir, daß ein tieferer Grund ihn bewog, um jeden Preis von seinen Ämtern und Ehrenstellen zurückzutreten. Schon damals regte sich nämlich in seiner Seele etwas Eigenartiges, ein starker Zug zum höhern Glaubensleben. Und dieser Zug entfremdete ihn dem politischen Leben immer mehr. So legte er im Jahr 1805 sein Großratsmandat nieder, trotz Zuredens seiner zahlreichen Freunde, Verehrer und sogar des Ratskollegiums. Ebenso trat er vom Amt des Gemeindevorstehers zurück. Er ahnte wohl kaum, daß seine Person und sein Wirken von dieser Zeit an ein viel größeres, allgemeineres Interesse im engeren und weitern Vaterland finden sollte.
Welch große Ähnlichkeit finden wir gerade hier zwischen unserm Niklaus Wolf von Rippertschwand und unserm nun heiligen Landesvater Niklaus von der Flüe!

 

Niklaus Wolf als Bürger

Damit ist aber nicht gesagt, daß Vater Wolf sich ganz aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen habe. Im Gegenteil! Jetzt übte er in anderer Weise erst recht den größten Einfluß aus auf das öffentliche Leben.
Um das richtig zu verstehen, muß man zuerst einen Blick tun auf die damaligen Zeitverhältnisse.
Die Geister des Tages und der Nacht, Glaube und Unglaube stritten miteinander um die Herrschaft fast in ganz Europa, namentlich auch im Kanton Luzern. Hie Glaube, hie Wissen! Das waren die Schlagworte auf beiden Seiten. Die neue Richtung wollte sich vollständig freimachen von der Macht des christlichen Glaubens und von jedem Einfluß der Kirche. Die alte, die gläubige Richtung suchte in diesen schweren Zeiten in der heiligen Religion Licht und Kraft, Heil und Rettung.
Das Schlimmste und Gefährlichste an der ganzen Sache war, daß viele Geistliche, und sogar tonangebende Geistliche, der neuen Richtung huldigten.
Der Kanton Luzern gehörte damals zum ehemaligen Bistum Konstanz. Auf dem bischöflichen Stuhl von Konstanz saß Karl Theodor Freiherr von Dalberg, ein Kunst und Wissenschaft liebender Prälat febronianischer Richtung. Er hatte nicht die genügende Willenskraft und zu wenig frommen Seeleneifer, wie es damals notwendig gewesen wäre. Darum besaß er auch nicht den Mut, der neuen, dem ganzen Glaubensleben so gefährlichen Richtung entgegenzutreten. Kaum hatte Dalberg sein bischöfliches Amt angetreten, da schilderte ihm der geistesverwandte, religiös ganz links stehende bischöfliche Kommissar und Stadtpfarrer Thaddäus Müller (1762 -1826) in Luzern in einer interessanten Denkschrift die kirchlichen Zustände im Kanton Luzern. Alle kirchentreuen Anhänger, die nicht seiner religiös freisinnigen Richtung huldigten, erscheinen darin als Reaktionäre, Fanatiker, Volksaufwiegler und Nichtstuer. Er verlangte, der Bischof solle gegen diese einschreiten.
Im Jahr 1800, konnte Bischof Dalberg im Gasthof „zu den drei Mohren" in Augsburg den 28jährigen Domherrn Ignaz Heinrich Freiherr von Wessenberg als Generalvikar für Konstanz gewinnen. Dieser war religiös ebenfalls stark nach links gerichtet, war mehr schöngeistiger Schriftsteller als Theologe. Aber Wessenberg hatte einen festen Willen und verstand es, mit den untergeordneten Geistlichen in einem liebevollen, freundschaftlichen Ton zu verkehren. Darum hatte er einen großen, gefährlichen Einfluß. Und er nutzte diesen Einfluß in reichstem Maß aus. Der Bischof ließ ihm dazu freie Hand. Schritt für Schritt verfolgte er das Ziel: Dem Volk und den Geistlichen eine „vernünftige Aufklärung" beizubringen und eine „deutsche Nationalkirche", möglichst unabhängig vom Papst, zu gründen.
Die Liturgie wurde zu einem großen Teil in deutscher Sprache ausgeführt, das Segnen und Beschwören beseitigt, Bittgänge und Wallfahrten verpönt und viele Feiertage abgeschafft. Niklaus Wolf sagte einst treffend: „Dieser Wessenberg ist die Verwüstung der Religion in Menschengestalt".
 
In diesem Geist wurden damals auch die meisten Geistlichen der Diözese gebildet. Die Priesterweihen wurden in Konstanz erteilt. Die Theologieprofessoren in Luzern, die die jungen Priester heranbilden sollten, nannten den Rosenkranz ein „unverständlich Geschrei von nämlichen Worten, wodurch die Seele keineswegs zur Andacht erhoben wird, sondern das Ganze auf das Gemüt der vernünftig Andächtigen einen üblen Eindruck machen muß". Einige wollten die Zahl der Ave Maria jedes Gesätzes auf die Hälfte herabsetzen. Andere meinten, man solle damit aufräumen. - Dereser, seit 1811 Regens am Priesterseminar in Luzern, schrieb: „Der von den Mohammedanern entlehnte, seit dem 10. Jh. eingeführte Rosenkranz trug zur Verdummung des Volkes Gewaltiges bei". - In heiliger Entrüstung schrieb darum einmal Vater Wolf nach Luzern: „Mit Eurer windigen Theologie bringt Ihr unser Volk in die größten Zweifel. Gott möge es Euch verzeihen!" Siehe Dr. Johann Schwendimann: Ratsherr Josef Leu, S. 10f.
 
So kam es, daß Pfarrer und Dekan Häfliger in Hochdorf schon 1798 in einer Predigt von dem „Sanscoulotten Christus" und von der „Bürgerin Maria" sprach, daß Pfarrer Hecht in Pfaffnau erklärte, die Heiligenverehrung und die Lehre von den „Mirakelbildern" stehe im Widerspruch mit der gesunden Vernunft und sei unbegreiflich; daß Pfarrer X. Herzog in seinem „Ehrentempel" 1868, S. 6, beim Tod des Priesters Felix Räber schreiben konnte: „Nach der ersten hl. Messe im Jahr 1818 kam der junge Priester (Räber) nach Menznau zu Pfarrer Unterfinger. Dieser hatte zwar mit Bischof Jenni in Rom studiert, bewahrte aber zeitlebens ein unüberwindliches Mißtrauen, um nicht zu sagen einen kannibalischen Haß gegen Rom, schwärmte für eine demokratische sogenannte Nationalkirche, und obwohl überaus häuslich, erschienen wenige liberale Broschüren, die er nicht ankaufte, so sie nicht zuviel kosteten, und lebte in beständigem Widerspruch oder Kampf gegen sein kirchliches Amt, nicht aber gegen sein Einkommen. Er war ein erklärter Feind gegen alle Mystik, ein ebenso großer Freund der Schulen, wie er dann an einer Schule einen Zettel angeschlagen: ,Hier kann man gut und weise werden'. Ich glaube nicht, daß er über der Kirchentür einen solchen Titel geduldet hätte. Die kirchlichen Segnungen mochte er nicht gut leiden... Unterfinger hielt immer ein Reitpferd, auf dem er, den Kopf im Sommer verschleiert, die Zeitung las, und war überdies, doch mehr aus Ökonomie denn aus Meisterlosigkeit, ein Jäger." - So sah es bei einem großen Teile des Klerus aus.
 
Diese hoffnungslosen Zustände beim Klerus dauerten bis zum Jahr 1815. Am 7. Okt. 1814 wurden von Rom aus große Teile der Schweiz vom Bistum Konstanz abgetrennt. Für diese Teile wurde der Propst von Beromünster, Franz Bernhard Göldlin von Tiefenau, zum Apostolischen Vikar der konstanzischen Bistumsteile der Schweiz ernannt. Er hatte bischöfliche Jurisdiktion, wenn auch keine Bischofsweihe.
Freilich hatte Göldlin zuerst einen schweren Stand. Aber er verstand es, durch seine tiefe Frömmigkeit, seine gründliche Bildung, seine große Charakterfestigkeit, den großen Teil des Luzerner Klerus wieder romtreu zu machen. Der ehemals stark liberale Pfarrer und Dekan Häfliger wurde ein treuer Anhänger und Mitarbeiter Göldlins. Ebenso stand auf seiner Seite Pfarrer und Dekan Stalder in Escholzmatt, der Verfasser des „Schweizer Idiotikons". Namentlich aber fanden die Bestrebungen
Göldlins lebhafte Unterstützung von den drei berühmten geistlichen Professoren Geiger, Gügler und Widmer in Luzern.
 
Dieser Umschwung unter der Geistlichkeit war umso wertvoller, weil die Regierung und ihre Beamten ganz religionsfeindlich waren und danach handelten. Ein genauer Kenner jener Zeitverhältnisse, Pfarrer X. Herzog, schildert in seiner Broschüre: („Einige Bilder aus dem Leben des Josef Leu sel.", Luzern, Räber, 1845, S. 10), die Sachlage folgendermaßen: „Der Staat will die Kirche ausmachen, in geistliche Sachen sich einmischen, während er hingegen alles auf die Seite setzte, was er der Kirche schuldig ist; so ließ man es z. B. gern geschehen, daß an Sonntagen, gerade zur Zeit des nachmittägigen Gottesdienstes die Mannschaft - auch die Christenlehrpflichtige - exerziert wurde, man ließ an Sonntagen alles hingehen auf Straßen und in Wirtshäusern, man machte die Kirche zu einem Rathaus durch Vornahme der Wahlen, durch Verlesung der einfältigsten Sachen unmittelbar vor dem Gottesdienst, aber mit der geflissensten Sorgfalt wehrte man, daß man dem Rathaus ja nicht mit etwas Kirchlichem lästig falle. Aus der Schule wurden die Heiligenbilder nach und nach heraus bugsiert, und man glaubte Gott einen Dienst zu erweisen, durch einen Friedhof hindurch, hart neben der Kirche vorbei und wenn möglich noch durch den Garten und das Land des Pfarrers, eine Straße zu ziehen, gleichviel, wenn sie deshalb abschüssiger und krümmer wurde. Statt eines Kreuzes oder Heiligenstöcklis kam ein Wegweiser oder Stundenstein zu stehen, und wo früher zum Andenken eines Verunglückten eine Tafel gemalt war, mit der Bitte an den Wanderer, für die Seele des Verstorbenen fünf Vaterunser zu beten, da stund nun der Kantonsschild mit einem Rad im Radschuh, mit dem hochobrigkeitlichen Gebot, ja nicht mit Stricken zu spannen; die Obrigkeit gestatte das nicht, sie werde strafen; aber einen Geistlichen auf dem Kirchhof abprügeln, verfing nicht, und es wurde hiefür weder Stöckli noch Mahnung aufgestellt. So suchte eine gewisse Partei - und zwar die jüngere - jener Regierung, in ihrem Instinkt das Licht und den Segen der Kirche durch ihre Aufklärung zu verdrängen, auf daß die Untertanen nur ihr Licht sehen, nur ihre Worte rühmen, nur sie allein anbeten sollen."
 
Noch mehr! Die radikalen Regierungsmänner dieser Zeiten schreckten auch vor Gewalttaten und Ungerechtigkeiten nicht zurück. Man hatte es besonders auf die Klöster abgesehen. So kamen sie im Jahr 1803 mit dem Generalvikar Wessenberg überein, das Kloster Werthenstein zum Wohl des Staates und zum Besten eines Priesterseminars aufzuheben. Der Papst erhob dagegen Einspruch und erklärte das Abkommen für ungültig. - Im Mai 1808 verlangte die Regierung vom Abt des Klosters St. Urban Rechenschaft über die Verwaltung des Klosters. Der Abt verweigerte sie von Gottes und Rechts wegen. Die Regierung setzte den Prälaten in der Nacht vom 4. Nov. gefangen und nahm gewaltsam eine Inventarisation des Klosters vor. - Schon vorher, im Jahr 1799, verlangte die Regierung vom Stift Münster und vom Kloster Eschenbach 5000 Gulden mit dem Bemerken: „Und gebt Ihr es uns nicht in Güte, so holen wir es mit Gewalt!". - Dem Kloster Werthenstein wurden Güllen im Wert von 50 000 Gulden „staatsrechtlich" gestohlen.

Gegen Ende seines Lebens machte Vater Wolf einem vertrauten Freunde Mitteilungen betreffend die Zukunft: Im „Waldstätterboten" 1841, Nr. 4, vom 11. Jan. lesen wir:

„Weissagung des frommen Niklaus Wolf von Rippertschwand, Kanton Luzern. (Note: Diese Weissagung ist keineswegs erdichtet. Der Mann, dem sie gemacht, lebt noch, und auf sein Zeugnis darf mit Bestimmtheit gerechnet werden.) (Leu?) Ein sehr achtungswürdiger Mann, der sich auf einen Besuch zu Niklaus Wolf begab, fragte diesen: „Was haben wir noch Bedenkliches zu erleben?'
- ,lch wenig', erwiderte Vater Niklaus, denn mein Ende ist nahe. Aber die Liberalen und die Neugläubigen werden zunehmen und stärker, ja, Meister werden sie und sprechen alsdann untereinander voller Übermut: Jetzt sind wir am Ende. Da sagt aber Gott der Allmächtige: Jetzt bin ich mit euch zu Ende! und zerbricht sie, wie ein Vater die Rute zerbricht, und wirft sie weg.' - ,Und wie kommt das?'
- ,Das wird also kommen: Es ist etwas in diesen Leuten; sie suchen es sorgfältig zu verheimlichen und zu verbergen. Aber es drängt sie, sie wissen nicht was und wissen nicht wie. Doch es muß heraus, und sie müssen es offenbaren gegen ihren Willen: Das ist ihr Unglaube und ihre Gottlosigkeit. Und so wie es heraus und unter den Leuten ist, sind sie um ihren Kredit und um ihre Herrschaft."
 

Wolfs Einfluß

In diesen religiös so traurigen Zeiten griff nun Wolf ein und wirkte überaus segensreich, teils im Verein mit den romtreuen Geistlichen, teils durch Einwirken auf die katholische Männerwelt. Und weil er durch seine wunderbaren Krankenheilungen viel im Land herumreisen mußte, kam er mit allen Volkskreisen in Berührung und fand so reichlich Gelegenheit, für die religiöse Hebung des Volkes zu wirken.
Gerade bei diesen Krankenbesuche verkehrte er oft mit seeleneifrigen Priestern, besprach mit ihnen die Lage, die Not des Volkes, die Gefahren der Zeit. Dabei munterte er sie auf und begeisterte sie zum treuen Aushalten. Wir haben auch mehrere Beispiele, wo der fromme Wolf laue, vom herrschenden Zeitgeist eingenommene Priester bekehrte und zu treuen Verfechtern der katholischen Religion machte.
Aber besonders große Verdienste erwarb sich Vater Wolf, indem er die katholische Männerwelt für die gute Sache, zum Kampf für die Erhaltung der Religion, begeisterte und unterrichtete. - Bei dieser Gelegenheit muß besonders hingewiesen werden auf das Verhältnis zwischen Vater Wolf und Josef Leu von Ebersol.
 
Pfarrer X. Herzog schreibt in seiner Schrift: („Einige Bilder aus dem Leben des Josef Leu sei.", S. 8) : „Gott hatte ihn (Leu) zum Moses bestimmt, daß er sein Volk befreie aus den Händen der Radikalen. Wohl sträubte sich der bescheidene Schäfer und konnte nicht begreifen, daß er zu so großem Werk tauglich und ausersehen sein sollte. Da schickte ihm Gott einen Führer, einen Lehrer und Freund, den frommen Niklaus Wolf, den Vater aller Redlichen im Land, den Helfer so vieler Kranken, den Mann des Gebetes, des Glaubens und der Kirche.
 
Im Jahr 1819 kam Wolf zum erstenmal in das Haus des Leu, um da eine kranke Tochter zu besuchen; als er (auf dem Heimweg) mit der Mutter außerhalb des Dörfchens war, bemerkte er ihr, er sei wohl aus andern Ursachen hierher beschieden worden, mehr um des gesunden Bruders als um der kranken Schwester willen, denn Gott werde ihn zu großen Dingen brauchen wollen. Von da an kam der fromme Mann mit seinem Rosenkranz und der Tabakpfeife oft und auf mehrere Tage ins Haus. Was alsdann gesprochen wurde, hatte nur die Religion zum Gegenstand, und Josef saß wie Maria zu den Füßen seines ungelehrten Meisters und nahm alle seine Worte tief zu Herzen, liebte ihn sehr und unterhielt sich oft mit ihm, bis der Morgen sie störte. Von da an nahm sein (d. h. des Leu) inneres Leben eine andere Gestalt an; seine Gedanken hoben sich über die Schafe und den Hof hinweg. Ja, er erkannte immer besser, was für ein Schatz in der katholischen Kirche verborgen sei und wie unaussprechlich unglücklich ein Volk sei ohne diese Kirche... Die Freunde Wolfs wurden seine Freunde, und ehe der Jüngling zum Mann herangewachsen, stand er an der Spitze eines Bundes, von dem eine bessere Zukunft für das katholische Volk hervorgehen sollte."
 
Im Kriminalprozeß gegen den Mörder Jakob Müller von Ammann lesen wir S.4f.: „In seinem 19. Altersjahr machte er die Bekanntschaft des sel. Niklaus Wolf von Rippertschwand, Gemeinde Neuenkirch, der mit Recht als ein Vater der Redlichen, ein Helfer vieler Kranken, ein Mann des Gebetes in der tiefsten Fülle des Glaubens an die Offenbarungen Gottes und seiner Kirche, im Andenken des Luzernervolkes fortlebt. Jener Mann gab der religiösen Erziehung seines Lieblings die feste Grundlage und höhere Weihe der Überzeugung; zugleich machte er, wie ein prophetischer Seher der einstigen Kraft, welche Leu im Leben entwickeln werde, ihn auf die Verhältnisse der Gegenwart in der Politik von Kirche und Staat aufmerksam, mit altschweizerischem Patriotismus und altgläubigem Eifer. So wurde Josef Leu in einer Jugend, die sonst in politischen und insbesondere in kirchlichen Dingen leicht und leichtsinnig denkt, ernst, und in ihm erstarkte frühe das Bewußtsein, daß ein Schweizer das Recht und die Pflicht hat, in öffentlichen Angelegenheiten, wie in den häuslichen, im Geist der Wahrheit sich Urteile zu bilden und für die Wahrheit einzustehen."
 
Dreizehn Jahre lang herrschte zwischen den beiden, für den Kanton Luzern so hochbedeutsamen Männern das innigste Freundschaftsverhältnis. Wolf hatte im Haus Leus ein eigenes Zimmer. Die Feinde nannten diese Nächte, wo Wolf und Leu miteinander redeten, Nikodemusnächte. Die heilige Begeisterung und Opferfreude für die katholische Sache ging vom alten Wolf auf den jungen Leu über. Und wenn Leu in den Dreißiger- und Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts die katholische Sache im Kanton Luzern unter den schwersten Kämpfen zum Sieg führte und sich dadurch unsterbliche Verdienste erwarb, so verdanken wir das dem Vater Wolf, der den jungen Leu begeisterte und leitete. Wir können ruhig sagen: Ohne Wolf von Rippertschwand hätte das katholische Luzernervolk keinen Leu von Ebersol.
 
Zu gleicher Zeit schuf Vater Wolf noch ein anderes großes Werk zum größten Segen des katholischen Luzernervolkes. Wolf schuf nicht bloß den Leu, sondern auch die ersten Leuenmänner.

 

Wolfs Gebetsarmee

Die Verfolgung der katholischen Kirche schrieb er dem Satan zu. Gerade dadurch offenbart Vater Wolf die Größe seines Geistes und die Tiefe seines Glaubens. Zu dieser Überzeugung vom mächtigen Einfluß des bösen Geistes kam er durch viele Stellen und Tatsachen in der Hl. Schrift und durch Aussprüche der Kirchenväter.

Wir folgen hier seinem Gedankengang.

Christus nennt den Satan den Fürsten dieser Welt.

Der hl. Völkerapostel Paulus lehrt, daß Satan durch die Kinder des Unglaubens wirke. „Wir haben nicht den Kampf gegen Fleisch und Blut allein zu kämpfen, sondern gegen Fürsten und Gewalten, mit den bösen Geistern unter dem Himmel." (Eph. 6,12.)

Darum ermahnt auch Petrus: „Seid nüchtern und wachsam; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe, suchend, wen er verschlingen könne." (1. Petr. 5,8.).

Dieses Wirken des bösen Feindes ist um so gefährlicher, weil der Fürst der Finsternis sich gerne in einen Engel des Lichtes kleidet.

Der hl. Polykarp kam nach Rom; da begegnete ihm der Irrlehrer Marzion. Stolz fragte Marzion den Heiligen: „Kennst du mich?". Polykarp antwortete: „Ja, ich kenne den Erstgeborenen des Teufels".
 
Vater Wolf hatte auch durch eine jahrlange, vielfache Erfahrung die feste Überzeugung gewonnen, daß der Satan auf Leib und Seele des Menschen einen großen Einfluß ausübe. Darauf machte er seine Mitmenschen mündlich und schriftlich aufmerksam.

Nach Pfarrer Ackermann, dem die Schriften Wolfs vollständig zur Verfügung standen, sprach sich Vater Wolf darüber aus
(Ackermann, S. 103 ff.):
 
„Hat denn nicht Christus den Fürst der Finsternis genannt? Haben denn nicht alle Apostel vor diesem Widersacher gewarnt? Ja, wir haben mit der Welt, mit dem Fleisch und mit dem Satan zu kämpfen. Unter diesen dreien ist aber der Satan der gefährlichste Feind.
Denn es ist dem Teufel gelungen, sich ganz verborgen zuhalten, indem er die Menschen durch den neuen Wind der Lehre glauben machte: Es gebe keinen Teufel.

Dies ist ein gar listiger Betrug, in welchen er die Welt zu führen wußte, daß sie im Stolze ihrer Vernunft das Dasein und Wirken eines Teufels als lächerlich verwerfen. Er hat den Gewinn dabei, daß er ungekannt und ungehindert durch die Kinder des Unglaubens wirken und unter den Schafen Christi als grimmiger Wolf wüten kann. - Und seither, da diesem Feinde diese List gelungen, haben Unglaube und Lieblosigkeit aller Art, Spöttelei über das Göttliche, über die Kirche und ihre hl. Gebräuche und Sakramente und Sakramentalien, Weihwasser, gesegnetes Öl usw. überhand genommen, und ebenso andere Laster, Ungehorsam und Respektlosigkeit gegen Priesterschaft und Obrigkeit... Was ist nun unter solchen Umständen zu tun, als sich an Gott zu wenden, die Sünden zu bereuen, der Kirche Gottes anzuhangen, zu Gott zu schreien und zu flehen im Namen seines innigst geliebten Sohnes um die Gnade des lebendigen Glaubens, eines starkmütigen Vertrauens auf die Gewalt der Kirche wider die Hölle... Dieser Feind beschädigt die Menschen in ihren Glaubensgütern."
 
So schrieb Vater Wolf die Verfolgung der Kirche und der Priester dem Satan zu. Oft sagte er deshalb: „Schone man doch den Feind nicht; man kann ihm nicht Ehre und guten Namen nehmen". Den allgemeinen Haß gegen alles Religiöse nannte er ein Werk der Hölle. Und dieses planmäßige Treiben gegen Kirche und Religion bewog ihn oft zu Tränen, aber auch zum Gebet. Alle Abende brachte er gewöhnlich drei Stunden im Gebet zu, „für die Kirche Gottes, für die Angelegenheiten der Zeit und des Landes, um Abwendung der drohenden Gefahren, um Vereitelung der Absichten der Feinde Gottes und der Menschen, um die Demütigung der Feinde der Kirche".
 
Dann organisierte er eine eigentliche Gebetsarmee. Alle Montage und Freitage begab er sich mit einigen gleichgesinnten Männern an einen abgelegenen Ort, um da im Namen aller und für alle zu beten. Sie beteten mit Vorliebe den schmerzhaften Rosenkranz und die Andacht zu den fünf Wunden Jesu.
 
Die Tätigkeit dieser Gebetsarmee und überhaupt der Freunde Wolfs ist um so bewunderungswürdiger, weil sie eine Zeitlang mit großen Gefahren verbunden war. Es war für jene braven Männer keine Kleinigkeit. Denn Wolf wurde durch die Polizei scharf beobachtet. Und bis zum Sturz Napoleons wurden Hunderte und Tausende von luzernischen Ehrenmännern bei Nacht und Nebel abgefangen und auf die Schlachtfelder von Frankreich und Rußland geschickt. Einen Abschied von den Seinen gab es gewöhnlich nicht mehr, wohl aber meistens ein -Nimmerwiedersehen. Und es ist begreiflich, daß die radikale Regierung mit ihren Polizeiorganen darauf ausging, ihr mißliebige Gegner auf diese Weise unschädlich zu machen. Aber trotzdem wuchs die Gebetsarmee Vater Wolfs von Jahr zu Jahr.
 
Pfarrer Ackermann schreibt in seinem Büchlein: „Josef Leu von Ebersol" (1846), S. 63 ff., wie später auch Leu dazukam:
„Weil Leu einsah, daß für einmal an der Herrschaft des Radikalismus nur Wortkampf nichts ausrichtete, so nahm er Zuflucht zum Gebet. Er begab sich zu Vater Wolf hin, beriet sich mit ihm, schüttete seinen Kummer in des Vaters Schoß aus. Wolf ermunterte zum Gebet, Glauben und Vertrauen, belehrte neuerdings, daß der Feind, der Satan, in die Herde eingefallen sei und wie ein Löwe brülle... Erinnert euch, daß im Himmel schon ein Streit entstanden; Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführt, ward geworfen auf die Erde und hat einen großen Zorn, und er verfolgte das Weib mit dem Knäblein, die heilige Kirche und ging hin zu streiten mit ihren übrigen Kindern."
 
So ermahnte er und stellte sich zum Streit, zum Gebetsstreit, mit folgender Kriegserklärung;
 
„Höre, Satan, samt deinem Anhang! Wir haben uns in Schlachtordnung gestellt. Wir haben uns bewaffnet mit dem Schilde und Panzer unseres Glaubens, mit dem Helm der Hoffnung und des Vertrauens, mit dem Feuer der Liebe Gottes, für seine Ehre... So wollen wir also anfangen; kämpft wacker, ihr Brüder und Schwestern, im Namen Jesu."

In diesen hl. Stunden des Gebetskampfes war es auch, da Vater Wolf dem nach und nach zum Volksführer herangewachsenen Leu den Rat gab: „Wenn man nur die ehrwürdigen Väter Jesuiten
[damals waren sie noch katholisch!] wieder bekommen könnte und dann dazu bessere Gesetze, so wäre es noch möglich, zu erwirken, daß nicht der ganze Strom des Volkes der Hölle zulaufe.
Doch fürchtet die Macht der Hölle nicht. Seid standhaft! Wer auf Gott vertraut, wird nicht zuschanden werden. Er wird euch helfen!"
 
Hier haben wir also den Grund, warum Leu, zur Macht gelangt, die Berufung der Jesuiten an die höhere Lehranstalt nach Luzern durchsetzte. Er erfüllte damit ein Vermächtnis, einen heiligen Wunsch Vater Wolfs. Wir vernehmen das des bestimmtesten auch aus mündlichen Mitteilungen von Nachkommen der Familie Leu. In der schon angeführten Kriminalprozedur gegen den Mörder Leus von Ammann wird diese Tatsache erwähnt. Seiten 18, 22 und 23 heißt es:
„In diesen Tagen war es, daß er der durch den frommen Wolf ihm eingegebenen Idee der Jesuitenberufung ein besonderes Nachdenken widmete. Die Entfernung des hochverdiensten Professors Widmer vom Lyzeum, der im Geist, mit der Liebe und der Kraft eines Bischofs Sailer zum Segen des Kantons und der übrigen Schweiz so vieles gewirkt hatte, und die ihm ebenso auffallende Behandlung seines würdigen Freundes Kaufmann schienen ihm deutliche Beweise, daß unter der gegenwärtigen Regierung ein orthodoxer Professor in die Länge nicht geduldet werde, und daß auch bei einer kirchlich besser gesinnten es keinem Mann gelingen könne, die Unabhängigkeit zu behaupten, wie es nach seinem Ideal ein Lehrer der Theologie und des Kirchenrechts notwendig tun sollte. Darum erinnerte er sich der Wünsche des sel. verstorbenen Wolf mit voller Lebendigkeit und suchte ins reine zu kommen. Die bei ihm vorgefundene Korrespondenz zeigt, mit welcher Ängstlichkeit er über die Leistung des Ordens in der Gegenwart bis in weite Entfernung Erkundigungen einzog... "
 
„Mit Gewalt die Gewalt zu bekämpfen, hätte einen furchtbaren Bürgerkrieg hervorrufen müssen. Gott wollte nicht, daß es geschehe. Jetzt aber glaubte sein treuester Anbeter, den Gedanken, welchen ihm sein väterlicher Freund Wolf eingeprägt hatte, nicht länger denjenigen Rücksichten opfern zu müssen, welche ihm von andern vorgehalten wurden. In einer Petition mit vielen Unterschriften begehrte Leu die Berufung des Jesuitenordens zur Übernahme der Seminarien und des theologischen Lehrstuhls am Lyzeum zu Luzern..."
„Überdies schien ihm besonders in einer Republik, wo die Mitglieder der Wahlbehörden oft wie im Zufall wechseln, was auf die Konsequenz in den Wahlen mächtigen Einfluß übt, und wo zudem keine Besoldungen für Lehrstellen angeboten werden können, welche den ausgezeichneten Lehrer anziehen und sicherstellen, ein Orden notwendig, welcher unerschüttert durch den Wechsel der Regierungsglieder, stark durch sein Gelübde und seine Verbindungen, ausgezeichnet durch seine Wissenschaftlichkeit, den Anfeindungen der Gegner zu widerstehen vermöge. Daß der sei. Wolf ihm prophezeit hatte: ,Es wird schwer halten, die Jesuiten nach Luzern zu bringen', entmutigte ihn nicht; denn er hatte ihm auch gesagt: ,Du wirst es noch erleben'."
 
Erwähnen wir noch kurz die Weiterentwicklung dieser Gebetsarmee nach dem Tod Vater Wolfs. Die vertrauten Freunde Wolfs, vor allem Pfarrer Ackermann in Emmen, suchten im Sinn ihres Vaters weiter zu wirken und hielten anfänglich die gleichen Bettage und Betstunden zum gleichen Zweck wie Vater Wolf. Pfarrer Ackermann machte dann die Anregung, die Gebetsgesellschaft müsse erhalten werden als eine Bruderschaft zur Bewahrung und Belebung des Glaubens, die nach Vater Wolfs Glauben und Beispiel fortfahren sollte, zu beten. Dieser eifrige und gelehrte Priester verfaßte die Statuten; der hochwürdigste Bischof Josef Anton Salzmann genehmigte und empfahl sie. Leu und die übrigen Anhänger Wolfs verbreiteten die Bruderschaft unter das Volk. Später sorgte man auch dafür, daß diese Bruderschaft von Rom genehmigt, mit Ablässen versehen und schließlich in der Pfarrkirche Neuenkirch installiert wurde.
 
So lebt diese Gebetsarmee von Vater Wolf fort bis auf den heutigen Tag. Am ersten Septembersonntag wird dieses Bruderschaftsfest alle Jahre feierlich in Neuenkirch begangen.
 
Als im Alten Bund das israelitische Volk ausgezogen war zum Kampf gegen die Amalekiter, da ging der alte Moses auf den Berg und erhob seine Hände zum Gebet. [Moses betete mit ausgebreiteten Armen!] Und solange er betete, siegten die Israeliten. - Ähnliches sehen wir hier. Während der junge Leu auszieht zum Kampf, zum Schutz von Religion und Freiheit, da erhebt droben in Rippertschwand der alte Wolf seine Hände zu Gott und betet für die Kämpfenden. Und dann reist Vater Wolf überall im Kanton Luzern herum, spendet Trost und Aufmunterung und mahnt zum Gebet. Wenn darum das Luzernervolk in jenen gefahrvollen Zeiten in großer Mehrheit unerschütterlich treu zum katholischen Glauben stand, ja, wenn die katholische Sache im öffentlichen Leben des Kantons Luzern nicht unterlegen, sondern unter Leus tatkräftiger und kluger Führung sogar glänzend zum Sieg geführt wurde, dann verdanken wir das zum großen Teil dem Gebet des frommen Niklaus Wolf von Rippertschwand. Darum müssen wir uns auch nicht verwundern, daß dieser heiligmäßige Mann durch sein so segensreiches Wirken und Beispiel bei allen Kirchenfeinden verhaßt war und bei allen Gutgesinnten im höchsten Ansehen stand und allgemein wie ein Vater verehrt wurde. Niemand ging von ihm weg, ohne belehrt und erbaut zu sein. Er war der bestgehaßte und der meistgeliebte, aber auch der einflußreichste Mann seiner Zeit, und zwar weit über den Kanton Luzern hinaus.
 
Eine Anwendung auf die heutige Zeit liegt nahe. Auch heute tobt ein heftiger und allgemeiner Kampf gegen Religion, Kirche und Priester. Und gewiß hat auch heute der Satan seine Hand im Spiele. Darum müssen wir auch heutzutage zur Rettung der katholischen Sache nicht bloß Kämpfer und Politiker haben, sondern vor allem auch Beter.

Der große Staatsmann Donoso Cortes sagt einmal: „Die, welche beten, tun mehr für die Welt als die, welche kämpfen. Und wenn die Welt vom Schlechten zum Schlechtem vorwärts schreitet, dann geschieht es deshalb, weil es mehr Schlachten gibt als Gebete." - Gerade aus diesem Grund sind auch heute noch „die Klöster Festungen der Religion", wie Vater Wolf sie nannte, eben weil sie Heimstätten des Gebetes sind. Daraus erklären sich auch die beständigen Angriffe aller Gottesfeinde gegen die Klöster. Der Satan arbeitet mit seinen Armeen immer planmäßig.
Noch etwas Wichtiges lehrt uns der fromme Wolf: Bei allen Angriffen ist er unerschrocken. Menschenfurcht kennt er nicht. Und nie ist er verlegen; treffend und schlagend antwortet er auf die Angriffe: Ein herrliches Vorbild katholischer Unerschrockenheit.

 

Der fromme Niklaus Wolf
als großer Wohltäter seiner Mitmenschen.
Wie Vater Wolf zu seinen Krankenheilungen geführt wurde.

Mitten in der Zeit der sogenannten Aufklärung, da weite Kreise des Volkes und der Gebildeten alles Übernatürliche leugnen und alte religiöse Gebräuche und Übungen, wie Prozessionen, Wallfahrten und Bruderschaften abschaffen wollten, erschien in Deutschland ein einfacher Priester namens Gaßner, der im Namen Jesu unzählige merkwürdige Krankenheilungen und andere wunderbare und ganz auffallende Tatsachen zustande brachte. Die ganze gelehrte, politische und auch kirchliche Welt kam darüber in Aufregung. Es erschienen Streitschriften für und gegen diesen frommen Priester. Sein Wirken wurde polizeilich und wissenschaftlich, von Doktoren beider Rechte, von Ärzten, Physiologen und Theologen genau untersucht und bestand die Probe glänzend. Selbst der damals berühmte protestantische Gelehrte Lavater in Zürich wurde um sein Urteil gefragt. Er schrieb unter anderem in seiner Monatsschrift von 1790: „Gaßner? Was ich über ihn sage? Kein Wort. Ich will warten und sage nur: Fakta sind Fakta, und - Ton des spinnwebenen, kalten, seelenlosen Jahrhundert ist's, Fakta mit Räsonnements wegzulächeln."
Später schrieb Lavater mehrere Abhandlungen zur Verteidigung Gaßners. Einmal sagte er: „Die Seele zerschneidet es mir, daß diese Sache, die so deutlich und bestimmt aus den Worten Jesu hervorgeht, im 18. Jh. nach der Geburt des Sohnes Gottes erst noch eine Sache der Untersuchung werden will. Die höchste Unbilligkeit ist es, wenn man, sobald man auf die Sache zu sprechen kommt, sogleich mit den verächtlichen Wörtern: Imagination, Schwärmerei, Fanatismus usw. um sich wirft."

Diese Schriften über Gaßner kamen auch in die Hände Vater Wolfs.
Er las sie mit Staunen und Nachdenken und mit immer größerem Interesse. Die berichteten und bewiesenen Tatsachen machten auf ihn einen tiefen Eindruck, so sehr, daß er nun selbst anfing, sich mit der Frage zu beschäftigen: Die Kraft des Gebetes im Namen Jesu um Abwendung zeitlicher Übel. - Die priesterlichen Segnungen und die Sakramentalien der Kirche kamen ihm immer bedeutsamer vor. Er besprach diese Angelegenheit oft mit einem gelehrten, frommen Priester. Durch dessen Vermittlung bekam er entsprechende ältere und neuere Bücher, die über diese hl. Gebräuche der Kirche handelten und ihren ganz kirchlichen, meist urkundlichen Ursprung darstellten.

Besonders tiefen Eindruck machte auf ihn das Evangelium vom Fest Christi Himmelfahrt (Mk 16,17 u. ff.), wo Christus spricht: „Die Wunder aber, die denen folgen werden, die da glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Sprachen reden, Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden." Und der Schluß: „Der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch darauf folgende Wunder". - Dann auch die Worte bei Johannes 16, 23: „Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird er es euch geben". - So wuchsen in Vater Wolf der Glaube und das Vertrauen, daß der Mensch in allen Anliegen und Nöten an Jesus einen Freund und Helfer habe.
 
Freilich stand er dadurch im Gegensatz zu den vielen aufgeklärten Zeitgenossen, die wenig oder nichts auf diesen kirchlichen Segnungen und Gebräuchen hielten, die nicht selten darüber spotteten. Allein Vater Wolf war durch Gebet und Studium tief innerlich davon überzeugt, und durch sein hohes Gnadenleben, besonders durch fleißigen Empfang der hl. Sakramente war er so befestigt, daß Widerspruch und Spott von seiten der aufgeklärten „Kinder der Welt" und des Zeitgeistes ihn nicht beirrten.
 
Nun führte die Vorsehung selbst einen Entscheid herbei. Vater Wolf bekam Gelegenheit, die Kraft des Gebetes im Namen Jesu an seinem eigenen körperlichen Gebrechen zu erfahren. Er erzählt darüber folgendes:
„Ich litt ein ganzes Jahr an einem Magenübel und Herzklopfen so gewaltig, daß ich beinahe keine Speise mehr vertragen mochte. Das ganze Jahr hindurch wandte ich ununterbrochen ärztliche Hilfe dagegen an, aber vergeblich. Von der geistlichen Heilart hielt mich damals noch Scheu ab. Eines Abends aber, als ich mit meinem geistlichen Vetter neuerdings über das Gebet im Namen Jesu ein kräftiges Wort gewechselt und mich spät zur Ruhe begeben hatte, rief ich, durch mein Übel daran gemahnt - ganz schüchtern noch - den heiligen Namen Jesus dawider an, und - war augenblicklich von allem Schmerz und aller Empfindung des Übels befreit und blieb es." Es geschah 1803.
 
Durch dieses Ereignis wurde in Niklaus Wolf die Überzeugung von der Kraft des Gebetes im Namen Jesu für immer und unerschütterlich befestigt. Dazu kam ein zweites Ereignis; es war im zweiten Jahr seines Ratsherrenamtes, also 1804. Wegen heftiger Fußschmerzen sah er sich genötigt, den Sitzungssaal zu verlassen. Hinkend und unter großen Schmerzen trat er den zweistündigen Rückweg an. Auch da sollte er auffallende Hilfe finden. Er erzählt: „Ich faßte ein Herz und ein allgewaltiges Vertrauen zum heiligsten Namen Jesu und rief ihn wider mein Übel an, und dieses - wich augenblicklich samt all seinen Begleiterscheinungen. Da fuhr es wie Feuer durch meine Seele, und ich konnte nicht genug danken, lobpreisen und bewundern. Mein Herz war freudig bewegt bis nach Hause, und so blieb es noch tage- und wochenlang.
 
Später wagte ich es, weil mein Herz zu voll davon war, wenn in meinem Haus und in meiner Verwandtschaft oder Nähe ein Leiden, eine Not war, vom Namen Jesu, über Glauben und Vertrauen zu reden. Ich betete um Hilfe im Namen Jesu, und sie wurde mir zuteil. Sooft ich anklopfte, wurde mir aufgetan. Ich tat keine einzige Fehlbitte zum Herrn. - Bald wurde es aber weit umher bekannt und weither der Zulauf und die Ansprache um Hilfe zu mir. Ich glaubte es der Ehre Gottes und der Liebe des Nächsten schuldig zu sein, für sie zu beten und den Namen des Herrn für sie anzurufen. Bald wurde dies mein Tagewerk. Ich wurde da- und dorthin gerufen, und wo ich gerufen wurde, ging ich in Gottes Namen."

Sein am 12. März 1788 geborener Sohn Johann war unterdessen zum Mann herangewachsen und hatte gelernt, im Geist des Vaters dem ganzen Hof vorzustehen. So konnte Vater Wolf ihm mit vollem Vertrauen die Leitung der Landwirtschaft und Haushaltung überlassen. Er heiratete am 15. Febr. 1813 mit Ida Ineichen vom Hof Dachsellern in Sempach. Doch diese starb schon am 18. Jan. 1823. erst 31 Jahre alt, im Kindbett. Dieser Sohn Johann heiratete zum zweitenmal am 19. Febr. 1827 Franziska Ineichen vom Stechenrain, Gemeinde Littau.
 
Eine 87jährige, noch lebende Urenkelin, Witwe Barbara Tr.-Br. (ihre Mutter war eine Tochter des Johann Wolf, also eine Enkelin des Vaters Niklaus Wolf) bezeugt: „Meine Mutter hat den Vater Wolf noch gut gekannt. Sie erzählte oft, wie Vater Wolf mit den Großkindern andächtig gebetet habe. Es sind viele Leute gekommen. Er ist mit ihnen in das kleine Stübchen gegangen neben dem Schlafzimmer, und hat mit ihnen gebetet. Besonders viel kam Leu von Ebersol, und dann beteten sie miteinander."
 
Vater Wolf aber schenkte nun seine ganze Lebenskraft den Mitmenschen. Er war und blieb der große, fromme Beter, der allgemeine Ratgeber und Tröster. Und jetzt wurde er noch der große Wohltäter der leidenden Mitmenschen durch seine Krankenheilungen. Wolf war gerade 50 Jahre alt, als er seine Liebestätigkeit im Namen Jesu begann.
 

Wie Vater Wolf seine Krankenheilungen ausführte

Sein Wahlspruch war: „Zur Ehre des heiligsten Namens Jesus, zum Heil der Menschen und zum Sturz der Hölle". - Seine ganze Wirksamkeit im Dienst der Kranken hatte nichts gemein mit dem Treiben gewisser zweifelhafter „Gesundbeter". Das sehen wir aus der edlen, frommen Art und Weise, wie Wolf seine Heilungen ausführte, und dann ganz besonders auch aus der schweren Prüfung, die ihm auferlegt wurde und die er glänzend bestand. Niemals riet Vater Wolf vom Gebrauch der Arzneien oder dem Zuhilfe rufen des Arztes ab. Und obschon er ein Mann der streng kirchlichen Richtung war, wurde er niemals hart oder abstoßend gegen Irrgläubige. Viel Leidenden aus andern Konfessionen, die mit Vertrauen zu ihm Zuflucht nahmen, half er bereitwillig mit seinem Gebete.
 
Wenn nun Vater Wolf zu einem Kranken gerufen wurde, ermunterte er ihn zuerst zum Glauben und Vertrauen auf die Kraft des Namens Jesus. Er sagte ihm: „Gott ist allmächtig, er kann helfen. Er ist unendlich gütig, er will helfen. Und er versprach: ,Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken'. Darum muß Gott helfen; er hat es ja versprochen: ,Bittet, und ihr werdet empfangen'." - Zur Bekräftigung dieser Worte fügte er hinzu: „Stehen diese Worte nicht im Evangelium? Wer will daran zweifeln? Wenn diesen nicht zu trauen ist, wem sollten wir dann trauen? Er hat es teuer und heilig versprochen. Und wenn es nicht möglich ist, daß nur ein Sonnenstäubchen groß Unvollkommenheit, Untreue oder Unwahrhaftigkeit ihm ankleben könne."
 
- Dann betete er mit ihnen gewöhnlich die drei göttlichen Tugenden und fünf Vaterunser, Ave Maria und den Glauben, dann das schöne Gebet: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin." Sodann ermahnte er sie, gesegnete Sachen zu gebrauchen. Dann bezeichnete er sie und die Kranken mit Weihwasser im Zeichen des Kreuzes und ermahnte sie nochmals zum Gottvertrauen, zum Vertrauen auf den hl. Namen Jesus und die Allmacht, Weisheit und Güte Jesu. Endlich verrichtete er dann ein eigenes Gebet zum Namen Jesu. Ein großes Vertrauen hatte er auf den Englischen Gruß. Und gerne half er während des Betenläutens den Kranken. - So half Vater Wolf in tausend und tausend Fällen, heilte alle möglichen Krankheiten, und zwar sehr viele, wo alle ärztliche Hilfe machtlos gewesen war.

 

Einige Beispiele merkwürdiger
Gebetserhörungen und Krankenheilungen

In Emmenwald, einem der ältesten Gehöfte der Gemeinde Neuenkirch, war zur Zeit Pfarrer Schniepers (von 1793 bis 1815 Pfarrer in Neuenkirch) die Frau des Josef Tanner zum Tod krank; sie war vom Arzt aufgegeben und vom Pfarrer auf den Tod vorbereitet. Da wurde Vater Wolf gerufen. Er betete über sie, ermahnte sie zum Glauben und Vertrauen. Frau Tanner wurde zur selben Stunde vollkommen gesund, verlangte und aß eine starke Suppe mit andern Speisen und begab sich sodann wieder an die Hausgeschäfte, als hätte ihr nie etwas gefehlt. Als der Pfarrer sie bald darauf wieder besuchen und zum Tod stärken wollte, verwunderte er sich dermaßen, daß er in Zukunft dem gläubigen Gebet und Wirken im Namen Jesu alle Ehre widerfahren ließ.
 
In Rothenburg lebte der 17jährige Schmied Schmidli. Stark Lungenschwindsüchtig, hatte er mehrere ausgezeichnete Ärzte in Luzern und Zürich konsultiert. Keiner konnte ihm helfen. Weil von liberaler Gesinnung, wollte er zuerst nichts wissen von Niklaus Wolf. Schließlich, auf Anraten einer Mutter, nahm er doch Zuflucht beim frommen Vater Wolf. Den Weg von Rothenburg bis Rippertschwand, etwa fünf Kilometer, legte er in zwei Stunden zu rück. Niklaus Wolf gab ihm unter anderem fünf andächtige Vaterunser für den Heimweg zu beten auf. Zudem schärfte er ihm ein, dabei nichts anderes zu denken. Unterdessen wolle er, Vater Wolf, für ihn beten. Als Schmidli nach Hause kam, war es bedeutend besser mit ihm, und schließlich wurde er von der Schwindsucht befreit. Er heiratete, bekam mehrere Kinder und wurde über 60 Jahre alt. - Das erzählte sein eigener Sohn, der längere Zeit in Luzern lebte.
 
In St., Kirchgang G., Kanton Luzern, lag eine Frau an der Gicht so gefährlich krank, daß selbst der Arzt alle Hoffnung zur Wiederherstellung verloren hatte. In dieser Not kam man auf den Gedanken, Vater Wolf kommen zu lassen. Er weigerte sich zuerst. Da bat man ihn um Gotteswillen. Wolf ließ sich bewegen und ging. Am Ort angelangt, begab er sich sogleich zur Kranken und verrichtete ein Gebet. Nach vollendetem Gebet war sie gesund und verließ das Bett.
 
In M. wurde er zur Dienstmagd eines ansehnlichen Güterbesitzers gerufen. Aus Nächstenliebe und auf wiederholte Bitten ging er, viele Stunden weit, hin. Die Person lag bereits mehrere Tage in Todesgefahr. Wolf betete etwa fünf Minuten lang still, und wie sein Gebet beendet war, war auch die Krankheit gewichen. Die Dienstmagd genoß viele Speisen ohne Belästigung und kehrte zu ihren Arbeiten zurück. Der Geistliche des Ortes, der sie besuchen und zum Tode vorbereiten wollte, kehrte verwundert und Gott lobend wieder nach Hause zurück.
 
Eine andere Person war vierzehn Jahre lang alle Jahre, gewöhnlich vom hl. Martinstag bis zum Maimonat des nächsten Jahres, krank und mußte das Bett hüten. Alle möglichen angewendeten Arzneimittel brachten keine Heilung, obschon man keine Kosten scheute. Endlich nahm man Zuflucht zu Vater Wolf. Er besuchte sie, ermahnte sie zum Glauben und Gottvertrauen und betete eine halbe Stunde lang für sie, und die Person wurde vollständig gesund.
 
Eine Kranke, bei der man nach Ortsgebrauch schon zweimal die Nachbarn zu den letzten Zügen herbeigerufen hatte, wurde durch sein Gebet in wenigen Minuten wieder ganz hergestellt.
 
Jemand hatte sich mit siedendem Wasser die Glieder überschüttet und so fest verbrannt, daß beim Ausziehen der Kleider auch die Haut mitgerissen wurde und schnell eine starke Entzündung eintrat. Es geschah in Wolfs Nachbarschaft. Sogleich wurde Vater Wolf gerufen. Er eilte hin, betete, ließ die Wunden mit gesegnetem Öl salben, und innerhalb fünf Minuten war die Entzündung behoben, der Schmerz gestillt, sodaß die Person sogleich ihrer gewohnten Arbeit (Garnsechten) nachgehen und nach vier Tagen eine kleine Reise machen konnte.
 
Einem Kind dem ein Bruch ausgetreten war, und der schon die schwarzbraunen Zeichen des Brandes hatte, bewirkte er in einigen Minuten das Zurücktreten des Bruches und die volle Gesundheit.
 
Einem Hufschmied in E. war während der Arbeit ab dem Amboß ein Stück glühendes Eisen ins Auge gesprungen und hatte den Augapfel durchschnitten. Der Schmerz war ungeheuer. Ärztliche Hilfe konnte keine Linderung bringen. Endlich holte man Vater Wolf mit dem Fuhrwerk ab. Nach einem kurzen Gebet war der Hufschmied vom Schmerz befreit und genoß zwei Tage und zwei Nächte lang einen erquickenden Schlaf.
 
Hauptmann R. von S., war seit mehreren Jahren von der Fallsucht heimgesucht. Inländische und ausländische Ärzte wurden zu Hilfe gerufen. Das Übel wurde immer ärger; oft kamen die Anfälle zweimal am Tage vor, und nie blieben sie länger als drei Monate aus. Im Jahr 1828 wandte er sich an Niklaus Wolf. Dieser machte ihn auf die wunderbare Kraft des Namens Jesus aufmerksam; mit Glauben und Gebet im Namen Jesu solle er sich dem Übel entgegensetzen; es werde ihm nicht mehr kommen. Der Hauptmann sagte ihm, auf Anraten vieler habe er sich von Wein und hitzigen Speisen enthalten und von Zeit zu Zeit zu Ader gelassen; ob er das auch wieder tun müsse. Wolf antwortete: „Nein! Macht von Speise und Trank den Gebrauch, den euch die Vernunft für das Leben erlaubt; auch braucht ihr nicht mehr zu Ader zu lassen. Das Übel kommt euch nicht mehr; der Name Jesu ist stark genug." Und tatsächlich blieb das Übel aus; der Herr R. erfreute sich der besten Gesundheit.

Im gleichen Jahr war zu H. im Kirchgang N. eine Frau am Friesel krank. Da die Todesgefahr zu fürchten war, wurde sie mit den hl. Sterbesakramenten versehen. In der höchsten Not wurde Vater Wolf gerufen. Er war gerade in Menznau. Wie er sich dem Haus näherte, stieg die Gefahr aufs höchste. Wolf munterte sie auf zum Glauben und Vertrauen, und besonders empfahl er ihr das Vertrauen auf die Fürbitte des hl. Franz Xaver, dessen Festoktav eben gefeiert wurde. Und die Frau wurde ohne weiteres Gebet, nur durch die Erweckung und Übung des Glaubens und Vertrauens sofort gesund.

Auch solche, die mit Versuchungen zur Verzweiflung und zum Selbstmord geplagt und gefährdet waren. Wahnsinnige und andere mit leidenschaftlichen Übeln Geplagte heilte er mehrere.

Ein Mann aus Hubenfang, Gemeinde Rothenburg, begab sich zu Niklaus Wolf, um Rat zu holen. Auf dem Wege dorthin kniete er im Wahligerwald bei einem Helgenstöckli nieder und betete fünf Vaterunser. Nachher ging er zu Vater Wolf. Beim Abschied sagte Wolf zu diesem Mann: „Macht dann beim Helgenstöckli im Wald wieder das gleiche, das ihr auf dem Hinweg gemacht habt." Der Mann hatte doch dem Wolf nichts gesagt von diesem Gebet.
 

Pfarrer Ackermann, der 16 Jahre lang mit Vater Wolf befreundet war, dem der ganze schriftliche Nachlaß von Wolf übergeben wurden, bezeugt: „Ein großes Buch wäre zu klein, um all die wunderbaren Heilungen aufzuzählen, die Wolf im Lauf von 26 Jahren gewirkt hat". Und er fügt treffend hinzu: „Es würde auch für die Bewahrheitung der Sache ohne Nutzen sein. Denn die Macht des gläubigen Gebetes steht in einem Dutzend Beispiele so herrlich da als in Hunderten. Die Zahl tut ja nichts zur Sache, sondern der Glaube. Hören sie Moses und die Propheten nicht, so würden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten auferstehen würde. Wenn alles zehnfach bewiesen und bezeugt wäre, würde es von Feinden der Sache doch nicht geglaubt." (Ackermann, S. 76.)
 
Ebenso segensreich wirkte Vater Wolf durch seine Besuche und Ermahnungen auf das Seelenleben ein. Seine ernsten, liebevollen Ermahnungen bewegen Ungezählte zur Sinnesänderung und Lebensbesserung. Viele belebte und stärkte er im Glauben. Er erfüllte für seine Zeit eine wahrhaft providentielle Aufgabe; er übte ein höchst heilsames und fruchtbares Apostolat aus. Vater Wolf war in seinerzeit ein Mann der katholischen Aktion, wie wir ihn uns nicht schöner denken können.
 
So kamen aus den Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Untenwaiden, Zug, Solothurn, Bern und Aargau zu jeder Tageszeit Hilfesuchende nach Rippertschwand. Oft reiste er selber auf dringendes Verlangen von Ort zu Ort. Oft gab er briefliche Anweisungen. - Als er einmal auf Besuch war in Luzern, sagte er: „Wenn ich Priester wäre, wollte ich mit dem Glauben Berge versetzen". - Wie ein Engel der Liebe ging er über Berg und Tal, bei Hitze und Kälte, bei Wind und Wetter. Dabei war er immer heiter und fröhlich. Und das alles tat er immer unentgeltlich, ohne je einen Lohn, eine Entschädigung anzunehmen.
 
Zu seiner eigenen Verwunderung begegnete es ihm oft, wie er erzählte, auf seinen Reisen, daß er vom Haus fortging, in der Absicht dahin zu gehen. Auf dem Weg bekam er einen unwiderstehlichen Trieb, einen andern Weg zu gehen, einen andern Ort zu besuchen. Und jedesmal hatte an diesem zweiten Ort eine noch dringendere Not auf ihn gewartet.

Ein Verzeichnis seiner Heilungen wurde weder durch ihn selbst, noch durch andere veranlaßt. Denn er tat nie etwas, damit es bekannt werde; niemals suchte er nur im geringsten seine Ehre, sondern immer nur die Ehre des Namens Jesus.
 
Oft kam es vor, daß Kranke nicht zu ihm kommen konnten und er sie auch nicht besuchen konnte. Über die Behandlung dieser Patienten sagte Vater Wolf: „Ich wies ihnen eine Stunde an und ließ sie ermahnen, sich in dieser Stunde mit mir und den Meinigen im Gebet zu vereinigen - im Glauben der heiligen katholischen Kirche. Besonders sollten sie die göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe erwecken, die Reue und Leid; dann ferner mit Gebet sich der Fürbitte der Mutter Gottes anempfehlen und auf dieselbe sowie auf den hl. Namen Jesus Vertrauen fassen. Sie sollen denken, es sei in der Kirche Gottes Kraft genug, sie von ihrem Übel zu befreien, wenn es nicht zum Tod oder für ihr Seelenheil notwendig und nützlich sei. Für jeden Fall sollen sie mit großem Vertrauen beten; denn im ersten Fall helfe es zu einem seligen Tod, im zweiten werden sie viel Erleichterung finden im Gemüt und solches mit desto größerer Geduld ertragen, das Leiden Christi mit größerer Inbrunst betrachten, sich desto eifriger dem Willen Gottes ergeben. Sie sollen also ungezweifelte Hilfe erwarten durch den hl. Namen Jesus; wir (er meinte sich und die Seinigen) werden in dieser Zeit für sie beten und den hl. Namen Jesus über sie anrufen. Sie (die kranke Person) soll sich aber nicht irren und von uns Hilfe erwarten, sondern nur durch den hl. Namen Jesus. Auch soll sie öfters gesegnetes Wasser gebrauchen, mit Andacht, Gebet und Vertrauen; alle Speise und Trank damit segnen, Zimmer und Liegestatt ebenso."
 
„Viermal", erzählte er, „waren die Übel von solcher Art, daß sie noch schleunigere Hilfe forderten; z. B. in übergroßen Schmerzen, Geburtsnöten usw. Da schritt ich natürlich sogleich, ungeachtet der Abwesenheit vom Leidenden, zum Gebet - mit großem Eifer, Inbrunst und starkem Glauben im hl. Namen Jesu, und gar oft war den Leuten in derselben Stunde besser geworden."
 
„Gott kann ja helfen; Gott will helfen: Warum sagt man's denn ihm nicht? Warum klagt man's lieber den Menschen, die nicht helfen können?" So ermunterte er in der Zwischenzeit oft zum Gebete und Vertrauen.
 
Er hatte keine andere Absicht in seinen Heilungsgebeten, als „zur Ehre Gottes und des Namens Jesus, zur Beschämung der Hölle und zum Heile der Seelen zu wirken"; und er ermahnte die Leute stets dazu, die Gesundheit nicht zu mißbrauchen.
 
Und wenn dann Gott half, augenblicklich half, sprach er: „Gott hat es getan, nicht ich; will man Gott Einsprache tun?"
 
„Allerwenigstens", sagte er, „wird doch Milderung der Schmerzen erlangt. Und wenn von hundert Pfund Schmerzen nur neunzig Pfund weichen, die gewöhnlich vom Satan gewirkt sind, um den Menschen zur Ungeduld zu bringen, so sei schon damit wohl die Mühe belohnt und viel gewonnen, daß der Mensch nunmehr mit Ergebung leide."
 
Von Wahnsinnigen erzählte er: „Oft hat sich ereignet, daß solch verwirrte Personen in so große Wut ausgebrochen, daß der stärkste Mann nicht imstande war, ihnen nur ein Glied festzuhalten: Dann trat etwa ein Gläubiger hinzu, der an leiblichen Kräften weit zurückstand, und setzte sein Vertrauen auf die Kraft des heiligen Namens Jesus, ergriff die Glieder des Wütenden und gebot der Wut im Namen Jesu Einhalt, und siehe, alle Kraft derselben war weg. Denn der Name Jesus ist ein Name über alle Namen, in dem sich alle Knie beugen im Himmel, auf Erden und unter der Erde."

Bei einem solchen wahnsinnigen Menschen, der zur Verzweiflung angefochten war und für dessen Heil man Wolf um sein Gebet angefleht hatte, grüßte er auf besonderen Antrieb den Schutzgeist der Person und seinen eigenen Schutzgeist und alle Schutzgeister des Hauses und bat sie, ihm zu helfen, den hl. Namen Jesus da zu verherrlichen, den Feind zu schanden zu machen und die Person von diesem Übel zu befreien. Er betete zu diesen Himmeisfürsten, dann aber vorzüglich zu Gott durch Jesum und seine unendlichen Verdienste. Die Person bekannte, während diesem Gebete frei geworden zu sein: „Es sei wie ein ganzer Berg von ihr gewichen".
 

Die noch lebende 87jährige Witwe Barbara Tr.-Br. in L. bezeugt: Meine Mutter Ida Wolf, Tochter des Johann, erzählte: „Einst wollte eine Frau zu meinem Großvater (Niklaus Wolf). Meine Mutter ging mit ihr in das Stübchen. Ich durfte als Mädchen mitgehen. Vater Wolf grüßte sie. Die fremde Frau antwortete ganz trotzig. Dann sagte er zuerst den Lobspruch. Sie gab darauf keine Antwort. Er fragte sie: ,Was fehlt Ihnen?' Sie sagte: ,Jetzt will ich es Ihnen sagen. Ich kann nicht mehr andächtig sein; ich kann nicht mehr beten. Und wenn ich in die Kirche gehe, sollte ich immer fluchen und wüst reden. Jetzt hat mich jemand aufgewiesen, ich solle zum Niklaus Wolf gehen und es ihm sagen.' Da sagte Vater Wolf zu mir (dem Mädchen Ida): ,lda, geh, hol das Weihwasser herein'. Ich ging und holte in einem Geschirr Weihwasser. Da kam das „Weibervolch" auf mich zu, wehrte mit beiden Händen und schlug mir das Weihwasser aus den Händen auf den Boden. Da fürchtete ich mich. Vater Wolf aber sagte zu mir: ,Du mußt keine Angst haben'. Und zur Frau sagte er: ,Und ich befehle dir im Namen Gottes, daß du das Mädchen in Ruhe laßt!'. Darauf sagte er zu mir: ,Gehe jetzt hinaus und hole noch einmal Weihwasser'. Ich ging und brachte wieder Weihwasser. Wiederum machte das Weib mit beiden Händen ganz aufgeregte Bewegungen gegen das Weihwasser. Vater Wolf aber sagte zu ihm: ,lch befehle dir im Namen Gottes, daß du ruhig bist und das Weihwasser sein laßt!'. Da konnte ich das Weihwasser schön in den Händen halten und es abstellen. Der Vater gab der Frau Weihwasser. Ich ging dann hinaus, aber horchte an der Türe. Und er betete andächtig, und sie betete mit. Eine Zeitlang beteten sie miteinander. Nachher ging die Frau heim. Einige Tage nachher kam ein Herr, ich weiß nicht, ob es der Mann oder der Bruder jener Frau war, um dem Vater Wolf zu danken."
 
Daß diese Tatsache Glauben verdient, sehen wir aus nachstehender Beurkundung. (Weil der betreffende Herr noch lebt, führen wir nur die Anfangsbuchstaben an.)
 

Beurkundung
Unterzeichneter J. L. B., wohnhaft zu K. in Rothenburg, Urenkel des frommen Nikolaus Wolf von Rippertschwand, bezeugt hiermit, von seiner Mutter, Ida Wolf, die eine Tochter des Johann Wolf, des Sohnes des Nikolaus Wolf von Rippertschwand war, folgendes vernommen zu haben:

1. Sie sei dabei gewesen, als man eine Besessene zu ihrem Großvater Nikolaus Wolf gebracht habe.
2.  Die Person sei sehr wild und aufgeregt gewesen.
3.  Die Besessene habe den Tisch in der Stube umgeworfen, sodaß die Füße des Tisches oben waren und die Tischplatte unten.
4.  Nikolaus Wolf habe der Besessenen im Namen Jesu befohlen, den Tisch wieder aufzustellen, und diese habe es getan. Vater Nikolaus Wolf habe hierauf angefangen, über die Besessene zu beten; sie aber (Ida Wolf) habe die Stube verlassen müssen.
5. Als diese Person fortging, war sie ganz ruhig.

Rothenburg, den 28. Sept. 1932. L.J.B.
Die Unterschrift des L. J. B. erfolgte in meiner Gegenwart und wird hiermit als echt beglaubigt.              
Rothenburg, den 28. September 1932.
Per Gemeinderatskanzlei:  Der Gemeindeschreiber: Wildisen.

 

Die beeidigte Teufelspredigt

Im Anschluß an diese Begebenheit fügen wir eine Teufelsbeschwörung an, die unter dem Namen Teufelspredigt unter dem Volk weit und breit bekannt wurde. An der Echtheit kann nicht gezweifelt werden, da Vater Wolf sie selber aufgeschrieben und von Zeugen hat beglaubigen lassen. Auch versicherten mir alte, direkte Nachkommen des Vaters Wolf, wie ihre Großeltern, die dabei waren, oft davon erzählten.
 
Die Urenkelin, Jungfrau A. W. in S., bezeugte dem Verfasser dieses Büchleins am 14. März 1932: Mein Onkel, Jgl. Josef Wolf, Sohn des Joh. Wolf-Ineichen, hat den Vater Niklaus Wolf noch gut gekannt und hat oft von der Teufelspredigt erzählt; wie die besessene Frau laut geschrien habe; wie viele Leute um das Haus herumgestanden seien und zugehört haben. - Zudem erinnert sich der Verfasser dieses Büchleins selber, wie alte Leute von dieser Teufelspredigt oft und oft erzählt haben. Einmal hatte ich auch eine uralte, ganz vergilbte Handschrift davon in Händen. Die reichlichst vorhandene Tradition bürgt für die Echtheit dieser Teufelspredigt. - Zum leichteren Verständnis fügen wir einige Einteilungsstichworte ein. Diese befinden sich natürlich nicht im Urtext.
Der Teufel hat aus einer besessenen Person folgendes und noch mehr geredet. Ich muß dir etwas sagen. (Ich sagte: Sage, was dir Gott zu sagen befohlen hat; was er dir nicht befohlen hat, zu sagen, darüber schweige. Dies habe ich öfters wiederholt.)

Verführung zum Unglauben

Ich muß dir sagen, wie wir die Menschen verführen zu dieser Zeit. Wir geben den Menschen ein: Es ist nicht so, wie man lehrt und glaubt und die Alten geglaubt haben. Dummheit ist das; es ist unfaßlich; die wahre Religion ist nicht so. Man muß die Vernunft anhören; das Papier nimmt alles an usw. Was man nicht begreifen kann, muß man nicht glauben; dann verwerfen sie die geoffenbarte Religion und machen sich selbst eine. Denn es ist ihnen leicht, zu sagen: Es ist kein Gott, tot ist tot, das ist Weiberglauben, Torheit ist das. Ich will Reichtum sammeln, auf welche Art ich kann; ich will Wollust und Freuden auf dieser Welt geniessen nach meinem Verlangen, und alles tun, was ich will usw.
 

Fürbitte der großen Frau   [die Gottesmutter Maria]

Was die Verehrung und Fürbitte der großen Frau * betrifft, geben wir den Menschen ein: Was nützt das? Das ist nicht das Wesentliche. Man muß beim Wesentlichen bleiben. Sie verstehen nicht, daß sie das Wesentliche dadurch verlieren; auch daß der Allerhöchste sie liebt, wie sich selbst. Ja, wenn sie nur ein Wort bei dem Allerhöchsten darbringt, so geschieht alles, was sie verlangt. Der Rosenkranz ist das vornehmste Gebet. Nur ein einziges Ave Maria gelangt bis an den Reinigungsort, bis an den Ort der Qualen; denn wenn ein Mensch sagt: Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnaden!, so freut sich die große Frau, und wir geraten in Schrecken. Wir geben ihnen ein: Der Rosenkranz nützt nichts, das geschieht aus Gewohnheit, das ist ein Plapperwesen, ein altes Weibergebrumse; das ist nicht das Wesentliche; man muß andere Gebete nehmen. Der Rosenkranz ist ein großer Schrecken der Hölle, auch das Skapulier ist das nämliche. Schon viele haben Gnade gefunden, nur weil sie den Skapulier getragen haben. Wir sagen ihnen: Was nützen diese Blätzli? Das gleiche betrifft auch die Bruderschaften. Viele haben Gnade gefunden, nur weil sie in die Bruderschaften eingeschrieben waren. Dieses alles zu zerstören, ist unser Werk. Der böse Feind spricht den Namen Maria nicht aus, er nennt sie „Die große Frau."
 

Festtage

Auch ist es unser Werk, die Festtage aufzuheben, mit sagen: Was nützt dies? Es sind ja Tage der Üppigkeit und der Verschwendung; es ist ja besser, diese Tage werden abgestellt. Viele würden an diesen Tagen ihre Andacht machen, dem Gottesdienst beiwohnen, und zögen die Barmherzigkeit des Allerhöchsten herab. Wir gewinnen viel dabei. Wir greifen hauptsächlich die Großen an; wenn wir diese haben, so folgen ihnen die Kleinen nach. Auch sagen wir ihnen: Es ist alles natürlich; der Teufel hat keinen Einfluß. Hauptsächlich greifen wir in diesem Fall die Priester an und sagen ihnen: Der Teufel hat keinen Einfluß, besonders aber auf körperliche Dinge. Sie bedenken nicht, was für eine Gewalt sie in ihrer Weihe empfangen haben, auch was ihre Mutter, die Kirche, jederzeit geglaubt und getan hat; auch was sie für Kraft den Dingen beilegen, welche sie segnen. Sie sollten es doch aus der Wirkung erkennen, welche solche Sachen hervorbringen, wenn sie mit Glauben und Vertrauen, mit einem demütigen Gebet und mit bereuendem Herzen gebraucht werden. Auch sagen wir: Der Teufel ist an die Kette gebunden, er kann ja nichts machen. Weißt du, wie wir gebunden sind? Damit wir unsere Raserei an den Menschen nicht nach unserer Wut ausüben können. Aber nach dem großen Tag können wir unsere Wut schon ausüben. Gebunden sind wir nicht, daß wir euch nicht an Seele und Leib versuchen und anfechten können. Weißt du, warum derjenige, welcher ob uns ist, dies zugelassen hat? Wie könnte sein Name verherrlicht werden, wenn kein Sieg in seinem Namen gemacht werden könnte? Auch kann Luzifer nicht aus der Hölle, bis zur Zeit des Antichristus.
 

Predigt

Bei der Predigt verhalten wir uns so: Wir machen, wenn wir können, daß der Prediger nach der neuen Mode predigt. Bei den Zuhörern verhalten wir uns so: Wir sagen zu den Großen: Was willst du in diese Predigt gehen? Du weißt ja schon, was du tun sollst. Auch ist es nicht, wie der Prediger sagt; es ist nur für Dumme, Einfältige, um sie zu betören und in einer gewissen Ordnung zu halten. Bei den Gemeinen machen wir, daß sie selber nicht mit genügsamer Vorbereitung anhören, daß sie zu einem Ohr ein- und zum andern ausgeht. Wenn die Menschen die Predigten mit rechter Vorbereitung und Demut anhörten, was für Nutzen für sie und was für Schaden für uns es wäre, könnt ihr nicht glauben.
 

Versammlungen

Wenn die Menschen Zusammenkunft zur Ehre des Allerhöchsten haben, so halten die Engel auch Zusammenkunft und freuen sich; wir aber dürfen nicht dabei sein. Sind sie aber für uns beisammen, so sind wir bei ihnen und freuen uns; die Engel aber sind nicht zugegen. Denn du sollst wissen, daß jeder Mensch seinen Engel bei sich hat; er ist zu seiner Rechten; wir aber sind zur Nebenseite. Der Engel sucht ihn immer auf dem rechten Wege zu behalten, wir aber suchen ihn zu verführen. Folgt er unserer Eingebung, so weicht sein Engel von ihm, kommt aber bald wieder und sucht ihn wieder auf den rechten Weg zu bringen. Folgt er seinem Rat, so jagt er uns fort, denn wir haben große Furcht vor ihm. Doch geben wir es nicht auf, sondern schleichen ihm nach und suchen ihn in unser Garn zu bringen, aber die große Frau tut uns großen Schaden und Abbruch, wir haben große Furcht vor ihr. Wenn die Großen dieser Welt Zusammenkunft in wichtigen Dingen halten, so kommen wir auch zahlreich zusammen und halten Rat. Denn du sollst wissen, wir können auch denken wie ihr, und wer die beste Meinung hat, die nehmen wir an. Wenn sie uns nicht im Gebet und Glauben an Gott verjagen, so ist das Werk unser, fangen sie aber ihr Werk mit Gott an und verjagen uns, wie gemeldet, so ist ihr Werk Gottes Werk.
 

Taufe und Beichte

Die Taufe und Beichte sind das Schrecklichste für uns. Vor der Taufe ist die Seele unser, in der Taufe wird sie uns entrissen. Aber die Beichte ist viel schrecklicher für uns; denn dort haben wir die Seele schon in den Klauen, und sie wird uns aus denselben gerissen. Wir geben den Menschen ein: Was willst du beichten? Was willst du es einem Menschen sagen? Er ist auch ein Mensch wie du. Oder wir machen ihn so schämhaftig, daß er es nicht beichten kann; überwindet er sich aber, so ist's die schreckbarste Sache für uns.
 

Beim Sterben

Bei dem Sterben eines Menschen sind mehr als hundert Teufel zugegen.
Der erste greift ihn in der Hoffart an, der zweite im Glauben, der dritte in der Reinheit, der vierte in der Verzweiflung. Er stellt ihm die Menge und Größe seiner Sünden, die übel angewandte Zeit, die strenge Gerechtigkeit des Allerhöchsten vor. So einer dieses, der andere jenes; wir machen ihn so verwirrt und angstvoll, daß es nicht auszusprechen ist. Dann machen wir ein solches Gewinsel, daß er nicht mehr hört, was ihm zugesprochen wird. Aber wenn die große Frau kommt, dann müssen wir in einem Augenblick davon. Sie verpflegt ihn, wie eine zärtliche Mutter ihr Kind. Solch einem Menschen wird es wohl, ja, solch einem Menschen wird es wohl. Ist er gestorben, so trägt sie seine Seele in den Himmel, da ist Freude im Himmel. So auch, wenn wir eine Seele in die Hölle tragen können, so freuen sich die Teufel auch; wir geben sie dem Luzifer und gehen wieder, andere zu bekommen. - In dem Augenblick, da die Seele ausfährt, wird sie gerichtet. Ihr könnt es nicht glauben, wie geschwind das Gericht geht. Gott hält dem Menschen sein ganzes Leben vor, und sozusagen in einem Augenblick sind schon Millionen Menschen, die zugleich sterben, gerichtet. Ihr könnt es nicht glauben, wir wissen es; es ist für euch unfaßlich. Ich muß dir auch von unserm Fall sagen. Weißt du, welches die größte Sünde ist? Die Hoffart. Diese hat uns von dem Himmel gestürzt. Es ist auch kein Mensch, der nicht von der Hoffart angefochten wird. Wenn sie was Gutes tun, so wollen sie, daß die Menschen es sehen und wissen. Oder ist dies nicht, so schreiben sie es sich zu und betrachten nicht, daß es ein Werk des Allerhöchsten ist.
 

Freuden des Himmels

Ich muß dir auch von den Freuden des Himmels sagen; aber o wehe, o wehe, für mich ist ewig keine Hoffnung mehr, o wehe mir! Die größte Freude im Himmel ist, das Angesicht Gottes anzuschauen; denn höre: Es nur für eine kleine Zeit anzuschauen, würde ich alle Schwerter-, Messer- und Räderqualen ausstehen und Millionen Jahre alle Augenblicke auf die empfindlichste Art hingerichtet werden und wieder ganz und wieder hingerichtet werden usw. Aber, o wehe, für mich ist keine Hoffnung mehr. (Man kann es nicht sagen, mit was für einer Verzweiflung er dieses geredet hat, daß es einem Leib und Seele durchdrang. Niemand kann es glauben, wie schrecklich es anzusehen und anzuhören war.) Ich muß dir auch von unserer Pein sagen. Die Menschen glauben, es sei ein Feuer; es ist ein Feuer, aber nicht wie die Menschen es sich einbilden; es ist ein Rachefeuer. Weißt du, welches uns die höchste Pein ist? Der Zorn des Allerhöchsten. Du kannst es nicht glauben, wie schrecklich er uns vorkommt, und doch haben wir ihn auch allezeit vor Augen; o wehe uns! Ich muß dir auch sagen, wie abscheulich die Sünde ist. Höre, wir Teufel sind so abscheulich; wenn ihr einen aus uns sehen solltet, so würdet ihr eher als in einer Minute sterben; darum hat der Allerhöchste uns vor euren Augen verborgen. Und dennoch ist die Sünde abscheulicher als wir, und doch müssen wir sie allezeit vor Augen haben; o wehe uns!
 

Versuchungen

Wir reizen alle Menschen zur Sünde, wir können auch alle Menschen anfechten, die große Frau allein ausgenommen. Der Allerhöchste hat uns befohlen, wir sollen sie nicht berühren; aber den sie geboren hat, den haben wir schon versuchen können. Weißt du warum? Euch zum Beispiel und zum Unterricht. Ja, die Juden haben ihn nicht getötet, sondern wir. Wir sind in die Juden gefahren und haben einen Haß an ihm ausüben können, wir haben es ihm wacker gemacht. (Da er dieses sagte, zeigte er ein teuflisches Vergnügen; wer es nicht gesehen hat, kann es sich nicht vorstellen.) Wir haben dort auch eine Seele gewonnen. (Wir sagten: Du hast doch den rechten Schacher nicht bekommen. Er sagte: Weißt du, warum? Wegen der, die unter ihm gestanden ist; die zweite Ursache habe ich vergessen.)
 
Die jungen Leute verführen wir so: Wir erwecken in ihnen Liebe gegeneinander; sie glauben, das sei nichts Böses. Sie wissen nicht, daß sie dadurch in die Stricke laufen. Überhaupt machen wir die Leute träg und abgeneigt zu allem Guten. Ich mag nicht beten, ich mag nicht zur Kirche gehen, ich bin zu faul und zu schläfrig; ich mag nicht fasten, ich bin zu schwach, ich mag es nicht ertragen, so zu leben. Es muß jetzt alles gelehrt sein. Dies ist auch unser Werk. (Die Ursache habe ich vergessen.) Bonaparte ist der Umänderer. Er wird umkehren und die Jakobiner selbst quatschen. Darum heißt er der Umänderer. Du sollst wissen, wir führen den Krieg.
 

Das hl. Meßopfer

Auch wenn ihr Menschen es wüßtet, was Großes das Opfer ist, welches durch den Gesandten im Namen des Größten dem Allerhöchsten entrichtet wird, ihr würdet diesem Opfer anders beiwohnen, als ihr tut. Es ist das höchste und größte Opfer. O, wenn wir ein solches Opfer für uns haben könnten, aber - o wehe uns! Auch wenn ihr Menschen wüßtet, was für Nutzen es euch wäre, das Leiden dessen der für euch gestorben ist, zu betrachten! Wer es recht betrachtet und sich in seine Wunden verbirgt, den können wir nicht bekommen, denn wir können nicht in diese Wunden hineingehen*.
* Unter allen Menschen sind uns die Freidenker und Jakobiner am allerliebsten. Dies ist unser Werk, diese machen uns große Freude. (Dies hat er während der Rede öfters mit einer teuflischen Freude und Vergnügen wiederholt). Item, ich muß doch auch mit dir auspacken, sagte er öfters zu mir.- Ich sagte ihm allemal: „Sag, was dir Gott zu sagen befohlen hat; was er dir nicht befohlen hat zu sagen, darüber schweige."
Seht und betrachtet die große Güte des Allerhöchsten gegen euch. Ihr begeht Millionen Sünden, ja, ihr schluckt sie wie Wasser hinein; wenn ihr aber Buße tut, so nimmt er euch wieder in Gnaden auf. Einen solchen Gott habt ihr, und wir haben nur eine Sünde getan und sind verworfen worden. Weißt du, warum die ersten Menschen Gnade gefunden haben? - Wenn sie gewußt hätten, wie es droben wäre, sie hätten keine gefunden. Item, wenn ihr sehen solltet, wie viele Teufel jetzt um euch sind, ihr würdet auch schauen. Wenn ich jetzt schon vieles sagen muß, so wollen wir hernach schon wiederum machen, daß dies alles zernichtet und versteckt wird. Auch suchen wir euch beständig von allem Guten abzubringen und euch in die Sünde zu stürzen.
 

Kraft des Kreuzzeichens

Wenn ihr Zusammenkunft haltet, so kommen wir auch zahlreich, um euch zu verhindern, aber da heißt es: Packt euch im Namen dessen, der ob uns ist; und ihr macht immer so: und so: da müssen wir in einem Augenblick davon und können nur von fern zusehen, was ihr macht. Denn schau, so zittert die Hölle, wenn ein Befehl im Namen dessen, der ob uns ist, gemacht wird. (Da er dies sagte, stellte er in der Person ein unnachahmliches Zittern vor und bedeckte ihr Angesicht mit den Haaren; ihre Hände und Finger glichen mehr teuflischen Klauen als Menschenhänden, was gräßlich anzusehen war.) Hernach sagte er: Ihr sollt die Befehle auf die vornehmsten Jakobiner machen; wenn ihr Glauben habt, so müssen wir weichen, sie bekommen bessere Gesinnungen, und ihre Engel haben mehr Einfluß.
So könnt ihr viel tausend Seelen gewinnen; auf diese Art werdet ihr bekommen, wen ihr wollt. O wehe uns, wir haben es verloren! Wenn ihr alle so: und so: gemacht habt, so heißt ihr uns schweigen; wir dürfen auch nichts ausbringen, und ihr breitet es in alle Welt aus. Weißt du, warum du das angefangen hast? Du hast nicht gewollt; du hast langsam gemacht; gelt, wir haben dich brav gequält, aber der dir das eingegeben hat, hat dir geholfen. Wir werden dich noch viel plagen, aber wenn du Glauben hast, wirst du siegen. O wehe, wir haben es verloren!

⃰⃰ Gelt, = rhetorische Frage „gelt es?“, „gilt es?“, „habe ich recht?“ oder „nicht wahr?

Namen Jesu

(Da er unter dieser Rede öfters sagte: Im Namen dessen, der ob uns ist, sollt ihr streiten, sagte ich zu ihm: „Gelt, im Namen Jesu müssen wir streiten?". Da sagte er: „Ja, weißt du aber, wie dieser Name ausgesprochen werden soll? Schau, so soll dieser Name ausgesprochen werden"; (da kniete die Person nieder, beugte sich tief und sagte: „So soll er ausgesprochen werden, denn ohne Andacht und Ehrerbietigkeit diesen hl. Namen auszusprechen, ist ihn entehrt.") Da hörte der Teufel auf, und die Person hatte ihren freien Gebrauch von ihren Sinnen. Da ich den Anwesenden eine kurze Ermahnung, kaum eine Minute gab, so fing der Teufel wiederum an und sagte: „Ich muß dir noch etwas sagen, der Engel hat es mir befohlen. Schau, so hat er es gemacht, da er mir befohlen hat": (Da drohte er mit dem Finger.) Da sagte er: „Schau, so habe ich gezittert, als der Engel mir befohlen hat." (Da stellte er in dieser Person ein unnachahmliches Zittern vor und sagte:)
 

Einigkeit

„Ihr sollt zusehen, daß ihr einig bleibt; ihr sollt zusammenhalten, es soll einer für den andern stehen, ihr sollt eure Versuchungen einander entdecken und einander helfen. Ihr sollt's sonst niemandem sagen. Wenn ihr einig bleibt und zusammenhaltet, auch einer für den andern steht, so vermag die ganze Hölle nichts wider euch; denn wenn wir einen haben, so kommt der andere und jagt uns fort. Wenn es nur einer wäre, der so: machte, so hätten wir noch Hoffnung, ihn zu besiegen; aber wo mehrere zusammenhalten, können wir nichts machen; denn wenn wir schon mehrere hätten, ja, wenn wir alle hätten bis auf einen, so jagt er uns von allen. O wehe uns, wir haben es verloren! Ihr werdet noch viel zu leiden haben und zu streiten, aber wenn ihr nur einig bleibt und zusammenhaltet, auch Glauben und Vertrauen behaltet, so werdet ihr siegen. Streitet, streitet brav! Ihr könnt es nicht glauben, wieviel Nutzen ihr schafft, wie viele Seelen ihr gewinnt. Es ist nicht nur für das Leben, sondern auch für den Tod, wie für einen Soldaten, der sich in den Waffen übt. Ja, in dem Tod darf kein Teufel zukommen, wenn ihr im Leben so streitet. Ihr werdet in kurzer Zeit viele Brüder bekommen, aber nicht große, nur kleine. Die Sache wird stark um sich greifen; wenn ihr zusammenhaltet und brav streitet, so könnt ihr noch die Schweiz retten. - Wie es dem Allerhöchsten gefallen hat, durch Einfältige den Glauben einzuführen, so hat es ihm gefallen, auch dieses Werk durch einfältige einzuführen. Wir werden euch noch viele Fallstricke legen, aber wenn ihr zur großen Frau ruft, so wird sie für euch bitten; auch wenn ihr zu den Eltern haltet, was ihr euch vorgenommen habt, so werdet ihr siegen. Sehet und betrachtet, was der Allerhöchste für euch tut! Der Teufel muß euch predigen, und ihr glaubt es nicht. Der Teufel muß euch die Wahrheit predigen. Welch ein Wunderding! Zum selbsteigenen Schaden und wider meinen Willen muß ich es tun.
 

Qualen der Hölle

O wehe mir, O wehe uns, o wehe uns, o wehe uns, und in alle Ewigkeit wehe, o wehe uns, o wehe uns; es ist in alle Ewigkeit keine Hoffnung mehr für uns, oh wehe uns, o wehe uns! Was haben wir verloren!

(Die Worte kann Man wohl schreiben, aber die Aktion kann man weder schreiben noch sagen. Niemand kann es glauben, wie entsetzlich es anzuhören und anzusehen war, besonders da er die Verzweiflung vorstellte. Die verzweifelte Stimme und die Gesichtszüge, das entsetzliche und klägliche Weherufen, die entsetzliche Beängstigung, das Wüten und Pochen des Herzens durchdrangen einem Leib und Seele, ja, das Mark in den Beinen.)

 

Mahnung Vater Wolfs und Bericht über die Begebenheit

O daß uns Gott behüte, daß wir nicht in solch ewige Verzweiflung geraten! O ihr alle, die ihr dieses lest oder lesen hört, o wendet doch alles an, dieser ewigen Verzweiflung zu entgehen! Ach, ich bitte euch alle, bittet Gott für mich armen großen Sünder, daß Gott mir meine großen und vielen Sünden verzeihe und mich vor der ewigen Verdammnis bewahre. - Ich muß noch einmal sagen: Wenn man einen ganzen Bogen überschreiben würde, so könnte man die Verzweiflung weder schreiben, noch sagen, noch begreifen, wie sie der verdammte Geist vorgestellt hatte.
Die besessene Person ist mit Namen Maria Anna Wirtenbergerin zu Bondorf im Schwarzwald; sie ist schon beiläufig ein Jahr zu Dornach, im Kanton Solothurn, bei der Brücke öffentlich exerziert worden. Sie ist mit Erlaubnis ihres Exorzisten nach Sachsein zum sel. Bruder Klaus wallfahren gegangen. Bei der Heimreise ist sie bei uns über Nacht geblieben den 26. Aug. 1811. Sie ist bei gutem Vermögen und hat alles reich bezahlt. Diese Rede hat der Teufel zweimal gehalten, nämlich nachmittags und in der Nacht von 9 bis 12 Uhr. Es war damals Montag, da er nachmittags diese Rede mit großem Ernst und Feuer gehalten hat; und da wir zu Nacht die gewöhnliche Arbeit verrichtet hatten und zu Nacht gespeist, so warfen wir uns auf unsere Knie und baten Gott, daß er wolle geben, daß der Teufel dasjenige, das er unter Tags geredet habe, nochmals zu Gottes Ehre und zu unserem Seelenheil sagen müsse. Hernach setzten wir uns auf die Stühle und sagten dem Teufel, er solle sagen, was ihm Gott befohlen habe, nicht mehr. Da fing der Teufel an zu reden; er hat alles zwei- bis dreimal gesprochen, was mich in den Stand gesetzt hat, so vieles von seiner Rede zu schreiben. Wir hatten dazumal viel Arbeitsvolk, und da sie dieses hörten, kamen sie alle zu uns in das Zimmer und hörten dieser Rede zu. Sie waren alle so still, daß sie sozusagen kein Glied bewegten. Nach beendeter Rede haben wir sämtliche Gott gedankt und haben mit gebogenen Knien fünf Vaterunser und fünf Ave Maria samt dem christlichen Glauben gebetet. Es waren an der Zahl 17 Personen zugegen. Unter diesen sind vorzüglich zu bemerken: Der hochwürdige Herr Kaplan zu Neuenkirch, Egidi Geißhüsler; Josef Büölmann zu Helfenstegen, Benedikt Zimmermann im Holzhof, welche mit ihren Unterschriften bezeugen werden, was ich hier geschrieben habe. Unterzeichnete: Klaus Wolf zu Rippertschwand, Egidi Geißhüsler, Kaplan zu Neuenkirch, Josef Büölmann zu Helfenstegen,
Zum Schluß dieses Abschnittes bringen wir noch zwei Briefe, die sowohl über sein Wirken, wie über sein edles, frommes Denken interessanten Aufschluß geben. Pfr. Ackermann hat sie in seiner Wolf-Biographie abgedruckt, S. 60 bis 72

 

Zug, den 13. Hornung (Februar) 1828

Horche auf, lieber Good, ich erzähle dir ein wahres Wunder Gottes, das sich vor meinen Augen zugetragen hat.
Mein Jugendfreund, von welchem ich dir oft gesprochen habe, wurde bald nach meiner Ankunft den 2. Weinmonat von der eigentlichen Sterbekrankheit befallen. Obschon er bis dahin sehr gesund zu sein schien, war dieses Übel doch geerbt und fand endlich Anlaß, um diese Zeit auf einer Seefahrt, auf der er sich, abwechselnd am Ruder arbeitend, erhitzte und erkältete, auszubrechen.
In wenigen Wochen stellte es in ihm die verheerendsten Wirkungen an. Der Husten war trocken und ununterbrochen. Er hatte Schmerzen im Rücken, zwischen den Schulterblättern und in der Lunge wie Nadelstiche. Nachts konnte er sich kaum vor dem Schwitzen, was immer mit schwefelartigem, widrigem Geruch begleitet war, verwahren und hatte Mühe, im Bett eine Stellung zu treffen, bei der er ohne Schmerzen liegen konnte. Fleisch und Kraft schwanden unaufhaltsam und schnell dahin. Es war jämmerlich zu sehen, wie seine blühende Jünglingsgestalt so bald zum bloßen Gerippe wurde.
Den 30. Weinmonat ging er zum letzten Mal aus. Wir machten den nämlichen Nachmittag zwei Versuche. Das erste Mal kamen wir kaum fünf Minuten weit, so mußten wir umkehren. Der Husten wurde heftiger und die Brust sehr beklommen. Bald darauf gingen wir abermal. Das Wetter war einladend, und wir hielten die Bewegung für gut. Allein nach zehn Minuten mußten wir wieder zurückgehen; er hielt die rauhere Herbstluft nicht aus, und bei jeder kaum merkbaren Erhöhung mußte er stillstehen.
Jedermann gab ihn verloren. Er selber vertraute mir seinen Mißmut. Ich ermahnte ihn, sich zu fassen und beide Ende der Krankheit mit gleichem Mut zu erwarten. Mit Hoffnungen wollte ich ihn nicht täuschen, ich hatte leider selbst keine. Sein Arzt, der hier den ersten Ruf hat, erklärte offen, er habe die Krankheit seines Vaters, der im nämlichen Alter von 26 auf 30 Jahr gestorben sei; es sei ihm nicht mehr zu helfen, und er wünschte, man würde sich an einen andern Arzt wenden.
In diesem Jammer hörten wir von einem gottseligen Landmann namens Niklaus Wolf, der kraft seines Glaubens und Gebetes viele wunderbare Heilungen bewirkt habe. Ich könnte dir dergleichen mehrere offenbar erwiesene berichten, allein es genügt mir, für jetzt dir zu sagen, was ich selbst gesehen habe und beteuern kann. Er wohnt auf seinem Hof auf Rippertschwanden bei Neuenkirch im Kanton Luzern. Er ist von großer Statur und mag wohl siebenzig Jahre alt sein. Ich eilte den 25. Weinmonat zu ihm hin. Ich traf ihn beim Einnachten in seinem Haus und klagte ihm unsere Not.
Er hielt sich auf, daß man so weit herkomme, um Hilfe zu suchen, da man sich ja überall an Gott wenden könne, und wenn man mit einem Sandkörnlein groß Glaube Berge versetzen könne, werde wohl ein solches Übel wegzuheben sein. Ich sagte ihm, daß wir ihn um seine Fürbitten, die schon so oft erhört worden seien, anflehn, und daß der Kranke wirklich glaube, Gott könne ihm allein helfen. Er antwortete: „Es ist nicht genug, daß man glaubt, Gott könne helfen; das glaubt jeder, der an Gott glaubt: Man muß glauben, daß er uns wirklich helfe, indem er uns ja versichert hat, daß er uns allen gewähren wolle, um was wir ihn bitten werden. Warum sollen wir seinen Worten nicht glauben, er ist ja die ewige, untrügliche Wahrheit. Was der Herr verspricht, das hält er; aber man muß ihm glauben."
Ferner sagte er: „Vereinigt euch im Gebet und faßt Zutrauen. Es kommt mir nicht schwer vor, dieses Übel wegzubringen. Der Kranke mache oft das hl. Kreuz im Namen Jesu auf seine Brust, wo das Übel liegt. Das dringt durch alles; nichts hält es auf, und wäre es nicht für die Gesundheit, so wäre es für einen seligen Tod. Er besprenge sein Bett mit Weihwasser, um alles Böse davon zu entfernen. Auch genieße er oft das hl. Abendmahl [Kommunion] und führe einen Wandel nach Gottes Wohlgefallen. Geht nun getrost und sucht euch im nächsten Dorf eine gute Herberge aus; wenn ihr heimkommt, trefft ihr euren Freund schon halb gesund an. Man muß aber glauben, und wenn niemand glaubt, so glaubt ihr. Ich will diesen Abend mit meinem ganzen Haus lange für ihn beten."
Könnte ich dir, Lieber, den großen Eindruck beschreiben, den dieser bewunderungswürdige heilige Mann auf mich machte! Sein hoher Glaube ergriff mich wundersam.
Solch eine Machtsprache der Zuversicht, der vollendeten Überzeugung hatte ich noch keine gehört, und zugleich, da sie mich mit Ehrfurcht und Erstaunen erfüllte, erschütterte sie mich tiefinnerlich, denn ich erkannte mit Furcht und heimlichem Schauer, daß ich keinen Glauben hatte, bis dahin vom wahren, lebendigen Glauben nie etwas gewußt hatte. Des Mannes Gegenwart und Worte flößten mir aber Glaube ein. Während der Unterredung wurde es klar in meinem Herzen, es ging in mir die volle helle Gewißheit der Gegenwart, der Allmacht und Güte Gottes auf, und ich gewann ein überschwängliches, flammendes Vertrauen zu den Worten unseres göttlichen Erlösers und zu seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen. Ich empfand in diesem feierlichen Momente ein unbeschreibliches Glück. - Ach, welch ein Glück, welch eine herrliche Gabe des Himmels ist der Glaube!
Während meiner dreitägigen Abwesenheit - ich ging nämlich den 24. fort und kam den 26. zurück - erreichte die Krankheit ihre höchste Stufe. Appetit hatte der Kranke durchaus keinen mehr; er hatte Mühe, nur einen Löffel voll Suppe zu genießen. Es stieg ihm selbst Wasser aus der Brust in den Mund, und die Schwäche wurde so groß, daß er auch bei gezogenen Vorhängen das Tageslicht nicht ertrug und kaum das Zimmer auf und ab gehen konnte. Zur nämlichen Zeit aber, höchstens eine Stunde später, da ich bei Wolf war, nahm er zum ersten Male wieder Speise zu sich und empfand wirkliche Erleichterung.
Den Tag darauf kam ich mit der beglückenden Botschaft nach Haus. Sie bezeugten mir sogleich, daß es sich wirklich mit der Besserung so verhalte, und der Kranke fügte froh hinzu, indem er mit beiden Händen die Brust anfaßte und rasch durchs Zimmer ging, daß er sich nun durch den ganzen Körper wohl befinde. Bald nachher wurde sein Nachtessen aufgetragen. Es bestand in einer Suppe, einem Plättchen süßer Apfelschnitzchen. Er aß in meiner Gegenwart mit vielem Appetit alles rein auf. Ein einziges Schnitzlein ließ er sein, indem er scherzend sagte: „Man möchte sonst glauben, man hätte mir nicht genug aufgetischt; ich möchte es aber gleich noch wohl."
Denke dir, lieber Freund, unser Glück und unsere Freude! Ein teures Leben, das wir verloren glaubten, wurde uns wieder geschenkt und, oh, was über alle Begriffe höher ist, das gleichsam leibliche Fühlen der Gegenwart Gottes! Was konnten wir anderes tun als niederfallen und anbeten? Wer vermag es auszusprechen, wie groß und lieblich der Herr ist? Es genügte dem Lieblingsjünger Jesu, zu sagen: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie des Eingebornen vom Vater", und ich Elender hatte die Gnade, sie zu empfinden!
Den folgenden Tag besuchte ihn der neue Arzt; man hatte den 25. gewechselt. Der Kranke bewillkommte ihn lachend, indem er zu ihm sagte, er möchte nun nur noch seinem Husten Einhalt tun, dann verlange er nichts mehr von ihm, er sei nun wieder ganz wohl. Der Arzt erwiderte spassend, er solle nur nicht zu sehr auf einmal rühmen. Dieser sagte auch mir zu Hause, da gehe es ihm nun gar zu geschwinde mit der Besserung; und an einem andern Ort sagte er, er könne diese schnelle Änderung nicht begreifen. Denn Arzneien hatte der Kranke in dieser Zwischenzeit keine oder nur unbedeutende genommen. Die ganze Stadt staunte über diesen Wechsel; die Ursache desselben war aber noch ein Geheimnis.

Die ganze Woche ging die Besserung immer den gleichen Gang. Es ließ sich kein Überbleibsel der Krankheit mehr spüren, außer dem Husten, der auch einen bessern Charakter angenommen zu haben schien; und doch hätte die abscheuliche Witterung, die diese Zeit durch herrschte, den schädlichsten Einfluß haben können. Es war aber ein großer Schnee gefallen, der nun durch Regen und Wind aufgelöst wurde. Am 9. Tage, da das Wetter wieder freundlicher wurde, ging ich mit ihm über eine Stunde lang spazieren. Später ging er jeden Tag ohne Unterschied aus. Essen mochte er wieder wie eine gesunde Person, er aß sogar schwer verdauliches Schweinefleisch.
Die zweite Woche waren die Fortschritte nicht mehr so auffallend wie in der ersten. Ich begab mich daher den 13. Christmonat wieder zu Niklaus Wolf und berichtete ihm, wie der Erfolg seiner Ankündigung entsprochen habe, daß er aber nicht mehr im gleichen Maße vorwärtsschritt wie anfänglich, und daß die Kräfte noch nicht kommen. Er sagte darauf: „Das ist oft der Fall, wenn es nicht gerade geht, wie die Leute meinen, daß es gehen sollte, so werden sie im Glauben wankelmütig und sagen: Bessert's mir acht, bessert's mir acht nicht, und so hindern sie das Werk der Gnade. Das tut aber nichts; man muß nur wieder von neuem ansetzen. Ich kann es euch nicht besser als in einem Gleichnisse sagen, wie man sich dabei zu benehmen habe. Wie man sich in weltlichen Dingen aus einer wichtigen Angelegenheit ein Geschäft macht, muß man sich auch hieraus eines machen und ihm fleißig obliegen, dann ergibt sich schon, was man zu tun hat. Haltet fest im Vertrauen auf Gott und die Fürbitte der hl. Mutter Gottes. Leget euch in die hl. fünf Wunden Christi und betet."
Alsdann machte er eine Art Beschwörung, indem er zugleich mit der Hand Kreuze auf meiner Brust machte. Seine Worte habe ich nicht alle verstanden, allein ich glaube richtig aus denselben entnommen zu haben, daß er, mit noch mehr Worten begleitet, sagte: „Im Namen Jesu und in der Kraft des Glaubens der heiligen katholischen Kirche gebiete ich dem Übel, zu weichen!" Nachher sagte er mir: „Geht nun wieder und grüßt mir euren Freund. Es wird nun noch schneller bessern als früher. Ich glaube, Gott habe uns erhört. Man muß nicht glauben, daß Gott ein Stümper sei; was er macht, macht er gut, und wenn er einem ein Pferd schenkt, gibt er ihm den Zaum auch mit."
Zwei Tage nach meiner Zurückkunft und nachdem ich diesen Bericht dem Kranken überbracht hatte, habe ich ihn auf dem Kirchwege angetroffen, und er sagte mir sogleich freudig: „Es geht recht gut; jetzt fühle ich, daß die Kräfte kommen. Ich hätte recht Lust, einen anzupacken, so wohl und kräftig befinde ich mich." Auch seine Mutter sagte mir, als ich alsdann ins Haus kam: „Ihre zweite Reise war ebenso wirkungsvoll und segensreich wie die erste".
Vor nicht so vielen Tagen (den 26. Jänner) bin ich wiederum hingegangen, ohne daß es der Wunsch des Kranken war; denn er befand sich wohl, ging bei jedem Wetter aus und machte selbst stundenweite Gänge; allein, da ich die Genesung nicht vollendet sah, tat ich's doch und überbrachte also unserem lieben Gottesmann, daß nun auch die Kräfte gekommen seien, allein der Husten, der zwar nicht bedeutend sei, daure fort; auch nehme das Fleisch nicht zu. Er ermahnte mich alsdann, im Gebet auszuhalten und dasselbe mit dem der übrigen, die zur nämlichen Stunde beten, und dem der heiligen katholischen Kirche zu vereinigen. „Wo sollen wir uns hinwenden", fügte er hinzu, „wenn wir uns nicht an diese halten? Nur in dieser ist die alleinige Wahrheit. Der Kranke bezeichne sich oft mit dem hl. Kreuz unter frommen Gedanken und nehme alle Speisen mit dem vollen Zutrauen zu sich, daß, wenn sie Gott einem gibt, er sie gebe, damit sie ihm wohl tun. Ich will wieder für ihn beten; betet aber auch für mich!"
 
Ich brachte diesen dritten Bericht treulich zurück, und zwei Tage darauf, da ich dem Kranken im Wirtshaus begegnete, sagte er zu mir: „Es geht wieder sehr gut". Ich sagte hierauf, er solle wohl achten, welchen Unterschied er seit meiner letzten Zurückkunft verspüre, und er antwortete schnell: „Diesen fühle ich gar wohl; der Husten hat nachgelassen, und die Speisen schlagen besser an".
Wie wirst du mich nun glücklich preisen, mein Freund, vom Himmel gewürdigt worden zu sein, diese sinnlichen hellen Beweise der Vorsehung Gottes, der Wahrheit unserer heiligen Religion und des Vermögens eines gläubigen Gebetes mit anzusehen? Möchte doch meinen Empfindungen nachgeholfen werden! Aber wer erfaßt diese unermeßliche Gunst, durch die sich der Allerhöchste uns kundtut, uns armen Stäublingen außerordentliche Huld und Gnade bezeugt? Freue dich doch. Lieber, mit mir über Gottes große Erbarmungen und hilf mir ihm danken ewiglich; hilf mir, ihn loben und preisen unaufhörlich für diese leuchtende heilige Offenbarung, dieses herrliche, unauslöschliche Denkmal seiner Allmacht und Güte. Dein inniger Freund J. M. Kaiser.

 

Ein Brief von ihm an die würdige Schwester Theresia N. auf dem Berg Sion in dem löbl. Frauenkloster bei Maria Loretto, Kanton St. Gallen

Liebe Schwester!
Ihr Schreiben habe ich empfangen und das Verlangen der würdigen Frau Mutter darin gesehen. Allein der Weg ist weit! Ich bin alt. Nebst dem ist die Gegenwart nicht notwendig, weil nicht der Mensch, sondern der hl. Name Jesus die Kraft hat, Teufel und Krankheiten zu vertreiben, und der Glaube des Hilfesuchenden das meiste beitragen muß; und nach dem Ausspruch Jesu Christi jeder es tun kann, der es glaubt. Auch ist dies viel leichter zu tun, als man glaubt. Ein blinder, einfältiger, fester Glaube an den göttlichen Erlöser, ein Sich verlassen auf sein Versprechen ohne Klügeln oder Mißtrauen auf die eigene Würdigkeit wird erfordert, indem es Gott nicht der Würdigkeit oder Heiligkeit der Menschen versprochen hat, sondern nur dem Glauben. Nebst dem braucht es (allgemein davon zu reden) keinen Wunderglauben, indem es gewöhnlicher maßen nur ein Streit mit dem Satan ist. Sowohl im hl. Evangelium als in den Apostelgeschichten und in ihren Briefen, auch den Schriften der hl. Väter, die ich der Kürze halber nicht anführe, sondern die Ihnen wohl werden bekannt sein, ersieht man, daß wir einen beständigen Streit haben mit der Hölle. Der Teufel stellt der Seele auf alle nur mögliche Weise nach, sie von Gott abzubringen und in die Hölle zu stürzen.
Kann er nun aber die Seele als den edleren Teil so anfallen, warum den Leib nicht? Oder hat der göttliche Erlöser bei der Erlösung nicht so viel Augenmerk auf den Leib als auf die Seele gehabt? Auch die von dem Hl. Geist geleitete Kirche - wieviele Segnungen und Exorzismen macht sie das Jahr hindurch wider die Hölle! Schon bei der Taufe fängt sie ihre Beschwörung wider die Hölle an, und dann weiters usw. Von diesem wäre noch vieles zu schreiben gegen jene, die dies fast nicht glauben. Kürzehalber übergehe ich es. Auch hat Gott die heiligsten und weisesten Absichten dabei, nämlich die Verherrlichung des heiligen Namens Jesus, und daß wir durch Kämpfen, Streiten und Siegen Verdienste sammeln und den Himmel erwerben. Auch hab ich's aus mehr als zehnjähriger Erfahrung, daß von hundert Übeln, Schmerzen und Krankheiten kaum eine ist, wo nicht der Satan die Ursache davon ist oder wenigstens selbe vergrößert oder unheilbar macht. Und besonders, wenn keine Medizin anschlagen will, braucht es keinen Wunderglauben, diese Übel zu vertreiben. O wenn wir Jesum recht liebten und mit ihm und seinem Namen wider die Hölle streiten würden, wieviele und wie große Verherrlichungen des heiligsten Namens Jesus würden geschehen, wie viele Sünder bekehrt, wie viele Uneinigkeiten würden behoben, deren Urheber er ist, - wie viele Übel und Krankheiten würden wir vertreiben, die uns zum Dienst Gottes und unsere Berufspflichten zu erfüllen untauglich machen! Man kann nicht beschreiben, wieviel Böses der Satan anstiftet: Warum sollten wir nicht mit Zorn auf ihn losgehen? So schön es scheint, wenn jemand spricht: „Ja, wenn's der Wille Gottes ist, wenn's zur Ehre Gottes..." usw., so lieb uns der hl. Wille Gottes sein soll, so taugt doch dies in diesem Falle zu nichts, als jenes lebendige Vertrauen zu stören und jenen Kampf und Streit zu hintertreiben, welche Gott von uns fordert. Denn es ist der ausdrückliche Wille Gottes, daß wir den Satan bestreiten und besiegen sollen; ja, Gott fordert jeden in der hl. Taufe dazu auf, indem es heißt: Widersagst du dem Teufel, seiner Hoffart und allen seinen Werken?
Also allen seinen Werken, sie mögen Namen haben, was sie wollen; denn der Teufel hat allezeit böse Absichten. Man kann so sagen: „Von Gott nehme ich alles mit Danksagung an, von dem Teufel nichts. Ist nun jemand mit Krankheit oder Schmerzen behaftet, so kann ja eine der andern zu Hilfe kommen. Zuerst bete man, daß die Hindemisse weichen sollen, die uns verhindem an der Verherrlichung des Namens Jesus und an der Hilfe des Nächsten. Nachher betet und befiehlt man im heiligen Namen Jesu, daß dieses Übel oder Schmerzen oder Krankheit weichen solle, und so fort, bis es weicht. Wird es ärger als zuvor, so soll man nicht erschrecken, sondern desto häufiger zusetzen. Dies geschieht öfter so. Hört das Übel auf, so wird dennoch ein und der andere Befehl gemacht, daß die Werke des Satans in dieser Person ganz zerstört sein sollen. Auch bediene man sich der gesegneten Mittel, Weihwasser und gesegnetes Öl.
Kürzehalber habe ich alles nur berührt. Übung und Gebet, dem Gott alles versprochen, wird Sie des mehreren belehren.
Meine Begrüßung an die würdige Frau Mutter und das ganze Konvent, besonders an die Mechtilde. Ich befehle mich in Ihr hl. Gebet und ende mit dem ablaßreichen Christengruß: „Gelobt sei Jesus Christus!".
 
Den 25. September 1816. Klaus Wolf, zu Neuenkirch, in Rippertschwand,
Kanton Luzern.
 

 

Nebenbei sei bemerkt, daß das Wirken Vater Wolfs auch außerhalb der Schweiz bekannt war. In dem Buch: „Über etwas, das der Heilkunst not tut. Ein Versuch dieser Heilkunst mit der christlichen Philosophie, v. Carl Josef Hieron. Windischmann, königl. preuß. Medizinalrat und Professor der Philosophie und Medizin an der königl. Rhein-Universität in Bonn", Leipzig 1824, bei C. Cnobloch, wird auf S. 288 auch Vater Wolf sehr ehrenvoll erwähnt. Dieses Buch zeigt auch, welch große Aufmerksamkeit die damalige Gelehrtenwelt diesen außerordentlichen Krankenheilungen widmete. Gerade dieser Professor Windischmann war selber auf übernatürliche Weise von einem Augenübel geheilt worden, nachdem er vorher vergebens viele Augenärzte zu Hilfe gerufen. Dadurch angeregt, schrieb er obiges Werk. Dieses Buch fand eine sehr eingehende Besprechung in der Zeitschrift: „Zeichen der gegenwärtigen Zeit im Guten und Bösen", Luzern, bei Xaver Meier, Jahrgang II,1824. Auch in dieser Zeitschrift wird Seite 117 das außerordentliche Wirken Vater Wolfs als etwas allgemein Bekanntes erwähnt.

 

Wie Niklaus Wolf wegen seiner Krankenheilungen bekämpft wurde

Die Gutgesinnten, namentlich das gläubige Volk verehrte ihn wie einen Vater, ja, wie einen Engel vom Himmel. Viele Seelsorger, die die guten Früchte der Lebensbesserung bei solchen, die von ihm ermahnt wurden, sahen, gewannen immer mehr Zutrauen zu ihm. Mancher Pfarrer konnte beobachten, daß ein Wort von Wolf gläubiger aufgenommen und williger befolgt wurde als das Priesterwort.
Aber viele Priester nahmen nicht bloß eine abwartende, sondern mehr eine ablehnende Stellung ein. Einige, die der liberalen Richtung, traten offen gegen ihn auf.
Wolf selber erzählt: „Ich hatte heftigen Widerspruch von allen Seiten. Man warf mir vor, daß ich Aberglauben, Zauberei und dergleichen treibe; daß ich da etwas Neues und Unkirchliches anfange. Besonders war ich Gegenstand der Gespräche bei allen Zusammenkünften der Geistlichen. Die meisten derselben hießen meine Sache nicht gut. Warum? Der rationalistische Geist war sogar in die theologischen Schulen eingedrungen, und überall wurde der Same des Unglaubens ausgestreut. Sogar auf Kanzeln und in Christenlehren kam meine Sache zur Sprache. Man warnte die Leute vor mir. Ich hörte selbst einigemale solchen Christenlehren zu, ohne aber in meinem Glauben erschüttert zu werden. Und auch die Leute wurden bei weitem nicht alle abwendig gemacht. Die Zeichen, die Gott wirkte, bewogen mehr als die Worte der Menschen; in der Not nahmen sie halt doch Zuflucht zu dem, der helfen kann."
Hin und wieder, aber selten, nahm sich auch ein Priester meiner an... durch Tatsachen überzeugt."
„Bei einer großen Versammlung von Geistlichen, bei der sehr gelehrte und hochgeachtete Professoren der Theologie zugegen waren, wurde bald auch meine Sache aufs Tapet gebracht, um die Meinung bemeldeter Herren zu vernehmen. Diese aber sagten mit den Worten, die Gamaliel im Hohen Rat zu Jerusalem gesprochen, als dort auch die Verkündigung und Verherrlichung des Namens Jesus durch die Zeichen der Apostel zur Sprache kam: Laßt diesen Menschen nur machen;
Ist der Rat oder das Werk aus dem Menschen, so wird's untergehen; ist's aber aus Gott, so kann's nicht unterdrückt werden."
Auch in einer Gesellschaft, in der Bischof Sailer, damals noch Professor, anwesend war, wurde von einigen Geistlichen mit einiger Besorgnis erzählt, daß Niklaus Wolf durch sein Gebet viele heile; es könnte aber dadurch, meinten sie, der kirchlichen Autorität Eintrag geschehen. Sailer antwortete ernst: „Ja, meine Herren, wenn sich die Sache so verhält, wie Sie mir da erzählen, so hüten Sie sich wohl, etwas dagegen zu tun. Der Geist weht, wo er will. Wer kann, wer darf ihm wehren?" Mitgeteilt von einem Augenzeugen.
Aber gerade in dieser Zeit der Prüfung und des Sturmes zeigte Vater Wolf seinen echt katholischen Geist, seine goldlautere Absicht. Täglich betete er demütig und eifrig, um ja durch Gottes Gnade sowohl vor jedem Abweg bewahrt, als auch im Wandel auf dem Wege der Wahrheit, des Lichtes und der Liebe gestärkt zu werden.
 
Folgendes war sein Gebet:
„Es komme uns (ihm und seinen Freunden) durch die Kraft des heiligsten Namens Jesus Kraft, Weisheit und Stärke zu! Der Hl. Geist sei unsere Leitung, auf daß wir in allem den hl. Willen Gottes mögen erfüllen. Wir geben uns ganz und gar dem lieben Gott als Opfer dar. Mache mit uns, großer Gott, was du willst! Dein heiliger Wille ist der schönste, beste, auch vollkommen und gerecht. Lieber Gott! Nimm dieses unser Opfer an! Verlaß doch uns arme Sünder nicht.
Königin des Himmels und der Erde! Bitt für uns! Wir legen unsere Sache in deinen jungfräulichen Schoß. Nimm uns in deine mütterliche Beschützung und Gnaden auf, o Maria!
Heiliger Erzengel Michael und ihr heiligen Schutzgeister, die ihr uns von Gott seid an die Seite gegeben worden! Laßt doch nicht geschehen, daß wir vom Satan überwunden werden, sondern helft uns besiegen, zur Ehre des heiligsten Namens Jesus."
 
Darum müssen wir uns auch nicht verwundern, daß Vater Wolf durch sein ganz und gar kirchliches Vorgehen manchen Geistlichen „bekehren" und für seine Sache gewinnen konnte. Wir haben dafür ein treffendes Beispiel in der Biographie des Josef Laurenz Schiffmann, Pfarrers, Dekans und Domherrn der Diözese Basel, von Alois Lütolf Räber, Luzern, 1860. Schiffmann war einer der gelehrtesten und angesehensten Geistlichen, ein Mann streng kirchlicher Richtung, ein berühmter Sailerschüler. Aber von den kirchlichen Segnungen wollte er nichts wissen. Vater Wolf verkehrte viel in der Gemeinde Egolzwil bei einer (offenbar stigmatisierten) Jungfrau Bühlmann. Egolzwil gehörte damals noch zur Pfarrei Altishofen. Schiffmann war seit 1811 dort Pfarrer. Und nun lesen wir in dessen Biographie, S. 89:
 
„Der Kanton Luzern selber besaß damals seinen Gaßner in dem schlichten, frommen Bauersmann Niklaus Wolf von Rippertschwand. Derselbe war öfters auch in den Kirchensprengel von Altishofen zu Kranken berufen worden. Schiffmann, rasch, jung und kräftig, sah solches ungern, denn ihm komme in seiner Pfarrei das Lehren in geistlichen Dingen und das Benedizieren zu. Er beauftragte die Leute, wenn N. Wolf wieder komme, ihm zu sagen, daß er sich vor dem Pfarrer stellen und Rechenschaft geben solle. Bald darauf kommt ein einfacher Bauer in altertümlicher Tracht und gibt sich in seiner heitern, jovialen Weise als der Bet- und Wundermann zu erkennen. Das Verhör fiel sehr befriedigend aus. Von da an waren sie gute Freunde. Die Folge war, daß jetzt Schiffmann anfing, das kirchliche Benediktional, das er früher wenig beachtete, aufmerksam durchzulesen, ja eigentlich zu studieren. Er kam zu der Ansicht, daß die darin bezeichnete kirchliche Gewalt durch Laien wie N. Wolf sich geltend mache, weil Priester darüber weggingen und ihre Träger nicht sein wollten. Die Kirche ging ihm darin in noch nie gekannter Lieblichkeit auf, erlösend, segnend und heiligend den Menschen nach allen Seiten. Von da an nahm er sich der körperlich und geistig Bedrängten mit Liebe und Eifer selbst ausdauernd an. Der Zudrang der Hilfsbedürftigen dieser Art dauerte bis an sein Lebensende." - Pfarrer Schiffmann schrieb sogar ein volkstümliches Büchlein zur Erklärung und Verteidigung der kirchlichen Segnungen, ganz im Sinn und Geiste Vater Wolfs.
Indessen blieben die zahlreichen liberalen Geistlichen in Abwehr- und Kampfesstellung gegen Wolf. Es kam vor, daß sie ihn sogar bei der ganz links stehenden Regierung verklagten. - Im Pfarrarchiv von Wolhusen ist noch ein Brief vorhanden, in dem die radikale Regierung dem Pfarrer von Wolhusen dankt, daß er auf das gefährliche Treiben Wolfs aufmerksam gemacht habe. Das für heutige Begriffe etwas kuriose Schreiben lautet: (Pfarrarchiv in Wolhusen, Fasz. Nr. 15a. Cop. a 7III. 1921) Luzern, den 5ten Wintermonat 1814. Der Polizei-Rath des Täglichen Raths der Stadt und Republik Luzern an den Herrn Pfarrer von Wolhusen (Christoph Dub).
Hochwürdiger Herr Pfarrer!
Wir haben in Ihrer Zuschrift vom 30ten Weinmonat letzthin mit Vergnügen vernommen, daß Ihre löbl. Bemühungen, der Verbreitung der Sekte der Tertianer in Ihrer Partei Einhalt zu tun, nicht ohne wohltätige Wirkung war. Wir wünschen sehr, daß Sie Ihre Tätigkeit hierin fortsetzen, wobei Sie sicher auf unsere Unterstützung rechnen dürfen. Sie sind aber nicht der einzige Pfarrer, dem diese Angelegenheit ans Herz gelegt wurde. Der hochw. Herr Pfarrer Balthasar erhielt eine gleiche Aufforderung.
Da Wir inzwischen sogleich einsahen, daß allforderst dem Übel auf geistlichen Wegen entgegengewirkt werden müsse, so haben Wir auch den hochw. Herrn bischöflichen Comißarius derwegen in Kenntnis gesetzt, der bereits schon von der Sache instruiert, sogleich zur Unterdrückung dieser wahrhaft verderblichen Sekte Hand zu bieten versprach, und mit einem Kreisschreiben die hochw. Herrn Pfarrherrn auf selbe, sowie auf ihre Häupter insbesonders aufmerksam zu machen beschlossen hat. Wahrscheinlich wird Ihnen ein solches Schreiben anjetzt zugekommen sein. Wir werden Uns auch nicht minder bemühen, eben die Häupter dieser Sekte auszuforschen; und dann, sobald Wir selbe kennen und entdeckt haben, gegen sie, wenn Belehrungen fruchtlos bleiben, weitere zweckdienliche Maßregeln ergreifen. Sie deuten auf eines dieser Häupter, das sich in der Gemeinde Neuenkirch aufhalten soll. So wie wir Ihnen versprechen, daß alle diesfällige Anzeigen geheim gehalten, und Ihr Name nie zur Sprache kommen soll, so läßt es sich auch verhoffen, daß Sie gegen Uns nicht zurückhaltend seien, sondern den Erwähnten als Hauptanstifter wohl und ohne mindeste Scheu noch Gefahr Uns benennen werden. Es liegt Uns noch um so mehr hieran, da Wir Uns im Falle sehen, von Ihnen wegen ihm Zuverläßiges und Bestimmtes vernehmen zu können, während Wir auf andern Wegen noch lange Nachforschungen halten müßten, die, wie es dann gar oft der Fall ist, in dergleichen Sachen ein sehr ungenügendes Resultat gewähren. Kennen Wir bereits den Einten der Urheber, so wird es Uns auch ein Leichtes sein, seine vorzüglichen Anhänger zu entdecken.
Würde es Ihnen aber besser conveniren, dem hochw. bischöfl. Herrn Comißar jenes der Häupter zu melden, sowie auch den Geistlichen ihm näher zu bezeichnen, der gerade entgegen gesetzter Meinung ist, und anstatt mit Ihnen gleichen Schritt zu gehen, was Sie hierin Gutes erzwecken, wieder zu stürzen sucht, so wollen Wir hierin gar nicht vorgreifen, sondern es soll so angenehm sein, wenn Sie mit Hochselbe sich ins Einverständnis setzen.    (hinausgerissen) Siegel!
Das, was Sie Uns im übrigen wegen dem Buch von Mene über die Sakramentalien bemerken, werden Wir benutzen, um genauere Ideen über diese Irrlehren zu erhalten.
Indem Wir schließlichen Ihnen Unseren Dank bezeugen über Ihre schnelle und ausführliche Berichterstattungen seien Sie zugleich Unserer wahren Achtung und Wohlgeneigtheit bestens versichert.
Der Regierungs-Rath Vice-President: b. Gloggner. Namen des Polizei-Raths: J. W. Schnyder.

Unter dieser „Sekte der Tertianer" ist wohl der Dritte Orden des hl. Franziskus gemeint. Das regierungsrätliche Schreiben nennt ihn „eine wahrhaft verderbliche Sekte". Und unsern frommen Niklaus Wolf zählt es zu den Häuptern dieser Sekte. Die Mitglieder des Dritten Ordens freuen sich dieses Hauptes.

Damit haben wir bereits angedeutet das Verhalten der Regierung
Die allgemeine Geistesrichtung dieser Regierungsmänner schildert der bekannte Pfarrer X. Herzog in seinen Bildern aus dem Leben des Josef Leu sel. köstlich und trefflich folgendermaßen (S. 17): „Dem Siebnerkonkordat zur Seite stellte man der Kirche oder gegen die Kirche die Badenerkonferenzartikel, und durch diese konnte man machen, was man wollte. Und waren sie zufällig nicht elastisch genug, so konnte man auch darüber hinausgehen, da sie ja auch das Dispensationsrecht für die Regierung in sich selber enthielten, denn der Strumpf muß sich nach den Beinen richten, gerade oder krumm, gleichviel. Papst und Bischof, die alten Benefiziaten und die jungen Theologen, Disziplin und Kirchengüter, Ablaß, Bitt-, Fest- und Fasttage, alles hatte man in einem Sack, und keines von allen durfte sich rühren ohne das Placet, d.h. ohne Genehmigung der neuen .Gnädigen Herren und Oberen'. Der Radikalismus stand damals wirklich hierzulande in seiner Blüte. Der Kleine Rat (Regierung) war der treue Schatten dessen in Aarau, der Große Rat wie von Tauben zusammengetragen.
 
Alle Gerichte standen unter dem Großmeister der Jurisprudenz, dem seine dienstbaren Geister, Advokaten und Botenweibel, täglich ihr dreifaches Groß, Groß, Groß!' entgegensangen. Alle Schulen waren das Bild des edlen Referenten. Auch das andere Reich neigte sich zum Bruderkuß; war's mit dem Pfarrer nicht zu machen, so hielt der Kaplan her, oder man suchte an dem Vikar etwas zu pfuschen, man machte sich an die Köchin oder benützte gar den Sigristen. Ein 'eidgenössisches' Blatt verteidigte den Meineid, legte zweimal wöchentlich Zeugnis ab von der unvergleichlichen Weisheit und Gerechtigkeit der Regierung, wie die so brav Religion habe und in die Kirche gehe und daß die Religion noch lange nicht in Gefahr sei, ja nicht einmal in Gefahr kommen könne. Die Kultur und der Ertrag des Bodens, der Friede Europas, der gute Wein von 1834, all das hat man der neuen Regierung zu danken."
Wenn auch der alte Balbeler diese Schilderung der neuen Regierung widmet, so wissen wir aus Akten und Regierungserlassen früherer Jahre, daß der gleiche Geist schon seit mehr als zwanzig Jahren im Kanton Luzern herrschte. Darum kann man die ganz feindselige Einstellung der Regierung zu Niklaus Wolf leicht begreifen.
Freilich wagte die Regierung nicht, den heiligmäßigen Mann gefangen zu setzen. Aber sie führte doch einen heftigen Kampf gegen dieses „staatsgefährliche", „abergläubische" Treiben des „Neuenkirchers". Alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt. Die Polizeiorgane bekamen genaue Weisung, auf den Mann zu achten und auch die Geistlichkeit samt Mönchen und Nonnen zu beaufsbhtigen. (Schwendimann, Seite 12 u. ff.) - Der apostolische Vikar bewies mit einem Brief vom März 1816 deutlich und klar, daß diese Benediktionen von Wolf ganz im Sinn und Geist der katholischen Kirche ausgeführt werden. Trotzdem vertrat die Regierung mit Kreisschreiben vom April 1817 und Mai 1818 diesen „Quark" der Sakramentalien.
 
Schon 1815 hatte die Regierung bei der kirchlichen Behörde, d. h. bei Generalvikar Göldlin das Verlangen gestellt, daß er dem Wirken Niklaus Wolf Einhalt gebiete. Göldlin berief Vater Wolf zu sich, verhörte ihn und untersagte ihm dann jedes besondere Gebet um Heilungen. Vater Wolf gehorchte sofort, ohne Murren und Klagen. Vom Juni 1815 bis zum 18. Juni 1816 wies er alle Bittgesuche der leidenden Mitmenschen ab. Dennoch kamen Tag für Tag solche Gesuche um Hilfe. Oft blutete ihm das Herz, wenn er die große Not sah und doch nicht helfen durfte. Aber er sagte: „Gehorchen ist meine Pflicht". Das ganze Jahr übertrat Wolf das Verbot nicht ein einziges Mal und gab so ein herrliches Beispiel des Gehorsams gegenüber der geistlichen Obrigkeit.
Aber das Volk hatte keine Ruhe. Da die Bittgesuche nach Rippertschwand nicht fruchteten, schrieb man an den Generalvikar nach Beromünster. Im Luzerner Staatsarchiv sind noch drei dieser Bittgesuche erhalten. - Das erste lautet:
 
„Hochedelgeborner, hochwürdigster, gnädiger Herr!
Karl Greter, Friedensrichter in hier, ein Mann von großer Frömmigkeit, schon lange krank, nachdem er einen großen Teil seines Vermögens deswegen versplittert, ließ endlich den bekannten Niklaus Wolf von Rippertschwand rufen, um von ihm durch Sakramentalien geheilt zu werden. Allein dieser sagte, daß er es tun werde, wenn Ihre Gnaden der päpstliche Generalvikar ihm dazu die Erlaubnis erteilte.
Ich ersuche also Ihre hochw. Gnaden im Namen des Kranken, dem besagten Nikolaus Wolf die Erlaubnis zu erteilen, damit er anher kommen dürfe, unter meiner Aufsicht die geistliche Curation vorzunehmen, in Fall auch in Hinsicht meiner Krankheit.
Meine Krankheit wächst immer bei wachsender Kälte usw.
Gottes Gnade und Ihrer Gnaden empfehlend
Clemens Ulrich, Paroch. Greppen, den 27. 9 ber 1815."
 
Drei weitere Briefe von Pfarrverweser Hieronimus Knüsel zu Adligenswil (vom 18.1., 16. II. und 21. III. 1816) bestätigen, daß Niklaus Wolf während der Zeit des Verbotes auf besondere Erlaubnis hin in dringenden Fällen zu Kranken gehen durfte.
Bezeichnend ist folgender Brief:
 
„An den hochw. Herrn Apostel. Gen.-Vikar Franz Bernard Göldlin von Tiefenau, Propst auf dem löbl. Stift zu Bero-Münster.
Willisau, den 23. März 1816.
Hochwürdigster Herr Apostolischer General-Vikar!
Zwei Kranke aus meiner Pfarrei, Leonz Schwegler im Feld, ein armer Jüngling, der bei dreiviertel Jahren öfters an einer schwermütigen Krankheit leidet und Elisabeth Flückiger zu Hofstetten, eine noch junge, wahrhaft christliche Ehegattin, Mutter von mehreren Kindern, die beiläufig seit 14 Monaten an einem Fuß das schmerzliche Übel des Beinfraßes hat, ersuchen Sie, Hochwürdigster Herr! bitlich um die gütige Erlaubniß, daß sie ihre Zuflucht bei dem Niklaus Wolf zu Neuenkirch nehmen und dieser ihnen mit geistlicher Hilfe, so wie er es nötig finden möchte, beispringen dürfte.
Auch ich lege meine Bitte für obige Personen bei, und das um so lieber, weil ich den Niklaus Wolf durch mit ihm öfters gepflogenen Umgang ziemlich nahe kenne, und darum weiß, daß er in Hinsicht der Sakramentalien nicht bloß nach gutmütiger Einfalt, sondern wahrhaft weise - in und nach dem Geist der katholischen Kirche handelt. Und daher kommt es auch gewiß, daß schon mancher Mensch (dergleichen ich kenne), der in diesem vertrauensvollen Geist, von der frommen Demut des Niklaus Wolf unterstützt, zu Jesus Christus, in dessen Namen um Hilfe gerufen, eine sonderbar auffallende Wohltat erhalten hat. Ich vertraue auf Ihre weise Güte und verbleibe in aller Ehrfurcht und innigster Ergebenheit Ihrer Gnaden treu ergebener Diener Jos. Meyer, Plebanus."

Anmerkung: Dieser Leutpriester Meyer wurde 1827 Dekan des Kapitels Willisau.
 
Nach Verfauf eines Jahres wurde Vater Wolf wieder nach Münster berufen; nach nochmaliger Prüfung hob der Generalvikar das Verbot auf und gab ihm folgendes Diplom:
„Dem geneigten Leser zum Gruß im Herrn! Nachdem wir den Niklaus Wolf von Rippertschwand wohl geprüft und seine gute Absicht vernommen haben, so erteilen wir ihm die Erlaubnis, Benedicendi et exortiandi nach seiner üblichen Gewohnheit zu belehren. Es geschehe aber jedesmal mit Bewilligung des Ortspfarrers und ohne daß Volksaufzug verursacht werde.
Beromünster, den 18. Brachmonat 1816. F. B. Göldlin".
 
Propst F. B. Göldelin von Tiefenau Geb. 4. Febr. 1762, zum Pnester geweiht in Meersburg 1783, Vikar in Wolhusen und Inwil, Pfarrer daselbst, Festprediger an der IV. Jahrhundertfeier der Schlacht bei Sempach 1786, Chorherr zu Münster 1790, Kapitelssekretär, zum Propst gewählt am 28. März 1803, von 1814 an Generalvikar des schweizerischen Teils des Bistums Konstanz, gest. 16. Sept. 1819.

 

Vater Wolf selber war ob dieser Wendung der Dinge nicht besonders erbaut. Er erzählt dazu:
„Nach Verlauf eines Jahres mußte ich wieder vor das Generalvikariat treten. Da hob der hochw. Herr das erlassene Verbot wieder auf. Mir wäre nun bei meiner Ruhe wohl gewesen, und lieber hätte ich den Pflug als den Wanderstab zur Hand genommen, den ich schon manches Jahr brauchen mußte. Ich bat daher kindlich dringend meinen geistlichen Obern, er möchte mich doch ruhig bei meinem alten Landwirtsberufe und das Verbot fortbestehen lassen. Allein der hochwürdige Herr bestand auf der Aufhebung des Verbotes und erteilte mir dann eine förmliche, schriftliche Erlaubnis, untergeordnet unter den Pfarrherrn jeden Ortes, den Mitmenschen, zu denen ich gerufen würde, mit Gebet im Namen Jesu beizuspringen, jedoch ohne Vornahme von Benediktionen und Exorzismen, da solches Sache der Priester und nicht der Laien sei."
So wirkte nun Vater Wolf wieder weiter, getragen von dem immer wachsenden Zutrauen des Volkes, noch 16 Jahre lang bis zu seinem Tod.
Der Entscheid des Generalvikars aber rief in der kirchenfeindlchen, regierungsfreundlichen Presse einen wahren Sturm der Entrüstung hervor. Göldlin wurde als Obskurant und Förderer abergläubischen Volksbetruges hingestellt und arg verlästert. B. Fleischlin schreibt in seiner Göldlin-Biographie Seite 77 u. ff.:
„Noch während den Ereignissen hatte die ,liberale' Presse neuen Anlaß gefunden, den Generalvikar zu verlästern; diesmal als Obskurant und Förderer abergläubischen Volksbetruges. Er hatte dem ebenso schlichten als berühmten Bauern Niklaus Wolf von Rippertschwand schriftlich die Vollmacht erteilt, für die Leute zu beten und die Exorzismen - die Liberalen nannten sie einen Skandal der gesitteten Welt -anzuwenden... Wolf ist eine mystische Erscheinung im Geist des Bruders Klaus und der Katharina Emmerich. Er hatte den geistvollen Schiffmann und durch ihn die ganze Sailerschule wieder das altkirchliche Ritual anwenden gelehrt, selbst Clemens Brentano wurde auf ihn aufmerksam gemacht. Das katholische Luzemervolk verehrte ihn als Heiligen...
Im Jahrgang 1836 des Bruderklausenkalenders ist figürlich dargestellt, wie Wolf im Audienzzimmer der Propstei Münster das Diplom aus Göldlins Hand entgegennimmt. Beider Züge sind auffallend gut gezeichnet. Merkwürdig ist, wie hier Luzerns angesehenster Priester und sein größter Volksmann sich die Hand reichen."
Dr. Ludwig Snell, ein nassauischer Flüchtling und jetzt tonangebender schweizerischer Politiker und Feind jedes religiösen Sinnes, schrieb von dieser Zeit:
 
„Sogar den krassesten Aberglauben verschmähte die Geistlichkeit nicht. Im Jahr 1816 bildete sich im Kanton Luzern eine Gesellschaft von Wundertätern und Teufelsbannern, die mit Hilfe von Zauberformeln und Weihwasser Krankheiten heilen und Teufel vertreiben wollten. Pfarrer, Kapläne und Professoren waren Mitglieder dieser Gesellschaft; an ihrer Spitze stand ein Bauer namens Niklaus Wolf, welchem - im 19. Jh.! - zum Skandal der gesitteten Welt der apostolische Generalvikar folgendes Patent ausfertigte" (wie oben angeführt).
 
Wir sehen daraus, wie die Gegner Wolfs mit Lüge und Verleumdung gegen ihn arbeiten. Doch das wahrhaft heiligmäßige Leben und Wirken Vater Wolfs, die vielfachen guten Früchte von Lebensbesserung vieler, die er besuchte und ermahnte, das immer mehr wachsende Zutrauen auch des Klerus stellten alle diese gegnerischen Schritte in den Hintergrund. Die gute Sache siegte.

 
Zum Schluß dieses Abschnittes stellen wir noch kurz eine Übersicht zusammen über die Freunde und Gegner Wolfs.
 
Unter dem Klerus hatte Wolf mit den Jahren immer mehr Anhänger. Besonders die Sailerschüler, an ihrer Spitze die geistlichen Professoren der höheren Lehranstalt in Luzern, Alois Gügler und Josef Widmer, begannen seit 1809 immer mehr zum Mystizismus hinzuneigen, hauptsächlich veranlaßt durch das Leben und Wirken Niklaus Wolfs. - Im Jahr 1817 machte Wolf die Bekanntschaft eines der gelehrtesten und hervorragendsten Priester, Josef Rudolf Ackermann. Dieser hochtalentierte Mann hatte schon mit 20 Jahren seine theologischen Studien abgeschlossen. Aber er hatte eben damit das kanonische Alter für die hl. Weihen noch nicht und mußte warten. Erst nach drei Jahren empfing er, immer noch mit kirchlicher Dispens, die Priesterweihe. Von 1815 bis 1817 war er Kanzler beim apostolischen Vikar Propst Göldlin in Münster und dann vier Jahre Schulherr an der Stiftsschule in Münster. - Ackermann machte mit Vorliebe historische Forschungen; die alten Schriften las er spielend. Wiederum hatte er großes Interesse für rechtliche Fragen. Er schrieb einen tadellosen Kanzleistil. Mit 26 Jahren wurde Ackermann zum Pfarrer von Ballwil gewählt. Sein Nachfolger, Pfarrer Herzog (der alte Balbeler genannt) bezeugt, Pfarrer Ackermann habe dem Namen Ballwil großes Ansehen verschafft. Er wurde Dekan des Kapitels Hochdorf.
 
Niklaus Wolf hielt sich oft längere Zeit bei Pfarrer Ackermann auf; sie wurden und blieben zeitlebens vertraute Freunde. Vater Wolf hatte auf seinen geistlichen, hochbegabten Freund einen großen Einfluß. Spuren dieses Einflusses zeigen sich deutlich in den Schriften Ackermanns. Von dieser Zeit an studierte Ackermann gründlicher die großen Mystiker des Mittelalters, Franz von Assisi, Dominikus, Tauler, Heinrich Suse, Anselm, Albertus d. Gr., Thomas von Aquin, Thomas von Kempen, Niklaus von der Flüe usw. Gerade darum hatte der gelehrte Pfarrer ein großes Interesse an dem lebenden Mystiker Niklaus Wolf.
 
Die Freundschaft dieser beiden Männer hatte auch für den Kanton Luzern eine große Bedeutung, und zwar deshalb, weil Pfarrer Ackermann bald an der Spitze der streng kirchlichen Richtung im Kanton Luzern stand. Sein Haus war der Treffpunkt großer Herren von nah und fern. Selbstverständlich hatte Pfarrer Ackermann auch großen Einfluß auf Vater Wolf. Und er war der passendste und berufenste Lebensbeschreiber des alten vertrauten Freundes, des frommen Wolf. Auch in dieser Lebensbeschreibung zeigt sich der große Theologe.
 
Andere Freunde und Anhänger Wolfs waren Pfarrer Schmidli und Kaplan Geißhüsler in Neuenkirch, Pfarrer Sicher in Vitznau, Pfarrer Banz in Hildisrieden, Pfarrer Brunner und Kaplan Schindler in Rothenburg, Pfarrer Sigrist in Horw.
 
Auch die heftigsten Gegner Vater Wolfs seien kurz erwähnt. Zu den offiziellen Gegnern gehörten vor allem Eduard Pfyffer, Schultheiß Amrhyn, Dr. Vital Troxier und namentlich der bischöfliche Kommissar Thaddäus Müller in Luzem. - Im „Wegweiser in der Eidgenossenschaft" vom 5. Mai 1817, dem Kirchenblatt der freisinnigen Geistlichen, das in Konstanz gedruckt wurde, wird Wolf dargestellt als „geistlicher Quacksalber", als „Wundertäter", als „simpler Bauer", als „in seiner Art einziger Mann", und es werden die Sanitätsbehörden des Kantons Luzern zum Aufsehen und Einschreiten ermahnt. Und in der gleichen Nummer schreibt ein Einsender am Schluß eines Schmähartikels: „Indessen hofft man, daß nächstens höheren Orts gegen diese elenden Abkömmlinge eines Gaßner werde eingeschritten werden, die dann freilich auf ein neues ihr Zetergeschrei über Aufklärung und Zeitgeist erheben werden." Zu den liberalen Regierungsmännern und den liberalen Geistlichen gesellten sich als Gegner Vater Wolfs die meisten liberalen politischen Führer.

 

Wie Vater Wolf seine Krankenheilungen verteidigte

Niklaus Wolf schrieb zu seinem eigenen Trost viele schöne Gedanken und Erwägungen nieder, besonders über das Gebet und seine Erhörung, über Wunder und außerordentliche Zeichen, auch über seine Wirksamkeit, die so oft falsch verstanden wurde. Man muß dabei staunen, welch hohe Einsicht dieser einfache Bauer in geistlichen Dingen und religiösen Fragen besaß. Da war er daheim, daß er in manchen Punkten sogar Priestern Aufschluß und Belehrung geben konnte. Aber staunen müssen wir ebenso, wie treffend er seine Gegner abfertigte, kurz und kräftig wie ein gewiegter Advokat.
 
Dafür einige Beispiele:
Ein frommer Priester bemerkte ihm einst, daß doch die Leiden oder Krankheiten Mittel zur christlichen Vervollkommnung seien und das Kreuz ausmachen, das jeder Christ täglich auf sich nehmen müsse; daß also das Erlöstsein wollen davon nicht christlich sei. Darauf erwiderte Vater Wolf: Die Verherrlichung Gottes ist das Höchste. Wenn durch die Heilung der Kranken Gott und der heiligste Namen Jesus verherrlicht werden, warum soll es nicht geschehen? Jesus hat den Kranken, die zu ihm kamen, nicht gesagt: Leidet geduldig! usw., sondern er hat sie gesund gemacht, damit mein Vater durch ihn verherrlicht werde und er durch den Vater."
 
Auf ähnliche Weise widerlegte Niklaus Wolf den Einwurf, daß Zeichen und Wunder nur beim Beginn der Kirche nötig gewesen seien zur Begründung derselben. Er sagte: „Der Herr hat in seinen Einladungen und Versprechungen keine Zeit ausgenommen. , Wenn ihr mühselig und beladen seid, so kommt alle zu mir, ich will euch erquicken.' (Mt 11,28.) Die Kirche Gottes war nie ohne Zeichen, wie sie auch nie ohne Feinde und ohne Kampf war. Durch Zeichen mußte sie sich stets als die wahre Kirche bewähren. Und in unseren Zeiten hat sie es notwendiger als je."
 
Über seine als unkirchlich verschrieene Wirksamkeit schrieb er folgendes:
Man sagt: ,Es ist nicht kirchlich'. Ich aber frage: Ist es nicht kirchlich, wenn man zusammenkommt, von Gott und göttlichen Wahrheiten redet, einander aufmuntert zur Liebe Gottes, zur Haltung seiner Gebote, und, um seine Gebote halten zu können, zur öfteren Beicht und Kommunion, zur andächtigen und eifrigen Beiwohnung des Gottesdienstes, zum eifrigen Gebet im Namen Jesu mit großem Vertrauen? Ist es nicht kirchlich, einander zu lebendigem Glauben und Vertrauen aufzumuntern, besonders in einer Zeit, in der man darüber spottet und sich desselben schämt? Ist es nicht kirchlich, die Leute aufzumuntern, die von der Kirche geweihten Sachen mit Andacht, Ehrfurcht und reumütigem Herzen, eifrigem Gebet und großem Vertrauen zu gebrauchen und in allen Versuchungen der Seele und des Leibes standhaft zu sein? Oder ist das Kreuzzeichen weniger kirchlich?"
 
„Ich ermahne die Leute, keinen Morgen ihr Schlafzimmer zu verlassen, ohne zuvor auf die Knie gefallen zu sein und ein eifriges Gebet zu Gott verrichtet zu haben; erst dann, sage ich ihnen, könne man den Tag im Namen Jesu anfangen und den Beistand Gottes in allen Geschäften und Verrichtungen erwarten. Ich ermahne sie auch, den Tag mit einem eifrigen Nachtgebet und der Übung der Reue über begangene Sünden zu beendigen. Ist das unkirchlich?"
 
„Ist es unkirchlich, uneinige Eheleute einig zu machen. Halbverzweifelten, Angefochtenen, in Not und Elend Schmachtenden, Hilflosen, Betrübten mit Unterricht, Gebet, Anrufung des hl. Namens Jesus zu Hilfe zu kommen? Man sollte also nicht sagen, es ist nicht kirchlich, sondern es ist nicht üblich, der jetzige Zeitgeist kann es nicht leiden. Aber soll man darum aufhören?"
 
„Man wirft vor, der Zulauf sei zu groß. - Es ist wahr, der Zulauf ist groß. Allein, wenn andere, die gleichen Beruf und noch mehr Einsicht haben als ich, sich dieser Sache annehmen würden, so wäre der Zulauf kleiner. Weil es aber andere nicht tun, sollen dann deshalb die Notleidenden hilflos sein?"
 
„Ferner wirft man vor, es könnte Mißbrauch und Aberglaube daraus entstehen, besonders wenn die Leute nicht genügend Unterricht bekommen. - Aber soll man das Gute, Wahre und Nützliche wegschaffen, weil ein schlechter Mensch da und dort einen Mißbrauch davon machen kann, während hundert andere daraus den größten Nutzen ziehen für Leib und Seele?
 
Ein lebendiges, gläubiges Vertrauen auf Jesum, die große Wirkung, die sie sehen und empfinden, was bewirken sie im Menschen? Geheilte und Umstehende brechen in rührendes Lob Gottes aus, bereuen gewöhnlich ihre Sünden, beten mit neuem Eifer zu Gott, werden entzündet in der Liebe Gottes und gestärkt im Glauben und Vertrauen an die Verheißungen, die Jesus im Evangelium getan, erinnert an die Glaubenswahrheiten und befleißen sich gewöhnlich, mehr christlich zu leben. Wegen jenen andern, die die evangelischen Wahrheiten hassen, darf man den Glanz und die Herrlichkeit des hl. Namens Jesus nicht verbergen. Was ist Heiligeres und Schöneres als das hl. Evangelium? Und ist etwa kein Mißbrauch damit gemacht worden? Woher die Ketzereien? Stützen sich nicht alle auf das Evangelium? Sollte man nun deshalb das Evangelium abschaffen? Wie viele mißbrauchen die hl. Sakramente als Deckmantel der Bosheit, während andere den größten Nutzen daraus schöpfen? Am allermeisten hassen die Spöttler diese Lebendigkeit des Glaubens, und am allermeisten werden sie zuschanden gemacht durch die Zeichen, die dem Glauben folgen. Ihr ganzer Kram wird durch ein solches Zeichen auf einmal zu Boden geworfen. Sie unterstehen sich sonst, alles wegzuleugnen, alle Wunder, die in den heiligsten Büchern enthalten sind. Da nun aber ihr System durch diese Zeichen zuschanden gemacht wird, so schreien, wüten und toben sie über Aberglauben, Mißbräuche und sagen: ,Die Zeichen sind jetzt nicht mehr notwendig, nur beim Anfang des Christentums waren sie nötig, jetzt ist die Religion schon bewährt' usw. Sie wenden alles an, diese Zeichen zu zerstören, zu hintertreiben und gänzlich abzustellen. ,Das sind ja einfältige und ungelehrte Leute' sagen sie, ,Gott wird kein Wunder tun wegen diesen Einfältigen. Wenn etwas Rechtes an der Sache wäre, so würden es die Gelehrten tun, sie verstehen ja das Evangelium gewiß besser als diese. So gehen diese einen unrechten Weg, betrügen sich und andere Einfältige; gescheite Menschen, die Verstand, Geist und Kopf haben, hangen ihnen nicht an.' - Antwort:
 
Da zeigt sich aber die Macht Gottes am herrlichsten, wenn er durch Einfältige die großen Geister der Welt zu Boden schlägt, ihre vermeinte Weisheit und Großsprecherei zuschanden macht. Täten es doch hochgelehrte Männer, die in großem Ansehen stehen, so würde es wieder getadelt, als Betrug durch Ansehen und Wohlredenheit angestrichen. Zeichen sind schon geschehen; sie können nicht geleugnet werden, darum griesgramen sie, die da immer von Bruderliebe und Nächstenliebe reden: Sie wollen nicht dulden, daß einem in Not und Elend, in Schmerzen liegenden, ganz hilflosen Menschen durch den hl. Namen Jesus soll geholfen werden. Schöne Nächstenliebe! Diesen großen Geistern, die beständig über Mißbräuche schreien und sich weder vom Evangelium noch andern Wahrheiten belehren lassen, möchte ich sagen: Geschieht nicht täglich Mißbrauch im Essen und Trinken? So schaffen Sie denn zuerst Essen und Trinken gänzlich ab, und zwar zuerst bei sich selbst; hernach mögen Sie kommen und auch andere belehren, vom Essen und Trinken sich zu enthalten, weil viele Mißbräuche damit geschehen. Was den Skrupel der Freigeister über Mangel an Unterricht bei dieser Sache anbelangt, so ist dieser Unterricht im Evangelium begründet und enthalten und wird leichtlich von jedem, der das Wort Gottes verkünden hört, gefaßt. Auch den dümmsten Menschen kommt es in den Sinn, daß man eine gute Meinung haben und beten müsse. Wenn man schon nicht heilig sein muß, um diese Hilfe zu erlangen, so muß man doch heilige Absichten dabei haben.
 
Gesetzt, dieses Glaubensgebet, das sich auf evangelische Wahrheiten gründet und im hl. Evangelium selbst in der ganzen Welt verkündigt wird, würde ganz abgestellt: Gäbe es dann keine Mißbräuche mehr? Würde etwa der Glaube dadurch gewinnen? Würde die Kirche gewinnen an Ansehen und Ausbreitung? Wird sich der Schwachgläubige oder der Sünder eher bekehren ohne Zeichen als mit dem Zeichen des evangelischen Glaubens? Muß man nicht das Gegenteil behaupten?
Man sagt: ,Die Priester verlieren ihr Ansehen, wenn dies die gemeinen Menschen (die Laien) tun'. Allein es ist nicht so, sondern sie bekommen wieder mehr Ansehen; denn je mehr das Christentum ins Ansehen kommt, desto mehr kommen auch die Priester in Ansehen. Auch ermahnt man die Leute dabei zur öfteren Beicht und Kommunion, dem Gottesdienste mit Andacht beizuwohnen, und bemüht sich, dies große Geheimnis soviel wie möglich zu erklären. Man ermahnt sie ferner, die von den Priestern geweihten Dinge hochzuschätzen, sie mit einem demütigen, bereuenden Herzen, eifrigem Gebet, großem Glauben und Vertrauen zu gebrauchen, so werden sie große Hilfe des Leibes und der Seele erhalten, denn die Priester seien die Minister Gottes, die Ausspender der hl. Sakramente; das Priestertum sei der erhabenste Stand: Wo kein Priester, da sei kein wahres Christentum.
 
Diejenigen Christen, die geistliche Hilfe suchen, halten die Priester in größerem Ansehen als die Spötter und Verächter dieser Sache. Denn so wie diese den Namen Jesus verachten, verachten sie Jesum selbst; und von ihnen gilt das Wort Jesu an seine Apostel und Jünger: ,Haben sie mich verachtet, so werden sie auch euch verachten'.
 
Jene Feinde unserer Sache entgegnen ferner und sagen, man solle nicht übematürliche Hilfe erwarten und den hl. Namen Jesus für unmittelbare Hilfe anrufen, es sei denn, daß die Medizin nicht mehr helfen; erst nachdem man alles angewendet und probiert habe, sonst heißt es, Gott versuchen.
Mein Gott! Was soll ich dazu sagen, daß sie erst alsdann ihre Zuflucht zu Dir nehmen wollen, nachdem sie nirgends keine andere Hilfe mehr wissen? Wie wenig Ehre wollen sie dem so hl. Namen Jesu, deines innigstgeliebten Sohnes, schenken! So begehren sie ja ihre Rettung nur der Not und nicht der Ehre des Namens Jesus wegen; nicht deswegen, daß zu diesen finstern Zeiten der Name Jesus glänzen möge.
 
Und ich frage: Wo steht im Evangelium geschrieben, daß diese Zeichen erst dann geschehen werden, wenn sonst keine Rettung mehr zu hoffen ist? In diesem Fall müßte allemal jemand unparteiischer zugegen sein und erklären, ob man beten dürfe. Das Evangelium selbst widerlegt diesen Satz. Da Jesus das erste Wunder tat, an der Hochzeit zu Kana in Galiläa, war durchaus keine Not, Wein herbeizuschaffen. Und er sagte unbedingt: ,Wenn ihr nur ein Senfkörnlein groß Glauben habet, so werdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und übersetz dich ins Meer!, und er wird euch gehorchen'. Ist solche Tat wohl auch notwendig? Oder deutet sie auf die Notwendigkeit eines Notzustandes hin? Ebenso wenig wird dieser Notzustand bedungen, da der Herr spricht:. Wahrlich, ich sage euch, wer zu diesem Berge sagen wird: Erhebe dich und stürze dich ins Meer! und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, es geschehe, dem wird alles widerfahren'. Niemals, in keiner seiner Verheißungen hat Jesus eine Not ausbedungen, niemals den Glauben ohne Not eine Versuchung Gottes genannt. Wer also seine Bedingung setzen will, hilft das Licht verdrängen und die Finsternis herrschend machen; denn so würde durch kein Zeichen mehr bestätigt die evangelische Wahrheit, daß Zeichen folgen werden denen, die da glauben, die in der ganzen Welt verkündigt wird, und so würde selbst der Glaube an die Gottheit dessen, der dies versprochen, schwanken und schwinden und so die Absicht der Freidenker erreicht. Allein die Zeichen, die im Namen Jesu geschehen, schlagen ihren ganzen Kram zu Boden; darum wüten und toben die Neugläubigen oder vielmehr die Ungläubigen so über diese Zeichen. Es wird keine Not erfordert, aber ein lebendiger Glaube, und der lebendige Glaube wird da, wo keine Medizin mehr anschlägt und man darauf warten muß, bis keine mehr anschlägt, durch Zweifel und Unruhen beinahe unmöglich gemacht. Kurz, diese Bedingung setzen ist soviel, als die ganze Sache des Glaubens verwerfen und mit dem Evangelium im Widerspruch sein.'
 
,Aber, wenn dies so gut, nützlich und recht ist, warum tun es die Priester nicht?' So fragen viele. Ich antworte aber: Weil diese Sache viele Feinde, Verächter und Verspötter hat; denn der jetzige Zeitgeist kann dies unmöglich ausstehen. Weil nun die Priester zu dieser Zeit sonst viele Feinde und Verfolger haben, so würden sie sich mit dieser Sache noch mehr Feindschaft zuziehen, daß zuletzt zu befürchten wäre, daß ihnen gar andere, höhere, ihrem Priesterstande zukommende Verrichtungen hintertrieben würden. Auch haben diese Priester höhere, große wichtigere und viele Verrichtungen, wie die hl. Sakramente auszuspenden, zu predigen, zu unterrichten, das hochheilige Meßopfer zu entrichten, die Kranken zu besuchen, zu beten usw. Wieviel eifriges Gebet und Studieren ist mit ihrem Stand verbunden, um die so großen Geheimnisse mit Würdigkeit, Inbrunst und Andacht recht zu verrichten und wahre Nachfolger Jesu zu werden.
 
,Die Leute', werfen die Freidenker noch vor, haben aber bloß irdische Absichten: die meisten kommen nur darum, daß sie gesund werden; oft nur wegen eines kleinen Übels, z. B. Zahnweh und dergleichen.'
 
Werfen wir einen Blick auf die heiligen Evangelien, und betrachten wir die Absichten derjenigen, die von Jesus Heilung erwarten. Was war die Absicht des kranken Weibes, das den Saum seines Kleides berührte? Was war die Absicht der zehn Aussätzigen und des Blinden am Wege? Und heilte er sie nicht alle? ,Dir geschehe, wie du geglaubt hast!' war meistens seine einzige Antwort. Und wenn nun ein Kranker auch einzig, um geheilt zu werden, Zuflucht zum Gebet im Namen Jesu nimmt, wird denn nicht schon der Name Jesus durch dieses Zutrauen verherrlicht? Das Herz des Menschen wird bei solchem Vertrauen gewiß nicht tot bleiben: Die Hilfe erweckt Liebe und Gebet, die Liebe - Abscheu vor der Sünde; dies bringt neue Gnaden und neue Gnaden neue Tugend."
 
 Wenn wir diese Selbstverteidigung lesen, dann müssen wir staunen, staunen über die Geistesschärfe dieses einfachen Bauers; bewundern müssen wir, wie Vater Wolf alles im Lichte des Glaubens auffaßt. Vater Wolf ist nichts weniger als ein gefühlseifriger Frömmler, er ist eine Kraftnatur voll Glauben und Gottvertrauen.

 

IV. Wolfs letzte Lebensjahre und Tod

Am 9. Febr. 1829 feierte Niklaus in der Pfarrkirche zu Neuenkirch die goldene Hochzeit. Niemand in der Umgebung wußte etwas davon. Nur seine Familie, Pfarrer Schmidlin und Kaplan Rast waren dabei. „Da will ich keine an dem Hochzeitsgäste haben", sagte er, „als den göttlichen Heiland, die seligste Jungfrau und die lieben Seelen im Fegfeuer." - Er ließ zwei heilige Ämter halten, ein Seelamt und ein Lobamt; dabei empfing das Jubelpaar die heilige Kommunion.
 
Mit zunehmendem Alter vermehrten sich bei ihm auch die körperlichen Gebrechen. Oft stellten sich Ohnmachtsanfälle ein. Aber seine bekannte Heiterkeit nahm dabei nicht ab. Er bereitete sich jahrelang auf den Tod vor, indem er oft mit heiterer Miene bemerkte: „Der Tod legt mir mit jedem Tag ein Rechtsbot, zuletzt kommt die Abrechnung. Ich muß mich in acht nehmen, daß ich nicht fallit werde, um das Bürgerrecht des Himmels nicht zu verlieren."
 
Wiederum sprach er ganz ergeben in Gottes Willen: „Er kann mich nehmen und sterben lassen, wann und wo und wie er will, in welchem Augenblick er immer will; es geht mich nichts an; er ist der Herr, und ich kann und mag ihm nichts einreden; ich bin alle Stunden und Augenblick bereit." Er zeigte bei allen Beschwerden nicht die geringste Spur von Angst oder Ungeduld, von Kleinmut oder Geistesschwäche. Und wenn die Anfälle heftiger wurden, dachte Vater Wolf, der Herr wolle ihn in die Schule der Leiden nehmen, und es gezieme sich, da ein ergebener Jünger Christi zu sein.
 
Besonders war in den letzten Jahren der Winter für ihn beengend, und es bedurfte der ganzen Frühlingszeit, bis er sieh jeweilen erholt hatte. Die heiligen Mittel, mit denen er jahrelang Tausenden geholfen hatte, wollte er für sich nicht mehr anwenden. Aber immer noch half er damit andern, während er selber geduldig litt in der Kreuzesschule des Heilandes.

 - Witwe Fr.-Br. erzählt: „In den letzten Jahren fürchteten die Angehörigen für seine Gesundheit. Darum ließ man ihn nicht mehr allein fortgehen. Seine Frau ging gewöhnlich mit ihm. Viel ging er nach Ebersol."
 
Und wie er lebte, so starb er. In den letzten Jahren hatte er ja eigentlich nicht sich selbst und nicht den Seinigen angehört, sondern den leidenden Mitmenschen, dem Dienst Gottes in der leidenden Menschheit. In den letzten 26 Jahren hatte er keine bleibende Stätte, sondern überallhin, wohin Not ihn rief, setzte er seinen wandernden Fuß. So traf ihn auch der Tod nicht daheim, sondern in der Fremde.
 
Einem vertrauten Freunde hatte er einst gesagt: „Ich werde einmal in St. Urban sterben". So kam es. - Damals existierte dort noch das altehrwürdige Zisterzienserkloster. In dessen Nähe lag eine ihm bekannte Hausfrau schwer krank dar nieder. Die Ärzte konnten nicht helfen. Die Frau sagte: „Mir kann nur noch einer helfen: Vater Wolf von Rippertschwand". Der Abt des Klostors ließ Vater Wolf mit einem Fuhrwerk abholen. Witwe Tr.-Br. versichert: „Meine Mutter hat oft erzählt, wie sie dem Vater Wolf noch das Morgenessen machte, bevor er nach St. Urban ging." Am 3. Sept. 1832 kam Wolf dort an und brachte der schwerkranken Frau seine Hilfe. Die Klosterleute, besonders der Abt, hatten eine große Ehrfurcht vor Vater Wolf und baten ihn deshalb, er möge einige Tage bei ihnen bleiben als Gast. Wolf nahm die Einladung an und blieb. Bis zum 9. September befand er sich wohl. Am 9. September widmete er sich noch von morgens 9 Uhr bis abends den von allen Seiten gekommenen Kranken und heilte sie. Da erlitt er am Abend, wie er sich zur Ruhe begeben wollte, einen Schlaganfall, der ihn des Gebrauches der Stimme und der Glieder beraubte. P. Urban Winistörfer erteilte dem ehrwürdigen Kranken die hl. Ölung. Tags zuvor hatte er in der Klosterkirche die heiligen Sakramente empfangen.
Nachdem er die letzte Ölung empfangen, - es war am Montagabend -, ließ er ein Kind des Hauses, das er besonders liebte, herbeirufen, nahm von ihm Abschied, betete und segnete es. Von da an lebte er nur noch im Schlummer. Hie und da erwachte er, und in diesen lichten Zwischenpausen betete er und bezeichnete sich mit dem hl. Kreuz.
 
Am 18. September 1832, morgens 10 Uhr, entschlief er ohne den geringsten Todeskampf. Die Neuenkircher aber wollten den Leichnam ihres größten Mitbürgers nicht in der Ferne lassen. Die Leiche Vater Wolfs wurde unter Ehrengeleit abgeholt und am 21. Sept. 1832 im Beisein einer riesigen Volksmenge in Neuenkirch beerdigt.
 
Das Totenbuch von Neuenkirch berichtet: „Im Jahr 1832, am 18. September, 10 Uhr, starb Niklaus Wolf, der Gatte der Barbara Müller, zu St. Urban, und wurde hier am 21. ds. beerdigt mit 2 hl. Ämtern und mehreren hl. Messen. Er starb, mit allen hl. Sterbesakramenten versehen, im Alter von 76 Jahren, ein wahrhaft Frommer. N. B. Er reiste nach St. Urban, um daselbst im Namen Jesu Kranke zu heilen. Denn viele waren gekommen, um ihn zu hören und von den Krankheiten geheilt zu werden. (Lk. 6,18.)"
 
Die „Schweizer Kirchenzeitung" Nr. 12 vom 23. Sept. 1832 schrieb:
Luzern, 21. Herbstmonat. Heute wurde unter einem ungemeinen Zusammenströmen des Volkes aus den umliegenden Gemeinden die teure Leiche des durch viele auffallende und unleugbare Gebetserhörungen weit umher bekannt gewordenen frommen Bauersmannes Niklaus Wolf von Rippertschwand auf dem Gottesacker seiner Pfarrgemeinde Neuenkirch zur Erde bestattet.
Der von ihm schon lang ersehnte, von den Seinen aber gefürchtete Tod erreichte denselben am 18. dieses in Sankt Urban, wohin er vorzüglich auf die Bitte einer schwer leidenden Freundin sich begeben hatte, im 76. Jahre seines Alters.
 
Die ausführliche, von einem vertrauten Freund ausgearbeitete und schon dem Druck übergebene Lebensgeschichte dieses frommen Christen wird aufs neue beweisen, daß in Gläubigen die geistige Welt über die Materielle herrscht, sowie in Ungläubigen das Materielle und Vergängliche über den Geist."
 
Die Gattin überlebte ihren frommen Ehemann noch fast zwei Jahre. Sie starb am 7. April 1834 im Alter von 84 Jahren. Das Totenbuch bemerkt: „Uxorpiissima Aque piissimi Nicolai vidua". - „Eine sehr fromme Frau, Witwe des ebenfalls sehr frommen Niklaus."

 

Ergänzung:
Im Jahr 1952 wurden seine Gebeine umgebettet.

Die Überführung in die Unterkirche zu Neuenkirch glich einem wahren Triumphzug. Unter Glockengeläute und Musikklängen begleiten Geistlichkeit, Behörden eine Menge von 2.500 Personen- den Sarg des Dieners Gottes zu seinem Ehrengrab. Die Beisetzung in dem mit Marmorplatten ausgeschlagenen Grab nahm der Diözesanbischof Dr. Franziskus von Streng, Bischof von Basel und Lugano vor. In seiner Gegenwart wird das Grab mit drei Steinplatten verschlossen, an deren Fugen vom bischöflichen Gericht das Siegel des Bistums Basel angebracht wird. Darauf liegt Grabplatte mit der Inschrift: Hier ruht der fromme Diener Gottes Niklaus Wolf von Rippertschwand. Von 1756 bis 1832. Beigesetzt am 25. Juni 1952. „Der Gerechte lebt aus dem Glauben." (Hebr. 10,38). Inzwischen läuft der Seligsprechungsprozeß.
2017 wurde die Unterkirche renoviert.
Während des ganzen Jahres finden sich Beter am Grab des frommen Dieners Gottes in der Unterkirche. Das katholische Volk wünscht sehnlichst, daß Vater Wolf bald zu den Ehren der Altäre erhoben werde. Dafür muß aber viel und innig gebetet werden. Am Schriftenstand sind Gebete um Seligsprechung, Bildchen und Novenen erhältlich, ebenso beim Sekretariat der Niklaus Wolf Stiftung.

 

V. Das höhere Glaubensleben Vater Niklaus Wolfs

Auf seinem Grabsteine in Neuenkirch stehen die schönen Worte: „Der Gerechte lebt aus dem Glauben". Bei Vater Wolf trifft das buchstäblich zu. Auch die grundsätzlichsten Gegner Vater Wolfs konnten diesem nie etwas Schlechtes vorwerfen und taten es auch nie. Ja, gerade durch das Beispiel seines vorbildlichen Lebens wirkte Vater Wolf mächtig auf weiteste Kreise des Volkes ein. Niemand ging von ihm weg, ohne erbaut zu sein. Das beweist uns z. B. der Brief des J. M. Kaiser aus Zug, der vorn angeführt ist. Darum seien auch dieser schönsten und erbaulichsten Seite im Leben Vater Wolfs einige Zeilen gewidmet. Wir finden da kraftvolle, urkatholische, kernige Gebete, die er verfaßte. Wir erhalten Einsicht in seine religiösen Auffassungen und in besondere Übungen seiner Frömmigkeit. Gerade dieses höhere Glaubensleben, diese Tiefe seiner Frömmigkeit erklärt uns alles bisher Gesagte. Mögen darum diese schönen Gebete in unseren christlichen Familien wieder mehr gebetet werden!
Der große Staatsmann und Gelehrte Dr. A. Ph. von Segesser besaß kaum eine Viertelstunde von Rippertschwand entfernt ein großes Bauerngut. Er schreibt in seiner „Sammlung kleiner Schriften", II (Beiträge zur Geschichte des Stanser Vorkommnisses), S. 108:
Der Verfasser erinnert sich aus seinen Kinderjahren eines frommen Landmannes, der in weiten Kreisen geehrt ward, bei dem oft auch gebildete, selbst gelehrte Männer einen wunderbaren Seherblick zu finden glaubten. Die Erhebung des inneren Lebens in Gebet und Sinnenbeherrschung, die Zurückgezogenheit in das innere Sein in steter Richtung auf Gott, schafft vor der ruhenden Seele eine Klarheit, deren Licht die Außenwelt beherrscht, so daß in Wahrheit, was den Weisen der Welt verborgen bleibt, diesen Einfältigen vor Gott offenbar wird, und verleiht ihrem einfachen Wort eine Kraft, die weiter reicht als die scharfsinnigste Deduktion."

 

Die von Vater Wolf verfaßte Litanei

Ein Glaubens- und Taufbekenntnis in den Drangsalen der heiligen Kirche
Kyrie eleison!                [Herr erbarme Dich unser.]
Christe eleison!             [Christus erbarme Dich unser.]
Kyrie eleison!                [Herr erbarme Dich unser.]
Gott Vater vom Himmel!           
-
Erbarme dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt!
Gott Heiliger Geist!
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott,
Der Du als die ewige Wahrheit nicht betrügen kannst.
Der Du als die unfehlbare Weisheit nicht kannst betrogen werden.
Der Du Deine Kirche auf einen unüberwindlichen Felsen gebaut hast, (Mt 28,30)
Der Du Deiner hl. Kirche den beständigen Beistand versprochen hast, (Mt 28,30).
Der Du Deine Kirche in den größten Gefahren erhalten hast.
Der Du Deine hl. Kirche zwar oft hast bestreiten, aber nie besiegen lassen,
Der Du aus den Drangsalen der hl. Kirche allzeit den größten Gewinn gezogen hast,
Der Du ungeachtet alles Bestrebens der Hölle gewiß
Dein heiliges und verborgenes Ziel erreicht hast.
Der Du sicher über die Pforten der Hölle siegen wirst, Dessen Macht weder ein Staub der Erde, weder ein Verdammter der Hölle, noch ein Cherubim des Himmels sich entzieht. Dessen Auge kein Gerechter und kein Sünder entgeht, Dessen Herz so väterlich über die Seinen wachet. Dessen Engel ganze Kriegsheere in einer Nacht erschlägt (2. Mach. 8-9) Dessen Ehre beim Gewinn der Hölle nichts verliert. Dem alle Legionen der Engel zu Diensten stehen.
Der wie Samson einst seine verlachte Stärke wieder nimmt und seine Feinde zu Boden schlägt.
Der der Schlange das Haupt zertritt, (Gen. 3)
Ohne dessen Willen kein Haar von unserem Haupt und kein Spatz vom Dach fällt.
Der Du die Welt in Deinen Händen trägst und allein richten wirst.
Daß Du unser Gott und Vater bist, jeweils
-
Glaube ich fest, o Gott!
Daß Du Deinen Dienern helfen kannst, helfen willst und helfen wirst.
Alles geschriebene und ungeschriebene Wort Gottes,
Alle Lehren der Apostel,
Alle Aussprüche der hl. römisch-katholischen Kirche,
Ohne allen Anstand und Zweifel,
Mit gänzlicher Unterwerfung meines Verstandes,
Mit vollkommenstem Beifall des Willens,
Mit ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus allen Kräften, (Lk. 11, 27)
Mit innerlichem und äußerlichem Bekenntnis,
Mit allen öffentlichen Siegeszeichen der Fahnen und Miliz Jesu Christi,
Vor allen Richterstühlen,
Vor der Welt, dem Himmel und der Hölle,
Ganz freimütig und unerschrocken.
Wegen Deiner Wahrheit und Weisheit,
Wegen Deines göttlichen Wortes,
Wegen meiner ewigen Liebe zu Dir,
Wegen meines Glaubensbekenntnisses,
Wegen der erschrecklichen Zeit der Versuchung,
Wegen meines ewigen Heiles,
Sollte ich auch deswegen verfolgt werden.
Sollten sie mich auch für einen Sonderling halten, aus ihren Synagogen stoßen, um des Namens Christi willen mich alle Menschen hassen,
Sollte ich auch Hab und Gut verlieren.
Sollte ich auch Leib und Leben lassen.
Sollten auch ganze Schulen und Weltweise anders lehren.
Sollten Fleisch und Satan mir alle Reiche der Welt bieten, (Lk. 4, 7)
In allen Versuchungen,
In allen Kämpfen,
In allen Ärgernissen,
In den verzweifeltsten Umständen,
Im Leben und im Tod,
In Vereinigung mit jenem lebhaften Glauben aller Gerechten, In Vereinigung mit jenem standhaften Glauben aller heiligen Märtyrer, In Vereinigung mit jenem vollkommensten Glauben der jungfräulichen Mutter Maria, Allen falschen Engeln des Lichtes, (Kor.)
- Widersage ich von ganzem Herzen!
Allen Wölfen im Schafspelz, (Mt. 7, 15)
Allen falschen Propheten,
Allen Lehrern, die den Ohren kitzeln, (2. Tim. 4, 4)
Allem Sauerteig der Heuchler,
Allen blinden Führern, (Mt. 19, 19)
Allen eingedrungenen Mördern und Dieben im Schafstall Christi, (Joh. 10,10)
Allen lichtscheuen Verführern,
Allen gefährlichen Neuerern,
Allen Finsternissen der Aufklärer,
Allen Winkelversammlungen der Verräter,
Allen offenbaren und heuchlerischen Feinden Gottes und der Kirche,
Allen Feinden des öffentlichen Bekenntnisses der hl. Religion,
Aller Herrschaft des Teufels,
Allen Anhängern Luzifers und seiner gestürzten Rebellen,
Allen Feinden der Heiligen, ihrer Bildnisse und ihrer feierlichen Verehrung,
Allen Feinden der glänzenden Verehrung Maria, ihrer Bildnisse und besonders des hl. Rosenkranzes,
Allen Feinden des römisch-apostolischen Stuhles und der Hierarchie,
Allen Feinden der Kirchengewalt und Freiheit,
Allen Feinden des königlichen Priestertums und der hl. Ordensstände,
Allen Tempel- und Sabbatschändungen,
Allem Raub des fremden Gutes,
Allen Gesandten des Teufels,
Allen Vorläufern des Antichrists, Ihren verdammten Grundsätzen, Ihrer unseligen Politik,
Ihren gottes- und menschenfeindlichen Plänen, Ihrer Gesetzlosigkeit und Untreue, Ihrem geträumten Weltglück und Haß des Kreuzes, Ihren Heucheleien und Bosheiten, Ihren verdeckten und offenbaren Fallstricken, Ihrer tränenwerten Blindheit, Ihren teuflischen Schriften, Ihren zweideutigen Worten, Ihren kindischen Schätzen, Ihrer erbärmlichen Hoheit, Ihrer schändlichen Gemeinschaft und Teilnahme zuwider evangelischen Grundsätzen,
Mit Deinen Heiligen im Himmel und auf Erden,
- halte ich es, o Gott!
Mit der Heiligen Schrift und römischen Kirche,
Mit den Inl. Vätern und Kirchenlehrern,
Mit dem Statthalter Christi und seinen Schafen,
Mit dem Altertum und frommen Gewohnheiten,
Mit den Gesetzen meines beschworenen Berufes,
Mit den Grundsätzen einer gottesfürchtigen Erziehung,
Mit den Regeln eines reinen Gewissens,
Mit den Verfolgten und um Christi willen Getöteten, (Apg 6,9)
Mit den Weinenden und Leidenden, (Mt 5,5)
Mit den Kleinen, denen das Reich des Himmels ist.
Mit den Kleinen, denen es, wie Christus sagt, der himmlische Vater offenbart, was er den Weisen verborgen, (Mt 11,25)
Mit der kleinen Herde, die zu einem Reich werden soll.
Mit den Kleinen und Schwachen, wodurch Gott allezeit das Starke zuschanden macht, (1. Kor. 1,28)
Mit denen, die jene nicht fürchten, so den Leib töten, sondern Den, der Leib und Seele verdammen kann, (Lk. 12)
Mit denen, so ihr Leben verlieren, damit sie es behalten, (Lk. 4,32)
Mit den Wenigen, die aus allen Berufenen auserwählt sind, (Mt 22,14)
Mit allen wahren Christen, die es mit Gott und seinen Dienern halten und zur Zeit der Versuchung nicht abfallen, (Lk. 8)
Mit den Christen, die das Kunststück nicht zu verstehen glauben, zwei Herren zugleich dienen zu können (Mt. 6, 24)
Mit den Christen, die nicht halb kalt und halb warm sind und darum aus dem Mund gespien werden, (Apg 3, 18) Mit den Christen, die einen wahren Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit haben, (Mt 5, 6)
Mil den Christen, die mit Christus sammeln, damit sie nicht zerstreuen, (Lk. 11,23)
Mit den Christen, die mit Christus und darum nicht wider ihn sind.
Mit den Christen, die bei der Versuchung der Henkersrotte des Judas nicht schlafen, (Mk.13,27)
Mit den Christen, die, wenn sie Jesus verleugneten, nicht mit Judas verzweifeln, sondern mit Petrus büßen und das fremde Gut in den Tempel zurückwerfen, (Mt.27,5) Mit jenen standhaften Christen, die Jesus bis unter das Kreuz folgen und mit ihm gern sterben, (Mt 28)
Mit jenen verherrlichten Christen, die einst mit Christus auferstehen, die Welt richten und zum ewigen Feuer verdammen werden, (Mt 19, 28)
Darum, o Gott!                          
-
Sei uns gnädig!
Wenn die Verführer aus unserer Mitte wachsen werden.
Wenn das Schifflein Petri mit Wellen bedeckt wird.
Wenn der Drache von der Kette losgebunden sein wird,
Wenn die große Spaltung sein wird, (Thess. 2)
Wenn Seuchen, Erdstöße und Himmelschrecken hin und wieder vernommen werden, (Lk.21,11)
Wenn sie rufen: Sieh, hier ist Christus, sieh, dort ist er! (Mt 24, 23)
Wenn Krieg und Aufruhr sein wird, (Lk. 21, 9)
Wenn unsere Feinde spotten werden: Wo ist euer Gott, wo die versprochene Zukunft? (2.Petr.)
Wenn der Menschensohn keinen Glauben mehr auf Erden antreffen wird, (Lk.18,8)
Wenn der abgerissene Stein die irdenen Füße des letzten Reiches trifft, (Dan.2,24)
Wenn der Greuel der Verwüstung am heiligen Orte sein wird, (Mt 24,18)
Wenn der Sohn des Verderbens im Tempel zur Anbetung stehen wird, (Dan.11)
Wenn viele das Zeichen der Bestie tragen müssen, (Apostelgeschichte 61)
Wenn die Hirten geschlagen und die Schafe zerstreut werden, (Mt 26,31)
Wenn der Sohn des Verderbens seine Arme weit ausstrecken wird, (Dan. 11)
Wenn er die Erdstriche umsonst austeilen wird.
Wenn es ihm gegeben ist, die Heiligen zu bekriegen und sie zu überwinden, (Apg13)
Wenn er über Gold- und Silberschätze gebieten wird, (Dan. 11)
Wenn er das Heiligtum beflecken und das ewige Opfer abstellen wird, (Dan.11)
Wenn alles rufen wird: Friede, Friede! wir haben nichts zu fürchten, - und darum der Untergang schnell ist, (1. Thess. 5, 5)
Wenn ihre Häuser ruhig und sie bei Orgeln und Trommeln singen werden, (Joh. 21)
Wenn sie, wie in den Tagen des Noe und Loth, heiraten, essen und trinken werden, (Mt. 24,38)
Wenn, wie ein Blitz, der vom Auf- und Niedergang scheint, der Menschensohn kommen wird, (Mt)
Wenn die ungeheure Stadt, die Weltsünderin, die vom Blut der Heiligen trunken, in Purpur und Nessel sich kleidet, in einem Augenblicke stürzen wird, (Apg 18)
Am Tage des Gerichts,
Daß Du uns verschonest,
 -
Wir Sünder bitten Dich, erhöre uns!
Daß Du unsere Sünden verzeihest.
Daß Du uns zur wahren Buße bekehren wollest.
Daß Du allen verirrten Menschen die Augen zum wahren Licht öffnest.
Daß Du den apostolischen Hirten und alle geistlichen Stände der hl. Religion erhalten wollest.
Daß Du alle gerechte Treue gegen Dich und von Dir verordnete Obere in uns befestigen wollest.
Daß Du allen Obern die Rechte der hl. Lehre und des guten Beispiels verleihen wollest.
Daß Du allen Leidenden christliche, unerschrockene Geduld und Sanftmut schenken wollest.
Daß Du alle Anschläge und Grundsätze des Teufels und seiner Diener vernichten wollest,
Daß Du uns vor den Versuchungen der letzten Zeiten bewahren oder wider solche stärken wollest,
Daß Du uns mit Stärke und Rat alles für unsere evangelischen Grundsätze tun und leiden zu können begnadigen wollest,
Daß Du alle Ketzerei und allen Unglauben von unseren Grenzen und Deiner Erde verbannen wollest,
Daß Du einen Hirten und einen Schafstall machen wollest.
Daß Du die Rettung Deiner Ehre und des Heiles so vieler tausend Seelen beschleunigen wollest.
Daß Du unsern Feinden vergeben wollest,
Daß Du uns vor der gewaltigen Versuchung des Satans in der Person der Menge weiser Scheinheiliger behüten wollest.
Daß Du allen Haß außer dem der Sünde und des Teufels aus unseren Herzen verbannen wollest.
Daß Du die Feinde der hl. Kirche erniedrigen wollest.
Daß Du jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann, verleihen wollest.
Daß Du allen christgläubigen Seelen, besonders denen, diedurch Gelegenheit dieses Krieges von Freunden und Feinden im Herrn starben, die ewige Ruhe verleihen wollest.
Durch die Fürbitte aller Heiligen im Himmel und Gerechten auf Erden,
Durch die Fürbitte aller hl. Märtyrer,
Durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria,
Durch Jesum Christum, unsern Herrn,
O Du Lamm Gottes, das Du hinweg nimmst die Sünden der Welt! - Verschone uns, o Herr!
O Du Lamm Gottes, das Du hinweg nimmst die Sünden der Welt!
- Erhöre uns, o Herr!
O Du Lamm Gottes, das Du hinweg nimmst die Sünden der Welt!
-  Erbarme Dich unser, o Herr!

 

Des frommen Niklaus Wolfs Leben mit der Kirche

Man spricht heute viel von Liturgie und liturgischer Bildung. Mit Recht! Durch die kirchlichen Feste wird das Opfer der Menschwerdung Jesu Christi, seines Lebens, Leidens und Sterbens immerfort vergegenwärtigt. Es ist die schöne Aufgabe der hl. Kirche, durch die Lehre und den feierlichen Gottesdienst auf die Gläubigen einzuwirken. Und wo der Geist der Kirche eindringt, da blüht kirchliches Leben, da wird Christus nicht, wie in Bethlehem, in den Stall verwiesen, sondern ins Haus und ins Herz aufgenommen. So war es ehemals beim frommen katholischen Landvolk, das ganz vom Geist und Leben der Kirche durchdrungen war.
 
Die kirchlichen Festtage waren für das gläubige Volk „hochzeitliche" Tage. Alles freute sich darauf; alles fühlte sich an diesen hl. Tagen gehoben, gehoben im Gefühle der Gemeinschaft mit Gott. Und viel vergnügter war die Familie am Festabend vor der Hauslaube im Nachgefühl des kirchlichen Gottesdienstes versammelt, als jene am Tisch der Trinkgelage. Der Unterschied zwischen den weltlichen und den kirchlichen, religiösen Erholungen ist genau angegeben in den Worten des göttlichen Heilandes am Jakobsbrunnen: „Jeder, der von diesem Wasser trinkt, den dürstet wieder; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht mehr dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zur Wasserquelle, die ins ewige Leben fort strömt". (Joh. 4,13,14.)
 
So waren der hl. Tag und sein Gottesdienst dem frommen christlichen Landmanne himmlischer Trost, der seine Lebenstage versüßte.
 
So fühlte, so lebte auch Vater Wolf und seine Haushaltung. Er lebte mit der Kirche und ihren Festzeiten. Jubel und Klage der Kirche waren auch sein Jubel und seine Klage; mit ihr weinte und büßte er, und mit ihr freute er sich. In den Geheimnissen der Festtage sah er durch den Glauben immer Jesus lebendig gegenwärtig. - Das heißt man kirchlich denken und leben.
 
Besonders andächtig brachte Niklaus Wolf die hl. Adventszeit zu. In dieser Gnadenzeit lag er gleichsam beständig vor Maria auf den Knien und betete ihr göttliches Kind in ihrem jungfräulichen Leib an, wie es eine von ihm selbst geschriebene Andachtsformel zeigt. Im freudenreichen Rosenkranz betrachtete er die große Liebe und Demut Jesu Christi, dankte, lobte und bat um Verzeihung der Sünden und um die Gnade der Demut. - In der hl. Weihnacht kam er im Geist nach Bethlehem und hatte, wie er selbst schrieb, unerschöpfliche Anmutungen und Betrachtungen. Insbesondere wurde er tief gerührt durch die Erwägung, daß die Sündhaftigkeit der Welt so groß war, daß sie für Jesus keine Herberge hatte, die Demut des Sohnes Gottes aber sich so weit herabließ, in einem Stalle geboren zu werden.
 
Am Neujahrstag erleuchtete ihn dann der Glanz des hl. Namens Jesus, den der himmlische Vater selbst seinem Sohne gegeben. „O, wie kraftvoll ist dieser Name", schrieb darüber Vater Wolf, „denn nur in diesem Namen können wir selig werden. Um was wir in diesem Namen bitten, das erhalten wir. Hätten wir lebendigen Glauben an diesen hl. Namen, wir würden Berge versetzen. Kranke gesund machen, Teufel austreiben. Alle Knie sollen sich beugen vor diesem hl. Namen. O hätten wir einen lebendigen Glauben und ein unerschütterliches Vertrauen auf Jesus! Es ist dies die Grundlage aller Tugenden."
 
„So laßt uns in jeder Versuchung, in allen Plagen, Schmerzen und Krankheiten immer denken: ich baue und vertraue auf Jesus. Jesus, Du bis mein Helfer, mein Retter, mein Beschützer. Liebster Jesus, ich gehe nicht von Dir weg, bis Du mir hilfst. Du wirst mich sicherlich nicht verlassen."
 
„Es ist so nützlich, im Geist bei Jesus, Maria und Josef im Stall zu sein, der Anbetung der drei Weisen beizuwohnen und so bis auf hl. Lichtmeß die Zeit in Andacht zuzubringen. Man nehme darum Zuflucht zum Gebet und zur Fürbitte Maria und des hl. Josef."
 
Die Adventszeit nannte Niklaus Wolf mit besonderer Beziehung auf sich selbst eine Gnadenzeit, die nie vorübergegangen sei, ohne daß er besondere Gnaden vom Himmel erlangt habe.

 

Seine Hochschätzung der heiligen Messe

Vater Wolf schätzte das Meßopfer über alles. Ja, er glaubte gegen die Gott schuldige Ehre und Anbetung und gegen seine eigene Seele zu sündigen, wenn er nicht täglich der Feier der hl. Messe beiwohnte. Dieses eine Opfer übertrifft aber auch an Wert und Würde, an Kraft und Wirksamkeit all die vielen Gebete der Kirche und der Gläubigen unendlich weit. Christus opfert sich am Altar durch die Hände des Priesters, und wir sollen, eins mit ihm, wie die Reben mit dem Weinstock, ganz in seine Opfergesinnung eingehen und diesem seinem Opfer uns anschließen. Durch solchen Zusammenschluß wird unser Loben, Danken, Bitten und Abbitten in Gottes Augen besonders wertvoll und wohlgefällig.
 
Niklaus Wolf hegte deshalb das größte Vertrauen zu der Wirksamkeit der hl. Messe als Bittopfer und ermunterte auch andere, dasselbe in allen Nöten und mit lebendigem Glauben zu benützen. „Hätten wir Glauben", sprach er oft, „wir würden in der hl. Messe alles erlangen, was uns wahrhaft gut und notwendig ist." -„Ruft nur recht vertrauensvoll", sprach er selbst zu Hilfesuchenden, „bei und nach der hl. Wandlung zu Jesus. Er ist auf dem Altar wahrhaft gegenwärtig. Und wie er einst im Judenland überall umherging, Gutes tat. Kranke heilte und keine Bitte unerhört ließ, so ist er auch auf den Altar herabgestiegen, um unsere Anliegen und Bitten zu erhören."
 
Niklaus Wolf bediente sich bei der hl. Messe keines Gebetbuches, denn er schöpfte aus seinem eigenen geistigen Gedankenvorrat. Überhaupt brauchte er nie ein Gebetbuch. Musik hörte er nicht gerne dabei, ausgenommen den alten kirchlichen Choralgesang. „Die neue Musik bläst der Religion den Auffall", sprach er. Musik und auch Gesang störten ihn in der Andacht. Am besten gefiel es ihm, wenn alle miteinander beteten. Gewöhnlich betete er, fromm betrachtend, den hl. Rosenkranz. Er wußte denselben ganz gut mit den Gebeten des Priesters und den einzelnen Teilen der hl. Messe zu vereinigen, indem er sich Jesus als den Mittelpunkt der ganzen Messe vorstellte. Die freudigen, schmerzvollen und glorreichen Geheimnisse der Menschwerdung, Leben und Tod und Herrlichkeit des Erlösers werden ja in der Meßfeier dem Auge des Glaubens vorgeführt. In der Messe wird vor allem der harte, blutige Kreuzestod Christi gefeiert und dargestellt. Und nicht minder erneuert sich auf dem Altar in geheimnisvoller Wirklichkeit alles, was zwischen Bethlehem und Golgatha liegt. Endlich ist die eucharistische Feier auch ein Gedächtnis der Glorie des Herrn, seiner Auferstehung und Himmelfahrt.
Niklaus Wolf wußte durch seinen lebendigen Glauben das hehre Wesen des hl. Meßopfers mit dem hl. Rosenkranz so enge miteinander zu verbinden, daß er den Rosenkranz, sei es den freudenreichen oder schmerzhaften oder glorreichen, nie andächtiger beten konnte als während der hl. Messe. [Das ist nur bei der richtig stillen 'alten' Messe möglich.]

 

Vater Wolf, der große Verehrer des heiligsten Altarssakramentes

Wie der hl. Johannes es beschreibt und im Himmel gesehen hat, ist das Lamm Gottes, von Anbeginn geschlachtet und fortan sühnend auf dem Thron, umgeben von den Ältesten und ewig gepriesen von denen, die in seinem Blut gesiegt haben. Weil wir nur in diesem Blut Eintritt ins Allerheiligste und Zutritt vor Gottes Thron haben, wollte Niklaus Wolf sein Gebet durch die Verdienste dieses Blutes aufopfern und zum Thron des Herrn aufsteigen lassen. - Selbst wenn Wolf für Kranke um Heilung betete, rief er „das geliebte, göttliche und edle Herz Jesu im heiligsten Altarssakrament" dafür an, und dieses Geheimnis, daß Jesus im heiligsten Altarssakramente aus unendlicher Liebe zum immerwährenden Opfer und Genuß gegenwärtig ist, erhob sein ganzes Herz zu einem feurigen Vertrauen.
 
Vater Wolf konnte nicht Worte genug finden, um Lob und Preis seines Herzens gegen die Liebe Jesu, die in diesem heiligsten Sakrament erschienen ist, auszudrücken. Das hochheiligste Sakrament des Altars war der Mittelpunkt all seiner Andacht, der unbewegliche Fels seines Gottvertrauens und seiner Liebe. Er klagte oft über Mangel an Ehrfurcht und Vertrauen, über Mangel an lebendigem Glauben an das hochheiligste Sakrament des Altars. „Wer weiß es nicht, daß der ewige Sohn Gottes mitten unter uns Menschenkindern wie einer von uns wohnt?" sprach er oft. „Man könnte sich nicht glücklich genug schätzen, nahe an einer Kirche zu wohnen, wenn man Glauben hätte. Ja, die Kirche würde nie leer dastehen, wenn man Glauben hätte. Die Gegenwart Jesu Christi im Tabernakel würde uns nie aus dem Sinn kommen, würde alle unsere Arbeiten heiligen und versüßen."
 
„O was muß doch der Priester in der hl. Messe denken, wenn er den wahren Sohn Gottes, den Herrn des Himmels und der Erde, im heiligsten Sakrament vor sich oder in seinen Händen hält - denjenigen, vor dem die Mächte des Himmels zittern! Wie ist es da nur möglich, fortzufahren und nicht in Erstaunen und Bewunderung zu versinken! Wahrlich, gut ist es, daß sich der Herr da in der Brotsgestalt verborgen hat. Würde Gott da auch nur einen einzigen Strahl seiner Majestät offenbaren, es wäre unmöglich, es mit leiblichen Augen auszuhalten. Aber die Augen des lebendigen Glaubens sollten uns den Herrn gleich lebendig vorstellen. Wir haben keinen lebendigen Glauben."
Wegen dieses heiligsten Sakramentes, das den Händen der Priester übergeben ist, ehrte und achtete er auch den Priesterstand.
 
Vater Wolf ermahnte die Leute auch zu einer besonderen Andacht, die sie bei der hl. Kommunion haben sollten. „Gesetzt der Fall", so ermahnte er, „ein König oder Kaiser käme aus weiter Ferne zu mir und wegen mir. Er unterhielte sich freundlich mit mir, beschenkte mit königlich und spräche: In all deinen Nöten und Anliegen wende dich zu mir, ich will dir helfen. Was würde ich tun? Wie sehr würde ich mich freuen, wie sehr ihm danken, ihn loben und auf ihn vertrauen! Ich würde es unmöglich vergessen können, sondern täglich und stündlich daran denken. Wenn wir nicht dasselbe bei der hl. Kommunion tun, so fehlt uns der lebendige Glaube. Wäre uns dieser eigen, wir könnten uns nicht genug verdemütigen, nicht genug Reue erwecken, nicht genug Lob, Preis und Dank aussprechen."
 
Wahrlich, unser Herz müßte überströmen von Dankesjubel und in hl. Begeisterung ausrufen: „Was kann ich dem Herrn geben für all das, was er mir gegeben?" - Der unendliche Gott gibt mir mit unendlicher Liebe eine unendliche Gabe, denn in der hl. Kommunion schenkt sich mir Jesus in seiner glorreichen Gottheit und Menschheit. Obgleich der Allmächtige, konnte er nicht mehr geben; obgleich der Allweise, wußte er nicht mehr zu geben; obgleich der Allerreichste, hatte er nicht mehr zu geben. Was soll man ihm dafür vergelten? - Wenigstens doch ein sündenfreies Leben.
Niklaus Wolf besuchte täglich die hl. Messe. Er betete lange vor und nach derselben zum heiligsten Sakrament, empfing oft die hl. Kommunion und allemal mit großer Sehnsucht. Er kommunizierte besonders auch an allen hohen Festtagen, um so dem Herrn sein Herz näher zu bringen. [Die tägliche Kommunion war nicht gestattet!]

 

Seine Andacht zu der Menschwerdung des Sohnes Gottes

Das Geheimnis der Menschwerdung und der Geburt Jesu Christi aus Maria, der allerseligsten Jungfrau, war für Niklaus Wolf eine unversiegliche Quelle des Trostes. Gott erschien ihm darin als der Gott des Trostes. Die unendliche Liebe Gottes hat sich in der Menschwerdung augenscheinlich und ergreifend geoffenbart. Alle Menschen ohne Unterschied sind in dem einen hl. Menschensohn geadelt, geheiligt, sind Brüder Christi, Kinder Gottes und Miterben des ewigen Lebens. Vater Wolf sah in diesem Geheimnis die Menschenfreundlichkeit, Liebe und Herablassung Gottes in einem solchen Lichte und mit solcher Herzensrührung, daß die Rührung an ihm sichtbar wurde und sein ganzes Inneres und Äußeres davon ergriffen war, sooft er betete: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." Weder die Heidenwelt, noch das Judentum waren imstande, den Zorn Gottes zu besänftigen und die Schuld des Menschen zu tilgen. Da sandte Gott seinen Sohn und machte ihn zum Sühneopfer für viele. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn hingab, daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe." (Joh. 3,16.)
 
Bei Betrachtung dieser übergroßen Liebe Gottes in der Menschwerdung brach Wolf oft in laute Seufzer aus. „Solche Herablassung! Solche Liebe! Mein Gott! Mein Gott! Wie wunderbar bist Du! Wer sollte nicht Vertrauen fassen, wer noch zweifeln können!" Solche Seufzer unterbrachen sein Gebet. Darum brachte er auch in freien Stunden des Gebetes die meiste Zeit mit der Betrachtung dieses Geheimnisses zu. Dabei betete er öfters den Englischen Gruß.
 
In der Menschwerdung des Sohnes Gottes sah Niklaus Wolf auch die hohe Würde und Macht derjenigen, die ihn geboren; in diesem anbetungswürdigen Geheimnis erkannte er die hehre Größe der Gottesmutter Maria. Auf sie als Gottesgebärerin. gründete Wolf eine unbegrenzte Hoffnung und hatte einen überaus großen Eifer, ihre Verehrung anzuempfehlen.

 

Sein großes Vertrauen zu Maria, der Mutter Gottes

Niklaus Wolf war ein eifriger Verehrer der allerseligsten Gottesmutter Maria. Er hatte großes Vertrauen zu der Macht ihrer Fürbitte. Er machte keine Krankenheilung, ohne Maria dabei um ihre Fürbitte anzurufen. „Durch Maria ist uns ja", sagte er allemal, „der Retter geboren worden; durch Maria ist uns die Gnade vom Himmel gekommen; durch Maria, es lehren's die hl. Kirchenväter, werden uns fortan die göttlichen Gnaden erworben. Sie ist unsere Mutter. Auf ihre Fürbitte achtet der himmlische Vater, weil sie seine auserwählte Tochter ist. Auf ihre Fürbitte achtet der Sohn, der gewiß seiner Mutter nichts abschlagen kann, und ebenso gewiß und unfehlbar auch der Hl. Geist, dessen Braut sie ist. Maria kann keine Fehlbitte tun. Sie ist die Himmelskönigin; in ihren Schoß hat ja der Himmel seinen ganzen Reichtum ausgeschüttet, den Sohn Gottes. Sie ist ja voll der Gnaden, wie es Gott der Herr durch den Erzengel Gabriel sie und uns hat versichern lassen. - Wer will den Sohn ehren, wenn er die Mutter nicht ehrt?"
 
Die heilige katholische Kirche hat von jeher die Andacht zu Maria empfohlen.
Die Andacht zu Maria führt nicht von Christus weg, sondern zu Christus hin, und zwar notwendig, denn Maria kann nicht allein, sondern nur mit ihrem göttlichen Kind Jesus gedacht werden.
 
Niklaus Wolf betete in allen Anliegen, in allen Nöten des Leibes und der Seele mit Vorliebe den Rosenkranz und den Englischen Gruß.

 

Seine Ermahnungen zu Sanftmut und Demut

„Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen", sprach einst Christus der Herr (Mt 11,29.)
 
In diesem Sinn ermahnte auch Niklaus Wolf: „Sooft ihr verachtet, beschimpft und verspottet werdet, oder wenn man mit euch zankt, so antwortet nicht, auch zeigt kein unfreundliches Gesicht, sondern denkt in eurem Herzen allen Ernstes: Gott sei Dank, daß ich das zu leiden habe. Gott der Herr schickt alles Leiden, sogar auch dasjenige, das durch böse Menschen zugefügt wird, indem er es leitet und fügt, wer unter der Bosheit dieses und jenes Menschen zu leiden habe. Bezeichnet euch dabei andächtig mit dem hl. Kreuzzeichen. Ihr werdet dabei wohl Schwere und Bitterkeit in eurem Herzen empfinden. Allein -- betet dann, erhebet eure Gedanken und Blicke zu dem gekreuzigten Heiland; betrachtet ihn am Kreuz hangend, wie er da noch gelästert, verspottet und gequält wird, ohne sich im mindesten zu beklagen; ja, er betet da noch für seine Feinde. Bedenkt dabei, wenn die Heiligkeit und Unschuld, der Sohn Gottes so viel für mich gelitten hat, soll ich das Wenige, was ich zu leiden habe, nicht mit Danksagung leiden, da ich vieltausendmal mehr verdient habe. Vereinigt euer Leiden, Verachtung und Verspottung mit dem Leiden, der Verachtung und Verspottung Jesu Christi am Kreuz und opfert sie dem himmlischen Vater auf, wie solches sein lieber Sohn am Kreuz getan, nämlich zu seiner Ehre und für eure Sünden. Wenn ihr dies mit großem Ernst tut, so werdet ihr gleichsam einen Berg von Leiden aus eurem Herzen versetzen und entfernen."
 
Am öftesten und eindringlichsten aber empfahl Niklaus Wolf die Demut. Einmal war in seiner Gegend die Tochter einer ehrbaren Familie durch uneheliche Schwängerung verunglückt. Nach der Geburt ging er ins Haus, um durch Mahnung und Gebet es zu bewirken, daß diese Tochter und ihre Eltern, statt im Hochmut falsche Scham auszuüben und unter der anklebenden Schande zu leiden, demütig und ruhig die Verachtung, die von lieblosen Menschen auf sie fallen mochte, annahmen, dafür Gott demütig dankten als für eine verdiente Strafe. - Von der Demut lehrte Vater Wolf:
 
„Luzifer lehrte Hochmut; viele Geister sind ihm darin nachgefolgt. Auch ein großer Teil der Menschen folgte dem nach. Hochmut führt zu Luzifer, Demut aber zu Gott. Darum betet um diese Tugend der Demut. Betrachtet die Demut Jesu Christi. Wie hat sich Jesus bei Beschimpfung und Verachtung verhalten? Er schwieg und betete für seine Feinde. Wißt, wenn ihr von der Welt nicht verachtet, beschimpft und verspottet werdet, so habt ihr das Zeichen des Menschensohnes nicht an euch. Befleißigt euch vor allem der Demut; denn sie bewahrt vor vielen Sünden und führt euch zu allen andern Tugenden. Wenn man vollkommen demütig wäre, so könnte man nicht sündigen; denn man würde sein Heil mit Furcht und Zittern wirken, und die Gnade Gottes würde in Fülle herabkommen. Maria konnte darum nicht sündigen und der Satan ihr nichts anhaben, weil sie in der Demut so fest gegründet war."
 
„Mensch, fliehe jede Gelegenheit, die dir diese Tugend rauben könnte. Meide die Wirtshäuser, denn sie sind keine Schulen der Demut, sondern der Demut gefährlich. Jesus findest du nicht darin. Fliehe den Umgang mit solchen Menschen, die dich rühmen und loben. Halte dich lieber bei jenen auf, die dir die Wahrheit sagen und dich auf deine Fehler aufmerksam machen. Achte genau auf dich selbst, deine Gedanken, Worte und Werke. Sei dienstfertig gegen jedermann und besonders gegen jene, die dir unfreundlich und unartig begegnen. Alles, was dich hart ankommt, überwinde und tue es."

 

Seine Mahnung zur Übung der entgegengesetzten Tugend

Mit seinem Gebet für die Menschen verband Vater Wolf auch immer ernste, liebevolle Ermahnungen. - Durch sein beständiges Glaubens- und Gebetsleben war er nach und nach zu einer ganz merkwürdigen Erleuchtung gekommen und konnte Aufschluß über so manches Rätselhafte in der Welt, über das innere Leben des Menschen, über Zustände des Herzens, über das Spiel der Leidenschaften geben.
Wenn ihm nun Streitigkeiten geklagt wurden - und das kam viel vor - empfahl er immer die Übung der entgegengesetzten Tugend, nach dem Grundsatz: Das Böse kann nur durch das Gute überwunden werden. „Gott selber gab uns das Beispiel", sagte er. „Er liebte uns, da wir noch Sünder waren und kam uns entgegen. Und ohne dies würde niemals Friede geworden sein auf Erden. Und die Lehre: Liebet eure Feinde, betet für die, die euch verfolgen, ist ebenfalls entgegengesetzte Tugend."
„Darum empfehle ich", so erzählt Wolf, „den Leuten bei ihren Leiden und Widerwärtigkeiten stets die entgegengesetzte Tugend, nämlich statt zu grollen oder ungeduldig zu werden, Gott dem Herrn für das Leiden zu danken. Statt dem Nebenmenschen zu grollen, ihm zu verzeihen und ihn zu lieben, sich seiner zu erbarmen, weil er wahrhaft das Erbarmen verdient; denn er leidet selbst unter seinem Fehler. Er ist dazu vom Seelenfeind angefochten und getrieben. Wäre er von dieser Versuchung frei, so würde er es nicht tun. Schuld, Groll und Haß werft nicht auf den Menschen, sondern auf den Satan, der die Hauptschuld daran hat. Der Mensch aber verdient eure Liebe."
„So fahre ich fort und ermahne sie also zum Gebet im Namen Jesu für den Beklagten und gegen seinen Seelenfeind. Ich bete dann und gebiete auch im Namen Jesu dem Satan, vom Herzen dieser Klagenden mit allen seinen Versuchungen und Anfechtungen zur Ungeduld, zur Schwermut und Kleinmut usw. zu weichen, und dem kräftigen, gläubigen Befehl ist er noch allemal gewichen.
Freilich, oft hatte es größere Anstrengungen nötig, oft nicht. Und bei gläubigen Personen konnte ich so Heiterkeit und Traurigkeit, Liebe und Zorn abwechselnd kommen lassen. Es stand mir zu Gebote. Was ich auch oft, zur Prüfung, ob die Befreiung wahrhaft oder nur zum Schein gelungen, durch Probebefehle tat. Durch solche Probebefehle lernte ich den Feind kennen."

 

Sein schmerzhafter Rosenkranz
für allgemeine und besondere Anliegen

Als Niklaus Wolf im Lauf seines Lebens erkennen mußte, wie die Kirche Gottes von allen Seiten bedrängt und der Greuel der Verwüstung und die Verführung und Verblendung immer größer wurden, nahm er immer mehr seine Zuflucht zum Gebet. Es war seine heiligste Überzeugung, daß der Satan es sei, mit dem wir zu kämpfen haben; daß der Satan der Feind sei, der uns unsere heilige Religion zu rauben suche. Er nannte ihn deshalb immer kurzweg den Feind und forderte, wer immer lebendigen Glauben und Sinn für Gebet hatte, auf, mit ihm im Gebet einen geistigen Kampf gegen den unsichtbaren Feind zu kämpfen.
So machte er eine Kriegserklärung gegen den Satan wie folgt:
„Höre, Satan, samt deinem Anhang! Wir haben uns in Schlachtordnung gestellt; wir haben uns bewaffnet mit dem Schilde und dem Panzer unseres Glaubens, mit dem Helm der Hoffnung und dem Feuer der Liebe Gottes - für seine Ehre. Wir haben uns verschanzt in den hl. fünf Wunden Jesu Christi. Wir werden also mit Füßen auf dir und deinem Anhange einhergehen."
Er betete den hl. Rosenkranz, dieses schöne Kirchengebet, dieses Gott angenehmste, demütigste Gebet; vornehmlich aber betete er den schmerzhaften Rosenkranz mit den Geheimnissen vom Leiden und Sterben Jesu Christi mit eingeschalteten Gebeten wie folgt:
Nach jeder Strophe von zehn Ave Maria mit einem Geheimnis - zuerst, wie gewöhnlich, das „Ehre sei dem Vater" usw., und dann das Vaterunser und nach diesem sogleich das „Salve Regina":
„Gegrüßt seist du, Himmelskönigin, du Mutter der Barmherzigkeit, des Lebens Süßigkeit, unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir rufen wir elende Kinder Evas. Zu dir seufzen wir, trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan, unsere Fürsprecherin, wende doch deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria."

Diesem fügte er noch bei das bekannte:
„In all unserer Trübsal, Angst und Not komme uns zu Hilfe, o du allerseligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria". „Bitf für uns, o heilige Gottesgebärerin."
„Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Jesu Christi."

Dann machte er noch folgende Einfügung:
„Erbarme Dich unser!"
„Erbarme Dich unser!"
„Erbarme Dich unser, o allerheiligste Dreieinigkeit, ein einiger Gott, himmlischer Vater, erhöre unser Gebet durch Jesus Christus, Deinen geliebten Sohn, durch seine hl. Menschwerdung, strenges und bußfertiges Leben, Leiden und Tod, durch sein heiliges für uns vergossenes Blut, durch die Fürbitte seiner heiligen jungfräulichen Mutter Maria, des hl. Josef, der hl. Anna und aller lieben Heiligen und Engel. Verherrliche Deinen göttlichen Sohn; errette die Menschen, stürze die Hölle. Gib uns die Gaben des Hl. Geistes, die hohe Weisheit der hl. Einfalt und den reichen Schatz der Demut. -
So geschehe es im Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen."
Dieses Rosenkranzgebet opferte er dann auf wie folgt:
„Zu Ehren des göttlichen Herzens Jesu Christi im hochwürdigsten Sakrament des Altars, in welches wir diesen Rosenkranz samt all unserm Bitten und Flehen, unsern Gedanken, Worten und Werken, Schritt und Tritt, Tun und Lassen unseres ganzen Lebens hineinlegen, damit alles darin so verbessert werde, daß es zum höchsten Lob, Ehre, Glorie und Anbetung Gottes werde und wir in unserm Bitten erhört werden. Auch zur Ehre und Glorie der jungfräulichen Mutter Gottes Maria, des hl. Josef, der hl. Anna und aller lieben Heiligen und Engel, die wir bitten, daß sie alles dasjenige durch ihre Fürbitte ersetzen wollen, was uns abgegangen ist im Gebet an Andacht und Betrachtung der Geheimnisse, um erhört zu werden."
Hierauf folgte das Apostolische Glaubensbekenntnis und zum Schluß noch dieses:
„Es komme uns durch die Kraft des hl. Namens Jesus Kraft, Weisheit und Stärke zu, und der Hl. Geist sei unsere Leitung, auf daß wir in allem den hl. Willen Gottes mögen erfüllen. Wir geben uns ganz und gar dem lieben Gott als ein Opfer dar. Mache mit uns, großer Gott, was Du willst. Dein heiliger Wille ist der schönste, vollkommen und gerecht. Lieber Gott, nimm dieses unser Opfer an. Verlaß doch uns arme Sünder nicht."
„Königin des Himmels und der Erde, bitte für uns. Wir legen unsere Sache in deine fürbittenden Hände nieder. Nimm uns in deine mütterliche Schutz und Gnaden auf, 0 Maria."
,,HI. Erzengel Michael und ihr hl. Geister, die ihr uns von Gott seid an die Seite gegeben worden, laßt doch nicht geschehen, daß wir vom Satan überwunden werden, sondern helft uns, ihn besiegen, zu Ehren des hl. Namens Jesus."
„Der gekreuzigte Jesus sei in meinem Gedächtnis, daß ich allezeit an ihn denke. Der gekreuzigte Jesus sei in meinem Mund, daß ich ihn allezeit lobe. Der gekreuzigte Jesus sei in meinem Herzen, daß ich ihn allezeit liebe. - So geschehe es im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.
Anmerkung. Dieser Rosenkranz mit obigen Einschaltungen wird in der Pfarrkirche zu Neuenkirch jetzt noch am Glaubensfeste (1. Sonntag im September) gebetet. Er ist beim Volk bekannt unter dem Namen „Glaubensbruderschaftsrosenkranz". In der Tat ein sehr kräftiges Gebet, das, schön gebetet und deutlich und langsam vorgelesen, einen mächtigen Eindruck macht.

 

Seine hohe Weisheit
der heiligen Einfalt und reicher Schatz der Demut

Niklaus Wolf gewann durch seine vielen Hilfeleistungen, durch seine Ermahnungen zum lebendigen Glauben und zum Gebet, durch die Begeisterung, mit der er von Religion redete, und durch sein bewunderungswürdiges Tugendbeispiel bei allen kirchlich und christlich gesinnten Zeitgenossen, bei hoch und nieder, bei Priestern und Laien ein außerordentliches Ansehen und wurde deshalb nicht selten mit auserlesenen Besuchen geehrt. Das Volk nannte ihn allgemein nur „Vater". Niemand aber ging von ihm weg. ohne belehrt und erbaut worden zu sein.
Einst wurde er von sehr hoch stehenden Personen um seine Meinung befragt, ob die Cholera, die bereits an verschiedenen Orten Europas auftrat, auch Deutschland
und die Schweiz heimsuchen werde. Darauf antwortete er: „Wenn wir ihrer würdig sind. Aber es ist eine Frage. Wenn Gott uns gnädig sein will, so schickt er sie uns." Er sah nämlich diese Krankheit und andere Übel stets als Strafruten an und als Beweise, daß Gott uns durch diese Mittel allein noch retten könne und wolle, für die wir deswegen Gott dem Herrn Dank und Lob wissen sollten. Das schrecklichste Übel war ihm die Verdunkelung und Auslöschung des Glaubenslichtes, und schrecklicher noch als Krankheit - der Krieg; „denn", sagte er, „Pest füllt den Himmel, Krieg die Hölle mit Seelen an; darum Glück, wenn wir die Cholera bekommen."
Oft sagte er auch: „Es ist den Gelehrten schwer, Glauben zu fassen, und warum? Sie haben in ihrer Gelehrsamkeit ein fast unübersehbares Feld vor sich, über das sie sich ausbreiten und das sie ausfüllen wollen. Für den Glauben ist aber die Demut und Armut des Geistes notwendig, in der sich derselbe gleichsam auf einen kleinen Punkt zusammenziehen und wie ein Kind werden muß."
Die zum Geisteskampf Berufenen erinnerte er an ihre Pflicht mit den Worten: „Unser geistiges Zeughaus ist voll Waffen; lasse man sie nicht verrosten, da der Feind in die Herde eingefallen ist."
Wenn ihm Streithändel vorgebracht wurden, wies er die Leute zurecht, indem er einfach sagte: „Ist das wohl vom Schutzengel? Nein."
Um die Notwendigkeit der Leiden, der Buße und Abtötung zu lehren, sprach er: Mit Kutschen und Pferden fährt man nicht in den Himmel". Er wollte damit sagen: „Das Himmelreich leidet Gewalt, und nur die, die Gewalt brauchen, reißen es an sich". (Mt 11,12.) Es gefiel ihm daher auch nicht, wenn Reiche und Vornehme ihre Buße und Besserung meist nur mit Geld abmachen wollten. Wenn man ihm Geld geben wollte unter dem Vorwand „für die Armen", so erwiderte er: „Gebt es ihnen selbst; ihr werdet solche überall finden".
Als einst ein mit Leibesübeln Belasteter durch Schmeichelei und Lob seiner Heiligkeit und Wunderkraft sich ihm empfehlen wollte, sagte ihm Vater Wolf sogleich: „Dir wird nicht geholfen, weil du nicht dem Herrn, sondern auf eine niedrige Art und Weise einem Menschen vertraut hast und glaubst, ich werde in Hochmut helfen können. Ich bin kein Heiliger und kein Wundermann, sondern meine Sache stützt sich nur auf das Versprechen, das der göttliche Heiland gab: ,Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen'. (Mt. 18,20.) ,Um was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben." (Joh. 16,23.)
So gab er sich bei allen, denen er durch Gebet half. Mühe, daß sie nicht ihm, sondern dem Herrn die Ehre gaben.

 

Einige weitere Gebete, die Vater Wolf
selber verfaßt und gebetet hat Morgengebet

Jetzt stehe ich auf und fange an den Tag im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen. Und im Namen meines gekreuzigten Herrn Jesu Christi, der mich erlöst hat mit seinem kostbaren Blut. Derselbe wolle mich vor allem Übel behüten und bewahren, beschützen und beschirmen an Leib und Seele. Er wolle mir auch geben, was förderlich ist zu seiner Ehre und zum ewigen Leben. Amen.

O Herr Jesus Christus, alle Bewegungen meines Leibes, alle Anmutungen meiner Seele sollen Dir zur Ehre und in der Liebe zu Dir geschehen. Alles, was ich heute tue, soll getan sein zu Deiner Ehre, o Gott. O Jesus und Maria, euch schenke ich mein Herz, meinen Leib und meine Seele. Ich empfehle mich in alle heiligen und guten Werke, in alle hl. Tugenden, alle hl. Gebete, alle hl. Messen, alle hl. Sakramente, die in der ganzen Christenheit empfangen und aufgeopfert werden, und was ich leide und tue, soll alles Jesus aufgeopfert sein, zu Hilf und Trost der armen Seelen im Fegfeuer. Vater unser, Ave Maria, Glaube.

Ein anderes

Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr, Gott der Heerscharen! Himmel und Erde sind voll Deiner Herrlichkeit. Ehre sei dem Vater, Ehre dem Sohn, Ehre dem Hl. Geist!

Vielleicht ist heut mein letzter Tag, Den ich lebe auf der Erde; Doch geh' es, wie es gehen mag. Wenn ich nur selig werde. In des Herrn Jesu Namen, Der mich an des Kreuzes Stammen Durch sein Blut erlöst hat. Steig ich aus der Liegestatt. Jesus, höre meine Bitte!

Mich an Leib und Seel' behüte. Daß mir heut den ganzen Tag Böses nichts begegnen mag. Schenk mir Deine Gnad' und Liebe, Daß ich immer Gutes übe. Bis ich einst nach kurzem Leid Komme in die ew'ge Freud! Vater unser, Ave Maria, Glaube.

 

Wenn die Stunde schlägt mein Gott, verleihe uns eine glückliche Stunde zum Leben und zum Sterben, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

 

Beim Kirchenläuten   (Wenn man gehindert ist, in die Kirche zu gehen.)

O Du lieber Gott, wie gerne wollte ich kommen, wenn ich nur könnte; denn meine Freude ist es, Dich in Deinem Tempel anzubeten. O Herr, lasse die Andacht, die Deine Kinder in Deinem heiligen Hause jetzt verrichten werden, auch für mich gelten. Besonders empfehle ich mich in das Gebet des Priesters; erhöre die Stimme, die ich durch seinen Mund zu Dir abschicke, um Deines Namens Jesus Christus willen. Amen.


 

Gebet am Sonntag vor oder nach dem Gottesdienst

Ich danke Dir, lieber Gott, für Deine hl. Menschwerdung, Dein strenges, bußfertiges Leben, Leiden und Tod. Ich danke Dir, daß Du mich im wahren, allein selig-machenden katholischen Glauben hast geboren und erzogen werden lassen, für Deine Langmut, Güte und Erbarmen, in der Du mich armen Sünder mit großer Geduld erträgst, sowie für alles, was Du mir Gutes erwiesen hast. Ich danke Dir auch für den schon öfters gehabten Genuß des heiligsten Altarssakramentes und bitte Dich um Verzeihung, wenn ich Dich jemals in gottesräuberischer Weise in mein boshaftes Herz empfangen habe. Ich bitte Dich, Du wollest geben, daß ich Dich alsbald und so auch am Ende meines Lebens in ein bußfertiges Herz empfangen könne und Du also meine Wegzehrung sein wollest in alle Ewigkeit. O großer, liebevollster und barmherziger Gott, ich bitte Dich durch die Liebe, mit der Du dieses heiligste Sakrament eingesetzt hast, und durch die Fürbitte Deiner jungfräulichen Mutter und aller Heiligen, die Dich mit großer Inbrunst empfangen haben. Du wollest mich Sünder doch erhören und geben, daß ich am Ende meines Lebens das hl. Sakrament der letzten Ölung mit solcher Vorbereitung empfangen könne, wie sie das hl. Sakrament erfordert, damit es mir zum Nutzen gereiche, wozu Du es für uns sündige Menschen eingesetzt hast. Gib auch Gnade, o Gott, daß ich Dich liebe aus ganzem Herzen, aus allen meinen Kräften und den Nächsten wie mich selbst. Amen.

 

Bei der Aussprengung des Weihwassers

Die Besprengung mit diesem gesegneten Wasser und mit dem kostbaren Blut Jesu Christi gereiche mir und allen Sündern zur Bekehrung und bewahre uns vor allen Anfällen des Widersachers, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

 

Meßgebete Vorbereitungs- und Aufopferungsgebet

Allmächtiger Gott, weil das Opfer der hl. Messe Deiner Majestät eine unaussprechliche Verehrung bringt und man allein durch dasselbe Dich nach Gebühr loben und Deiner Majestät eine angemessene Ehre erweisen kann, so will ich jetzt in dieser unschätzbaren göttlichen Handlung mit möglichster Andacht und Ehrerbietung beiwohnen und mit Deinem Priester dieses hochheiligste Opfer aufopfern.
 
Wenn es möglich wäre, daß ich allen hl. Meßopfern, die in der ganzen Welt dargebracht werden, beiwohnen könnte, so wollte ich es gerne tun. Weil dies aber unmöglich ist, so opfere ich Dir alle hl. Messen auf in Vereinigung mit jener Liebe, mit der sich Dein Sohn am Kreuz aufgeopfert hat. Ich bitte. Du wollest mich und alle Anwesenden von allen Sünden reinigen und durch das rosenfarbene Blut Deines lieben Sohnes uns Deinen Hl. Geist mitteilen, der unsere Herzen erleuchten und in der Liebe entzünden, vor aller Unandacht und Unehrerbietigkeit bewahren möge, damit wir diesem hochheiligen Geheimnisse zu Deinem ewigen Lob und zum Heil der ganzen Kirche beiwohnen mögen.
(Hier erwecke nun zuerst eine herzliche Reue und Leid über deine Sünden, was höchst notwendig ist, um der heiligen Messe gut beizuwohnen.) Dann bete:
 
Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser!
 
Ehre sei dem Vater, der uns erschaffen hat! Ehre sei dem Sohn, der gekommen ist, uns zu erlösen und zu heilen! Ehre sei dem Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinweg nimmt! Ehre sei dem Hl. Geist! Herr Jesus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner!
 
Erwecke in mir und andern, o Gott, einen Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, nach dem Reich Gottes, nach dem Wort Gottes, damit wir dieses notwendige Licht der Seele nicht verschmähen und in Finsternis wandeln, sondern Dein Wort aufmerksam und gerne anhören, es bewahren und davon leben.
 
O ewiger, unendlicher Gott, ich. Dein armes Geschöpf, bekenne mit dankbarem Gemüt, daß ich meinen Leib und meine Seele und alles Gute von Deiner mildreichen Hand empfangen habe. Ich lege nun alles dies - zugleich mit den Verdiensten Deines lieben Sohnes - auf die Patene des Priesters und opfere Dir alles zu einem vollkommenen Lob- und Dankopfer auf. Das Beste, was ich habe, mein Herz, lege ich im Geist auf den Altar, damit alle Gebete, die dort gesprochen werden, auch über mein Herz ausgesprochen werden. Und wie der Wein, der in diesem heiligen Kelch ist, wahrhaft durch die Konsekration in das hl. Blut verwandelt wird, so soll auch mein Herz konsekriert und ganz und gar in ein besseres Herz verwandelt werden. Ich vereinige auch all mein Kreuz und meine Leiden mit dem Leiden Deines Sohnes und aller Heiligen und opfere es Dir auf und damit mich selbst mit Leib und Seele. Demütig bitte ich, du wollest dieses Opfer gut aufnehmen und mit väterlicher Huld den hl. Segen darüber sprechen. Amen.

 

Zum Orate fratres - Betet Brüder...

Himmlischer Vater, nimm an dieses hl. Opfer von den Händen dieses Deines Priesters und gib ihm Deine Gnade und den Beistand des Hl. Geistes, damit er diesen hl. Dienst zu Deiner größeren Ehre, zum Heil der ganzen Kirche, der armen Seelen im Fegfeuer verrichten möge.

 

Zur Präfation

Ich lobe, preise und bete Dich an, o allerheiligste Dreifaltigkeit, in Vereinigung mit der allerseligsten Jungfrau Maria, allen Engeln und Heiligen, welche Deine glorwürdigste Majestät mit unablässiger Stimme loben, preisen und verherrlichen wegen der Wohltaten, die Du allen Geschöpfen im Himmel und auf Erden erwiesen hast, mit welchen auch ich nun meine Stimme erhebe und von Herzen spreche:
Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll Deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!
O gütigster Gott, nimm mein Gebet an durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, durch den alles Dir wohlgefällig wird.

 

Zur stillen Messe

O unergründlicher Gott! Jetzt beginnen jene hohen Geheimnisse, die weder Cherubim noch Seraphim, noch alle Kräfte der Himmel zu begreifen vermögen, weil Du allein weißt, mit welcher Liebe Du Dich täglich für das Heil der Gläubigen Gott dem Vater auf dem Altar opferst. O wie groß ist Deine Liebe für das Heil der Menschen, o Jesus! Wie groß ist Deine Weisheit, die ein so wunderbares Mittel gefunden hat. Deinen Vater zu versöhnen und uns Elenden zu helfen! Ich bekenne, daß ich nicht würdig bin, diesem hochheiligen Geheimnisse beizuwohnen. Deshalb bitte ich in Demut um Deine Gnade, o Jesus. Mit Deiner hl. Liebe entzünde alle kalten Herzen, die hier gegenwärtig sind. Komm mit Deiner milden Freigebigkeit und bereichere unsere armen, dürftigen Seelen. Komm mit Deiner ewigen Klarheit und erleuchte unsere finstern Herzen. Komm mit Deiner großen Barmherzigkeit und verzeihe uns alle Sünden.

 

Zur Aufhebung der hl. Hostie

Ich bete Dich an, o Herr Jesus Christus, wahrhaft gegenwärtig in dieser hl. Hostie als Gott und Mensch. Ich bitte Dich, sei mir Speise und Stärke vor meinem letzten Ende. Amen. O Gott, sei mir armem Sünder gnädig. Amen.
 

Zur Aufhebung des heiligen Kelches

Ich bete Dich an, Herr Jesus Christus, wahrhaft gegenwärtig mit dem heiligen Blut, das aus Deinen Wunden geflossen ist. Ach, wasche mich von allen Sünden. Heilige und bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen.
(Ermahnung: Befleißige dich allezeit, die hl. Hostie anzuschauen.)
 

Gebet

O gütigster Vater, schaue herab von Deinem himmlischen Thron und sieh an diese hochheilige Hostie des Leibes und Blutes Deines Sohnes Jesu Christi! In meinem und aller Menschen Namen opfere ich Dir jetzt dieselbe samt allem, was Jesus Christus in 33 Jahren gelitten und getan hat, sowie auch damit die Verdienste, Tugenden und Gnaden der allerseligsten Jungfrau Maria und aller Hl.. Dieses so kostbare Opfer opfere ich Dir in der Kraft des Hl. Geistes zu Deinem ewigen Lob und Preis, zur Erkenntnis und Verehrung Deiner höchsten Majestät, zur Danksagung für alle Wohltaten und zur vollkommenen Abtragung aller Unehre, die Dir von mir und allen Sündern ist angetan worden.
 
Zweitens opfere ich Dir dieses Opfer auf zur Verehrung und Dankbarkeit für das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi, wie auch zur Ehre der allerseligsten Jungfrau Maria, meiner lieben Patrone und aller Heiligen.
 
Drittens opfere ich Dir zum Heil und Trost aller Betrübten, Kranken und Elenden; für mich armseligen Sünder und für alle meine geistlichen und leiblichen guten Freunde, für diejenigen, die sich in mein Gebet empfohlen haben. Verzeihe uns unsere Sünden und verleihe uns Deine Gnade und das ewige Leben. Amen. Das hl. Blut opfere ich Dir auf zur Abwaschung meiner und aller Welt Sünden, bittend, daß meiner armen Seele in meinem Tod ein einziges Tröpflein zugute kommen möge.
 
Viertens opfere ich dieses hl. Opfer Dir auf zur Erlösung aller armen Seelen im Fegfeuer, zur vollkommenen Danksagung für alles Gute, zur Erlangung aller Gnaden, deren wir an Leib und Seele bedürfen, zur Sühnung für alle unsere Sünden und Unterlassung des Guten. Amen.

 

Zum Paternoster (Bete ein Vaterunser für die katholische Kirche.
Ferner zum Lamm Gottes, das auf dem Altar liegt, folgendes):

O Du Lamm Gottes, erbarme Dich und opfere Dich für uns Deinem himmlischen Vater mit all Deiner Demut und Geduld, zur Erwerbung aller Tugenden, die uns mangeln.
O Du Lamm Gottes, erbarme Dich unser und opfere Dich für uns und Deinen Vater, mit aller Bitterkeit Deines Leidens, zur gänzlichen Verzeihung unserer Sünden.
O Du Lamm Gottes, erbarme Dich unser und opfere Dich selbst für uns Deinem Vater, mit aller Liebe Deines göttlichen Herzens, zur Erfüllung aller guten Werke, die uns mangeln. Amen.

 

Vor und bei der hl. Kommunion

O allersüßester Jesus, wie herzlich gerne wollte ich jetzt kommunizieren, wenn ich nur würdig wäre. Weil ich aber meiner Sünden wegen dessen unwürdig bin. so bitte ich Dich, daß Du mich nichtsdestoweniger in geistiger Weise besuchen und stärken wollest. Ach, verschmähe nicht mich Armen, der ich mit dem offenen Sünder von ferne stehe und herzlich zu Dir seufze. Gib mir, wie der kananäischen Frau, Brosamen von Deinem hl. Tisch, wodurch meine arme Seele möge erquickt und gestärkt werden, damit sie sich diesen Tag in Deiner Gnade erhalten, in allem Guten fleißig üben und den Versuchungen besseren Widerstand leisten möge. Das verleihe mir, o gütigster Jesus, durch Deine unendliche Liebe und Barmherzigkeit. Amen.

 

Nach der hl. Kommunion

O gebenedeitester Jesus, wie Du in dieser hl. Messe Brot und Wein so kräftig gesegnet hast, daß es in Deinen Leib und Dein Blut verwandelt wurde, so wollest Du jetzt auch mich segnen, damit diesen ganzen Tag das Zeichen Deines hl. Sakramentes in meiner Seele eingeprägt bleibe und durch dessen Kraft alle Gewalt des Feindes vernichtet werde.
So segne mich denn Deine Allmacht! Es erleuchte mich Deine Weisheit! Es erfülle mich Deine Seligkeit! Mich ziehe und vereinige mit Dir Deine unendliche Güte und Barmherzigkeit! So geschehe es durch die Hand des Priesters im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Gebet am Donnerstag (Zur Angst Christi am Ölberg)
O gütiger Herr Jesus Christ! Traurig an den Ölberg gegangen bist! Du littest große Angst und Not; Dein' Seel' war betrübt bis in den Tod. Vor Herzenleid war's Dir so heiß. Daß Du littest blutgen Schweiß! Ich bitte Dich durch Dein Herzenleid, Stärke mich in Angst und Traurigkeit, Daß ich auch sage zum Vater dein: „Dein Wille geschehe und nicht der mein'!" Hilf endlich mir im letzten Streit, Von dem abhängt die Ewigkeit. Amen. (Vater unser, Ave Maria)

Gebet am Freitag (Nachmittags drei Uhr, zur Scheidung Christi.)
 Es ist Finsternis geworden, als die Juden den Herrn Jesum gekreuzigt hatten. Und um die neunte Stunde schrie der Herr Jesus mit lauter Stimme: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!". Und mit geneigtem Haupt gab er den Geist auf. Deshalb, o Herr Jesus Christus, beten wir Dich an und loben Dich, denn durch Dein hl. Kreuz, durch Dein bitteres Leiden und unschuldiges Sterben hast Du uns und die ganze Welt erlöst.
O Herr Jesus Christus, durch die Bitterkeit Deines hl. Leidens, das Du um unsertwillen am Kreuz gelitten hast, besonders in der Stunde, da Deine edle Seele von Deinem hl. Leib geschieden ist, bitte ich Dich, Du wollest Dich meiner armen Seele erbarmen, bevor sie von meinem Leib wird scheiden müssen, auf daß Dein Kreuz und Marter an mir und andern Sündern nicht verloren gehen. Amen.

 

Abendgebet

1. Es walte über uns Gott der Vater, der Sohn und der Hl. Geist. Ich danke Dir, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, Deinen Sohn, meinen Herrn, daß Du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast. Ich bitte Dich, Du wollest mir vergeben alle Sünden und mich auch diese Nacht gnädiglich behüten; denn in Deine Hände empfehle ich meine Seele, meinen Leib und alles, was Deine ewige Majestät mir gegeben hat. Dein hl. Engel wache über mich, daß der böse Feind keine Gewalt über mich habe. Amen. Vater unser. Ave Maria. Glaube.
 
2. Vater unser, der Du bist im Himmel, der Du für mich auf Erden diesen Tag väterlich gesorgt hast! Geheiligt und gepriesen sei Dein Name für die Wohltaten dieses Tages.
Ist der heutige Tag mir und andern der letzte des Lebens, so ist dies meine letzte Bitte:
Zukomme uns Dein Reich!
Willst Du, daß ich diese Nacht sterbe, so sei es, Vater! Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.
Nur um das bitte ich Dich: Gib uns heute unser täglich Brot, nicht für den Leib, sondern für die Seele; nämlich die Gnade, die Sünden dieses Tages zu erkennen, zu bereuen und abzubüßen. {Hier die Gewissenserforschung)

Nach der Gewissenserforschung:
O mein Gott, wie böse war ich an diesem Tag, da Du so gut gegen mich warst! Erbarme Dich meiner und aller Sünder! Vergib uns unsere Schulden, wie ich auch allen meinen Schuldigern von Herzen vergebe, die mich diesen Tag beleidigt haben. Es reut mich, o höchstes Gut, daß ich Dir heute nicht gedient habe, aus Liebe zu Dir reut es mich. In Zukunft, koste es was es wolle, will ich Dir von ganzem Herzen dienen.
Führe uns nicht in Versuchung, Vater! Diese Nacht beschütze mich, damit ich mit hl. Gedanken zu Dir aufwache.
Erlöse uns von dem Übel der Sünde, von allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden, von allen quälenden Übeln und Plagen der Seele und des Leibes, besonders aber von dem Tod in der Sünde. Amen.
 
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden! Deiner mütterlichen Gnade empfehle ich mich diese Nacht. Der Herr ist mit Dir, segne mich durch ihn, da ich schlafe. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus Christus; in dessen offenes heiliges Herz empfehle ich meine arme Seele.
Hl. Maria, Mutter Gottes, bitte für mich armen Sünder, daß ich mit hl. Gedanken einschlafe. Und wenn ich diese Nacht sterben sollte, so bitte für mich armen Sünder, jetzt und in der Stunde meines Absterbens. Amen.
 
O hl. Schutzengel, streite für mich. O hl. Namenspatron, bitte für mich. O Herr, gib den armen Seelen die ewige Ruhe. Ihnen schenke ich aus christlicher Liebe alle Verdienste dieses Tages. Amen.

 

Sein Almosengebet

Als eine Adventsgabe bezeichnete er auch folgendes Gebet, von ihm selbst das Almosen genannt. Er hatte von ungefähr einen armen blinden Bettler angetroffen, der, an einer Straße sitzend, die Vorübergehenden um ein Almosen ansprach. Vater Niklaus, gewohnt, in allen Dingen eine Beziehung auf die ewigen Wahrheiten zu nehmen und so recht also von allem auf einer Stufenleiter zu Gott emporzusteigen, bedachte sogleich den Zustand dieses Bettlers als ein Bild unseres geistigelenden Zustandes, in dem auch wir teils geblendete Augen, teils gelähmte Glieder des Geistes haben und vor Gott als Bettler erscheinen. In einer bald darauf folgenden Gebetsstunde zu Hause betete er, nachdem er sich noch einmal an jenes Bild erinnert hatte, sogleich also:
 
„Ich bitte Dich, o großer Gott, um Deines göttlichen Namens und um Deiner
Eigenschaften willen um ein Almosen dem armen blinden Menschen, dem elenden Tropf. Denn da ich meine Augen von Dir ab- und zu eitlen Sachen hingewendet habe, da bin ich ganz blind geworden, und zwar so stockblind, daß ich meine Blindheit selbst nicht mehr kenne. Und meine Glieder, die ich zu Deiner Ehre und Glorie gebrauchen sollte, habe ich zu Deiner Unehre gebraucht; sie sind so schwach und matt geworden, daß ich nicht mehr vermag, vorzurücken; immer geht es rückwärts. Und durch mein sünd- und lasterhaftes Leben habe ich nicht nur all mein Gut verschwendet und mich in die äußerste Armut versetzt, sondern überdies in ungeheure Schulden gestürzt, und habe nichts daran zu bezahlen. Also bitte ich Dich, großer Gott, um ein Almosen dem armen blinden Menschen, dem elenden Tropf."
 
Hier betete er zu Ehren der drei Personen der heiligsten Dreifaltigkeit drei Vaterunser und Ave Maria samt dem Lobspruch: „Ehre sei Gott, dem Vater" usw., um das Almosen zu erhalten, dann ferner:
 
„Ich bitte Dich, liebster Jesus, unser göttlicher Erlöser durch Deine hl. Menschwerdung, durch Dein strenges und bußfertiges Leben, Leiden und Tod, durch Dein hl. vergossenes Blut und durch die große Güte, in der Du Dich im hl. Altarssakrament hinterlassen hast zu einem immerwährenden Opfer und Genuß, durch die Liebeswerke alle, die Du erwiesen hast, und durch die Kraft Deiner hl. fünf Wunden: Schenke mir doch ein Almosen, dem armen blinden Menschen, dem elenden Tropf."
 
Hier betete er fünf Vaterunser und Ave Maria mit dem Glauben, zu Ehren der hl. fünf Wunden Christi; und dann wandte er sich zu Maria, der Gottesgebärerin, und bat um das Almosen auf folgende Weise:
 
„Ich bitte dich, liebe Mutter Gottes Maria, du Königin des Himmels und der Erde, du Ausspenderin der himmlischen Schätze, um Gottes und des Namens deines göttlichen Sohnes willen um ein Almosen dem armen blinden Menschen, dem elenden Tropf."
Und er fügte nun dreimal den Englischen Gruß mit dem Salve Regina hinzu, beschloß aber den dritten Englischen Gruß mit dem Gebet: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin!" usw.

Zuletzt nahm er auch noch Zuflucht zu der Fürbitte der Heiligen und der seligen Geister, die mit uns Glieder eines Leibes in Christo sind, aber, reich an Gnade vor dem Herrn und an Liebe für uns, gewiß eine, obwohl untergeordnete, jedoch heilsame Vermittlung (durch Verdienste und Fürbitte) leisten.
„So bitte ich euch, ihr lieben hl. Engel, jeden insbesondere, und alle Heiligen und Seligen, jeden insbesondere, um ein Almosen, um Gottes und Unserer Lieben Frau willen - dem armen blinden Menschen, dem elenden Tropf."

 

Seine Andacht zu den heiligen Wundmalen Jesu Christi

In das Leiden unseres Herrn hatten sich von jeher alle frommen Christen betrachtend vertieft, und es entstand in der Kirche bald die Verehrung und Andacht zu den fünf Wunden Jesu Christi.
Niklaus Wolf erkannte diese geistige Zufluchtsstätte ebenfalls und benutzte die Andacht zu den hl. fünf Wunden Jesu Christi eifrig für sein Heil, empfahl sie allen, die für seine väterlichen Ermahnungen ein offenes Ohr und Herz hatten, und unterrichtete sie sogar darüber durch einen eigenhändig entworfenen Unterricht, woraus das folgende entnommen wurde:

Andacht zu den heiligen fünf Wunden Jesu

O mein Jesus! Vor Dir falle ich nieder auf meine Knie und bitte Dich, barmherzigster Jesus, laß mich doch in diese Deine heiligen Wunden eingehen. Ach, mein liebster Jesus, Dir sind bekannt die Wünsche meines Herzens! Du weißt, daß ich nur darum in diese hl. Höhle verlange aufgenommen zu werden, damit ich Dich aus Seelen- und Leibeskräften lieben könne. Deine hl. Leiden betrachten, von Sünden abstehen, Nachlaß der Sünden erhalten, Buße tun, vom Teufel und seiner Verführung befreit werde. Du weißt, mein liebster Jesus, wie mich der Teufel so oft in die Sünde der Hoffart und des Neides, der Unkeuschheit, des Zornes, der Trägheit, ja, in alle Laster gestürzt hat. Ich bin so in Sünden und Anfechtungen verstrickt, daß ich mir nicht zu raten und zu helfen weiß. Ach, ich bitte, mein liebster Jesus, laß mich doch in Deine hl. Wunden eingehen; dann ist mir ganz geholfen, und ich habe weder den Teufel, noch seine Fallstricke zu fürchten. Mich dünkt, ich höre Dich sagen: „So komme denn und gehe hinein! Ich habe diese meine Wunden wegen dir, o Sünder, empfangen und so grausame Schmerzen gelitten und die Wunden deswegen behalten, damit du eine sichere Wohnung habest. Nimm alles mit dir, was dein ist, damit du nicht mehr nötig habest, hinauszugehen, damit der Feind weder dir, noch den deinigen, noch dem deinigen schaden könne und du also ungehindert mir dienen könnest."

O Jubel, o Freude, o Trost, o Süßigkeit meiner Seele! Ich schwimme in einem Freudenmeer; mein Herz will mir schmelzen vor Freuden. Ach, was soll ich doch tun, wie soll ich mich verhalten bei diesem Einzug? Ich will mich umsehen um Hilfe, die mir hilft, Gott loben und jubilieren und dem Herrn einen neuen Lobgesang anstimmen. O Jesus, Jesus, Jesus! Ich weiß fast nicht, was ich mache vor großer Herzensfreude. Auf den Knien will ich hineingehen in die hl. neue Wohnung, aber zuvor zu diesem feierlichen Einzug jemanden einladen zum Lobe Gottes.
 
O Maria, du jungfräuliche Mutter des Sohnes Gottes! Hl. Josef! Hl. Joachim und hl. Anna! Hl. Apostel und Evangelisten! Hl. Erzengel Michael! Auch mein lieber Schutzengel, du großer Himmelsfürst, samt allen himmlischen Heerscharen! Ihr hl. Namens- und Schutzpatrone samt allen Heiligen im Himmel! Ach, helft mir, bei diesem herrlichen Einzug Gott loben! Singt ihm ein neues Lied! Auch alle Geschöpfe lade ich bei diesem Einzug zum Lob Gottes ein. Aber du verfluchter Teufel und Bösewicht, dahin kannst du nicht kommen; jetzt bin ich ganz sicher vor dir! O Jubel, o Freude, o Trost, o Sicherheit!
 

Am Freitag jeder Woche statt des obigen folgendes:

O mein Jesus! Wie soll ich armer großer Sünder mich verhalten bei diesem Einzug? Wie soll ich mich dazu vorbereiten? Mit was für Gedanken soll mein Herz angefüllt sein? O mein Jesus! Ich will zu Gemüte führen Dein so bitteres Leiden und Sterben, das Du wegen mir Sünder ausgestanden hast. Gib mir Deine Gnade dazu! Ich will mich zuerst an den Ölberg verfügen; da sehe ich Jesum auf den Knien, gebeugt bis zur Erde, voll Betrübnis, Angst und Not. Er sprach: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod". Er betete zu seinem Vater, daß er doch diesen Kelch von ihm nehmen wolle: „Jedoch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!" Seine Angst war so groß, daß sein Schweiß, der geworden wie Blutstropfen, auf die Erde rann. Da kam Judas mit seiner Kriegsrotte und verriet Dich mit einem Kuß. Du wurdest zu Boden geworfen, geschlagen, gebunden, zu Annas und Kaiphas geführt, mit Backenstreichen geschlagen, vor dem Rat zum Tod verdammt, die ganze Nacht verspottet, geschlagen und gepeinigt, zu Pilatus und Herodes geführt, dort verspottet, beschimpft und geschlagen, mit Geißeln zerfetzt, mit Dornen gekrönt, zum Tod verdammt. Du selbst, o Jesus, trugst das Kreuz, wurdest daran genagelt; drei Stunden lang hingst Du am Kreuz unter größter Verspottung, Du betetest für Deine Feinde und Peiniger und starbst am Kreuz. O Jesus, was hast Du mir zuliebe getan, und was tue ich Dir zuliebe, mein Jesus, für Dein hl. bitteres Leiden und Sterben? O mein Jesus, es reuen mich meine Sünden aus Liebe zu Dir. Ach, wie habe ich so boshaft sein können, mit meinem boshaften Leben Dich und Dein hl. Leiden zu verachten! Aus Liebe zu Dir nehme ich mir vor. Dich nicht mehr zu beleidigen. Ich hoffe, Du wirst mich durch die Kraft dieser hl. Wunden stärken, von Sünden abzustehen; denn der Feind, der mich verführt, kann nicht in diese hl. Höhle kommen. Jetzt bin ich sicher vor ihm. Ich danke Dir für diese große Guttat, o Jesus!
 
O mein liebster Jesus! Jetzt will ich auf den Knien in diese hl. Wunden und Felsenhöhle eingehen, die Meinigen und das Meinige mitnehmen, damit ich nicht mehr hinausgehen muß. Mit Jubel und Lobgesang gehe ich hinein:
 
Ich bitte dich, Maria, samt den Thronen,
Auch euch, ihr himmlischen Heerscharen in Chören,
Erhebt eure Stimmen und helft mir singen
Mit großer Herzensfreud und ohne alles Leid:
Gelobt sei Jesus Christus in alle Ewigkeit!
Laßt uns Jesum loben und preisen.
Nach aller Möglichkeit Ehre beweisen!
Ihr Heiligen im Himmelssaal, lobet allzumal
Mit großer Herzensfreud' und ohne alles Leid:
Gelobt sei Jesus Christus in alle Ewigkeit!
Ihr Kreaturen all, und alles, was erschaffen ist.
Kommt, helft mir Jesum preisen zu jeder Frist!
Denn in seinen hl. Wunden hab' ich Heil gefunden.
Darum singt mit Herzensfreud' und ohne alles Leid:
Gelobt sei Jesus Christus in alle Ewigkeit!
 
O Jesus! Wie schön ist es doch in dieser hl. Höhle! Ein ganzer Berg ist mir vom Nacken gefallen. O Jesus! Was sehe und empfinde ich in dieser hl. Höhle! O wie sehr entzündet mich diese hl. Höhle in der Liebe Gottes und des Nächsten! Da sieht man, was Jesus gelitten, und wie abscheulich die Sünde ist. Ach, hätte ich doch niemals gesündigt! Aus Liebe zu Dir reuen mich meine Sünden! Ich hoffe Verzeihung, und durch die Kraft dieser heiligen Wunde vergieße ich ganze Zährenbäche, meine Sünden zu beweinen. O wie viele Plagen und Anfechtungen hatte ich vom Teufel zu erdulden! O wieviel Mal bin ich von ihm überwunden worden! Und jetzt, o mein Jesus! Auf einmal bin ich befreit und gestärkt, ihn zu überwinden. Höre, Teufel! Wo sind jetzt deine Prahlerei und dein Hochmut? Ich fürchte die ganze Hölle nicht mehr; hier in dieser hl. Höhle bekommt man Demut, Furcht Gottes, Weisheit, Kraft und Stärke, Lust und Eifer zum Gebet und andere Gaben mehr. Auch habe ich bei mir die Meinigen. Wie gut sind sie besorgt an diesem Ort! Auch habe ich alles das Meinige bei mir; ich darf meine Arbeit nur, wie Gott es verlangt, verrichten, aber allen Kummer und alle Sorge ihm überlassen, weil an diesem Ort tausendfacher Segen ist. So kann ich mich da in meinem Sinnen und Denken beständig mit Gott beschäftigen.
 
O Jubel! O Freude! O Süßigkeit! Tausendfältigen Dank sei Dir gesagt, o liebster Jesus! Ich will alles tun, um in dieser hl. Höhle verbleiben zu können. Gib mir Deine göttliche Gnade, daß es geschehe! Auch danke ich der Mutter Gottes, allen Heiligen und Engeln, die mich in diesem feierlichen Einzug begleitet haben; ich empfehle mich euch auf ein Neues an!
 

Nun folgen die Betrachtungen zu den hl. Wundmalen

1.  Betrachte, meine Seele, die Heiligkeit des Ortes, wo du wohnst! Jesus ist der Herr des Himmels und der Erde; vor ihm fallen die himmlischen Heerscharen auf ihre Angesichter und beten ihn an. Er hat alle Macht im Himmel und auf Erden; wenn nur sein hl. Name ertönt, so zittert schon die ganze Hölle. Ja, wenn ein Mensch im Herzen nicht zweifelt, sondern lebendigen Glauben und Vertrauen hat, was er in diesem sagen wird, daß es geschehen soll, das geschieht. Dieser Jesus hat die heiligen Wunden, die er an Händen und Füßen und an der Seite empfangen, behalten. Jetzt weiset er dir eine seiner heiligen Wunden an als einen sichern Ort für dich. Siehst du jetzt die Heiligkeit des Ortes! Ach, liebster Jesus, jetzt falle ich auf meine Knie mit den himmlischen Heerscharen und bete Dich mit ihnen an: Heilig, heilig, heilig bist Du, Gott der Heerscharen! Die ganze Welt ist mit Deiner Herrlichkeit erfüllt. Liebster Jesus! Gib mir die göttliche Gnade, diesen hl. Ort in solcher Ehre zu halten, daß ich nicht daraus verstoßen werde.
 
2. Betrachte jetzt in dieser hl. Wunde, was dein liebreichster Jesus gelitten, da er diese hl. Wunden empfangen! Betrachte, als sähest du es mit leiblichen Augen, wie ihm grausam ein stumpfer Nagel auf das Glied gesetzt worden, wie die Henkersknechte ihm mit schwerem Hammer Streich auf Streich verfügten, bis der Nagel durch das Glied und Kreuzholz getrieben war. Gedenke, was für ein unmenschlicher Schmerz es gewesen, ein Schmerz über alle menschlichen Begriffe, wie reichlich das Blut aus der Wunde floß, wie der Schmerz seinen ganzen Leib durchdrang und selbst sein edles Herz, wie viele Zähren der schon zuvor so grausam gemarterte Jesus vergossen, wie viele herzbrechende Seufzer er zum himmlischen Vater getan, wie dieser Schmerz vergrößert wurde durch die grausame Ausspannung, wo alle Glieder aus ihren Gelenken gezogen wurden, und da er mit dem Kreuz aufgerichtet wurde, drei ganze Stunden an demselben hing! O Schmerzen! O Qual!
 
O Angst! O Not! Wer will es aussprechen, welche Feder will es beschreiben, welcher Mensch kann es fassen, was das für Schmerzen waren - ach, großer Gott! O schmerzhafter Jesus! Tausend- und tausendmal sei Dir Lob und Dank gesagt für Dein bitteres Leiden, das Du wegen mir schnödem und boshaftem Sünder gelitten hast, um mich zu erlösen und mir einen so sicheren Ort, mein Heil zu wirken, verschafft hast! Ich danke Dir auch, o schmerzhafter, liebreicher Jesus, daß Du mich armen Sünder in diese hl. Wunde aufnimmst. Ich bitte Dich, liebster Jesus, verstoße mich nicht von diesem hl. Ort und gib mir die Gnade, Dein hl. Leiden mit dankbarem Herzen allzeit zu betrachten und mein geringes Leiden mit dem Deinigen zu vereinigen, von Sünden abzustehen und wahre Buße zu wirken.
 Zähre, Zähren
Ein Tropfen Flüssigkeit, der von den Augen beim Weinen oder einer Reizung abgesondert wird.  Synonyme: Träne   Übergeordnete Begriffe: Tropfen    Anwendungsbeispiele: weinte bittere Zähren.

 
3. Betrachte wohl, meine Seele, wer derjenige ist, der so unaussprechliche Schmerzen gelitten. Es ist der Sohn Gottes, der mit dem Vater und dem Hl. Geist als gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Also ganz freiwillig hat er die Menschheit angenommen, auch freiwillig gelitten und gestorben: Er, der Heiligste, Reinste, Unschuldigste! Und für wen? Ach, welch ein Wunder! Für mich armen Sünder und das ganze menschliche Geschlecht, uns von der ewigen Verdammnis zu erlösen. Wie groß ist doch die Liebe! Gott selbst nimmt die Genugtuung der Sünden für seine sündhaften Geschöpfe auf sich. Wie werden sich jetzt die lieben Engel verwundern, da der Sohn Gottes, der zur Rechten seines himmlischen Vaters sitzt, mir boshaftem Sünder eine seiner heiligen fünf Wunden anbietet - zu einer Wohnung, nachdem ich so viel tausendmal den Fluch von ihm verdient habe! Fordert solche Liebe nicht auch Gegenliebe und Liebe gegen den Nächsten?
 
Ach, liebster Jesus! Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes; und Du erniedrigst Dich so weit herab, daß Du Fleisch und Blut angenommen hast, mich boshaften Sünder ewig glückselig zu machen. Und nachdem Du für mich armen Sünder so viel gelitten hast und gestorben bist, bietest Du mir eine Deiner hl. fünf Wunden an, damit ich nicht irre gehe und der Hölle zulaufe. So bitte ich Dich, liebster Jesus, durch Deine hl. Wunden, daß die Kraft Deiner hl. Wunden mich in Deiner hl. Liebe entzünde und in der Liebe des Nächsten, damit ich nicht aus diesem hl. Ort verstoßen werde.
 
4. Betrachte, meine Seele, das Mitleiden Maria, der jungfräulichen Mutter des Sohnes Gottes, als ihr liebster Sohn an das Kreuz ist genagelt worden! Betrachte zuerst die unaussprechliche Liebe, die sie zu ihrem göttlichen Sohn hat. Niemand kann aussprechen, wie Maria in der Liebe Gottes entzündet war, also auch gegen ihren Sohn, weil er Gott und Mensch zugleich war. Und sie hatte eine vollkommene Erkenntnis dieses Geheimnisses; auch war sie eine wahrhaft glückliche Mutter dieses menschgewordenen Sohnes Gottes. Jetzt betrachte, meine Seele, wie größer die Liebe und Erkenntnis dieses ihres Sohnes war, desto größer war auch ihr Schmerz in dem Leiden ihres Sohnes, und da sie hörte, daß ihr Sohn am Kreuz angenagelt werden und daran sterben soll, - wer will aussprechen, was für Schmerzen und Qualen ihr Herz, Leib und Seele durchdrungen haben! Und da ihr Sohn an das Kreuz genagelt worden, so war es ihr nicht anders, als wenn sie es selbst litt. Es ist unmöglich, zu begreifen, was für Schmerzen damals Maria ausgestanden.
Ja, aus Größe der Schmerzen war sie mehr tot als lebendig. Es ist nicht möglich, das Leiden Jesu und Maria nach seiner Größe zu betrachten. Und dann - wo ist die Dankbarkeit?
 
O schmerzhafte, jungfräuliche Mutter Maria! Ich bitte dich, erhalte mir bei deinem lieben Sohne, sein hl. Leiden und dein Mitleiden mit wahrem Mitleiden zu betrachten und in dieser hl. Wunde mit den Meinigen zu leben und zu sterben, Verzeihung meiner Sünden und Schulden und wohlverdienten Strafen zu erlangen. Auch danke ich dir, liebe Mutter Gottes, für alle Gaben, Gnaden und Wohltaten, die du mir von deinem geliebten Sohne schon erhalten hast. Ich empfehle dir mich und die Meinigen.
 
5. Wie muß ich mich doch verwundern über die Werke Gottes, besonders aber darüber, daß Gott so viel für mich tut, sich so weit herab läßt, Mensch wird, leidet, eines so schmerzlichen und verächtlichen Todes stirbt - um mich ewig selig zu machen. Er überhäuft mich mit so vielen Gnaden und gibt sich sozusagen alle Mühe, damit ich ewig selig werde. Was siehst Du, o Gott, an mir, daß Du mich so sehr liebst; mein ganzes Leben ist ja mit Sünde und Bosheit angefüllt. Ja, großer Gott, der ganze Himmel wird sich wundern über die Liebe und die Guttaten, die Du mir erweisest; und die Hölle wird rasend sein vor Neid über Deine Liebe gegen mich.
 
O mein liebster Jesus! Ich falle auf meine Knie und danke Dir tausendfältig für die große Liebe, mit der Du mich liebest, und für alle Guttaten, mit denen du mich überhäufest. Gib mir die Gnade, daß ich diese Deine Liebe und Guttaten recht erkenne, mit dankbarem Herzen Dir diene und ein solches Leben führe, daß ich nicht aus diesem heiligen Ort verstoßen werde.
 
6.  O mein Jesus! Wenn ich mein vergangenes Leben betrachte, so geht ein ganzer Schauer über mich wegen der Viele und Größe meiner Sünden. Ich kann mich nicht genug verwundern über Deine Langmut, o barmherzigster Jesus! O wieviel tausendmal habe ich verdient, ewig von Dir verstoßen zu werden, und jetzt, da die Hölle nichts anderes erwarten konnte, als daß Du über mich den Fluch werdest ergehen lassen, rufst Du mich und sprichst: „Komm, mein Kind, und siehe, was ich für dich gelitten; warum willst du ewig zugrunde gehen? Komm in diese meine Wunde, die ich wegen dir empfangen habe; komm herein; bereue deine Sünden, tue Buße in dieser hl. Höhle, der Feind wird dich nicht daraus reißen können."
 
O mein Jesus, jetzt falle ich in dieser hl. Höhle nieder auf meine Knie und bitte Dich, barmherzigster Jesus, verzeihe mir meine so unzählbaren und großen Sünden; es ist mir leid und reut mich von Grund meines Herzens aus Liebe zu Dir, daß ich Dich, das höchste, liebenswürdigste, unendliche Gut beleidigt und erzürnt habe. Ich werde nicht aufhören, auf meine Brust zu schlagen und zu rufen: „O Gott, sei mir Sünder gnädig!". Ich nehme mir ernstlich vor, mit Deiner Gnade nicht mehr zu sündigen, sondern in dieser hl. Höhle Buße zu tun. Aber, mein liebster Jesus, du weißt, wie oft ich dies schon versprochen und niemals gehalten habe; was wird diesmal geschehen? Ich habe mich an das Sündigen so sehr gewöhnt, daß ich ungeachtet aller Vorsätze ohne Deine mächtige und besondere Gnade nicht aufhören kann. Darum bitte ich Dich, liebster Jesus, wirke Du mit Deiner Gnade in mir, auf daß ich Früchte wahrer Buße bringe. Ich hoffe es, gütigster Jesus, Du werdest mir die Kraft dieser Deiner hl. Wunde zukommen lassen, damit ich hinfür mit dankbarem Gemüt Dir diene!
 
7. O mein liebster Jesus! Nun habe ich mein vergangenes Leben und dagegen auch den hl. Ort Deiner Wundmale betrachtet. Ist es möglich, liebster Jesus, daß ich Unwürdiger in dieser Höhle soll wohnen können, ich, ein so großer Sünder und boshafter Mensch! O wie soll ich es Dir, liebster Jesus, vergelten? O gütigster, liebreichster, barmherzigster Jesus! In dieser hl. Höhle falle ich nieder und bete Dich an und danke Dir, liebster Jesus, daß Du mich Unwürdigen in Deine heilige Wunde aufnimmst. Ich bitte Dich, gütigster Jesus, gib mir die Gnade, daß ich meine Unwürdigkeit erkenne, und daß ich erkenne die große Gnade, die Du mir erweisest, und daß ich lerne, mich verachten und wahrhaft demütig werden und Dich, o Jesus, aus Seelen- und Leibeskräften liebe. Ach, demütigster Jesu! Erhöre meine Bitte!
 
8. Indem ich meine Unwürdigkeit und mein sündhaftes Leben betrachte und mich erinnere, wie voll Sünde und Bosheit, wie unrein ich bin, wie sehr gewöhnt an das Sündigen, - wandelt mich billig eine Furcht an: Ich möchte selbst diese hl. Wohnung verlassen, um sündigen zu können, oder ich möchte wieder daraus verstoßen werden. O mein Gott, wie schrecklich wäre dies!
 
O mein Jesus! Ich bitte Dich, durchstich mein Fleisch mit Deiner Furcht, auf daß ich mich fürchte, vor Deinem Angesicht zu sündigen, und daß ich niemanden fürchte als Dich. O gib doch, liebster Jesus, daß ich beständig in der Furcht Gottes wandle und den hl. Ort Deiner Wundmale nicht verlasse, noch auch sie zu verlassen genötigt werde.
 
9. Weil ich in so großer Gefahr bin und mir selbst nicht helfen kann, so will ich mein Vertrauen auf Jesum setzen und ein solches Vertrauen auf ihn haben, wie möglich. Ich habe Gründe genug dafür; er ist ja allmächtig, gütig und getreu; er hat so viel gelitten, um mich selig zu machen; er hat diese hl. Wunde empfangen, um mir einen sichern Zufluchtsort zu verschaffen und mich von den teuflischen Nachstellungen zu befreien, mich zu stärken, auch die Welt und das Fleisch zu besiegen, den hl. Namen Jesus zu verherrlichen und im Angesicht des Himmels vor der Welt und der Hölle zu bekennen.
Wollten Welt, Fleisch und Satan mich bekämpfen und besiegen, so fliehe ich in die innere Höhle dieser hl. Wunde und rufe den Namen Jesus aus, und ich werde siegen. Ja, wenn die ganze Hölle und die ganze Welt sich wider mich zusammen verschworen hätte, so würde ich in dieser heiligen Höhle ruhig und ohne Furcht bleiben und ihrer spotten; denn sie werden nichts wider mich vermögen. Ich siege durch Jesum und sein heiliges Kreuz.
 
O getreuer, wahrhaftiger, allmächtiger Jesus! Du hast gesagt: „Was ihr immer in meinem Namen bitten werdet, das werdet ihr erhalten, glaubet es nur!" Jetzt bete ich auch durch Dich, o Jesus, und Deine heiligen Wunden zu Gott um die Gabe, mit festem Glauben und gläubigem Vertrauen Deinen heiligen Namen öffentlich und ungescheut im Angesicht des Himmels vor der ganzen Welt und der Hölle zu bekennen, ihn öffentlich zu verherrlichen, ohne Furcht oder Zaghaftigkeit, gleich einem Felsen, für die Ehre dieses hl. Namens zu stehen und zu seiner Ehre den Sieg davonzutragen. Ich werde nicht aufhören, Dich, großer Gott, mit allem Vertrauen um diese Gnade zu bitten; denn Dein geliebter Sohn hat mich versichert, daß ich werde erhört werden.
 
10.  O unendlich gütiger, barmherziger Jesus! Ich bitte Dich durch die Liebe, mit der Du diese heiligen Wunden empfangen hast, erhalte doch mich und die Meinigen beständig in Deiner heiligen Wunde und beseele uns mit der Heiligkeit dieses Ortes! Gib uns Kraft, Weisheit und Stärke, Demut und Sanftmut, wahre Liebe Gottes und des Nächsten, Lust und Eifer zum Gebet! O liebster Jesus! Ich bitte Dich, segne auch das Meinige mit hundertfachem Segen zu Deiner Ehre und Verherrlichung! Ich bitte Dich, großer Gott, um dieses alles durch Jesum Christum, seine heiligen fünf Wunden, Schmerzen, Blutvergießung, Seufzer und Zähren.
 Zähre, Zähren
Ein Tropfen Flüssigkeit, der von den Augen beim Weinen oder einer Reizung abgesondert wird.  Synonyme: Träne    Übergeordnete Begriffe: Tropfen   Anwendungsbeispiele: weinte bittere Zähren.
 
11. Ich bitte dich, o Königin des Himmels und der Erde, Mutter unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi! Bitte doch für mich armen großen Sünder und erwirb mir von deinem geliebten Sohn diese Gnaden, damit ich lebe, wie es sich an diesem Ort zu leben geziemt, auch den hundertfachen Segen für das Meinige, und die Gnade, einen solchen Gebrauch davon zu machen, wie es am meisten zur Verherrlichung des Namens Jesus gereicht. Auch danke ich dir, o Maria, du Königin des Himmels und der Erde, für alle Gnaden, die du mir und den Meinigen erworben hast: Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir usw.
 
Auch zu dir rufe ich, o hl. Josef, du Bräutigam der Königin des Himmels und der Erde! Bitte auch für mich armen Sünder! Hl. Blasius, hl. Joachim und Anna, ihr hl. Apostel und Evangelisten! Hl. Erzengel Michael! Hl. Namenspatrone! Bittet für mich armen Sünder! Auch du, mein lieber Schutzengel, großer Himmelsfürst, ich bitte dich inständig, du wollest vor dieser hl. Höhle wachen und mich nicht mehr herausgehen lassen!
 
12. Gebet für die Kirche und das allgemeine Anliegen der Christenheit.
Barmherziger Gott! Du hast das Gebet Deiner Kirche, das ohne Unterlaß für den hl. Petrus verrichtet wurde, gnädig erhöret und hast ihn zu rechter Zeit aus den Händen seiner Feinde gerettet. Erhöre auch unser demütiges Gebet, das wir mit kindlichem Vertrauen für unsern dermaligen obersten Hirten, den Nachfolger des hl. Petrus, vor Deinem Angesicht ausgießen. Erhalte ihn, o Gott, den allgemeinen Vater der Rechtgläubigen, noch ferner in Deiner Gnade, mit der Du ihn bisher recht erkennbar gestärkt hast; segne den, der uns gesegnet hat, lindere seine Leiden über das schwere Anliegen der Kirche, verlängere noch weiter die Tage seines Lebens bis auf ruhigere Zeiten, damit er ungehindert die ihm anvertraute Herde zu Deiner größeren Ehre, zu seinem und zu unserem Trost noch viele Jahre weiden möge.
 
Wir bitten auch, Herr Jesus Christus, laß uns nicht auf spätere Zeiten warten, sondern stehe auf und zeige in diesen Tagen Deine unwiderstehliche Macht in Erhaltung Deiner Kirche, wie Du dieselbe in ihrer Ausbreitung gezeigt hast, damit alle Feinde zuschanden werden und reumütig erkennen, daß Deine Kirche auf einen Felsen gebaut, wider den die Pforten der Hölle nichts vermögen, wenn Du dieselbe auch manchmal bestürmen, doch nie zugrunde gehen läßt.
 
Hl. Geist! Geist der Liebe und der Wahrheit! Ergieße Dich abermals über die Herzen der Völker, damit die, welche durch ihre Weisheit blind geworden sind, durch eine heilsame Erfahrung überzeugt, das wohltätige Licht Deiner Lehren erkennen und daß die, welche in ihrer Lauheit darnieder liegen, von einer warnenden Furcht durchdrungen, mit einem neuen Eifer belebt werden. Leite die Verwirrungen und das Elend unserer Zeit durch die wunderbaren Gänge Deiner Weisheit, damit die zerrütteten Gemüter, in Einigkeit des Glaubens versammelt, den allein wahren Gott und Jesum Christum, den er zum Heil der Welt gesandt hat, recht erkennen, die Gnade des christlichen Glaubens, die Stütze der Ruhe und Sicherheit künftig höher schätzen, auch den Statthalter Jesu Christi, auf Erden, welcher der Mittelpunkt unserer Einigkeit ist, mit kindlicher Liebe ergeben, wie es sich gebührt, in Ehren halten.
 
Dreieiniger Gott! Mache den vielen Trübsalen ein Ende und laß Deine Kirche, dadurch geeinigt, mit einem neuen Glänze hervorgehen - dafür wollen wir Deine Macht und Herrlichkeit, Deine Güte und Barmherzigkeit, mit Worten und in Werken zu allen Zeiten loben und preisen. Herr, eile, uns zu helfen. Wir bitten Dich durch Jesum Christum, Deinen Sohn und unsern Herrn. Amen.
 
13. Ich bitte Dich, großer Gott, durch Jesum, Deinen geliebten Sohn, und durch seine hl. fünf Wunden, verschaffe doch, daß alle diejenigen, die diese Wunden verehren und in dieselben eingehen, glänzende Perlen werden - zur Ehre und Zierde dieser hl. Wunden und zum Spott der Hölle.
 
O liebreichster, gütigster, barmherzigster Jesus! Du weißt, welch ein großes Verlangen ich habe, in dieser Deiner hl. Wunde beständig zu wohnen, darin zu leben und zu sterben. Um dieses desto eher von Dir, o freigebigster Jesus, zu erhalten, so schenke ich Dir zuliebe, o Jesus, alle Genugtuung den lieben Abgestorbenen im Fegfeuer. Ich bitte Dich, liebster Jesus, eine Bitte, verstoße mich doch nicht aus diesem hl. Ort, sondern laß mich und die Meinigen mit dem Meinigen allezeit darin wohnen. Vater unser usw. Ave Maria usw. Ich glaube usw.
O Jesus! O heilige Wunde! O heilige Höhle! O heilige Einsamkeit! Amen.

 

Anhang

Das Grab Vater Wolfs ist die Zuflucht zahlreicher Pilger, die mit ihren Nöten zu ihm kommen und viele haben Erhörung ihrer Bitten erlangt.
 
Der Priester W. Sch. schreibt dem Verfasser:
„An einem der letzten Tag meiner Rekrutenschule erlitt ich eine Hydrops genus sin. (Knieerguß), laut Dienstbüchlein. Vom 1. April bis 6. Mai 1915 war ich im Kantonsspital Luzern. Ich genas und wurde entlassen mit der Bemerkung, das Knie sei gesund. Die Gefahr aber sei, daß leicht ein Rückfall eintreten könne. Eine Operation sei dann nicht ausgeschlossen, vielleicht ein steifes Kniegelenk. Da versprach meine liebe Mutter eine Wallfahrt zum frommen Wolf nach Neuenkirch. Mit ihr pilgerte ich zum Grabe mit Vertrauen auf seine Fürsprache.
Nie hatte ich einen Rückfall, trotzdem ich das Knie nicht schonte. Ich bin ganz überzeugt, daß ich dies der Hilfe des frommen Vaters Wolf verdanke. - Dies ist meine Überzeugung."
 
In der „Schildwache" Nr. 52 vom 24. Sept. 1932 schreibt der Pfarrer Joh. Sp. aus Tirol: „Auf die Empfehlung in der , Schildwache' hin hatte ich zwei Stück von dem Büchlein ,Der fromme Niklaus Wolf von Rippertschwand" bestellt, um es zu lesen und herzuleihen. Meine Schwester litt schon längere Zeit infolge einer schlecht verheilten Mittelohrentzündung oft sehr heftige Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit usw. Ärztliche Hilfe brachte nicht den gewünschten Erfolg. Als es nicht mehr erträglich schien, sie daran war, den Posten aufzugeben, versprach ich eine Novene zum frommen Niklaus Wolf und eine hl. Messe um seine Fürbitte zu lesen. Am zweiten Tag der Novene konnte sie bereits schlafen. Auffallend nahm die Besserung zu und hält immer noch an. Ich hatte niemandem etwas von dem Versprechen gesagt und erzählte es auch ihr erst einige Wochen danach. Um die versprochene Veröffentlichung bitte ich hiermit."
 
A. S. in N. hatte im Sommer 1923 einen Abszeß am rechten Bein. Zwei Ärzte, die konsultiert wurden, fürchteten Tuberkulose und rieten zu einer Operation, die die Durchtrennung der Gelenkkapsel erforderte, um angegriffene Knochenteile entfernen zu können. Von einem Priester aufmerksam gemacht, nahm der Kranke seine Zuflucht zum frommen Wolf von Rippertschwand.
Während der Operation kam dem operierenden Arzt plötzlich der Gedanke, die Gelenkkapsel nicht zu durchschneiden. (Die Durchtrennung hätte ein steifes Bein zur Folge gehabt.) Er reinigte also nur die eiternde Wunde, die dann nachher so schnell und gut heilte, daß der Arzt darüber in Erstaunen geriet. Dieser erklärte es auch als merkwürdig, daß er einfach auf einen Gedanken hin, der sich durch nichts begründen ließ, seinen Operationsplan plötzlich während der Operation noch änderte und so den Patienten vor Invalidität bewahrte.
 
A. St. ist überzeugt, daß der fromme Wolf geholfen hat.
Frau Sch. in N. erkrankte im Januar 1924 nach der Geburt eines Kindes plötzlich an einer Embolie (Trombose vom Herz in die Lunge). Zwei Ärzte waren anwesend und hielten die Frau, wie sie selber ihr nachher gestanden, für verloren. Der Pfarrer traf die Kranke bereits röchelnd wie eine Sterbende. Sie gab aber doch Erkennungszeichen, so daß der Geistliche sie aufforderte, ihr ganzes Vertrauen auf den frommen Niklaus Wolf von Rippertschwand zu richten. Als Einverständnis drückte die Frau dem Pfarrer die Hand, der denn auch den Gatten und die Kinder, sowie seine eigene Mutter aufforderte, zum frommen Wolf zu beten und selber mit ihnen betete. Nach kurzem ließ das Röcheln nach, die Kranke kam zu sich und war gerettet.
 
Vor einigen Jahren hatte ich Lungen- und Brustfellentzündung. Der Arzt mußte mir Wasser vom Brustfell abziehen. Immer hatte ich noch hohes Fieber; der Arzt hatte Bedenken, weil noch Wasser im Brustfell war, zu der Stelle er fast nicht kommen konnte. Ich hatte große Angst vor dem Wasserabziehen, dachte an Vater Wolf sel., wie er mir schon wunderbar geholfen, versprach wieder eine Wallfahrt aufs sel. Wolfs Grab. Als der Arzt wieder kam, sagte er zu seiner und meiner Freude, das Wasser sei verschwunden, welches vor kurzem noch vorhanden war.
R., den 1. Juli 1935. Fr. L. Die Unterschrift der Fr. L, 0.,R., ist echt test. R.,
den 1. Juli 1935. Per Gemeinderatskanzlei, Der Gemeindeschreiber: C. F.
 
Bezugnehmend Ihrem Befehl schreibe ich die Begebenheit, welche erlebt auf Fürbitte von Vater Wolf sel., Neuenkirch.
Im Jahr 1895 bekam ich ein böses Auge, mußte längere Zeit in ärztliche Behandlung. Später kam leider die gleiche Geschichte wieder zurück. Es war an einem Abend, wo ich so Schmerzen hatte, konnte kein Lichtschein mehr ertragen, weil so entzündet. Ging ins Bett und dachte, eine Wallfahrt zu machen aufs Wolf sel. Grab, Neuenkirch. Endlich schlief ich etwas ein, erwachte bald wieder und spürte zu meinem Erstaunen gar kein Schmerz mehr; beide Augen waren ganz gleich. Es war wirklich ein Wunder, noch an diesem Abend geheilt zu sein.
R., den 1. Juli 1935. Fr. L. Die Unterschrift der Fr. L., 0., R., ist echt test.
R., den 1. Juli 1935. Per Gemeinderatskanzlei, Der Gemeindeschreiber: C. F.

 

Eine Anleitung, in Anliegen
den Vater Wolf um seine Fürbitte anzurufen.

Wir tun das wohl am besten mit den Gebeten, die Vater Wolf selber bei seinen Krankenheilungen gebetet hat.
 
Alles im Namen Jesu und alles zur größeren Ehre Gottes! - Im Namen Jesu bitten wir dich um deine Fürbitte, Vater Wolf! - Wir vertrauen auf Dich, o Jesus!
O mein Jesus, ich glaube an Dich, weil Du die unfehlbare Weisheit bist. O mein Jesus, ich hoffe auf Dich, weil Du die unendliche Barmherzigkeit bist. O mein Jesus, ich liebe Dich, weil Du das höchste Gut bist.
Fünf Vaterunser, Gegrüßet seist du, und Glauben. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o hl. Gottesgebärerin usw.
 
Jetzt nimm andächtig Weihwasser.
Bei Wunden oder Gebrechen gebrauche gesegnetes Öl.
O heiligster Name Jesus, sei unsere Hilfe! Wir vertrauen auf Dich. Amen.

Eine Wegweisung, wie man den Namen Jesus um Hilfe anrufen soll, finden wir auch in den zwei Briefen, die auf S. 38 und 42 angeführt sind.
 

Schluß

So steht Vater Wolf da im Licht der Geschichte als musterhafter Familienvater, als tüchtiger, fortschrittlicher Bauer, als gewissenhafter Beamter, als ein höchst verdienter Führer und Berater des katholischen Volkes, als gottbegnadeter Beter und Helfer seiner Mitmenschen, als tiefsinniger, in geistlichen, religiösen Fragen hochgebildeter Christ. Denen, die ihm auf der Straße begegneten, rief er zu: „Gelobt sei Jesus Christus!".
Immer war er heiter und fröhlich und machte gern einen Scherz, erzählte oft einen Spaß. Ein Mann, der bei allen Ehren frei blieb von Hoffart und Ehrgeiz oder Habsucht; ein großer Freund und Wohltäter der Armen, getragen von geistiger, übernatürlicher Liebe. Ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle, ein grundsatztreuer Katholik, ein gottbegeisterter, heiligmäßiger und bis zum letzten Atemzug für Gott und seine hl. Kirche arbeitender Mann der katholischen Aktion.

 

Aussprüche des Dieners Gottes Niklaus Wolf:
Hat nicht Christus gesagt: Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird Er es euch geben"? Was haben wir noch Zweifel? Alles werden wir erhalten, wenn wir genug Glauben haben.
 
Ich ermahne die Leute, keinen Morgen ihr Schlafzimmer zu verlassen, ohne zuvor auf den Knien ein eifriges Gebet verrichtet zu haben.
 
Wenn der Mensch in der Kirche täglich eine Geldsumme holen könnte, so klein sie auch wäre, er wäre an keinem Tag zu träge, sie zu holen.
 
Jesu hat den Kranken, die zu Ihm kamen, nicht gesagt: Leidet geduldig usw:; sondern Er hat sie gesund gemacht, damit der Vater durch Ihn verherrlicht werde und Er durch den Vater.
 
O heiligster Name Jesus, sei unsere Hilfe! Wir vertrauen auf Dich. Amen.

Die fünf einflußreichen Beter der Schweiz
von links nach rechts

1. Josef Leu von Ebersol, 1800-1845;
2. Niklaus Wolf von Rippertschwand, 1756-1832;
3. Hl. Niklaus von Flüe, 1417-1487;
4. Konrad Scheuber von Wolfenschießen, Enkel des hl. Bruder Klaus, 1481 -1559;
5. Bruder Johann Wagner im Hergiswald ob Kriens, 1456-1516.

Der heilige Name JESUS befreie uns an allen Übeln des Leibes und der Seele. Er sei unsere Kraft, unsere Stärke, unser Sieg: Im Leben, im Tod und in der Ewigkeit. Amen.
Stoßgebet des Vater Niklaus Wolf

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Aussprüche der heiligen Schrift und der Kirchenväter über Kleiderpracht und Moden zur Warnung und Belehrung  von Hermann Lohmann 1844  

gesammelt und allen Frauen und Jungfrauen gewidmet, welche einst in weißen Kleidern und mit Palmen in den Händen an der ewigen Seligkeit und unnennbaren Wonne vor dem Thron Gottes und dem Lamm Jesu Christo (Offb 7,9) teilzunehmen wünschen.
Düsseldorf 1844, Kleine katholische Haus-Bibliothek. 1. Bd, 8 und 80 Seiten. Lohmann war Kaplan in Bilk bei Düsseldorf.

Trügerisch ist die Anmut, und eitel die Schönheit: eine Frau, das den Herrn fürchtet, das wird gelobt werden - Sprüche Salomons 31,30.
Eitelkeit der Eitelkeiten, und alles ist Eitelkeit! - Kohelet 1,2.
Sei nicht stolz auf deine Kleidung. - Sirach 11,4.
Die Kleider des Leibes, das Lachen, wobei sich die Zähne zeigen, und der Gang des Menschen, verraten, was er ist. - Sirach 19,30
 
Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, aber an seiner Seele Schaden litte? - Ausspruch unseres Heilandes bei Mk 8,36.
Wehe der Welt der Ärgernisse wegen. - Unser Heiland bei Mt 18,7.
Wer eines dieser Kleinen ärgert (d.h. zur Sünde reizt und Anlaß gibt) dem wäre es besser, daß ein Mühlenstein an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde. - Ausspruch unseres Heilandes bei Mt 18,6.
Ärgert dich dein Auge (d.h. Ist dir deine üppige Kleidung so lieb als dein Auge, gibt sie aber dir und andern Anlaß zur Sünde) so reiß es aus, und wirf es von dir (wirf weg von dir die üppigen Kleider und verabscheue die heillosen Moden); denn es ist dir besser mit einem Aug (ohne die verführerischen Freuden der Kleiderpracht) zum Leben einzugehen, als mit beiden Augen (mit deinen üppigen Anzügen und ärgerlichen Moden) in das höllische Feuer geworfen zu werden. - Ausspruch unseres Heilandes bei Mt 5,2, 9 u. 18,9.


 Vorwort

Euch, christliche Jungfrauen und Frauen! hohen und niederen, reichen und armen, biete ich diese Schrift, mit dem sehnlichsten Wunsch, daß es euch zu euerm zeitlichen und ewigen Heil recht nützlich werden möchte. Viele von euch denken und sprechen oft von neuen Moden, von schönen, hübschen Kleidern, und schätzen sich glücklich, wenn sie nur recht nett, geschmückt und geziert erscheinen können; ohne auch nur zu ahnen, welche zahlreiche und gefährliche Steine des Anstoßes sie sowohl sich selbst, als auch anderen, auf dem Weg des Heiles legen, worüber sie selbst und Unzählige straucheln, fallen und vielleicht nie wieder aufstehen, sondern in den Abgrund der Hölle hineinfallen.

O glaubt es nur, ein prachtvolles Gewand und üppig geschnittene Kleider haben schon viele auf den Weg des Lasters und von da in die Hölle gebracht; sie sahen den Strick nicht, den ihnen der Teufel mit dem Modekleid umwarf; sie wußten nicht, daß die Bänder, womit sie sich schnürten und zierten, Ketten waren, womit der Teufel sie und andere an den Sündenwagen schmiedete. Manche aus ihnen meinten noch recht gottesfürchtige, fromme und heilige Frauen und Jungfrauen zu sein, weil sie sich von großen Ausschweifungen frei hielten, - und doch - und doch hat sie das Verdammungsurteil Gottes den ewigen Flammen überantwortet, wegen der Tausend und abertausend Sünden, welche sie durch Hervorstreichen ihrer Schönheit und durch ihre üppigen Kleidern hervorriefen, wegen der Sünden, wozu sie reizten, lockten, einluden.

O wäre es mir vergönnt, euch, christliche Frauen und Jungfrauen! alle jene Frauen und Jungfrauen zu zeigen, die ihrer Kleiderhoffart und Üppigkeit wegen in den Flammen der Hölle brennen, wie sie ihre Torheit verfluchen und – in ewiger Höllenwut und Verzweiflung verfluchen werden, wie sie, verworfen von Gott, verworfen von Jesus Christus, der ihretwegen sich demütigte und Mensch wurde, und prachtlos und schmucklos ihnen zum Beispiel wandelte, und den schmerzlichsten Tod für ihr Heil erduldete; verworfen von Maria, der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes, verworfen von den Aposteln, verworfen von den heiligen Kirchenvätern und allen Heiligen, in herzzerreißendem Schmerze ihre Eitelkeit und Üppigkeit bereuen – aber vergeblich bereuen!

Sagt, christliche Frauen und Jungfrauen, was nützt jetzt den Verworfenen, dem ewigen Feuer, Fluch, Schmach und Hölle Preisgegebenen, Pomp und Pracht, was nützt ihnen Eitelkeit und Schönheit, was üppige Kleider und Trachten? was nützt ihnen die Gunst und Aufmerksamkeit der Herren, was die Bewunderung und das Anstaunen der Frauen? was nützt ihnen Gold und Silber? was nützt ihnen Edelstein und Diamant? Was nützen ihnen die Aufmerksamkeiten und Schmeicheleien der Jünglinge, was die Lobeserhebungen und Nacheiferungen der Mädchen? Was nützt es ihnen? Nichts! - Verschwunden ist alles wie ein Traum, es ist geflohen, wie ein Schatten.

„Ein Sarg nur und ein Leichenkleid blieb ihnen von aller Herrlichkeit“. Und das nicht einmal. Der Sarg und das Leichenkleid sind vermodert. Die Seele ist begraben in der Hölle, der Leib wird in grenzenloser Häßlichkeit und Abscheulichkeit auferstehen. - Doch wir wollen uns abwenden von diesen durch die Eitelkeit so arg Betrogenen. Lest und beherzigt wohl die Lehren und Aussprüche, welche euch in dieser Schrift geboten werden.
Zwar werden sie Manchen aus euch bitter vorkommen und hart erscheinen; allein bedenkt, es sind Aussprüche der hl. Schrift und der ausgezeichnetesten Kirchenväter; und ihr werdet es in eurer Todesstunde nicht bereuen, wenn ihr euch denselben folgsam erwiesen habt.

Bilk, am Schutzengelfest 1843.
Der Herausgeber.

 

A. Aussagen der Hl. Schrift

Der Prophet Isaias - 3,15f.
Und der Herr sprach: Darum, weil stolz die Töchter Sions sind, mit emporgerecktem Hals und mit blitzenden Augen daherkommen (frech die Augen werfend) und in die Hände klatschend, mit Ziererei daherkommen und tänzerischen Schrittes wandeln: So wird der Herr den Scheitel der Töchter Sions kahl machen und der Herr wird ihr Haar entblößen (abschneiden):
An diesem Tag, (dem Tag der Vergeltung) wird der Herr wegnehmen den Schmuck der Halsbänder, die Geschmeide, die Armspangen und die Hauben;
Die Haargewinde, die Haarnadeln, die Schnürlein, die Riechfläschchen und die Ohrenringe; die Fingerringe und die Edelsteine,
die an der Stirne hängen. Statt der Wohlgerüche wird es Gestank geben, statt des Gürtels einen Strick, statt des gekräuselten Haares eine Glatze, und statt des weißen (Pracht) Kleides ein Trauerkleid.

Der hl. Apostel Petrus - 1 Petr 3,3-4.
Der Frauen Schmuck sei nicht der äußere im Haargeflecht, in Goldgehängen, oder in (üppigen) Kleidern; sondern der verborgene Herzensmensch in der Unvergänglichkeit eines stillen und sanften Geistes, der vor Gott hohen Wert hat.

Der hl. Apostel Paulus - 1 Tim 2, 9-10
Die Frauen sollen sich in anständiger Kleidung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit geflochtenen Haaren, oder Gold, oder Perlen, oder kostbarem Gewand: sondern was sich ziemt für Frauen, die Gottesfurcht an den Tag geben durch gute Werke.


B. Aussagen der Kirchenväter.

Nach den Aussprüchen der hl. Propheten im alten Testament und der hl. Apostel im neuen Testament über Kleiderpracht und Üppigkeit, finden wir bei den Kirchenvätern eine Menge Aussprüche voll Belehrung und Warnung vor übermäßiger und unanständiger Ziererei in der Kleidung.

I. Der erste, dessen Aussagen wir an dieser Stelle beherzigen wollen, ist Klemens von Alexandrien, jener berühmte Priester und Lehrer an der Katechetenschule in Alexandrien, der von 190 bis 215 nach Christi Geburt durch seine Gelehrsamkeit in der Kirche leuchtete. Dieser schreibt im dritten Buch seiner christlichen Erziehung (paedag. Buch 3 Kap. 2):
Es ist einer achtbaren Frau unwürdig, ihren Leib mit so großer Sorgfalt und Kunst zu schmücken. Das beständige Bestreben der Frauen, ihre Haut weich und zart zu machen, ist sehr tadelnswert, und ihr Fleiß, die natürliche Farbe ihrer Haare zu verändern, sich zu schminken, und an Augen und Augenbrauen zu künsteln, während sie die Sorge für ihr Haus vernachlässigen, ist verwerflich. Steht doch ab, ihr Frauen, sagt er, von einem so sündhaften Bestreben. Denkt an das Unglück der ungehorsamen Engel, welche einer vergänglichen Schönheit wegen die ewige Schönheit Gottes verloren haben.

Im 11. Kap. desselben Buches sagt er: In die Kirche sollen die Frauen kommen mit ehrbarer und sittsamer Kleidung, keusch an Leib und Seele, bereit zum frommen Gebet. Er lehrt, daß dieselben keinen Teil ihres Leibes, nicht einmal die Arme entblößt tragen sollen, und mißbilligt ihre große Vorliebe für goldene und silberne Zierrat und kostbare Geräte: Eure Hände, sagt er, 2. Buch 12. Kap. sollen offen sein, um mitzuteilen; denn den Armen Almosen geben, heißt sein Geld auf Zinsen geben; dadurch wird eure Hand mit himmlischen Schätzen gefüllt. Eure Füße seien bereit dahin zu gehen, wo ihr Gutes tun könnt. Zucht und Bescheidenheit sei eure Halskette und euer Perlenkranz; denn solche will Gott an euch sehen. Durchbohrt eure Ohren nicht, um Perlen daran zu hängen; denn dafür gab sie Gott euch nicht, sondern nur um sein hl. Gesetz dadurch zu vernehmen. Ich lobe und bewundere, sagt er, die alte Sitte der Lakedämonier
(eines heidnischen Volkes - Spartaner), welche nur den öffentlichen Dirnen gestatteten, Goldschmuck und übermäßig prachtvolle Kleider zu tragen, den ehrbaren Frauen aber die Sorge sich zu schmücken untersagten, die sie nur bei liederlichen Frauenzimmern duldeten.

II. Beherzigenswert sind auch die Worte des alten gelehrten Tertullian, der um
220 zu Karthago in Afrika lebte. In seinem Buch von der Kleidung der Frauen, wovon wir nur Einiges zitieren, sagt er folgendes:

1. Man darf in der Kleidung und Zierde des Körpers durchaus nicht die Grenzen des gehörigen Anstandes überschreiten, noch etwas anders beabsichtigen, als Gott zu gefallen; deswegen sündigen die Frauen, welche Schminke und Schönheitsmittel auf ihre Wangen bringen, gegen Gott; denn sie zeigen dadurch, daß ihnen sein Werk mißfällt, und sie daran etwas auszusetzen finden, und tadeln so gewisser Maßen ihren Schöpfer.

2. Wißt, daß ein vollkommenes Frauenzimmer, daß ist, eine Christin und keusche Person, weit entfernt zu verlangen, daß man ihrer begehrt, sogar Abscheu davor haben muß; denn wir wissen, daß die Sorge durch Schönheit des Leibes zu gefallen, welche natürlicher Weise zur Wollust führt, aus einem verwundeten und mangelhaften Gewissen kommt. Warum bemühest du dich denn, dieses Übel in dir selbst aufzureizen? Warum in andern das Verlangen nach einer Sache wecken, wovon du so sehr entfernt sein willst? Außerdem dürfen wir ja niemals den Versuchungen die Türe öffnen, welche zuweilen durch ihre Heftigkeit uns zu überwinden fähig sind, aber doch wenigstens durch Vorstellung schändlicher Bilder, gefährliche Regungen in uns hervorzubringen. Aber der liebe Gott wolle doch dieses Übel von seinen Dienern abwenden!

3. Die Pflicht uns von jeder Art von Unkeuschheit zu entfernen, untersagt uns auch die Unterhaltungen des Theaters, welches man eine Schule der Unzucht nennen kann; wo man gutheißt, was man an jedem andern Ort als verwerflich bezeichnet.
Denkt man während der Komödie an Gott? Wird man daselbst lernen keusch
zu sein, wann man sich ganz ergriffen fühlt von dem Vergnügen, das man an diesen Darstellungen empfindet? Ist ja doch nichts verführerischer, als der Anblick der daselbst auftretenden, frech geschmückten Schauspielerinnen, mit allen ihren nur möglichen Zierden. Trägt nicht der dort stattfindende, freie und vertrauliche Umgang sehr viel dazu bei, in den Herzen der Zuschauer das Feuer ungeordneter Leidenschaften anzufachen? Geht ja doch keiner in die Komödie, als in der Absicht, dort zu sehen und gesehen zu werden.
[Heute mit Kino, Fernsehen, Internet usw. noch schlimmer]
Flehen wir zu Gott, daß er aus den Herzen seiner Diener die Sucht nach einem so verderblichen Vergnügen austilgen wollte. Und in der Tat, ist es nicht eine befremdende Sache, aus der Kirche Gottes in die des Teufels zu gehen? Aus dem Himmel in den Kot zu fallen? Mit denselben Händen, welche ihr vor Kurzem zu Gott im Gebet erhoben hattet, den Schauspielern und Schauspielerinnen Beifall zu klatschen, und jene mit demselben Mund zu loben, womit ihr beim Empfang des hl. Leibes Jesu Christi dankgesagt habt?

4. Verschafft euch christliche Frauen, die Zierde und den Schmuck der Tugenden, welche die hl. Propheten und Apostel euch vorstellen. Bereiniget in euch das Weiße der Einfachheit mit dem Rot der Schamhaftigkeit; die Sittsamkeit ziere eure Augen, das Stillschweigen euren Mund. Nehmt auf mit euren Ohren das Wort Gottes, und um euren Hals das Joch Jesu Christi. Unterwerft euer Haupt euren Männern, und ihr werdet so sehr geschmückt sein, als ihr sein müßt. Haltet eure Füße in euern Häusern, und sie werden euren Männern besser gefallen, als wenn sie mit Gold und Edelstein beladen wären. Schmückt euch mit der Seide der Rechtschaffenheit, mit der kostbaren Leinwand der Heiligkeit, mit dem Purpurgewand der Keuschheit; denn wenn ihr auf solche Weise geschmückt seid, werdet ihr von Gott selbst geliebt werden.

III. Hören wir ferner den hl. Cyprian, Bischof von Karthago in Afrika und Märtyrer für den katholischen Glauben um 258. Über die Kleidung der Jungfrauen. (Stellenweise aus der Bibliothek der kath. Kanzelberedsamkeit v. Dr. Räß und Dr. Weiß. 6. B.) Die Zucht bewahrt die Hoffnung, stärkt den Glauben, führt uns auf die Wege des Heiles, regt auf und nährt ein edles Gemüt, sie ist die Lehrerin der Tugend, durch sie bleiben wir in Christo, leben in Gott und gelangen zur himmlischen Belohnung; ihr nachstreben ist rühmlich, sie verachten und vernachlässigen ist geisttötend. In den Psalmen spricht der Hl. Geist: „Nehmt die Zucht an, damit nicht der Herr erzürne, und ihr in den Abgrund geht, wenn sein Zorn bald entbrennen wird“ Ps. 2,12-13; und an einer andern Stelle spricht er zum Sünder: „Warum versündigst du meine Gerechtigkeit, und nimmst mein Bündnis in deinen Mund? du hattest ja die Zucht und verachtest meine Worte“ Ps 49,16; und wieder lesen wir: „Unglücklich, wer die Zucht verwirft!“ Wsh 3,11 und vom weisen Salomon hören wir: „Mein Sohn, verwirf die Zucht des Herrn nicht; und sei nicht kleinmütig, wenn du von ihm bestraft wirst, denn der Herr straft denjenigen, welchen er liebt“. Spr 3,11. 19

Wenn nun Gott den, welchen er liebt, züchtigt, und züchtigt zu seiner Besserung, so hassen gewiß die Brüder und Priester jene nicht, welche sie züchtigen, sondern lieben dieselben und bringen sie durch Züchtigung auf die Wege des Heiles. Wenn nun in den hl. Schriften so oft und überall die Zucht geboten wird, wenn der Grund des Glaubens und der Bereinigung mit Gott nur von ihr herkommt, was sollten wir denn eifriger verlangen, als in ihr stets fester zu wurzeln, dadurch daß wir betrachten, daß unser Leib ein Tempel Gottes ist, gereinigt von den Flecken alter Makel durch die hl. Taufe, daß es uns nicht erlaubt sei, ihn zu schänden und zu verunreinigen; denn er ihn schändet, schändet sich selbst. Wir sind Tempel Gottes, und nicht unser eigen. Dienen wir also dem, dessen Eigentum wir sind.

Paulus der uns in seinen Briefen die Bahn des Lebens durch himmlische Lehrweisheit zeigt, spricht:
„Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen hohen Preis seid ihr erkauft worden, verherrlicht und tragt also Gott in eurem Leib“ 1 Kor 16,19-20. Laßt uns also Gott verherrlichen und tragen in reinem schuldlosen Herzen und Leibe, und durch stete Beobachtung des Gesetzes gefallen unserm Erlöser, der uns durch sein Blut erkauft hat; ringen darnach wollen wir, daß nichts Unreines, nichts Unheiliges komme in den Tempel Gottes, damit er nicht beleidiget seinen Sitz verlasse.

Es sind Worte des Heilandes, da er sagt:
„Siehe, du bist gesund geworden, sündige nicht mehr, daß dir nicht noch etwas Ärgeres widerfahre“ Jo 5,14.. Hier gibt er die Lebensweise an und das Gesetz des reinen Wandels. Nachdem der Herr gesund gemacht, will er nicht, daß der Geheilte nun von neuem zügellos lebe, sondern er bedroht ihn für die Zukunft mit größerer Strafe.
Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, jedes Geschlecht und jedes
Alter strebt darnach, die Heiligkeit und Reinheit, welche die Huld des Herrn verliehen, in heilsamer Furcht, in Treue und Anhänglichkeit zu bewahren. –
Darum trachtet in allem Gott zu gefallen und nicht den Menschen; denn, sagt der Apostel,
„wenn ich den Menschen zu gefallen suchte, so wäre ich nicht Christi (Gottes) Diener“. Gal 1,10.

Nie ziemt es sich, (das gilt besonders den Frauen und Jungfrauen) sich zur Empfehlung ihrer Gestalt zu schmücken, sich zu rühmen ihres Fleisches, ihrer Schönheit, da sie keinen heftigeren Kampf kennen soll, als den Kampf gegen ihr Fleisch; denn Paulus ruft mit starker und erhabener Stimme: „Fern sei es von mir mich zu rühmen, als nur allein des Kreuzes unsers Herrn Jesu Christi, durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt, Gal 6,14 und die Christo angehören, kreuzigen ihr Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden“ Gal 5,24.

Also dem Christen, und besonders der Jungfrau ziemt es nicht, Ruhm zu suchen
in körperlicher Schönheit; sie trachte vielmehr nach dem Wort Gottes, umfasse die ewigen Güter. Aber es gibt einige Reichen, die ihr Vermögen vorschützen und behaupten, ihre Güter gebrauchen zu dürfen. Diese mögen wissen, daß nur diejenige reich ist, die es in Gott ist, nur jene vermögend, die in Christo vermögend ist, daß nur die geistigen Güter, die uns zu Gott hinführen, wahre Güter sind; alle übrigen muß der Christ eben so verachten, als er die Welt verachtet, deren Pracht er schon damals entsagt hat, als er durch eine glückliche Bekehrung zu Gott sich wandte. So ruft uns ja der hl. Johannes zu:

Liebt nicht die Welt, Kinder, noch was in der Welt ist; wer die Welt liebt, in dem ist die Liebe des Vaters nicht; denn alles was in der Welt ist, Fleischeslust, Augenlust, Hoffart des Lebens, kommt nicht vom Vater (Gott), sondern von der Welt, die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit“ 1 Jo 2,15f.

Du sagst, ich bin reich und wohlhabend; aber deinem Reichtum entgegnet Paulus, da er durch seinen Befehl deinem eitlen Putz gehörige Grenzen setzt: „Die Frauen sollen mit anständiger Kleidung, mit Schamhaftigkeit und Bescheidenheit sich schmücken, nicht mit künstlichem Haarputz, oder Gold oder Perlen, oder kostbaren Gewändern, sondern, was sich ziemt für Frauen, die Gottesfurcht zeigen, durch gute Werke“
1 Tim 2,9-10.

Petrus stimmt hiermit überein, da er schreibt:
Der Schmuck der Frau besteht nicht im Äußeren, in goldenem Geschmeide, in prächtiger Kleidung; sondern der in sich gekehrte Gemüt-Mensch, mit immer gleichem, sanftem und stillem Sinne; dies hat hohen Wert vor Gott 1 Petr 3,3-4.

Wenn du daher mit mühevoll gelockten Haaren und in ausgezeichneter Kleidung durch die Straßen gehst, wenn du die Augen und Seufzer anderer nach dir ziehst, wenn du ihre Begierlichkeit nährst, wenn du die Flamme, die in ihnen lodert, immer neu anregst, so daß du andere zum Fall bringst, wenn du jenen, die dich schauen, gleichsam ein Schwert und Gift bist, so handelst du offenbar den Vorschriften der Apostel entgegen, und kann von dir nicht gesagt werden, du seist rein und keusch von Herzen; du selbst unschuldig; dich widerlegt deine unverschämte Kleiderpracht.

Du sagst: ich bin reich und wohlhabend, und glaubst jene Güter gebrauchen zu dürfen, welche der Herr dir gegeben hat. Gebrauche sie, gebrauche sie aber zu heiligen Dingen, zu guten Zwecken, nach Gottes Willen und Befehl. Laß die Armen und Dürftigen fühlen, daß du reich bist, wuchere bei Gott mit deinem Erbe, speise den Heiland (in den Armen), erlange so durch das Gebet vieler die Gnade einer ausdauernden standesmäßigen Keuschheit, und die himmlischen Belohnungen. Dort verwahre deine Schätze, wo kein nächtlicher Räuber sie davon tragen kann.

Erwirb dir Schätze im Himmel, wo die Früchte guter Werke ewig blühen, und frei sind von den Nachstellungen der Welt; wo weder der Rost sie verzehrt, noch der Hagel zerschlägt, die Sonne sie nicht versengt, der Regen sie nicht verdirbt. Denn du sündigest gegen Gott, wenn du glaubst, er habe dir darum Reichtümer verliehen, daß du sie mißbrauchst.

Gott hat auch den Menschen die Stimme gegeben, aber du darfst doch nicht schändliche und geile Lieder singen; das Eisen soll nach dem Willen Gottes die Erde pflügen, nicht morden. – Dann wäre dein Erbe dir zum Untergang, wenn du es nicht anwendest zu guten Zwecken; du sollst vielmehr damit deine Sünden loskaufen, nicht vermehren. Diese Auszeichnung in Schmuck und Kleidern kommt nur Sünderinnen zu, und bei keinen ist der Aufzug glänzender als bei denen, deren Ehre befleckt ist.

So schildern uns auch die hl. Schriften, durch welche Gott uns belehrt und ermahnt, die buhlerische Stadt schön gelockt und geschmückt, aber samt diesem Putz oder vielmehr wegen desselben sollte sie fallen.


Nun kam einer der sieben Engel, welche die sieben Schalen hatten, er redete mit mir und sprach: Komm! ich will dir zeigen das Strafgericht der großen Buhlerin, die auf vielen Wassern thront, mit welcher buhlten die Könige der Erde. – Und er führte mich im Geist in eine Wüste. Da sah ich die Frau sitzen auf einem Tier; die Frau war in Purpur und Scharlach gekleidet, mit Gold, Edelsteinen und Perlen geschmückt; sie hielt in ihrer Hand einen goldenen Becher mit Gräueln und Unreinigkeiten der Unzucht der ganzen Erde“ Offb 17,1f.

Keusche Jungfrauen und schamhafte Frauen verschmähen die Pracht der Ausgeschämten, die Auszeichnung und den Schmuck der Buhlerinnen. Voll Hl. Geistes ruft Isaias, die mit Gold und Kleiderpracht geschmückten Töchter Sions scheltend:
„Die Töchter Sions sind stolz geworden, sie gehen einher mit hohem Nacken, mit winkenden Augen, mit nachschleifendem Kleid, ihre Füße tanzen: aber der Herr wird die Scheitel der Töchter Sions kahl machen, der Herr wird ihnen abnehmen ihre Prachtgewand, ihre Haarlocken, ihre Halszierden, ihre Halsbänder, ihre Ringe und Perlen, ihre seidenen Kleider durchwirkt mit Gold und Hyazinth: und statt des süßen Geruches wird sein Gestank, statt des Gürtels ein Strick, und statt der goldenen Haarzierde ein kahler Scheitel“ Js. 3,10f.

Darum also klagt sie Gott an, deswegen waren die Töchter Sions verdorben, abgefallen von ihm. Der Stolz war ihr Fall, der Schmuck brachte ihnen Schande und Spott; die mit Purpur und Seide angezogen sind, können Christum nicht anziehen; die mit Gold und Edelsteinen geschmückt sind, haben den Schmuck des Herzens verloren. Wer wird nun, was anderen zum Verderben gereichte, nicht meiden? Wer wird das wünschen und annehmen, was für andere der Todesstoß war? Wenn jemand aus einem Becher getrunken, und tot dahin sinkt, so weißt du, er habe Gift getrunken. Wenn einer stirbt an der Speise, die er zu sich genommen, so ist es klar, daß sie tödlich ist, und du würdest weder essen noch trinken dasjenige, woran andere gestorben. Nun aber wie unbekannt mit der Wahrheit, wie töricht bist du, da du nach dem verlangest, was immer geschadet und noch schadet! du wähnst, für dich sei nicht tödlich, was andere getötet!

Hüten wir uns daher vor allem, was der Herr unser Gott verboten hat, und bestreben wir uns in allem und jedem nach seinem hl. Willen zu handeln. Ist es etwa der Wille Gottes, daß wir die Ohren verwunden, und so die unschuldige, alles Bösen noch unkundige Kindheit quälen sollen, um späterhin aus ihren Wunden kostbare Zierden herabhängen zu lassen, die, wenn auch nicht an Gewicht, doch an Wert schwer sind? - Auf all dies haben die Teufel des Menschen Sinn und Begierde geleitet. Sie lehrten die Menschen die Augen schwarz färben, die Wangen rot schminken, das Haar verfälschen, und alle Wahrheit durch frevelhaften Trug von Haupt und Antlitz verbannen.

Und hier glaube ich mit aller Liebe und Strenge alle Frauen und Jungfrauen ermahnen zu müssen, was Gott gebildet hat, nicht zu schänden auf irgend eine Weise durch schwarze oder rote Farben, oder durch irgend ein anderes Mittel.
„Laßt uns den Menschen machen nach unserm Ebenbild und nach unserm Gleichbild“, sprach der Herr, und es dürfte Jemand wagen, das Werk Gottes umzuändern? Wenn irgendein Maler das Gesicht, die Gestalt und Beschaffenheit des Körpers irgendeines Menschen gemalt hätte, und nach verfertigtem Bild, legte ein anderer Hand daran, der sich geschickter dünkte, um das Bild zu verbessern; würde ein solcher nicht den ersten Meister beleidigen? und du meinst, du könntest ungestraft das Werk Gottes verunstalten? Der Apostel ruft: „Schafft den alten Sauerteig fort, damit ihr ein frischer Teig werdet, wie ihr denn ohne Sauerteig sein sollet, weil unser Osterlamm, Christus, für uns geschlachtet ist. Laßt uns also das Ostermahl halten, nicht in dem alten Sauerteige, nicht im Sauerteig der Sünde und des Lasters, sondern ein neuer Teig der Reinheit und Wahrheit“ 1 Kor 5,6-7.

Die Reinheit und Wahrheit dauert fort; wenn du aber das Wahre mit falschen
Farben und Schminken überstreichst, wird das Wahre zur Lüge.

Der Herr sprach: „Du vermagst nicht ein einziges Haar schwarz oder weiß zu machen“
Mt 5,36., und du willst seinen Ausspruch beschämen, stärker sein als er? mit kühnem Frevel und gotteslästerischer Verwegenheit färbst du deine Haare, und verfertigest dir, vermöge einer traurigen Ahnung der Zukunft, jetzt schon ein flammendes Haar, du sündigest an dem edelsten Teile deines Leibes, an deinem Haupt.

Fürchtest du nicht, dein Schöpfer (Gott) möge in solcher Gestalt am Tag der Auferstehung dich nicht erkennen, und möge dir mit strafender Stimme zurufen:
Das ist nicht mein Werk, nicht mein Bild, dein Haupt hast du befleckt mit Salben, dein Haar verändert mit trügerischen Farben, entstellt durch Betrug dein Gesicht, deine Gestalt hast du verdorben, du hast ein fremdes Gesicht, du kannst Gott nicht schauen mit Augen, die nicht Gott, sondern der Teufel gemacht hat; diesem bist du nachgefolgt; du hast die funkelnden und feurigen Augen der Schlange nachgeahmt, der Feind hat dich geschmückt, brenne mit ihm.

Hört mich also an, ihr Frauen, höret mich an ihr Jungfrauen, höret mich an, wie einen Vater, der euch ermahnet, und für euch besorgt ist; ich rate euch nur zum Besten: bleibt so wie euch Gott geschaffen, euer Antlitz sei unverdorben; verwundet nicht eure Ohren; keine Kette umschlinge eure Arme, euren Hals; weg mit den üppigen Prachtgewändern; weg mit den golddurchwirkten Schuhen an den Füßen; ungefärbt sei euer Haar, eure Augen im Stand Gott anzuschauen! Siege über dein Kleid, die du Gottes Dienerin sein sollst, siege über das Gold, die du Welt und Fleisch besiegen mußt. Eng und schmal ist der Weg, der zum Leben führt; hart und steil der Pfad zum ewigen Ruhm.

Auf diesem Pfad gehen die Märtyrer, die Jungfrauen, die Gerechten alle. Breit ist der Weg des Verderbens, auf ihm begegnen uns die Lockungen des Bösen, die seelentötenden Freuden, schmeichelt uns der Teufel, um uns zu betrügen, lächelt uns an, um uns zu schaden, reizet, um uns zu töten. Hundertfältig brachten die Märtyrer Frucht, wir sollen nur sechzigfältig bringen. Die Blutzeugen blieben unbefleckt von der Welt und dem Fleisch; so soll auch unsere Starkmut der ihrigen nahe kommen, da wir den zweiten Preis erlangen. Leicht erwirbst du das Große nicht. Wie triefen wir doch von Schweiß, wie mühen wir uns ab, bis wir den Gipfel eines Berges erklimmen! Was müssen wir erst tun, um in den Himmel zu kommen?
- Und wie gering ist unsere Arbeit im Vergleich mit der ewigen Belohnung! Unsterblichkeit erwartet den Beharrlichen, ewiges Leben verheißt ihm der Herr.

IV. Der hl. Cyrill, Bischof von Jerusalem 346, berühmt durch seine Gelehrsamkeit und seinen trefflichen Unterricht an die Neubekehrten, redet unter andern die Frauen so an: Eure Kleidung sei einfach und ohne Ziererei, denn ihr dürft euch derselben nur bedienen, nicht so sehr zur Zierde, als der Notwendigkeit wegen; da man sich wohl hüten muß, daß man unter dem Vorwand, seine Blöße bedecken zu müssen, durch einen überflüssigen Prachtaufwand in den Kleidern nicht eine andere Schande begehe.

V. Der hl. Ephraem, Diakon zu Edessa in Mesopotamien, der von 350 bis 380 nach Christi Geburt die Zierde und Glanz der katholischen Kirche im Morgenland war, richtet an seine Zuhörer folgende Ermahnung: Ich fürchte, Geliebte, die Lüste des Fleisches möchten Ursache sein, daß wir aus dem Himmelreich verstoßen werden, weil wir äußerlich eine schöne Hülle tragen; denn die äußere Hülle zeigt nur zu sehr an, wo unser Herz und Geist sei. Der Putz nämlich und die Aufmachung des Kleides beweisen, daß wir jener Glorie (vor Gott) entblößt sind, und irdische Gesinnungen hegen; die Ruhmsucht zeigt an, daß wir eitler Ehre nachstreben.

  Folgendes nach Zingerle’s Bearbeitung.
Kommt, sagt Ephräm ferner in seiner Rede auf die Büßerin, die Jesus salbte, kommt meine Zuhörer, Freunde Christi, Willkommene und erfreut euch an der lieblichen Geschichte jener großen und wunderbaren Frau, das uns nun zu einem außerordentlichen Schauspiel einlädt, - zu jener Szene nämlich, die sie vor Engeln und Menschen aufführte! Wie nahte sie unserm Heiland und entdeckte ihm alle Geheimnisse ihres Herzens, ohne Laut und Stimme alles darlegend! Die Hochherzige scheute weder den Lärm der Hausleute, noch die harten Vorwürfe der Umstehenden, denn sie dachte sich: Verachten will ich die Furcht vor den Menschen, und ihre Beleidigungen für nichts achten; denn die Zeit dieser Beschämung dauert viel kürzer, als jene meiner lasterhaften Unverschämtheit. Damals stand ich frech am Scheideweg, und lud alle zum Werk der Unzucht ein, in ausgelassenem Aufzug jedem entgegen kommend, die Haare künstlich geflochten, die Wangen geschminkt und zur Täuschung verschönt um andere an mich zu locken. Ich war ganz eine Schlinge des Teufels, die Seelen fangend zum ewigen Untergang. Nun muß ich mich ereifern, um schnell geheilt zu werden, und statt jener Schandtaten Tugenden auszuüben. Hingehen will ich und dem großen Arzt zu Füßen fallen, der alle aufnimmt und niemanden von sich stößt. Alles will ich ihm bekennen, was ich an meinem Leib zur Verführung der Jugend getan habe; und meine schönen Locken, einst glänzend gesalbt zur Wollust, und zum Ärgernisse vieler, will ich zum Leintuch machen; und meine Augenlieder, die einst mit den Augenäpfeln ausgelassen winkten, will ich wandeln in Tränenströme.

Worte der ernstesten Beherzigung wert, spricht Ephräm weiter in seiner Rede über die Stunde des Todes.
Vor jenem furchtbaren Richterstuhl gibt es keinen Niederen und keinen Hohen mehr, keinen Sklaven und Herrn, keinen König und Untertan, sondern alle sind Angeklagte, alle gefesselt, unbeschützt, alle zittern, weinen, sind verwirrt, beklommen, besorgt.
Wo ist dann die eingebildete Größe der Könige?
Wo die Hoffart der Tyrannen?
Wo der Stolz der Toren?
Wo die Weichlichkeit der Jugend?
Wo die Kleiderpracht?
Wo die herumstehenden und umherlaufenden Diener?
Wo die geputzten Töchter?
Wo das Gold? Wo das Silber?
Wo die Pferde mit goldenem Geschirre?
Wo die Salben?
Wo die Rauchwerke?
Wo die Gewürze?
Wo die Schwelgerei?
Wo sind die nächtlichen und täglichen Gelage?
Wo sind sie denn, die jetzt unter Musik und Tanz Wein saufen und schwelgen; Gott aber und die Armen verachten?
Nichts von allem dem ist dann noch vorhanden, dafür aber bitteres Wehe! Wehe! Dort kann man nicht mehr reich werden, sondern wird von Schauder ergriffen; dort heißt es nicht mehr wohl leben, sondern sich verantworten; dort gibt es keinen glänzenden Schmuck, aber wohl Finsternis; dort gibt es keine Tänze mehr, aber wohl Wehklagen; dort haben die Träumereien der Jugend ein Ende, und die Sünder werden zur Hölle verbannt. –

Aus Ephräms Rede über den Text: Alles ist Eitelkeit und Geistesplage: wollen wir uns dies wenige merken:
Alles ist Eitelkeit der Eitelkeiten, wie da geschrieben steht.
Koh 1, 2. Die Welt gleicht einem Rad, das die Zeiten vorbei rollt. Das Glück wandelt sich plötzlich in Trauer, die kaum entstandene Fröhlichkeit vergeht, und Trübsale treten an ihre Stelle. Wer mit glänzendem Gewand prangt, und in den prächtigsten Kleidern sich brüstet, sieht seinen Putz wie einen Traum vergehen, und das Grab bedeckt ihn mit Spinngeweben.

Wer hohe Paläste baut und stolz in seinen Hallen wandelt, wird unvermutet vom Ende seines Lebens überfallen, auf das Totenbett geworfen, an Händen und Füßen gebunden, und sein geschlossener Mund vermag kein Wort mehr zu sprechen; Finsternis bedeckt seine Augen. Sie tragen ihn aus seinem Haus, ohne ihm auch nur einen Tag Zeit zu lassen, in seinen Prunkgemächern zu bleiben; so schnell tragen sie ihn weg zum Grab, seiner künftigen Wohnung. Sein ganzer Lebenslauf war Eitelkeit und Geistesplage. Wie ein Traum entflogen seine Tage, und er ist nicht mehr. Wer auf einer hohen Stufe der Macht steht, und voll des Übermutes andere drückt und bedrängt und sein Haus mit ungerechtem Gute füllt, wird ebenfalls plötzlich von seinem Lebensende überrascht und sinkt in Staub. All ihre Pracht, Reichtum und Macht ist für sie nur mehr Eitelkeit und Geistesplage.
 

VI. Nach dem hl. Ephräm begegnen wir in der Reihe der vorzüglicheren Kirchenväter dem berühmten Erzbischof von Cäsarea in Kappadozien, Basilius der Große. Er war ein Zeitgenosse des hl. Ephräm, und zeichnete sich sowohl durch seine Gelehrsamkeit als auch durch seine Standhaftigkeit aus, mit der er die Verfolgungen der Arianer ertrug. Die Zeit seines edlen und für die katholische Kirche so fruchtbaren Wirkens war von 360 bis 379.

Er sagt: Die Frauen dürfen auf keine Weise durch Schmücken und Zieren auf ihre Schönheit aufmerksam machen, sondern ihre ganze Sorge muß sich vielmehr darauf erstrecken, gute Werke auszuüben; denn sie sollen dafür halten, daß nur darin der ganze Schmuck der christlichen Frauen bestehen darf.

Ferner redet der Heilige über denselben Gegenstand in der Erklärung des Propheten Isaias: Die Frauen, welche auf ihres Körpers Schönheit und Vortrefflichkeit stolz sind, und sich über andere erheben, bedienen sich eines eitlen Schmuckes, und setzen ihren Ruhm und ihre Ehre in eine schnell hinwelkende und verschwindende Sache. Sie gehen einher mit stolzem Nacken, damit ihr Gesicht von aller Augen könne gesehen werden. Eine züchtige Frau aber, und die mit Sittsamkeit geziert ist, schlägt schüchtern ihre Augen nieder auf die Erde und wandelt mit gesenktem Haupt. Eine unverschämte Frau jedoch, die sich vorgenommen hat, durch ihrer Schönheit Fallstrick viele zu fangen und zu fesseln, geht einher mit empor gerecktem Hals, läßt in ihrem Augenblinzeln die Unreinigkeit ihrer Seele hervorschauen, und verbreitet allein schon durch ihren Anblick ein tödtliches Gift, und stielt vielen andern Menschen ihre Keuschheit und ihr Glück.

Doch an jenem Tag werden alle diese Eitelkeiten von ihnen genommen, wenn alles vor dem Richter wird offenbar werden. Alsdann sinkt nieder das stolzblickende Auge, die geschminkte Wange wird mit Traurigkeit bedeckt werden, vor Schrecken wird Totenblässe das Antlitz entstellen und jeder empfangen nach seinen Werken.

VII. Auch der hl. Gregor von Nazianz, Patriarch von Konstantinopel, dessen Lehrweisheit und ausgezeichnete Heiligkeit die Mitwelt anstaunte und die Nachwelt anerkannte und verkehrte, ein Zeitgenosse des hl. Basilius, warnte seine Untergebenen in einem eigenen Buch vor der Kleiderpracht und den schädlichen Folgen derselben. Um nicht zu weitläufig zu werden, hebe ich nur einige Worte aus demselben hervor; er sagt:

Kleiderpracht und übermäßige Ziererei sind keine Künste der Züchtigkeit, sondern der Ausgelassenheit und Unzucht. Und ich werde mich wundern, wenn du um einer andern Ursache willen deine Schönheit hervorzustreichen suchst, als um die Augen lüsterner und treuloser Menschen auf dich zu ziehen!


VIII. Unter den heiligen Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte, welche besorgt um das ewige Heil der Christen, dieselben zur Demuth und zur geordneten Sittsamkeit in der Kleidung in ihren Reden anmahnten, zeichnet sich aus der hl. Johannes Chrysostomus, jener goldene Redner und unerschrockene Vorkämpfer für die Reinheit des wahren katholischen Glaubens und für Aufrechthaltung der guten Sitten. Als Patriarch von Konstantinopel wirkte er Gutes in jeder Beziehung viel, obgleich er dafür von den undankbaren Menschen mit Verbannung und Tod belohnt wurde. Er verdient an dieser Stelle um so mehr von uns hervorgehoben und anerkannt zu werden, als sein Eifer für die Ehre Gottes, und besonders seine freimütige Rede über Kleiderhoffart und Kleiderunverschämtheit die vorzüglichste Ursache seiner zweimaligen Verbannung und des dadurch herbeigeführten Todes gewesen ist. Die folgenden Aussprüche des hl. standhaften Dulders für die Tugend sind aus seinen verschiedenen Schriften hier zusammengestellt worden.

Er sagt:
Kommst du als eine Putzdocke(puppe) in die Kirche, um zu tanzen?
Suchst du hier Hochzeits- und andere sinnliche Freuden?
Bist du gekommen um dich zur Schau auszustellen? Das ist nicht das Gewand einer Bittenden. Du bist gekommen, Gott um Verzeihung für deine Sünden anzuflehen, wie kannst du dich auf ausgelassene Weise schmücken.

Die große Sorge, mit der man den Leib äußerlich schmückt, ist das Zeichen einer innern Häßlichkeit. Die Sucht nach sinnlichen Vergnügungen läßt den Hunger und die Armut des Herzens erkennen; und die Ziererei der Kleider, welche nur zur Bedeckung des Leibes dienen, ist ein Zeuge von der Blöße der Seele. Und in Wahrheit ist es unmöglich, daß derjenige, welcher wohl für seine Seele Sorge trägt, und sich bemüht, dieselbe zu schmücken, noch eine große Neigung besitze, seinen Leib zu schmücken und zu zieren. [Wenn die Seele hungert, pflegt und füttert man den Leib.]

Ebenso ist auch die Aufmerksamkeit für äußere Pracht und Ziererei unvereinbar
mit der Sorge für die Ausschmückung des Innern. Nicht die Schönheit des Leibes macht liebenswürdig, sondern die Tugend der Seele. Nicht Putz, Ziererei, Gold und schöne Kleider, sondern Mäßigkeit, Rechtschaffenheit und Festigkeit in der Furcht Gottes.

Nicht der Geruch duftender Salben soll von uns ausgehen, sondern der Geruch
der Tugend. Es gibt oft nichts Gestankvolleres und Unreineres, als die Seele einer Person, deren Leib die angenehmsten Wohlgerüche verbreitet. In Wahrheit, diese große Sorge, sein Äußeres mit Wohlgerüchen zu versehen, ist ein gewöhnliches Zeichen eines von Fäulnis und Gestank angefüllten Innern.

Die Sittsamkeit und der Ernst einer Frau soll Ehrfurcht einflößen und der Unverschämtheit frecher Blicke und den Freiheiten junger Leute Einhalt tun. Deswegen soll die Ziererei mit Gold, das Haarkräuseln und Haarflechten, reiche und kostbare Kleidung, all dieses sage ich, soll ihm untersagt werden; aus Furcht, es möchte dasselbe, im Schimmer all dieses eitlen Schmuckes glänzend,
die Augen derjenigen auf sich ziehen, die nach ihm sehen, und es zur Sünde bringen.

Es ist ein Zeichen von Dummheit, von Niedrigkeit des Geistes und von
Weichlichkeit der Seele, Wert zu legen auf Schönheit und Kleiderschmuck.

Denn, wenn die Seele, welche für größere Dinge geschaffen ist, einmal recht begreifen kann, was ihre wahre Zierde ist, so wird sie all diesen eitlen Glanz, der nur auf den Gewanden schimmert, mit Verachtung ansehen.

Willst du, o christliche Jungfrau, für schön und für wohl geziert gehalten werden, so laß den Schmuck, den dir der Schöpfer bei deiner Erschaffung gab, dir genug sein? warum suchest du äußerlich Goldschmuck und Edelsteinglanz? Willst du für schön gehalten werden? Bekleide dich mit Almosen, mit Gütigkeit, mit Sittsamkeit und Mäßigkeit; und lege ab allen Pomp und alle Eitelkeit. Das ist ein Schmuck, der bei weitem kostbarer ist als Gold und Diamant.

Ist es nicht lächerlich, die Frauen geziert und geschmückt in die Kirche eintreten zu sehen, wie sie gewöhnlich kommen? und heißt das nicht, Gott spotten, wenn die Frauen grade an jenem Ort mit Gold und Edelsteinen beladen erscheinen, wo sie hören, daß sie sich durchaus nicht mit Gold und Edelsteinen schmücken, noch auch pomphafte Kleider tragen sollen? Warum kommt ihr so zur Kirche, christliche Frauen? Wollt ihr die hl. Apostel beschimpfen? Wollt ihr dem hl. Paulus bezeugen, daß wenn er auch dieselben Lehren tausendmal wiederholen würde, ihr ihm keineswegs folgen noch euern Lebenswandel ändern würdet?

Wie sind die heutigen Frauen? Vergleichen wir sie mit der Sara. Läßt man auf
solche Gebote solche Werke folgen? Zeige mir den Schmuck einer lüsternen Frau. Du siehst die Hand, und zwar, wie sie mit Gold ganz besetzt und schwer ist. Ich bitte dich, sage mir, wie vielen Armen hast du entzogen, was deine Hand trägt? Zeige deine Hand, halte sie her, womit ist sie bekleidet? mit Raub! ... Was machst du, Frau? Du zierst und schmückst dich? Wem willst du gefallen? Etwa deinem Mann? Ein verzweifeltes Bemühen, wenn du dadurch gefallen willst, wenn du dich auf diese Weise befleißigest, ihm zu gefallen.

Wie soll ich ihm aber dann gefallen? Durch Enthaltsamkeit. Aber wie werde
ich das können? Durch christliche Sittsamkeit, Sanftmut, Liebe, Eintracht und friedfertiges Verhalten. Das ist deine Zierde o Frau, das dein Schmuck. Wenn du diese Tugenden besitzest, wirst du mit deinem Mann in Eintracht, Ruhe und Frieden leben können; durch deinen üppigen Pomp und Pracht gefällst du dem Mann nicht, sondern du wirst eben dadurch dem Manne eine schwere Last.


IX. Der hl. Ambrosius, Erzbischof von Mailand in Oberitalien, jener berühmte Kirchenvater und hellleuchtendes Licht der katholischen Kirche im Abendland, der durch die Kraft seiner salbungsvollen Reden den, nachmals so berühmten heiligen Kirchenvater, Augustinus von dem Wege des Irrtums und des Lasters auf die Bahn der katholischen Wahrheit und Tugend zurückführte, und der oftmals in seinem Leben zeigte, daß er Gott mehr fürchtete als die Menschen, und der das Laster strafte wo er es fand, hat auch manches ernste Wort gegen die Kleiderpracht und die verführerischen Künste der Ueppigkeit gesprochen, Worte welche wohl unserer ernstesten Beherzigung werth sind. Er sagt, die Frauen anredend:

Ihr seid gebildet von Gott selbst. Verwischt nicht das Bild, welches so vortrefflich ist, das seinen Glanz von der Wahrheit hat, und nicht von Betrug und Lüge, welches nicht das Werk der Kunst, sondern das Werk der Gnade ist.

Aber du o eitle Frau! verwischst das himmlische Bild, wenn du mit künstlicher Schminke dein Antlitz bedeckest, wenn du für Geld gekaufte Schönheitsmittel auf deine Wangen legst. Denn das sind Farben, welche die Seele besudeln und die den Körper nicht schöner machen;
das sind Farben des Betrugs und der Untreue, das sind Farben, welche dich täuschen, da du gerade durch Anwendung derselben denen mißfällst, welchen du zu gefallen trachtest, weil man sieht, daß die Reize, welche du, um schön zu erscheinen, dir gibst, fremd sind und dir nicht zugehören.

Es sind Farben die dich täuschen, indem du dadurch deinem Schöpfer mißfällst, wenn er sein Werk so ganz entstellt sieht. In Wahrheit, wenn du das Werk eines guten Meisters mit allerlei neuen Farben überstreichen ließest, würde der Meister es ohne Unwillen ertragen, daß man sein Kunstbild so ganz verändert hätte?
Verwische doch nicht das Bild Gottes, indem du dich mit Farben bedeckst, die nur einer verworfenen Frau zukommen.

Wo ist der zu finden, der durch Reichtümer gerecht geworden? wer demütig durch Macht? barmherzig durch den Adel seiner Herkunft? keusch durch seine Schönheit? Fürwahr alle diese irdischen Vorzüge sind bei weitem gefährlicher uns in die Sünde fallen zu lassen, als sie uns nützen können, den Weg der Tugend zu betreten.

Die Frauen finden sogar Vergnügen an Fesseln, wenn sie nur golden sind; sie fühlen darin keine Last, wenn sie nur kostbar sind; und halten sie nicht für Fesseln, wenn darin nur Schätze funkeln. Ja sogar lassen sie sich gerne verwunden, um ihren Ohren Gold einzufügen und Perlen herabhangen zu lassen. Aber auch die Edelsteine haben ihre Schwere; aber auch die Kleidung hat ihre Kälte. Man schwitzt in Edelsteinen, friert in Seide, und doch liebt man sie, weil sie teuer sind. Smaragde, Hyazinthen, Berylle, Achaten, Topaz, Amethyst, Jaspis, Sardion suchen sie mit wüthender Begierde; wenn auch die Hälfte des Vermögens darauf ginge, so scheuen sie keine Kosten, um nur ihrer Eitelkeit genügen zu können.

Weichliche Kleider sind ein Anzeichen lüsterner Handlungen und Sitten; deshalb ermahnt uns der Apostel,
daß wir den alten Menschen mit seinen Werken ausziehen sollen, und den neuen anziehen (Christus), dem nicht innewohnt süßschmeichelnder Sündenreiz, und der Unzüchtigkeit Spiel und Getriebe, sondern der mit ernster Arbeit sich beschäftigt und Früchte guter Werke bringt. Denn niemals wird der Himmel jene zur ewigen Seligkeit aufnehmen, welche nur Sorge tragen für ihres Leibes Schönheit, und die der Kleiderpracht und üppigen Begierden ergeben sind; denn zum Himmel gelangt man nur auf den harten Pfaden einer mühsamen Tugend.


X. Nach dem hl. Ambrosius, dessen ernste Ermahnung und Warnung wir so eben vernommen, wollen wir aus den Schriften eines andern Kirchenvaters einige dahin gehörende Aussprüche auswählen. Der hl. Hieronymus, dieser unermüdliche Kämpfer für die Reinheit des Glaubens, und standhafter Dulder aller deswegen über ihn gekommenen Verfolgungen; dieses bewunderungswürdige Muster des strengsten Büßerlebens redet über Kleiderpracht und Ziererei folgender Maßen: Wird wohl die Schminke auf dem Antlitz einer Christin etwas anders als eine weltliche Liebe anzünden und unterhalten sollen? Diese Arten von Ziererei sind gar nicht nach der Vorschrift des Herrn, sondern eine Erfindung des Teufels. Mit welcher Zuversicht wird eine Christin zum Himmel ihr Antlitz erheben können, welches derjenige, der es gebildet hat, nicht mehr erkennt?

Ferner sagt er in seinem Brief an Demetrias: Jene Frau gelte dir als eine schöne, liebenswürdige und wert deine Gesellschafterin zu sein, welche von ihrer Schönheit nichts weiß, welche ihre natürliche Schönheit heraus zu putzen vernachlässigt, und beim öffentlichen Erscheinen weder die Brust noch den Hals entblößt trägt.


XI. Der hl. Gregor, der Große genannt, sowohl seiner Gelehrsamkeit als Frömmigkeit wegen, der es sich besonders angelegen sein ließ, die Völker deutschen Stammes von dem Heidentum zu dem Herrn ihrem Gott zu bekehren, und in den Schoß der katholischen Kirche aufzunehmen, urteilte von der Kleiderpracht und den üppigen Moden ganz anders, als Viele in unseren Tagen. Als Nachkommen und Stammverwandte der Völker, welche Gregor in seiner Eigenschaft als Oberhaupt der katholischen Kirche in der Liebe Christi umfaßte, sind wir um so mehr verpflichtet, seinen Ermahnungen und Belehrungen mit folgsamem Sinn nach zu kommen, da er auch als Papst der berufene Lehrer der katholischen Kirche ist, den alle Christen hören und achten sollen.

Gregor sagt in seiner 40. Homilie:
Es gibt Einige, welche den Gebrauch feiner und kostbarer Kleider nicht für Sünde halten. Wenn aber darin keine Sünde wäre, so ließe sich nicht absehen, warum das Wort Gottes so mit besonderem Nachdruck aussagte: daß der Reiche, der in der Hölle gequält wurde, sich in feine Leinwand und Purpur gekleidet habe. Ist doch auch wohl Niemand, der kostbare Kleider zu anderem Zweck, als zu eitlem Ruhm sich sucht, um nämlich berühmter und vornehmer als andere zu scheinen. Denn daß man nur aus Eitelkeit und Ruhmsucht kostbare Kleider verlangt, geht schon daraus hervor, daß keiner an jenen Orten kostbare Kleider anhaben will, wo er von anderen nicht kann gesehen werden.

Ferner spricht davon Gregor in seiner Homilie über Johannes den Täufer:
Was soll es anders heißen, wo der Herr sagt: Siehe, die weichliche Kleider tragen, sind an den Höfen der Könige, als offen und deutlich behaupten: daß solche nicht dem König des Himmels, sondern einem irdischen dienen, welche für Gott nichts Unangenehmes leiden wollen, sondern die nur den äußeren Sinnen ergeben, des gegenwärtigen Lebens Weichlichkeit und Vergnügung suchen? Daher möge denn Keiner dafür halten, daß das Bestreben, durch Kleiderpracht sich hervorzutun und durch Flittereitelkeit zu gefallen, ohne Sünde sei; denn wenn das keine Sünde wäre, so würde der Herr auf keine Weise Johannes den Täufer so sehr wegen seines einfachen, schlichten und rauhen Kleides gelobt haben. Wenn das keine Sünde wäre, würde der Apostel Petrus keineswegs in seinem Briefe die Frauen vom Verlangen nach kostbaren Kleidern abmahnen, da er sagt: Nicht im kostbaren Gewand.


Von den heiligen Kirchenvätern und Lehrern aus den ersten Jahrhunderten, deren Aussprüche über Kleiderpracht und Moden wir hier teilweise aufgezeichnet haben, denn viele haben wir Kürze halber nicht aufgenommen, wenden wir uns jetzt zu frommen und heiligen Männern späterer Zeit, zu dem frommen und gelehrten Dionysius Carthusianus, dem hl. Antonius von Padua und dem hl. Bernardin von Siena, dem sel. Suso und dem hl. Erzbischof und Kardinal von Mailand Karl Borromäus. Beherzigt wohl, verehrte Leser und Leserinnen, auch ihre Aussprüche; denn es sind wichtige Worte, es sind Worte ernster Ermahnung und Belehrung.
Hört dieselben mit folgsamem Sinn und verhärtet heute nicht eure Herzen, wo ihr die Stimme so vieler Heiligen und Gesandten Gottes vernehmt; sondern dient dem Herrn in Furcht und ergreift die Zucht, damit nicht etwa der Herr erzürne und euch vom rechten Weg vertilge.

Dionysius der Karthäuser sagt in seiner Anleitung zu einem frommen Leben: daß mit überflüssiger Ziererei und in der Kleidung, die bis zum Ärgernis geben pomphaft ist, eine Todsünde begangen werde; und fährt dann fort: Die hl. Väter und die glorwürdigen und erleuchtetsten Lehrer würden gegen den überflüssigen Pomp und gegen die ausgesuchte, fremdartige, auffallende und übermäßige Kleidung nicht so strenge schreiben, wenn sie nicht geurteilt hätten, daß darin Todsünde sei.

Läßliche Sünden nämlich würden einen solchen Tadel und so harte Verdammung nicht verdienen. Daher schreibt denn auch ein Heiliger:
Die Frauen, welche sich eitel schmücken, schaden sich selbst mehr als andern, weil sie tödlich sündigen, wenn sie auch andere nicht anlocken...

Außerdem sündigt die Frau tödlich, wenn sie, ohne selbst Unlauteres zu wollen, noch auch zu wünschen, daß andere sie mit frechen Blicken ansehen, leichtsinnig, unbesonnen und unordentlich ihren Schmuck und ihre Schönheit zur Schau trägt, wodurch sie doch anderen einen Fallstrick legt; nach dem Wort des weisen Mannes Sir. 27, 26 „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, wer andern einen Fallstrick legt, wird selbst darin umkommen“.

Nach der Lehre des hl. Cyprianus, Hieronymus, Chrysostomus und Ambrosius ist es gewiß, daß die Frauen und Jungfrauen, welche sich so schmücken und sich so zur Schau tragen, in den Männern und Jünglingen den Zunder der Sünde anfachen, dieselben zur Wollust reizen und den Zuschauern gleichsam Dolch und Gift darreichen. Überdies sagt auch Hieronymus:
„Der Putz, die Pracht und die Schönheit, besonders die künstliche Schönheit der Frau ist ein Feuer für die Jünglinge, ein Zunder der Wollust und ein Anzeichen einer unverschämten Gesinnung. Wie kann diejenige ihre Sünden beweinen, welche das Haupt entblößt und Schminke auf ihr Angesicht bringt? Jener Putz ist keine Zierde Gottes, sondern die Kleidung des Antichristes. Mit welchem Vertrauen richtet sie ihr Antlitz nach dem Himmel, welches der Schöpfer nicht anerkennt?“

Worte des hl. Antonius von Padua aus seiner Rede auf den Dienstag in der
Passionswoche.
Die weltlich gesinnten Frauen haben zwei Laster, welche fast unheilbar sind. Eins ist die Sünde der Zunge, wodurch sie oft genug des Nächsten guten Ruf und Ehre stehlen. Das andere ist die Ziererei und eitler Schmuck, wodurch sie häufig ihrem Gott die Seelen rauben, die doch mit seinem kostbaren Blut erkauft sind. Die eitel geputzte und geschmückte Frau fängt die kostbare Seele des Mannes, sagt der weise Mann. Ja noch mehr, sie stehlen die Jahre, das ist, die Zeit, Gott unserm Herrn, indem sie sich jünger darstellen als sie sind, mit falschen Haaren und Locken sich zieren, und alles andere des natürlichen Schmuckes berauben, nur um sich selbst damit zu schmücken, und die Zierde als ihr Eigenes zur Schau zu tragen.

Groß und zahlreich sind die Nachteile sowohl für Zeit als Ewigkeit, welche aus überflüssigem und unanständigem Pomp und Pracht entstehen, das zeigt klar und deutlich der hl. Bernardin von Siena.
Aus den Eitelkeiten entsteht mancher zeitliche Schaden; denn bei aufmerksamer Betrachtung finden wir, daß aus der Menge der Ausgaben, welche bei Luxus-Artikeln gemacht werden, erstens der Nutzen, der Gewinn, der rechtmäßiger Weise davon hätte können gemacht werden, verschwindet; daß zweitens der zeitliche Schaden wächst. Zuerst hört nun jeglicher rechtmäßige Gewinn auf, der mit dem ausgelegten Gelde hätte können gemacht werden. Denn das Geld, das für Anschaffung überflüssiger Kleidungsstücke, für Zierrat, Kettchen, Kronen, kostbare Steine, Juwelen und für sonstigen überflüssigen Schmuck verwendet wird, bleibt gleichsam tot da liegen, da es doch im Handel, beim Ankauf von Besitztümern, in Haltung von Viehherden und bei sonstigen Erwerbszweigen vorteilhaft hätte können angelegt werden, und würde dasselbe folgender Maßen zum Wohl des Staates und des ganzen Vaterlandes gereichen. Zweitens erwächst daraus zeitlicher Nachteil; denn der Wert solcher Gegenstände der Eitelkeit nimmt allgemein immer ab.

Jede Frau ist schon von Natur zur Eitelkeit geneigt, und gleicht den Schafen, welche, wenn eins sich hinabstürzt, alle in denselben Abgrund hineinrennen. Diese Frau vom Neid bewegt, will, oblgeich sie geringen Herkommens ist, jener in Putz und Pracht gleich kommen. Eine Reiche und Vornehme hat nimmer in ihrem Herzen Ruhe, noch auch läßt sie ihren Mann in Frieden, bis sie andere Reiche und Vornehme in der Eitelkeit übertroffen hat. Eine andere noch reichere, vornehmere, stolze und wohlgestaltete Person glaubt, sie tue dem Schöpfer große Schmach an, wenn sie nicht alle anderen weit übertrifft, und sinnet deshalb und erfindet neue Eitelkeiten. Der Mann zuweilen mehr als eitel und charakterlos, willfahrt ihr in Allem, übervorteilt, entzieht und beraubt, wenn es Not tut, alle anderen, nur um seiner Frau genug zu tun.

Wenn aber etwa der Mann solchen Eitelkeiten, entweder aus Mangel, oder aus Geiz, oder aus Gewissenhaftigkeit nicht beistimmen will, nicht genug tut, nicht ganz und gar willfährt: o welch ein unerträglicher Krieg! o welch ein unüberwindlicher Kampf bei Tag und Nacht! Trauernd weiß sie der Klageworte kein Ende. O ich Unglückliche! Ich bin verheiratet; verfluchte Stunde! Jene geht prächtiger gekleidet als ich; jene da von niedererm Herkommen als ich, wird von allen geachtet; aber ich armselige, ach! ach! ich werde in der Gesellschaft der Frauen verachtet. Der Mann läßt sich durch so viele Behelligungen überwinden, und gibt aus Überdruß ihrem ungestümen Verlangen nach, nicht nur aus eigenen Mitteln, sondern auch von dem, was er gerechtigkeitshalber den Armen zu geben verpflichtet ist; er borgt, nimmt Gelder auf, macht Schulden auf Schulden, damit nur die Frau sich kostbare Kleider könne machen lassen. Wenn aber die eitle Frau durch ihr Bitten und Klagen nicht alles erhalten kann, was ihre prunksüchtige Seele will, so nimmt sie eigenmächtig einen bedeutenden Teil von den Gütern ihres Mannes, stiehlt von Allem, was im Haus ist, und sammelt sich eine hübsche Summe, damit sie so ihrer eitlen Begierde genug tun könne, und verheimlicht ihren Diebstahl, indem sie lügenhaft vorgibt, sie erhalte dergleichen von ihren Eltern oder nehme es von ihrem Vermögen. Aber bedauernswerter ist es noch, daß solche Frauen oftmals von verbrecherischen Liebhabern die Mittel sich zu zieren und zu schmücken erhalten und annehmen, die ihnen von ihren Männern verweigert werden. Welche Quelle des Elendes, Übels und Unglücks und großer Sünden ist demnach eine solche übermäßige Eitelkeit! Und leider ist die Neigung der Frauen zu solch eitlem Prunk so groß und der Teufel wirkt ihnen so treulich mit, daß, wenn in einer großen Stadt nur eine Einzige der Üppigkeit und eitlen Kleiderpracht ergeben ist, alle anderen von dieser Einen zu denselben Eitelkeiten sich hinziehen lassen.

Der Herr haßt den Überfluß sowohl der Menge als der großen Verschiedenheit der Sachen, wie man ihn in den Häusern Mancher findet. Betrachte da den Überfluß an Mannes- und Frauenkleidern. Hier sind die Kleider für die Wochentage, da für die gewöhnlichen Sonntage; hier für die größeren Festlichkeiten, da für alle feierlichen Tage. Die wertvolleren und kostbareren jedoch werden in den Schränken von den Motten verdorben und auch von törichten Müttern für ihre Töchter und Söhne zur Eitelkeit und zwar nicht ohne Sünde verwahrt. Da findet man seidene Kleider; einige sind mit Gold gestickt, einige sind grün, andere rot, einige gesprenkelt, andere bunt, einige blau, andere rötlich, wieder einige für den Sommer, andere für den Winter, einige fürs Land, andere für die Stadt, einige beim Regenwetter, andere beim Schnee, einige für den Tag, andere für die Nacht, einige eng gekräuselt, andere weit gekräuselt, einige kurz, andere lang, einige mit weiten Armeln, andere mit engschließenden Ärmeln, einige wieder ohne alle Ärmel, einige werden vorne, andere hinten, einige von der Seite geheftet und geschnürt... Wie viel Leinwand und überflüssige Kleidungsstücke, welche fast nie gebraucht werden? Wie viel silberne und vergoldete Geschirre (Schmuck) und prunkreich verfertigte Gefäße werden aufbewahrt, worin man seinen Ruhm, seine Ehre und Herrlichkeit sucht? Wahrlich man kann mit vollem Rechte hierauf die Worte Kohelets anwenden:
„O Eitelkeit der Eitelkeiten und alles ist Eitelkeit!“ Koh 1.

Der sel. Heinrich Suso sagt in seinem geistlichen Gespräch mit Christus, Kap.10 über denselben Gegenstand Folgendes: Christus spricht: Aber überdieß bedenke, wie tief die Frauen gesunken sind und wie sehr von denselben heutzutage die Furcht Gottes gewichen ist, und seine Ehre gering geschätzt und geachtet wird. Denn es gibt jetzt viele Frauen in der Welt, welche alle Scham verloren haben und unverschämter und frecher sind als selbst Männer. Ich rede hier nicht von ehrbaren, frommen und gottesfürchtigen Frauen; sondern von jenen, die der Welt ergeben sind; und die in bösen Reden und Taten, in Pomp und Pracht und in weltlichen Sitten ihre Zeit verschwenden, ihr Herz und ihre Sinne der unordentlichen Liebe der Geschöpfe widmen, und mehr den Menschen zu gefallen suchen als Gott. Solche Frauen sind Räuberhöhlen und Höllenschlünde. Gott aber hat Nachsicht und erträgt dieselben mit großer Geduld; doch ohne allen Nutzen. Gleichwohl wollen sie für ehrbare und wohlgesittete Frauen und Jungfrauen gehalten werden, und doch mißfallen sie Gott noch mehr als öffentliche Sünderinnen; weil diese zuweilen noch zittern und in Furcht und Schrecken leben, und aus Angst, ihr ewiges Heil zu verlieren, zur Belehrung getrieben werden; jene aber unverschämt und mit großer Verwegenheit sicher den Weg des Verderbens wandeln und von ungezügelter und stillsprechender Unehrbarkeit gefesselt, in einer erbärmlichen Vergessenheit Gottes und ihrer eigenen Seelen dahin leben.

Daher sind dieselben den Teufeln lieber als öffentliche Sünderinnen, da sie durch ihre stolzen und prachtvollen Kleider, worin sie erscheinen, durch ihren Gang, ihre Haltung, ihre Worte und durch ihre unverschämten und unehrbaren Augen die Männer mehr zur Unkeuschheit reizen und bewegen als öffentliche Sünderinnen; daher denn auch durch diese mehrere zur Sünde verführt werden als durch jene.
Glaube mir, daß sie in ihrem Herzen jeden Tag wohl hundert Todsünden begehen, wiewohl sie auch nicht eine derselben als solche erkennen; sondern sie halten sich selbst für ehrbare Frauen und Jungfrauen. Und doch, wie viele Jünglinge und wie viele Männer werden durch ihre gekünstelte Schönheit und durch den Anblick ihrer frechen, unehrbaren Kleidung hingerissen, mit voller Erkenntnis nach denselben zu verlangen, und dies geschieht sehr oft, wenn auch dieselben keineswegs zur Tat gelangen können.

Daher sind denn jene Frauen Schuld und haben Teil an allen sündenhaften Gedanken und Begierden, und tödlichen Verbrechen jener Leute, welche sie durch ihre Kleidung zum Bösen reizen,
weil sie mit dem unkeuschen Gewand, mit unverschämtem Gang und unzüchtigen Augen den Zuschauern Gelegenheit und ein Anlaß zur Sünde werden.
Ja wenn irgend ein Mann durch den Anblick solcher eitlen und unzüchtig gekleideten Frauenzimmer, sei es auf der Straße oder in der Kirche, so zur Wollust entbrennte, daß er sich Gelegenheit suchte und hinginge, die unerlaubte Tat zu begehen, so sind jene bedauerungswürdige, elendige Personen Schuld an allen jenen Sünden, obgleich sie dasselbe weder glauben noch einsehen wollen.

Wisse, daß bei ihrem Tod der Teufel ihnen vor Augen alle ihre Hoffarten, ihre Gefallsuchten, ihre unwürdigen, unnützen Eitelkeiten stellen wird und alle jene Sünden, welche sie niemals erkannt haben, damit er sie um so sicherer in Verzweiflung stürzen, und in den Abgrund der Hölle hineinziehen könne.

Ihnen nützt zu ihrem Heil der Empfang der hl. Sakramente nichts; noch die hl.
Wegzehrung, weil sie in ihrem Leben die hl. Sakramente bei der Gesinnung in dem Luxus, dem Pomp und Pracht, und den bösen Gewohnheiten zu verbleiben, empfangen haben. In der Todestunde gedenken sie aus eigener Schuld nicht an ihre Sünden; und daher empfangen sie mich in einem von Sündenschmutz und Unrath angefüllten Herzen; und wäre es ihnen besser, hundert tausend der bösen Geister als den lebendigen, gerechtesten, furchtbaren Gott in ihr durch Todsünden verunreinigtes Herz aufzunehmen. Aber auch Wehe den Priestern und Beichtvätern, welche es versäumen, diese elenden und unglücklichen Frauenzimmer zu belehren und auf bessere Wege zu bringen. So weit der sel. Heinrich Suso.

Der hl. Karl Barromäus, Kardinal und Erzbischof von Mailand, schreibt in seinen Ermahnungen an die Beichtväter:
Tödlich sündigt die Frau in der Art sich zu schmücken, wenn sie sich auch nicht über ihren Stand und ihr Vermögen kleidet, sobald nur der Schmuck an und für sich zur Sinneslust reizt, oder doch nach dem allgemeinen Urteil wahrscheinlicher Weise dazu reizen wird; oder aber, wenn auch der Pomp nimmer zur Wollust reizt, sie aber nichts desto weniger gewahrt, oder mit Wahrscheinlichkeit zweifelt, daß bei Gelegenheit einer solchen auffallenden Kleidung irgend eine Person gereizt wird, dieselbe mit unehrbarem Verlangen zu begehren, oder daß einer in dieser Sünde genährt wird; und deswegen sündigt eine solche eitle Person tödlich, weil sie durch ihre Kleidung zeigt, daß ihr das ewige Heil ihres Nächsten entweder gar nicht, oder nur wenig am Herzen liege, da sie ihn wegen ihre anstößigen Schmuckes zu Grunde gehen sieht, und doch die ärgerliche Kleidung nicht ablegt. –

Aus einem andern bewährten kirchlichen Schriftsteller.
Welche Sorge haben die Frauen die Haare zu flechten, Locken zu machen und zu drehen? Welche Knechtschaft in der Wahl der Kleidungstücke, in der Einschnürung und der Gesundheit so nachteiligen Zusammenpressung der Brust? Welche Arbeit, das Antlitz zu glätten, das ganze Haupt zu mustern und zu zieren. Welch langes, beständiges und oft wiederholtes Bemühen, die Ohren, Arme, und Hände mit dem kostbaren Gewicht der Edelsteine und Juwelen, der Armbänder und Ringe zu behängen?

Welcher Aufwand und Kosten? welche Sorgfalt und Fleiß? welche Kunstgriffe, um sich das nötige Geld zu verschaffen? Welches Streiten, welch Hadern bei Tag und Nacht mit den Eltern, Männern und allen Hausgenossen? Wie viele Diebstähle, wie viele Ehebrüche, wie viel Betrug und Raub? wie viele Seufzer und Klagen und Wut? Welcher Ehrgeiz und Eifersucht endlich unter den Frauen selbst, deren jede die Fahne ihrer eitlen Torheit ausbreitet, und der andern den Vorrang abzulaufen sucht? Das sind die Zwistigkeiten, das die grausamen Kriege, welche die Herzen solcher elenden, eitlen Frauenzimmer und ihre Seelen zerreissen. In diesen Kämpfen, und kindischen, nichtswürdigen Beschäftigungen verlieren sie ihre Zeit, verschwenden ihr Vermögen, und quälen und kreuzigen sich selbst.

Ergänzung aus einem bewährten kirchlichen Schriftsteller.
Was ist von jenen zu halten, die sichtbar unanständige Bilder in ihren Häusern haben?
Eben so wie jene Frauen sündigen, welche entblößte Brust und Schulter zur Schau tragen, so sündigen auch jene, welche unanständige, ganz oder teilweise nackte Bilder entweder malen oder öffentlich ausstellen. Zwar machen manche eine Ausnahme, daß es soll erlaubt sein, dergleichen schändliche Bilder als Zierrat und Kunstgegenstände aufzubewahren, wenn man nur dieselben dem Anblick der Menge entzöge. Allein, wenn es ausgemacht ist, daß die Anfertigung eines solchen Bildes und das Bild selbst, wenn auch nicht Jedem, doch vielen ein Anreiz zum Bösen ist, darf man dann noch die Ursache zur Sünde, das Ärgernis, wenn auch unter einem Schleier verdeckt, behalten? Darf man denn die Pest in seiner Kammer eingeschlossen halten?

Das Ärgernis selbst muß behoben, das Schändliche und Unanständige im Bild beseitigt werden. Es ist demnach nicht genug, die unehrbahren und schändlichen Gemälde mit einem Schleier zu überdecken, oder dieselben wegzuschließen; denn das hieße nichts anders als die Venusbilder unter dem Schleier anbeten und verehren. Aber die bedeckten Bilder, sagst du, sind keinem schädlich. Warum willst du sie aber bewahren? Als Zierrat und Kunstgegenstände. Aber wenn sie bedeckt sind, so zieren sie doch nicht mehr als die Wand oder der Schleier, womit sie überdeckt sind. Nicht doch, sagt man, denn obgleich sie, so lange sie bedeckt sind, nicht zieren, so behalten sie doch ihren Wert als Kunstgegenstände, weil man den Schleier jeden Augenblick wegnehmen kann, und die Kunsterfahrenen die Schönheit und Vortrefflichkeit der Gemälde betrachten können.

Aber wofür diese Betrachtung der Kunsterfahrenen? Das sie es vermögen den Vorbildern gleiche Werke zu verfertigen? Bewahre! Wozu sollen sie denn dieselben betrachten? Um ihre Neugierde daran zu weiden, und den Augen ein angenehmes Schauspiel zu verschaffen? Das wäre noch schlimmer! Es gibt demnach keinen rechtmäßigen, ehrbaren Grund dieselben zu behalten.

Was ist also zu tun? So wird man sie doch veräußern oder verkaufen dürfen?
Gar nicht. Denn wie es nach jedem Recht verboten ist, ein von der Pest angestecktes Kleid dem Nächsten zu schenken oder zu verkaufen, so ist es noch viel strenger verboten, die Pest und Seuche der Seelen zu verbreiten. Was soll man damit anfangen? Hier gibt es kein anderes Mittel als das Schändliche und Unanständige des Gemäldes zu übermalen. Es sind dies Bilder des Teufels und Götzenbilder der Unkeuschheit. Wer diese unter Hüllen so sorgfältig verwahrt, verabscheut diese nicht im Geringsten.

Aber sie verlieren, entgegnest du, ihren Wert und ihre Kostbarkeit, wenn sie
übermalt werden. Sie verlieren allerdings die unzüchtige Kostbarkeit und den schändlichen Wert; aber sie erlangen dafür den Wert der Ehrbarkeit und die eines Christen würdige und sittsame Haltung. Hierbei ist noch zu bedenken, daß, wenn ein Familienvater die teuflischen Götzenbilder der Unzucht, wenn auch verdeckt und eingeschlossen, aufbewahrt, er doch seinen Söhnen und weniger gewissenhaften Enkeln eine Gelegenheit bereitet, dieselben zu enthüllen und vor aller Augen auszustellen, woraus dann wieder unzählige Verbrechen entstehen würden.
Quelle: modetheorie.de

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Wer sich die Haare färbt und das Gesicht anstreicht, kritisiert damit Gott, der ihn so geschaffen hat, wie er / sie ist. Das sagen uns die hl. Kirchenväter.

Sie verführen und reizen andere zur Sünde, denn sie benehmen sich wie Dirnen. Die Welt mit all ihrer Eitelkeit vergeht. Die Heiligen trugen oft Bußhemdem und spitze Bußgürtel und geißelten sich. Die Disziplin war vor dem Konzil noch in manchen Orden üblich. Warum hat der Herr sich geißeln lassen? Doch nur wegen den Fleischessünden.

Heute ist es noch schlimmer. Man denke an die sogenannten Schönheitsoperationen oder das Aufspritzen der Lippen. Sind doch dicke Lippen eh Zeichen der Sinnlichkeit.

Bei den Taufversprechen widersagen vor Gott wir dem Pomp - der Eitelkeit der Welt! - Das ist Voraussetzung zum Empfang der Taufe und des Taufkleides! Dies wiederholen wir in jeder Osternacht. Doch die meisten lügen Gott an.

Früher galt die Regel: Knie und Ellenbogen haben bedeckt zu sein. Die Mode
hat den Anstand zerstört. Kein Mann geht mit kurzer Hose oder offener Brust oder ärmellos in die Kirche.

Wer sich verkleidet und schminkt, macht Fasching / Karneval in der Kirche. Ein schwieriges Thema - ein heißes Eisen, zumal die Frauen emotional reagieren.

Die Mode ist ja auch nichts Rationales. Man (ent)kleidet sich, egal welche Temperaturen herrschen.

Die Regel wäre:
Wenn man ausgeht, zieht man (Frau) sich an und nicht aus!

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Predigt des hl. Leonhard von Porto Mauritio
über die Zahl der Auserwählten  
 Copyright by © Klemens Kiser 

aus dem Französischen übersetzt von Klemens Kiser

Was die größten Heiligen mit Schrecken erfüllt.
Wer sich verdammt, verdammt sich durch sein eigene Bosheit.
Es ist keine Neugier, sondern eine Vorsichtsmaßnahme.
Zeugnisse der Hl. Schrift.
Untersuchung der verschiedenen Stände.
Die zwei Wege, die zum Himmel führen.
Bekenntnisse.
Wie der Sand des Meeres... Wie die Sterne des Firmaments...
Gott ist ein gerechter Vater.
Es gibt keine Entschuldigung.
Das Schicksal der katholischen Sünder.
Wenn du willst, wirst du gerettet werden.

Der hl. Leonhard von Porto Mauritius war ein großer Volksmissionar. Er verbrachte 44 Jahre unermüdlich im apostolischen Dienst in Italien. In Rom predigte der hl. Leonhard auf der Piazza Navona eine Volksmission, an der Papst Benedikt XIV. teilnahm. Seine Predigt war äußerst wirksam.

“Meine Predigten basieren nicht auf schönen Worten, sondern auf schönen Wahrheiten... Ich werde einfache, vertraute Worte verwenden, um von den gröbsten und ungeschicktesten verstanden zu werden, ohne die intelligentesten zu ermüden.”

Sein unermüdlicher Begleiter, Bruder Jakob von Florenz, riet ihm eines Tages, seine Predigtthemen zu ändern, weil man, wenn man immer die gleichen Predigten hält, nicht so viel Früchte erntet, als wenn man abwechselt. Der Heilige antwortete mit diesem entscheidenden Argument: “Tu es, du wirst ein eingebildeter kleiner Arzt sein, der die Herrlichkeit der Welt und nicht die Gottes sucht.”

“Mit zwei oder drei Gefährten, zu Fuß, ohne Schuhe, den Stock in der Hand, reiste der hl. Leonhard von Porto Mauritius, sagt Pater Gemelli
(El Franciscanismo, VI), durch Mittelitalien, fast ganz Italien vom Norden und bis nach Neapel im Süden. Wo immer er sich aufhielt, kam eine außergewöhnliche Menge Menschen. Von den ersten Predigten an war die Kirche zu klein für die Menge, die kam. alles, er mußte auf den öffentlichen Plätzen predigen, die sich dann bis zu den Dächern füllten. Nach Beendigung der Predigt wurden die Beichtstühle belagert. Und der Missionar blieb, ohne müde zu sein, Stunde für Stunde, Tag und Nacht, mit dem Mut des Soldaten, der sich weigert, das Schlachtfeld zu verlassen, bis er den vollständigen Sieg errungen hat; ohne zu vergessen, daß es nach der Schlacht immer noch heißt, den Feind zu verfolgen.

“Gegen die Hölle”, sagte er, “sei er bereit bis zu deinem letzten Atemzug zu kämpfen.
”Papst Benedikt XIV. nannte ihn “den großen Jäger des Paradieses.”

Der hl. Leonhard ist eine berühmte und sehr beliebte apostolische Person und der Patron Volksmissionen. Was ist der Grund für diese Schirmherrschaft?
Er hat getan, was das Kirchenrecht von 1918 in Kanon 1347 befiehlt:

1. Die hl. Predigt sollte zunächst darlegen, was die Gläubigen glauben und praktizieren müssen, um sich selbst zu retten.

2. Die Prediger des göttlichen Wortes dürfen sich nicht mit weltlichen Angelegenheiten befassen, abstrakten Themen, welche die gewöhnliche Fähigkeit der Zuhörer überschreiten. Sie müssen ihren Dienst des Evangeliums nicht durch überzeugende Argumentation menschlicher Beredsamkeit oder durch profane Prahlerei oder die Verführung eitler und ehrgeiziger Beredsamkeit ausüben, sondern indem sie sich in ihrer Predigt voller Geist und der Kraft Gottes aufzeigen, daß sie nicht sich selbst predigen, sondern den gekreuzigten Christus.

Das Kirchenrecht von 1983 sagt in Can. 528, daß der Pfarrer die Pflicht hat, das Wort Gottes unverfälscht zu verkündigen. - Doch wer tut dies? In manchen Diözesen wird man pensioniert, wenn man über das Fegfeuer predigt...

Eine der berühmtesten Predigten des hl. Leonhard von Porto Mauritius war über die geringe Zahl der Auserwählten - der Geretteten. Ihr vertraute er die Bekehrung der großen Sünder an. In dieser Predigt, die wie seine anderen Schriften während des Heiligsprechungsprozesses einer kanonischen Prüfung unterzogen wurde, geht er auf die verschiedenen Lebensstände der Christen ein und kommt zu dem Schluß, daß es nur eine relative geringe Anzahl von Menschen gibt, die im Vergleich zu allen Menschen, gerettet werden.

Der Leser wird über diesen bemerkenswerten Text nachdenken und, abgesehen von einigen Ausdrücken, die für die moderne Mentalität malerisch erscheinen mögen, die Stichhaltigkeit der Argumente erfassen, welche die Zustimmung der Kirche gewonnen haben.

Jesus sagt im Evangelium:
“Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt.” Mt 22,14.
D.h. nur wenige werden gerettet, weil viele nicht wollen.
Auserwählung ist keine Willkür, Gott bietet jedem die Gnade an, aber viele lieben sich, das Vergnügen, das Geld, den Sport, die Karriere oder andere Menschen mehr als Gott. Das Wesen der Sünde besteht ja darin, daß man etwas Geschaffenes dem Schöpfer vorzieht und somit Gott den Rücken zuwendet.


Hier die lebendige und bewegende Predigt
des großen Volksmissionars.

Predigt für den Dienstag nach dem vierten Fastensonntag über der Zahl der Auserwählten aus dem Buch der Predigten des hl. Leonhard von Porto Mauritius.

I. Was die größten Heiligen mit Schrecken erfüllt.

Gott sei Dank ist die Zahl der Jünger des Erlösers nicht so gering, daß die Bosheit der Schriftgelehrten und Pharisäer triumphieren muß. [Gilt auch für viele heutige Schriftgelehrten - Theologen.] Obwohl sie sich bemühen, die Unschuld zu verunglimpfen und die Menge mit ihren heimtückischen Irrtümern zu täuschen. Sie machen die Lehre und den Charakter unseres Herrn schlecht, finden sogar in der Sonne Flecken, doch viele erkannten in IHM den wahren Messias und folgten ihm offen ohne Angst vor Bestrafung oder Drohungen. Trotz der Betrügereien seiner Feinde: “De turba autem multi crediderunt in Eum - Viele aus der Menge glaubten an ihn.”

Sind alle, die Christus nachgefolgt sind, ihm bis zu seiner Verherrlichung gefolgt? O, hier respektiere ich dieses tiefe Geheimnis und verehre schweigend die Abgründe göttlicher Entscheidungen, anstatt verwegen über einen so großen Punkt zu entscheiden! Es ist ein ernstes Thema, das ich heute behandeln werde. Es ließ die Säulen der Kirche zittern, erfüllte die größten Heiligen mit Schrecken und bevölkerte die Wüsten mit Anchoreten (Einsiedlern). Diese Unterweisung, in der es darum geht festzustellen, ob die Anzahl der geretteten Christen größer oder kleiner ist als die Anzahl der Christen, die sich verloren gehen, wird Sie, so hoffe ich, zu einer heilsamen Furcht vor Gottes Gericht anregen.

  Inhaltsverzeichnis
 

II. Wer sich verdammt, verdammt sich durch sein eigene Bosheit.

Meine Brüder, ich möchte aufgrund der Liebe, die ich zu euch habe, sie durch die Voraussage des ewigen Glücks beruhigen können, indem ich jedem von Ihnen sage: Das Paradies ist Ihnen sicher. Die größere Anzahl von Christen wird sich retten, also wirst du auch dich retten. Aber wie kann ich Ihnen diese beruhigende Zusicherung geben, wenn sie, Feinde ihrer selbst, gegen die Gebote Gottes rebellieren? Ich sehe in Gott einen aufrichtigen Wunsch, euch zu retten, aber ich sehe in Euch eine Neigung, sich zu verderben. Was mache ich heute, wenn ich klar spreche? Ich werde euch mißfallen. Wenn ich nicht spreche, mißfällt mir Gott.

Ich werde dieses Thema daher in zwei Punkte aufteilen: Zum einen werde ich, um euch mit Schrecken zu erfüllen, die Theologen und die Kirchenväter die Frage entscheiden lassen und sagen, daß die Mehrheit der erwachsenen Christen sich verdammt; und wenn ich dieses schreckliche Geheimnis still betrachte, werde ich meine eigene Meinung verborgen halten.

Im zweiten Punkt werde ich versuchen, die Güte Gottes gegen die Gottlosen
verteidigen, indem ich Ihnen beweise, daß jene, die sich selbst verdammen, sich durch ihre eigene Bosheit verdammen, weil sie sich selbst verdammen wollen. Hier sind zwei sehr wichtige Wahrheiten. Wenn euch die erste Wahrheit erschreckt, glaubt mir nicht, als wollte ich euch den Weg zum Himmel verengen. Weil ich in dieser Frage neutral sein möchte: halten Sie es lieber mit den Theologen und den Kirchenvätern, die aus guten Gründen diese Wahrheit in Ihr Herz einprägen werden. Wenn Sie sich im Augenblick irren, danken Sie Gott, der nur eines will, daß Sie Ihm Ihr Herz ganz geben. Wenn Sie mich schließlich zwingen, klar zu sagen, was ich denke, werde ich es zu Ihrem Trost tun.

Es ist keine Neugier, sondern eine Vorsichtsmaßnahme.

Es ist keine vergebliche Neugier, sondern eine heilsame Vorsichtsmaßnahme, bestimmte Wahrheiten von der Kanzel zu erklingen zu lassen, die wunderbar dazu dienen, die Unverfrorenheit der Liberalen zu überwinden, die immer von der Barmherzigkeit Gottes und der Leichtigkeit sich zu bekehren sprechen, die in alle Arten von Sünden versunken leben und mit Selbstvertrauen auf dem Weg zur Hölle schlafen. Um sie zu entwaffnen und aufzuwecken lassen Sie uns heute diese große Frage untersuchen:

Ist die Zahl der Christen, die gerettet werden, größer als die, die sich verdammen? Fromme Seelen, zieht euch zurück, diese Predigt ist nichts für euch. Ihr einziger Zweck ist es, den Stolz dieser Liberalen zu überwinden, die aus euerem Herzen die heilige Furcht vor Gott verjagen und sich mit dem Dämon zusammen- schließen, der nach Meinung des
hl. Eusebius († 340), Seelen verdammt, indem man sie beschwichtigt “Immittit securitatem ut immittat perditionem - Er gibt Sicherheit um sie ins Verderben zu senden”.

Um diesen Zweifel zu lösen, stellen wir auf der einen Seite alle Kirchenväter, sowohl griechische als auch lateinische, auf die andere die am meisten gelehrten Theologen, die am meisten gelehrten Historiker und stellen Sie die Hl. Schrift in die Mitte, damit es alle erkennen können.

Hören Sie also nicht darauf, was ich Ihnen sagen werde, weil ich Ihnen gesagt
habe, daß ich nicht für mich sprechen oder die Frage entscheiden will, sondern was diese großen Köpfe, die Leuchten in der Kirche Gottes sind, Ihnen sagen werden, um andere zu erleuchten, damit sie den Weg zum Himmel nicht verfehlen. Auf diese Weise werden wir, geleitet vom dreifachen Licht des Glaubens, der Autorität und der Vernunft, diese ernste Frage sicher lösen können.

Beachten Sie, da es hier nicht um die gesamte Menschheit oder um alle Katholiken ohne Unterschied geht, sondern nur um erwachsene Katholiken, die mit freiem Willen in der großen Aufgabe ihrer Erlösung mitarbeiten können. Lassen Sie uns zuerst die Theologen zu Rate ziehen, die anerkanntermaßen die Dinge genauer untersuchen und in ihrer Lehre nicht übertreiben. Hören wir zwei gelehrte (hl.) Kardinäle,
Cajetan und Robert Bellarmin: Sie lehren, daß sich die Mehrheit der erwachsenen Christen selbst verdammt, und wenn ich Zeit hätte, die Gründe zu erklären, auf denen sie beruhen, wären Sie selbst davon überzeugt.

Ich werde hier nur Suarez zitieren, der nachdem er alle Theologen zu Rate gezogen hatte und die Frage aufmerksam studiert hatte, schrieb:
“Die häufigste Vermutung ist, daß es unter Christen mehr Verdammte als Gerettete gibt.”

Wenn Sie sich zur Autorität der Theologen und der griechischen und des lateinischen Kirchenväter anschließen möchten, werden Sie feststellen, daß fast alle dasselbe sagen. Es ist die Meinung des
hl. Theodor († 460), des hl. Basilius († 379), des hl. Ephrem († 373) und des hl. Johannes Chrysostomus († 407). Noch mehr, nach dem Bericht Baronius, war es eine gemeinsame Meinung unter den griechischen Vätern, daß diese Wahrheit dem hl. Simeon dem Säulensteher ausdrücklich offenbart worden war und, daß er als Ergebnis dieser Offenbarung beschlossen hatte, um seine Erlösung zu sichern, vierzig Jahre lang auf einer Säule stehen (leben), allen Widerwärtigkeiten des Wetters ausgesetzt, als Vorbild der Buße und Heiligkeit für alle. [Diese Säule gibt es heute noch nach 1500 Jahren.]

Wenden wir uns jetzt den lateinischen Väter zu, und Sie werden hören, wie der
hl. Gregor der Große († 604) Ihnen klar sagt: “Viele kommen zum Glauben, aber nur wenige ins himmlische Königreich.”

“Es gibt nur wenige, die gerettet werden”, sagt der hl. Anselm, und der hl. Augustinus sagt noch deutlicher: “Es gibt daher nur wenige, die gerettet werden, im Vergleich zu denen, die verloren sind.” Am beängstigten ist jedoch der hl. Hieronymus, der am Ende seines Lebens in Gegenwart seiner Jünger diesen erschreckenden Satz aussprach:

 
“Von hunderttausend, deren Leben immer schlecht war, werden Sie kaum einen finden, der Vergebung verdient.“

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III. Zeugnisse der Hl. Schrift.

Aber warum die Meinungen der Väter und Theologen einholen, wenn die Hl. Schrift die Frage so klar entscheidet? Wenn Sie das Alte und das Neue Testament durchgehen, werden Sie eine Menge von Bildern, Symbolen und Aussagen finden, die diese Wahrheit deutlich machen: Es gibt nur sehr wenige, die gerettet werden.

Zu Noes Zeiten wurde die gesamte Menschheit von der Flut überschwemmt, und nur acht Menschen wurden in der Arche gerettet. “Nun, diese Arche”, sagt der hl. Petrus, “war das Bild der Kirche”, “und diese acht Menschen, die gerettet wurden”, fährt der hl. Augustinus fort, “bedeuten, daß nur sehr wenige Christen gerettet werden, weil nur sehr wenige, die aufrichtig auf die Welt entsagen und daß jene, die nur mit Worten entsagen, nicht zu dem Geheimnis gehören, das diese Arche darstellt.”

Die hl. Schrift sagt uns auch, daß nur
zwei von zwei Millionen Hebräern das verheißene Land betraten, nachdem sie Ägypten verlassen hatten; daß nur
vier Menschen dem Feuer von Sodom und den anderen berüchtigten Städten, die damit umkamen, entkommen sind. All dies bedeutet, daß die Zahl der Verdammten, die wie Stroh ins Feuer geworfen werden müssen, die der Auserwählten, die der himmlische Vater eines Tages als einen kostbaren Weizen in seinen Getreidespeicher sammeln muß, bei weitem überwiegt.

Ich käme an kein Ende, wenn ich hier alle Zahlen darlegen müßte, durch die
die Heiligen Bücher diese Wahrheit bestätigen: Laßt uns damit begnügen, dem lebendigen Orakel der menschgewordenen Weisheit zuzuhören. Was antwortete
Unser Herr auf diesen merkwürdigen Mann im Evangelium, der ihn fragte: “Herr, sind es nur wenige, die retten werden?” Hat er geschwiegen? Antwortete er zögernd? Hat er seine Gedanken versteckt, aus Angst, die Menge zu erschrecken? Nein: Von einem befragt, richtetete er sich an alle Anwesenden. Du fragst mich, sagte er, ob es nur wenige gibt, die gerettet werden. Hier ist meine Antwort: “Bemüht euch, durch die schmale Tür einzutreten, denn viele, ich sage euch, werden versuchen einzutreten und werden es nicht können.” (Lk 13,24)

Wer spricht hier? Es ist der Sohn Gottes, die ewige Wahrheit, der bei einer anderen Gelegenheit noch deutlicher sagt:
“Viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt”. (Mt 20,16) Er sagt nicht: Alle sind berufen, und unter allen Menschen sind nur wenige auserwählt. Aber er sagte: Viele sind berufen, das heißt, wie der hl. Gregor erklärt, daß unter allen Menschen viele zum wahren Glauben berufen sind, aber unter ihnen gibt es nur wenige, die gerettet werden.
Diese Worte, meine Brüder, stammen von unserem Herrn Jesus Christus. Sind
sie klar? Sie sind wahr. Sagen Sie mir jetzt, ob es Euch möglich ist, in Eurem Herz Glauben zu haben und nicht zu zittern.

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IV. Untersuchung der verschiedenen Stände.

O, ich sehe, daß ich mein Ziel verfehle, wenn ich so von allem im Allgemeinen spreche: Lassen Sie uns diese Wahrheit daher auf die verschiedenen Lebensstände anwenden, und Sie werden verstehen, daß es notwendig ist, Vernunft, Erfahrung und gesunden Menschenverstand der Gläubigen aufzugeben oder einzugestehen, daß die meisten Katholiken verloren gehen.

Gibt es auf der Welt einen Stand, der für die Unschuld günstiger ist, in dem die
Errettung leichter zu sein scheint und von dem man eine höhere Vorstellung hat als die der Priester, die die Offiziere (Stellvertreter) Gottes sind? Wer würde nicht auf den ersten Blick glauben, daß die meisten von ihnen nicht nur gut, sondern auch vollkommen sind; und doch bin ich entsetzt, wenn ich den
hl. Hieronymus höre, zu behaupten, daß, obwohl die Welt voller Priester ist, es kaum einen von hundert gibt, der in einer Weise lebt, die seinem Stand entspricht.
Wenn ich höre, wie ein Diener Gottes bezeugt, daß er durch Offenbarung erfahren hat,
daß die Zahl der Priester, die täglich in die Hölle fallen, so groß ist, daß es ihm nicht möglich erschien, daß auf Erden so viel übrig blieb: wenn ich den hl. Chrysostomus mit Tränen in den Augen rufen höre:

 
“Ich glaube nicht, daß es viele Priester gibt, die gerettet werden, aber ich glaube im Gegenteil, daß die Zahl derer, die verloren gehen, viel größer ist”.

Schau noch höher; sieh die Prälaten der hl. Kirche, die Priester, die für die Seelen verantwortlich sind: Ist die Zahl derer, die unter ihnen gerettet werden, größer als die Zahl derer, die verloren gehen?

Hören Sie
Thomas von Cantimpré. [† 1270. Er war Schüler des hl. Albert,
wie der hl. Thomas von Aquin.]
Er wird Ihnen eine Begebenheit erzählen. Es liegt an Ihnen, die Konsequenzen zu ziehen. In Paris fand eine Synode statt: Eine große Anzahl von Prälaten und Priestern, die für die Seelen verantwortlich waren, waren dort; Der König und die Fürsten kamen, um durch ihre Anwesenheit zur Pracht dieser Versammlung beizutragen. Ein berühmter Prediger wurde eingeladen zu predigen; und während er seine Predigt vorbereitete, erschien ihm ein schrecklicher Dämon und sagte ihm:
“Leg alle deine Bücher beiseite; Wenn Sie diesen Fürsten und Prälaten eine nützliche Predigt halten möchten, sagen Sie ihnen einfach von uns:

“Wir Fürsten der Finsternis danken Euch, Fürsten, Prälaten und Hirten der Seelen, daß durch Eure Nachlässigkeit die größte Anzahl der Gläubigen verloren geht. Deshalb behalten wir uns das Recht vor, sie für diesen Dienst zu belohnen, wenn Sie bei uns in der Hölle sind.”

Wehe euch, die ihr anderen befehlt: Wenn es so viele gibt, die durch eure Schuld verdammt werden, was wird mit euch werden? Wenn von denen, die an erster Stelle in der Kirche Gottes stehen, nur wenige gerettet werden, was wird dann aus Euch? Nehmen Sie alle Stände, alle Geschlechter, alle Verhältnisse, Ehemänner, Ehefrauen, Witwen, junge Mädchen, junge Leute, Soldaten, Kaufleute, Handwerker, Reiche, Arme, Adlige, Einfache; Was werden wir über all diese Menschen sagen, die schlecht leben?

Der
hl. Vinzent Ferrier († 1419) wird Ihnen anhand der Tatsache zeigen, was
Sie darüber denken müssen. Er berichtet, daß ein Erzdiakon von Lyon, der seine Würde aufgegeben und sich um Buße zu tun, in die Wüste zurückgezogen hatte, am selben Tag und
zur selben Zeit wie der hl. Bernhard starb. Als er nach seinem Tod seinem Bischof erschien, sagte er zu ihm:

“Wisse, Monsignore, daß zu der Stunde, da ich starb, 33.000 Menschen starben. Von dieser Zahl stiegen Bernhard und ich unverzüglich in den Himmel auf, drei kamen ins Fegfeuer, und alle anderen fielen in die Hölle.”

Unsere Chroniken erzählen eine noch entsetzlichere Tatsache. Einer unserer
Ordensleute, berühmt für seine Lehre und Heiligkeit, predigte in Deutschland und schilderte die Häßlichkeit der Sünde der Unreinheit so eindringlich, daß eine Frau aus lauter Angst vor allen tot umfiel. Als sie wieder zum Leben erwachte, sagte sie:

“Als ich vor das Gericht Gottes gestellt wurde, kamen gleichzeitig 60.000
Menschen aus allen Teilen der Welt dorthin. Von diesen wurden drei durch das Fegfeuer gerettet, und alle anderen waren verdammt.”


O Abgrund der Urteile Gottes! Von 33.000 nur fünf gerettet! Von 60.000 gab es nur drei, die in den Himmel kamen! Sünder, die ihr mir zuhört, bei welchen wirst du sein?... Was sagst du?... Was denkst du?... 

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V. Die zwei Wege, die zum Himmel führen.

Ich sehe, daß fast alle von Euch von Sprachlosigkeit und Entsetzen ergriffen den Kopf senken. Aber legen Sie Ihre Angst ab, und anstatt uns zu schmeicheln, versuchen wir, unserer Angst einen Vorteil zu entziehen. Stimmt es nicht, daß es zwei Wege gibt, die zum Himmel führen: Unschuld und Umkehr?

Wenn ich Ihnen jetzt zeige, daß es nur sehr wenige gibt, die einen dieser beiden Wege einschlagen, werden Sie bei vernünftigen Menschen zum Schluß kommen, daß es nur sehr wenige gibt, die gerettet werden. Und um zu den Beweisen zu kommen, welches Alter, welchen Beruf, welchen Stand werden Sie finden, wo die Anzahl der Bösen nicht hundertmal höher ist als die der Guten, und von denen wir sagen können: “Gute sind dort selten und sehr viele böse?”

Wir können von unserer Zeit sagen, was der hl. Salvian von Marseille († 475)
selbst gesagt: “Es ist einfacher, eine unzählige Menge von Sündern zu finden, die in alle Arten von Missetaten versunken sind, als ein paar unschuldige Menschen. Wie viele gibt es unter den Dienern, die in ihrem Amt vollkommen treu und treu sind? Wie viele der Kaufleute sind fair und gerecht in ihrem Handel? Wie viele Handwerker sind genau und ehrlich? Wie viele der Händler sind selbstlos und aufrichtig? Wie viele unter den Juristen, die keine Gerechtigkeit verraten? Wie viele Soldaten, die die Unschuld nicht mit Füßen treten? Wie viele Meister, die die Löhne derer, die ihnen dienen, nicht ungerecht einbehalten oder nicht versuchen, ihre Untergebenen zu beherrschen?

Überall sind gute Menschen selten und schlechte Menschen zahlreich. Wer weiß nicht, daß es heute so viel Zügellosigkeit unter jungen Menschen gibt, so viel Unheil unter reifen Männern, so viel Hemmungslosigkeit unter jungen Mädchen, Eitelkeit unter Frauen, Zügellosigkeit im Adel, Korruption im Bürgertum, der Niedergang unter den Menschen, so viel Unverschämtheit unter den Armen, daß man sagen kann, was David über seine Zeit gesagt hat: “Alle zusammen sind in die Irre gegangen... Es gibt niemanden, der Gutes tut nicht ein einziger.” (Ps 13 und 52). Wir sind leider angekommen in dieser von Hosea vorhergesagten universellen Flut von Lastern:
Maledictum und mendacium und furtum und adulterium inunda-verunt.
- Fluch und Lüge, Mord, Diebstahl und Ehebruch haben überhand-genommen. Hos. 4,2

Gehen Sie durch die Straßen und Plätze, die Paläste und die Häuser, die Städte und das Land, die Gerichte und die Höfe, die Tempel Gottes selbst: Wo werden Sie Tugend finden? “Ach!,” sagte der
hl. Salvian, “abgesehen von einer sehr kleinen Anzahl von Menschen, die vor dem Bösen fliehen, was ist die Versammlung der Christen, wenn nicht ein Auswurf aller Laster? Überall gibt es nur Egoismus, Ehrgeiz, Völlerei und Luxus. Der größte Teil der Menschen, ist er nicht durch das Laster der Unreinheit beschmutzt, und hat nicht der hl. Johannes recht, daß, wenn man so etwas so Verdorbenes nennen kann, die ganze Welt unter der Macht des Bösen steht? (1 Jo 5,19). Nicht ich bin es, der es dir sagt; es ist die Vernunft, die Euch zu der Annahme zwingt, daß es unter so vielen Menschen, die so schlecht leben, nur sehr wenige gibt, die gerettet werden.

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VI. Bekenntnisse

Aber kann nicht die Buße, sagt Ihr, den Verlust der Unschuld wiedergutmachen? Es stimmt, ich stimme zu: Aber ich weiß auch, daß die Buße in der Praxis so schwierig ist, daß diese Übung meist verloren gegangen ist oder daß sie unter Sündern so oft mißbraucht wird, daß dies allein ausreicht euch davon zu überzeugen, daß es nur wenige gibt, die diesen Weg gehen. O, wie steil, schmal, mit Dornen übersät, schrecklich anzuschauen, wie schwer ist er zu besteigen! Sie können überall blutige Spuren und Dinge sehen, die an traurige Erinnerungen mahnen. Wie viele sehen es nicht! Wie viele ziehen sich von Anfang an zurück! Wie viele fallen in der Mitte vor Müdigkeit, wie viele geben am Ende kläglich auf! und wie wenige halten bis zum Tod durch!

Der hl. Ambrosius [† 397] sagt, daß es einfacher ist, Menschen zu finden, die Unschuld bewahrt haben, als Menschen, die richtige Buße getan haben - “Facilius inveni qui innocentiam servaverint, quam qui congruam pœnitentiam egerint”.

Wenn Sie das Sakrament der Buße betrachten, welche verstümmelte Geständnisse, welche raffinierte Entschuldigungen, welch trügerische Reue, welch falsche Versprechen, welch unwirksame Worte, wieviel ungültige Absolutionen! Betrachten Sie das Geständnis desjenigen als gültig, der sich schändlicher Sünden beschuldigt, deren Gelegenheit er nicht meidet, oder desjenigen, der sich offensichtlicher Ungerechtigkeiten beschuldigt, ohne die Absicht zu haben, sie wiedergutzumachen, oder jemandem, der, kaum gestanden, in die gleichen Missetaten zurückfällt? O, schreckliche Mißbräuche eines so großen Sakraments!

Der eine gesteht, um eine Exkommunikation zu vermeiden, der andere, um sich den Ruf eines Büßers zu verschaffen. Dieser befreit sich von seinen Sünden, um sein Gewissen zu beruhigen, einer verbirgt sie vor Scham; der eine beschuldigt sich bewußt unvollständig, der andere bekennt sie aus Gewohnheit. Letzteres ist nicht der wahre Sinn des Sakraments; dem einem fehlt die notwendige Reue; einem anderen der feste Vorsatz.

Arme Beichtväter, welche Mühen brauchen Sie nicht, um den größten Teil der Büßer zu diesen Vorsätzen, zu diesen Taten zu bringen, ohne die das Geständnis ein Sakrileg, die Absolution eine Verdammung und die Reue eine Illusion ist!

Wo sind jetzt jene, die glauben, daß die Zahl der Auserwählten unter den Christen größer ist als die der Verworfenen, und die, um ihre Meinung zu bestätigen, deshalb sagen: die meisten erwachsenen Katholiken sterben in ihrem Bett, versehen mit den Sakramenten der Kirche, also sind die meisten erwachsenen Katholiken gerettet? O, was für eine Denkweise! Man sollte genau das Gegenteil sagen.

Die meisten erwachsenen Katholiken beichten zu Lebzeiten schlecht, umso mehr beichten sie beim Tod schlecht, also sind die meisten verdammt.

Ich sage: a fortiori, weil ein sterbender Mensch, der nicht gut gebeichtet hat, während er gesund war, es viel schwieriger dies zu tun wird, wenn er im Bett liegt, sein Herz drückt, sein Kopf wankt, der Verstand schläfrig ist; Wenn ihn auf verschiedene Weise noch lebende Objekte angreifen, noch frische Gelegenheiten, alte Gewohnheiten und insbesondere Dämonen, die alle Mittel suchen, um ihn in die Hölle zu stürzen? Wenn Sie all diesen falschen Büßern so viele andere Sünder hinzufügen, die unerwartet in der Sünde oder durch Unwissenheit der Ärzte oder durch die Schuld der Verwandten sterben, die vergiftet oder bei einem Erdbeben verschüttet werden oder vom Schlaganfall getroffen werden, bei einem Sturz oder auf einem Schlachtfeld oder in einer Schlägerei, in Gefangenschaft oder vom Blitz getroffen oder verbrannt oder ertrinken, - sind Sie nicht gezwungen zu folgern, daß die meisten erwachsenen Christen verdammt sind?

Dies ist die Argumentation des
hl. Chrysostomus. Die meisten Christen, sagt dieser Heilige, wandeln sie nicht ihr ganzes Leben auf dem Weg der Hölle? Warum sollten Sie sich wundern, daß die meisten zur Hölle fahren? Um zur Tür zu gelangen, nehmen Sie den Weg, der dorthin führt. Wie antworten Sie auf eine so zwingende Begründung? 

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VII. Wie der Sand des Meeres...  Wie die Sterne des Firmaments...

Sie werden sagen, die Antwort ist, daß Gottes Barmherzigkeit groß ist. Ja, für
jene, die ihn fürchten: “Misericordia Domini super timentes eum -
Die Barmherzigkeit Gottes ist über jenen, die ihn fürchten”, sagt der Prophet; aber seine Gerechtigkeit ist groß für jene, die sie nicht fürchten, und sie verurteilt alle hartnäckigen Sünder:
“Hinweg von mir, all ihr Übeltäter.” (Lk 13,27)

Aber für wen ist das Paradies, wenn nicht für Christen? Es ist zweifellos für Christen, aber für jene, die ihren Taufcharakter nicht entehren und als Christen leben. Und außerdem, wenn Sie zu der Zahl erwachsener Christen, die in der Gnade Gottes sterben, die unzählige Menge von Kindern hinzufügen, die nach der Taufe sterben, bevor Sie das Alter der Vernunft erreichen, werden Sie nicht mehr überrascht sein als die Apostel Johannes sagte, als er von den Auserwählten sprach: “Ich habe eine große Menge gesehen, die niemand zählen konnte.”
(Offb 7,9) [Früher gab es eine hohe Kindersterblichkeit, sehr viele starben schon früh.]

Und das ist es, was jene irreführt, die behaupten, daß die Zahl der auserwählten Katholiken größer ist als die der Verworfenen. Es ist sicher, daß, wenn Sie alle Katholiken zusammen nehmen, die meisten von ihnen gerettet werden, denn nach den gemachten Beobachtungen stirbt etwa die Hälfte der Kinder nach der Taufe vor dem Alter der Vernunft. Wenn Sie nun zu dieser Zahl jene Erwachsenen hinzufügen, die das Gewand der Unschuld bewahrt haben oder die es, nach dem sie es befleckt hatten, mit den Tränen der Buße gewaschen haben, ist es sicher, daß die größte Zahl gerettet wird; und dies erklärt die Worte des Apostels Johannes:
“Ich habe eine große Menge gesehen” und diese andere unseres Herrn: “Viele werden aus dem Osten und dem Westen kommen und werden mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen” und die andere Stellen, die wir gewohnt sind, für diese Meinung zu zitieren.

[Offb 7,9 ‘Darauf sah ich eine große Schar, die niemand zu zählen vermochte,
aus allen Völkern, Stämmen, Geschlechtern und Sprachen. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Gewändern und mit Palmen in ihren Händen.’ - Man beachte: mit weißen - nicht schmutzigen Gewändern.]

Aber wenn wir von erwachsenen Christen sprechen, stimmen Erfahrung, Vernunft, Lehramt, Überlieferung und Schrift darin überein, daß die größte Anzahl sich selbst verdammt. Glaube nicht, daß das Paradies leer sein; im Gegenteil, es ist ein sehr bevölkerungsreiches Königreich;
und wenn die Verworfenen so zahlreich sind wie der Sand des Meeres, sind die Auserwählten so zahlreich wie die Sterne des Firmaments, das heißt, beide sind unzählig, wenn auch in sehr unterschiedlichen Anteilen.

Der
hl. Johannes Chrysostomus, der eines Tages in der Kathedrale von
Konstantinopel predigte und dieses Verhältnis berücksichtigte, konnte nicht anders, als vor Entsetzen zu schaudern: “Wie viele”, sagte er, “unter diesen so zahlreichen Menschen, glauben Sie, werden gerettet werden?” Und ohne auf die Antwort zu warten, fügte er hinzu:
“Unter so vielen tausend Menschen sind nicht hundert, die gerettet werden, und für diese hundert zweifle ich immer noch.”

Was für eine schreckliche Sache! Der große Heilige glaubte, daß bei so vielen
Menschen kaum hundert Menschen gerettet werden, und dennoch war er sich dieser Zahl nicht sicher. Was wird mit Euch passieren, die ihr mir zuhört? Mein Gott? Ich kann nicht daran denken, ohne zu schaudern. Das Geschäft der Erlösung ist eine sehr schwierige Sache, meine Brüder; denn nach Maximus dem Theologen, wenn ein Ziel große Anstrengungen erfordert, erreichen es nur wenige.

Aus diesem Grund kommt der engelgleiche Lehrer
Thomas (von Aqiun), nachdem er mit seiner immensen Gelehrsamkeit alle Gründe dafür und dagegen abgewogen hat, zum Schluß, daß die größte Anzahl erwachsener Katholiken verdammt ist:

“Die ewige Glückseligkeit übertrifft den Zustand der Natur, vor allem seit diese der ursprünglichen Gnade beraubt ist, daher wird nur eine kleine Zahl gerettet.”

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VIII. Gott, der gerechter Vater.

Nimm die Binden von den Augen, die blinde Selbstliebe, die Euch hindert, einer so offensichtlichen Wahrheit zu glauben, was Euch die meisten Mißverständnisse über Gottes Gerechtigkeit gibt. “Gerechter Vater! Die Welt kennt dich nicht”, sagt unser Herr Jesus Christus. Er sagt nicht Allmächtiger Vater, sehr guter, barmherziger Vater; Er sagt: “Gerechter Vater”, um uns verstehen zu lassen, daß von allen Eigenschaften Gottes keine weniger bekannt ist als Seine Gerechtigkeit, weil die Menschen sich weigern zu glauben, was sie fürchten zu erfahren. Nehmen Sie den Schleier ab, der Ihre Augen verdunkelt, und sagen Sie mit Tränen: Ach! Die größte Anzahl von Katholiken, die größte Anzahl der Einwohner dieses Ortes und vielleicht sogar dieses Publikums wird verdammt sein. Welches Thema verdient Ihre Tränen am meisten?

König Xerxes, († 465 v. Chr.) der von der Spitze eines Hügels aus seine Armee
aus hunderttausend Soldaten in der Kampfordnung stehend sah und in Anbetracht dessen, daß in hundert Jahren kein einziger Mann mehr leben würde, konnte seine Tränen nicht zurückhalten. Haben wir nicht viel mehr Grund zu weinen und zu bedenken, daß von so vielen Katholiken die größte Anzahl verdammt sein wird?

Sollte dieser Gedanke nicht Tränenströme aus unseren Augen heraustreiben oder zumindest in unseren Herzen dieses Gefühl des Mitleids erregen, das früher den ehrwürdigen Augustiner
Marcel vom hl. Dominikus bewegte? Als er eines Tages über ewige Strafen meditierte, zeigte ihm der Herr, wie viele Seelen gerade zur Hölle gingen, und zeigte ihm einen sehr breiten Weg auf dem 22.000 Verworfene dem Abgrund zuliefen und miteinander zusammenstießen. Bei diesem Anblick rief der Diener Gottes erstaunt aus: “Oh! welche Zahl! welche Zahl! und es gibt mehr. O Jesus! O Jesus! Was für ein Wahnsinn!

Lassen Sie mich deshalb mit
Jeremia wiederholen: “Wer wird meinem Kopf Wasser und meinen Augen eine Quelle von Tränen geben, und ich werde um jene trauern, die die Tochter meines Volkes verloren hat.” (Jer 8,23)

Arme Seelen! Wie rennt ihr so eifrig zur Hölle? Bitte hört, hört mir einen Moment zu. Entweder versteht ihr, was es bedeutet, sich selbst zu retten und sich für alle Ewigkeit zu verdammen, oder ihr versteht es nicht. Wenn Sie es verstehen, und wenn Sie sich trotzdem entscheiden, ihr Leben jetzt nicht ändern, um eine gute Beichte, abzulegen, die Welt zu Füßen zu treten, in einem Wort, um alle Anstrengungen unternehmen, zu jenen wenigen zu zählen, die gerettet werden, ich sage, habt ihr keinen Glauben. Wenn Sie es nicht verstehen, sind Sie entschuldbar; denn es muß gesagt werden, daß Sie Ihren Verstand verloren haben.

Für alle Ewigkeit gerettet zu sein! - für alle Ewigkeit verloren zu sein! Und nicht alle Anstrengungen zu unternehmen, um das eine zu vermeiden und das andere zu sichern, ist etwas, das man sich nicht vorstellen kann.

Vielleicht glauben Sie den schrecklichen Wahrheiten, die ich Ihnen gerade gesagt habe, immer noch nicht. Aber es sind die bedeutendsten Theologen, die berühmtesten Kirchenväter, die durch meinen Mund zu Ihnen gesprochen haben. Wie können Sie dann Beweisen widerstehen, die durch so viele Beispiele, durch so viele Worte der Hl. Schrift gestärkt wurden? Wenn Sie trotzdem immer noch zögern und Ihr Geist sich der entgegengesetzten Meinung zuwendet, reicht diese Überlegung allein nicht aus, um Sie zum Zittern zu bringen? O, Sie zeigen, daß Sie sich wenig um Ihre Erlösung kümmern? In dieser wichtigen Angelegenheit wird ein vernünftiger Mensch mehr vom geringsten Zweifel über die Gefahr betroffen, die sie in sich birgt, als vom Beweis eines völligen Ruins in anderen Angelegenheiten, an denen die Seele nicht interessiert ist.

Einer unserer Ordensleute, der
sel. Ägidius, pflegte zu sagen:
Wenn ein Mensch verdammt würde, würde er alles tun, um sicherzustellen, daß er es nicht sei.

Was sollen wir also tun, die wir wissen, daß nicht nur unter allen Menschen, sondern auch unter Katholiken die größte Zahl verdammt sein wird?
Was sollen wir machen? Beschließen Sie, zu der kleinen Anzahl derer zu gehören, die gerettet werden. Wenn Christus, sagen Sie, mich verdammen wollte, warum hat er mich dann in die Welt gebracht? - Halt den Mund, rücksichtslose Zunge: Gott schuf niemanden, nicht einmal die Türken, um sie zu verdammen.

Aber
wer verdammt wird, verdammt sich selbst, weil er es selbst will. Ich möchte mich daher jetzt verpflichten, die Güte meines Gottes zu verteidigen und sie von jeden Vorwurf freizusprechen: Dies ist das Thema des zweiten Punktes.

IX. Bevor Sie fortfahren, nehmen Sie auf der einen Seite alle Bücher und Häresien von Luther und Calvin, auf der anderen Seite die Bücher und Häresien der Pelagier, Halbpelagier und verbrennen Sie diese. Einige zerstören die Gnade, andere die Freiheit, und alle sind voller Fehler; werfen Sie diese ins Feuer. Alle Verworfenen haben den Ausspruch des Propheten Hosea in ihre Stirn eingraviert: Deine Verdammung kommt von Dir, damit sie verstehen können, daß jeder, der sich selbst verdammt, sich selbst durch seine eigene Bosheit verdammt und weil er sich selbst verdammen will.

Nehmen wir zunächst diese beiden unbestreitbaren Wahrheiten als Grundlage: “Gott möchte, daß alle Menschen gerettet werden.” “Alle brauchen die Gnade Gottes”. Wenn ich Ihnen nun zeige, daß Gott den Willen hat, alle Menschen zu retten, und daß er Ihnen dafür all seine Gnade gibt, mit allen anderen Mitteln, die notwendig sind, um dieses erhabene Ziel zu erreichen, werden Sie gezwungen sein, dem zuzustimmen, wer verdammt ist, muß es seiner eigenen Bosheit zuschreiben, und daß, wenn die größte Anzahl von Christen verworfen wird, geschieht es, weil sie es wollen. “Deine Verdammung kommt von dir; nur in Mir ist deine Rettung.” Hos 13,9.

Gott hat wirklich den Willen, alle Menschen zu retten, sagt er uns an hundert
Stellen der Hl. Schrift.
“Ich möchte nicht, daß der Sünder stirbt, sondern daß er sich bekehrt und lebt. Ich lebe, sagt der Herr. Ich will nicht den Tod der Sünder, sondern daß sie sich bekehren und leben.” (Ez 18,23)

Wenn jemand etwas sehr will, sagt er, daß er vor Verlangen stirbt, es ist eine
Übertreibung. Aber Gott wollte und will unser Heil so stark, daß er vor Verlangen starb, und er erlitt den Tod, um uns Leben zu geben: “et propter nostram salutem mortuus est -
um unseres Heiles willen ist er gestorben”. Dieser Wille, alle Menschen zu retten, ist daher in Gott kein unaufrichtiger, oberflächlicher und offensichtlicher Wille, sondern ein wahrer, wirksamer und wohltätiger Wille, weil er uns alle Mittel zur Verfügung stellt. Er gibt Sie uns, um uns zu retten, nicht damit sie ihre Wirkung nicht entfalten und auch wenn er sieht, daß Sie es nicht erreichen werden. Aber er gibt sie uns mit aufrichtigem Willen, mit der Absicht, daß sie ihre Wirkung erzielen, und wenn Sie sie nicht erreichen, zeigt er sich betrübt und beleidigt. Er befiehlt den Verworfenen selbst, sich für ihre Rettung einzusetzen. Er ermahnt sie. Er drängt sie, und wenn sie dies nicht tun, sündigen sie. Daher können sie es tun und sich retten.

Noch mehr, Gott, der sieht, daß wir ohne seine Hilfe nicht einmal seine Gnade
gebrauchen können, gibt uns andere Hilfen, und wenn sie manchmal unwirksam bleiben, liegt der Fehler bei uns; denn mit der gleichen Hilfe, in actu primo wie Theologen sprechen, mit der gleichen Hilfe, die der eine mißbraucht und mit der er verdammt wird, kann ein anderer Gutes tun und sich retten; er kann es sogar mit weniger mächtiger Hilfe. Ja, es kann vorkommen, daß einer eine größere Gnade mißbraucht und verloren geht, während der andere mit einer geringeren Gnade mitarbeitet und gerettet wird.

“Wenn jemand deshalb von der Gerechtigkeit abweicht”, sagt der
hl. Augustinus, “wird er von seinem freien Willen mitgerissen, von seiner Begierlichkeit angetrieben, von seiner eigenen Überzeugung getäuscht .” Aber für jene, welche die Theologie nicht verstehen, muß ich ihnen Folgendes sagen: Gott ist so gut, daß er, wenn er einen Sünder zu seinem Verderben laufen sieht, ihm nachläuft, ihn ruft, zu ihm fleht und ihn begleitet bis zu den Toren der Hölle; und was tut er nicht, um ihn zu bekehren? Er sendet ihm gute Erleuchtungen, heilige Gedanken, und wenn er nicht davon profitiert, ist er betrübt, ist empört und jagt ihm nach. Wird er ihn schlagen? Nein: Er vergibt ihm. Aber der Sünder bekehrt sich noch nicht: Gott schickt ihm eine tödliche Krankheit. Für ihn ist zweifellos alles vorbei. Nein, meine Brüder, Gott heilt ihn. Der Sünder bleibt im Bösen, Gott sucht in seiner Barmherzigkeit nach neuen Mitteln.

Er gibt ihr ein weiteres Jahr, und wenn das Jahr zu Ende ist, gibt er ihr ein weiteres. Aber wenn der Sünder sich trotz alledem in die Hölle stürzen will, was macht Gott dann? Verläßt er ihn? Nein: Er nimmt ihn an der Hand; und während er einen Fuß in der Hölle und den anderen draußen hat, ermahnt er wieder, er bittet ihn, seine Gnaden nicht zu mißbrauchen. Nun frage ich Sie, wenn dieser Mensch verdammt ist, ist es dann nicht wahr, daß er gegen den Willen Gottes verdammt ist und weil er sich selbst verdammen will? Kommen Sie und sagen Sie mir jetzt: Wenn Gott mich verdammen wollte, warum hat er mich erschaffen? 

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X. Es gibt keine Entschuldigung.

Undankbarer Sünder, lerne heute, daß du, wenn du dich selbst verdammst, es nicht Gott zuschreiben mußt, sondern dir und deinem eigenen Willen.

Um Dich selbst zu überzeugen, geh hinunter zu den Toren der Hölle:
Dort werde ich Dir jemanden von diesen unglücklichen Verworfene bringen, die in der Hölle brennen, damit er Dir diese Wahrheit erklären wird. Hier ist einer: “Sag mir, wer bist du?” - Ich bin ein armer Götzendiener, geboren in einem unbekannten Land; Ich habe noch nie von Himmel oder Hölle gehört oder von dem, was ich jetzt leide. - Armer Kerl! Geh weg; Ich suche dich nicht “.

Laß einen anderen kommen; hier ist es ; “ Wer bist du? - Ich bin ein Schismatiker von den Grenzen der Tartaren, ich habe immer im wilden Zustand gelebt und kaum gewußt, daß es einen Gott gibt. - Ich frage dich nicht, geh zurück zur Hölle.”. Hier ist noch einer. “Und du, wer bist du? - Ich bin ein armer Ketzer aus dem Norden. Ich wurde am Pol geboren, hatte noch nie das Sonnenlicht gesehen, noch das des Glaubens. - Das ist es noch nicht, daß ich suche, kehre zur Hölle zurück.” Meine Brüder, mein Herz ist gebrochen, wenn ich unter den Verworfenen jene Unglücklichen sehe, die nie etwas von wahrem Glauben gewußt haben. Wisse jedoch, daß das Urteil gegen sie ausgesprochen wurde, ihnen wurde gesagt: Perditio tua ex te.
Du hast dich verdammt, weil du es wolltest.

Wie viel Hilfe erhielten sie von Gott, um sich zu retten! Wir kennen sie nicht, aber sie wissen es gut und schreien jetzt: “Du bist gerecht, Herr, und deine Urteile sind gerecht.”
(Ps 119; 137).

Sie müssen wissen, meine Brüder, daß das älteste Gesetz das Gesetz Gottes ist, das wir alle in unseren Herzen tragen, daß es ohne einen Meister gelernt wird und daß es ausreicht, das Licht der Vernunft zu haben, um alle Vorschriften dieses Gesetzes zu kennen. Deshalb verstecken sich selbst die Barbaren, um ihre Sünden zu begehen, weil sie den Schaden kennen, den sie anrichten; und sie sind verdammt, weil sie das Naturgesetz, das sie in das Herz einschrieben haben, nicht beachtet haben; denn wenn sie es beachtet hätten, hätte Gott ein Wunder getan, anstatt sie verdammt sein zu lassen. Er hätte jemanden geschickt, um sie zu unterweisen, und ihnen andere Hilfe gegeben, deren sie sich unwürdig gemacht haben, indem sie nicht nach den Erleuchtungen ihres eigenen Gewissens lebten, das sie immer wieder warnte das Gute zu tun und das Böse zu meiden.

Es ist ihr Gewissen, das sie vor dem Gericht Gottes anklagte und das ihnen in der Hölle immer wieder sagt: Perditio tua ex te. - Deine Verdammung kommt von dir! Sie wissen nicht, was sie antworten sollen und müssen gestehen, daß sie ihr Schicksal verdient haben. Wenn diese Ungläubigen keine Entschuldigung haben, wie wird es einem Katholiken ergehen, der so viele Sakramente, so viele Predigten zur Verfügung hatte, so viel Hilfe zur Verfügung hatte? Wie könnte er es wagen zu sagen: Wenn Gott mich verdammen sollte, warum brachte er mich dann in die Welt? Wie könnte er es wagen, so zu sprechen, wenn Gott ihm so viel Hilfe gibt, um sich selbst zu retten? Kommen wir zum Schluß..

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XI. Das Schicksal der katholischen Sünder.

Antworte, der du in diesen Abgründen leidest. Gibt es Katholiken unter euch? Wenn ja! Und wie viel ! Laß einen von ihnen hierher kommen. Es ist unmöglich, sie sind zu weit unten, und um sie herzubringen, müßte man die Hölle auf den Kopf stellen; Es ist einfacher, einen von denen festzuhalten, die hineinfallen.

Ich wende mich daher an Sie, die in der Gewohnheit der Todsünde, im Haß, im Sumpf des unreinen Laster leben und die Sie jeden Tag der Hölle näher bringen. Hört auf, bekehrt Euch; es ist Jesus, der Euch ruft und der durch seine Wunden wie durch so viele beredte Stimmen zu dir ruft: “Mein Sohn, wenn Sie sich selbst verdammen, haben Sie nichts zu beklagen als sich selbst: Perditio tua ex te - Deine Verdammung kommt von dir “. Schau auf und schau, wie viel Gnaden habe ich Dir geschenkt, um Dein ewiges Heil zu sichern. Ich hätte dich in einem Barbarenwald zur Welt bringen können. Ich habe es für so viele andere getan, aber Dich habe ich im katholischen Glauben geboren. Ich habe Dich von einem so guten Vater erziehen lassen, von einer ausgezeichneten Mutter, inmitten der guten Anleitungen und Lehren; Wenn du Dich trotzdem verdammst, wessen Schuld wird es sein? Deine eigene, mein Sohn, Deine Verdammung kommt von dir.

Ich hätte Dich nach der ersten Todsünde, die du begangen hast, in die Hölle werfen können, ohne auf die zweite zu warten: Ich habe es mit so vielen anderen getan, aber ich habe Geduld mit dir gehabt; Ich habe viele Jahre auf dich gewartet, ich warte heute noch auf Deine Buße. Wenn du Dich trotz alledem verdammt hast, wessen Schuld ist es dann? Deine eigene, mein Sohn, Deine eigene: Deine Verdammung kommt von dir. Du weißt, wie viele vor Deinen Augen gestorben sind und verdammt wurden: Es war eine Warnung für Dich. Du weißt, wie viele andere ich wieder auf rechten Weg gebracht habe, um Dir ein gutes Beispiel zu geben.

Erinnere Dich, was dieser ausgezeichnete Beichtvater euch gesagt hat? Ich habe ihn dazu gebracht, es zu sagen. Hat er Dich nicht verpflichtet, dein Leben zu ändern, eine gute Beichte abzulegen? Ich habe ihn inspiriert.

Erinnere Dich an diese Predigt, die Dein Herz berührt hat. Ich habe Dich dorthin geführt. Und was zwischen mir und Dir im Geheimnis deines Herzens passiert ist, kannst Du nicht vergessen.
Diese inneren Einsprechungen, dieses so klare Wissen, diese ständige Unruhe Deines Gewissens, würdest Du es wagen, sie zu leugnen? All dies war so viel Hilfe von meiner Gnade, weil ich Dich retten wollte. Ich habe sie so vielen anderen verweigert und ich habe sie Dir gegeben, weil ich Dich sehr geliebt habe. Mein Sohn, mein Sohn, wie viele andere würden, wenn ich so zärtlich mit ihnen sprechen würde, wie ich heute mit Ihnen spreche, wieder auf den rechten Weg kommen! und Du drehst Mir den Rücken zu. Hör zu, was ich Dir sagen werde, das werden meine letzten Worte sein: Du kostest mich Blut. Wenn Du trotz dieses Blutes, das ich für Dich vergossen habe, Dich selbst verdammen willst, beklage Dich nicht über mich, beschuldige nur Dich und vergißt für alle Ewigkeit nicht, daß du Dich trotz allem verdammt hast. Wenn du Dich selbst verdammt hast Ich, Du verdammst dich selbst, weil Du dich selbst verdammen willst. - Deine Verdammung kommt von dir.

O mein guter Jesus, selbst die Steine würden sich bei so süßen Worten und
so zarten Ausdrücken spalten. Gibt es hier jemanden, der sich bei so viel Gnaden und Hilfe verdammen will? Wenn es jemand gibt, möge er mir zuhören und widersetze dich dann, wenn er kann.

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XII. Wenn du willst, wirst du gerettet werden.

Baronius († 1607) berichtet, daß Julian der Abtrünnige nach seinem berüchtigten Abfall vom Glauben einen solchen Haß gegen die hl. Taufe empfand, daß er Tag und Nacht nach Wegen suchte, sie zu löschen. Dafür ließ er ein Ziegenblutbad vorbereiten und ging hinein, um mit diesem unreinen Blut eines der Venus geweihten Opfers den heiligen Charakter der Taufe aus seiner Seele zu löschen. Dieses Verhalten scheint Ihnen abscheulich: Aber wenn Julian in seiner Absicht erfolgreich gewesen wäre, würde er sicher in der Hölle viel weniger leiden.

Sünder, der Rat, den ich Euch geben möchte, wird Euch zweifellos seltsam erscheinen; und doch, um es richtig zu verstehen, ist er im Gegenteil von einem innigen Mitgefühl für Sie inspiriert.
Ich beschwöre Euch deshalb auf meinen Knien, durch das Blut Jesu Christi und das Herz Mariens, um Euer Leben zu ändern, auf dem Weg zurück zu kehren, der in den Himmel führt, und alles zu tun, damit Ihr zu der kleinen Zahl der Auserwählten gehören könnt. Wenn Du trotzdem weiter auf dem Weg gehen möchtest, der zur Hölle führt, finde zumindest einen Weg, die Taufe in Dir zu löschen. Wehe Dir, wenn du den hl. Namen Jesu Christi und den heiligen Charakter des Christen in deiner Seele mitnimmst. Deine Bestrafung wird viel größer sein. Tu also, was ich Dir rate: Wenn Du dich nicht bekehren willst, bitte heute deinen Pfarrer, Deinen Namen aus dem Taufregister zu streichen, damit Du Dich nicht mehr daran erinnerst, Christ gewesen zu sein. Bitte deinen Schutzengel, die Gnaden, Einsprechungen und die Hilfe, die er Dir auf Befehl Gottes gegeben hat, aus seinem Buch zu streichen, denn wehe, wenn er Dich an sie erinnert. Sage unserem Herrn, er soll seinen Glauben, seine Taufe und seine Sakramente zurücknehmen. Bist Du entsetzt über diesen Gedanken?

Wirf Dich also zu den Füßen Jesu Christi und sage ihm mit Tränen in den Augen und zerknirschtem Herzen: “Herr, ich gestehe, daß ich bisher nicht als Christ gelebt habe, ich bin es nicht wert, zu deinen Auserwählten gezählt zu werden. Ich erkenne, daß ich Verdammnis verdient habe, aber deine Barmherzigkeit ist groß. Und voller Vertrauen in Deine Gnade versichere ich Dir: Ich möchte meine Seele retten, sollte ich mein Vermögen, meine Ehre, mein Leben opfern, vorausgesetzt, ich rette mich. Wenn ich bisher untreu gewesen bin, bereue ich es, ich bedaure, ich hasse meine Untreue, ich bitte demütig um Vergebung. Vergib mir, mein guter Jesus, und stärke mich gleichzeitig, damit ich gerettet werden kann. Ich bitte Dich weder um Reichtum noch um Ehre oder Wohlstand. Ich bitte nur eins, meine Seele zu retten.”

Und du, o Jesus! Was sagst du? Hier ist das verirrte Schaf, das zu dir zurückkehrt, o guter Hirte. Umarme diesen reuigen Sünder, segne seine Tränen und Seufzer oder segne vielmehr diese Menschen, die so bereit sind und nichts anderes als ihre Erlösung suchen. Laßt uns, meine Brüder, zu Füßen unseres Herrn versichern, daß wir, um jeden Preis, unsere Seele retten wollen.
Sagen wir ihm alle mit Tränen in den Augen: “Guter Jesus, ich möchte meine Seele retten.” O gesegnete Tränen, O gesegnete Seufzer!

Ich möchte, meine Brüder, Euch heute alle getröstet heimschicken. Wenn Sie mich also fragen, wie ich über die Anzahl der Auserwählten denke, dann ist es dies: Ob es viele oder wenige Auserwählte / Gerettete gibt, ich sage,
daß jeder, der sich selbst retten will, gerettet wird und daß niemand verloren geht, wenn er nicht verloren gehen will. Und wenn es stimmt, daß nur wenige gerettet werden, dann gibt es nur wenige, die gut leben.

Vergleichen Sie außerdem diese beiden Meinungen:

Die erste, die besagt, daß die meisten Katholiken verdammt werden; die zweite, die im Gegenteil behauptet, daß die größte Anzahl von Katholiken gerettet wird; Stellen Sie sich vor, ein Engel, der von Gott gesandt wurde, um die erste Meinung zu bestätigen, sagt Ihnen, daß nicht nur die meisten Katholiken verdammt sind, sondern daß von all dieser Menge hier nur einer gerettet wird. Wenn Sie die Gebote Gottes befolgen, wenn Sie die Verderbnis dieses Jahrhunderts hassen, wenn Sie das Kreuz Jesu Christi im Geist der Buße umarmen, wirst Du dieser einzige sein, der sich retten wird.

Stellen Sie sich dann vor, daß dieser Engel unter Ihnen zurückkehrt und daß er, um die zweite Meinung zu bestätigen, Ihnen sagt, daß nicht nur der größte Teil der Katholiken gerettet wird, sondern daß von all diesen Zuhörern nur eine Person verdammt wird und alle anderen gerettet werden. Wenn Sie danach Ihren Wucher, Ihre Rache, Ihre kriminellen Handlungen, Ihre Unreinheiten fortsetzen, werden Sie der einzige sein, der verdammt wird.

Was bringt es zu wissen, ob es wenige oder viele gibt, die gerettet werden? “Versuchen Sie, Ihre Wahl durch Ihre guten Werke sicher zu machen”, sagt hl. Petrus.
“Wenn du willst, wirst du dich retten,” sagte der hl. Thomas von Aquin zu seiner Schwester, die ihn fragte, was sie tun soll, um in den Himmel zu kommen.

Ich sage Ihnen dasselbe: und hier beweise ich meine Behauptung.

Niemand wird verdammt, wenn er nicht tödlich sündigt, das ist Lehre des Glaubens; Niemand sündigt tödlich, wenn er nicht will, dies ist eine unbestreitbare theologische Aussage. Also kommt niemand zur Hölle, wenn er nicht will. Die Konsequenz liegt auf der Hand. Ist das nicht genug, um dich zu trösten?
Trauere um vergangene Sünden, beichte gut, sündige in der Zukunft nicht mehr, und du wirst gerettet werden.

Warum quälen Sie sich dann so sehr, denn es ist sicher, daß Sie, um in die Hölle zu kommen, tödlich sündigen müssen. Und folglich kommen sie nur in die Hölle, wenn Sie wollen. Dies ist keine Meinung, sondern eine unbestreitbare und sehr tröstende Wahrheit; Möge Gott Sie dazu bringen, es zu verstehen und Sie zu segnen. Amen”.


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Der hl. Bernardin von Siena und der hl. Pater Pio sagen, daß die Seelen in die Hölle fallen, wie das Laub von den Bäumen.

Der Weg zur Hölle ist nur so breit, weil ihn viele gehen.

Wenn 90 % der Katholiken nicht mehr in die Kirche und zu den Sakramenten gehen und von den 9 % Kirchgängern nur wenige ihre Sünden beichten, dann können auch nur ganz wenige gerettet werden. Jesus hat uns am Gründonnerstag die hl. Messe und das Priestertum geschenkt, am Karfreitag sein Herz und seine Mutter und an Ostern die Beichte. Das gehört zum Neuen Testament - d.h. zu seinem letzen Willen.

Um sich zu retten ist notwendig, daß man wirklich glaubt (in der Tat) und getauft ist (Mk 16,16) und wenn man eine schwere Sünde getan, diese wirklich bereut, aufrichtig beichtet, den Vorsatz faßt, diese Sünde nicht mehr zu begehen und die Gelegenheit zur Sünde zu meiden, sonst ist die Beichte ungültig - eine Lüge, ein Betrug, ein Sakrileg. Bei schweren Sünden ist auch notwendig, daß man die Art, Zahl und erschwerenden Umstände bekennt. Es ist ein Unterschied einen Armen auszurauben oder einen Reichen oder eine Kirche, genauso ist es ein Unterschied, ob man nur einmal fremdgeht oder in wilder Ehe lebt oder gar in Ehebruch (sog. Zweite Ehe). Wer ungültig beichtet, darf auch nicht zur hl. Kommunion gehen, das wäre auch ein Sakrileg - eine besonders schwere Sünde.

Viele beichten aus Menschenfurcht nie gültig, weil sie gewisse Sünden verschweigen, oder sie nicht richtig bereuen, keinen Vorsatz haben sich wirklich zu bessern. Man kann nicht zu Ostern beichten und dann weiter in wilder Ehe leben, das ist Selbstbetrug. Wenn man Unrecht nicht von Herzen verzeiht, kann uns Gott auch nicht verzeihen. Wie wenige beichten, daß sie abgetrieben haben oder jemand dazu gedrängt haben, denn auch die Männer und Verwandten sind oft mitschuldig. Wenige Beichten auch Selbstbefriedigung und Verhütung.

Die Pille ist die Kommunion des Teufels, die Kinder verhindert und oft auch tötet, weil sie frühabtreibend ist. Manche Frauen haben so zig Abtreibungen und daher oft Depressionen. Die Pille danach ist bewußte Abtreibung, die auch die Exkommunikation zur Folge hat. Auch davon muß man losgesprochen werden.

Sport ist vielfach ein Kult geworden, man merkt es an der religiösen Sprache: Fußballgott, Tempel... Hier bringt man Opfer bei jedem Wetter.

Durch manche sehr schweren Sünden kann man auch umsessen oder gar besessen werden. Viele leiden heute daher unter psychischen Bedrängnissen. Nur wenige Priester kennen sich aus, z.B. nach Abtreibung auch den Geist des Todes zu binden und zu lösen, um die Gefahr der Depression und des Selbstmords zu bannen.

Es wäre gut und heilsam die Leute die Taufversprechen erneuern zu lassen, wie es der hl. Ludwig Maria schon praktiziert hat, bzw. konkret den Geistern, die hinter den Drogen, Alkohol, Sexsucht, Selbstbefriedigung, Ehebruch usw. stehen, zu widersagen, damit die Abhängigkeit - die unsichtbaren Bindungen gelöst werden. Wenn wir die heutige Gesellschaft betrachten, wo vielfach schon in der dritten Generation die Pille, Spirale und andere ‘Verhütungs-’ und Abtreibungsmittel gebraucht werden, da muß man sich über die Allergie gegen Gott, die Kirche und alles Heilige nicht wundern. Man kann nicht zwei Herren dienen.

Wenn Theolog(inn)en Priester, Bischöfe, Kardinäle, auch Ordensfrauen bis in Rom in Sünde leben, und daher Ehebruch und Sodomie gutheißen, was absolut mit den Geboten Gottes unvereinbar ist, da wir brauchen nur den hl. Paulus beachten, der kurz und klar sagt: Die solches Treiben, werden das Reich Gottes nicht erben. Gal 5,21 und ebenso 1 Kor 11,27 über die unwürdige Kommunion.

Die Bedingungen für das ewige Hochzeitsmahl, wie für das eucharistische Gastmahl sind die gleichen. Warum das Kommunionkleid, das Brautkleid, die weiße Albe? Das sind tiefe Symbole, die an die Taufversprechen erinnern und an die Reinheit des Herzen mahnen.

Wir sehen immer deutlicher: Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt.

Peter und Paul 2020

 

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Höllenvision der hl. Franziska Romana

Erste Höllenvision

(in der alt-deutschen Rechtschreibung/Grammatik belassen)
Quelle: Auszug aus „Lebensgeschichte der heiligen Franziska Romana“,
von P. Gf. P. Mainz. Verlag von Florian Kupferberg. 1854

... Es war in den Tagen des Winters; Franziska, allein in ihrem Zimmer, betrachtete das Unglück Derer, die ihren Leidenschaften und der Sinnengewalt hingegeben, sich für alle Ewigkeit vernichten.

 Ihre Betrachtung wurde immer tiefer und tiefer, bald verliert sie das Selbstbewusstsein und sie kommt in Ekstase. Da zeigt sich ihr ein Engel und befiehlt ihr, ihm zu folgen. Sie durchschreitet schnell mit ihm den Raum und nachdem sie trostlose, unfruchtbare Gegenden durchzogen, bemerkt sie den gähnenden Abgrund einer furchtbaren Höhle.

 Sie liest darüber die Worte:
„Hier ist die Hölle, die Hoffnung und die Ruhe finden sich hier nie. Tränen und Schmerzen aber sind hier immer.“
 
Ihr Führer sagt ihr, daß er von dem Allerhöchsten den Befehl erhalten habe, ihr den Ort der Qualen zu zeigen, ohne daß ihr selbst etwas Übles widerführe.

  •  „Unter sinnbildlichen Formen und körperlichen Erscheinungen,“ sagte er zu ihr, „wirst du, o Franziska! Zeuge sein eines Teiles der Leiden, welche die verworfenen Seelen erdulden. Die Teufel haben keine Körper und die Verdammten werden sie erst am Tage des Gerichts zurücknehmen; doch wirst du die Seelen körperlich gestraft sehen; aber fürchte dich nicht, denn in dir findet sich kein Flecken, der solche furchtbare Strafe verdiene.“

Nachdem er diese Worte gesprochen, drang er mit der Gattin des Laurentius in den höllischen Abgrund. Die Ohren der Heiligen treffen düsteres, furchtbares Schreien, unterbrochen von Gotteslästerungen und Schimpfreden, in welche sich abwechselnd wut- und schmerzerregte Stimmen hervortun.
 
Ihre Blicke senken sich in einen furchtbaren Abgrund. Er teilt sich in drei weite Regionen, welche durch düstere Räume von einander getrennt sind, und von denen der letzte der Sammelplatz der allerschlechtesten und unreinsten Verbrecher ist. Aus diesem Raum erhebt sich ein unerhörtes Feuer, welches ewig brennt, ohne sich zu verzehren oder der Nahrung zu bedürfen; es dringt in alle Teile der Hölle; überall hin bringt es den Schmerz und das Grauen. Seine Flamme, immer verzehrend, ist alles Glanzes und Lichtes beraubt, sein fahler blasser Schein läßt nur einige Gegenstände des Schreckens wahrnehmen; aber ein dicker Qualm steigt unaufhörlich auf und diese Finsternis vermehrt noch die Qual der Verdammten.
 
Sie sind aufgehäuft in diesen brennenden Kerker und eine zahllose Menge Teufel üben in diesem trostlosen Orte das Amt der Vollstrecker der göttlichen Gerechtigkeit, sie quälen sie und bringen ihnen die sich immer erneuernden Qualen bei, nach dem Verhältnis der Sünden und Verbrechen eines Jeden; denn Jeder leidet hier nach dem Grade seiner Strafbarkeit. Man hört nur Weinen, Zähneknirschen, Geheul der Wut und der Verwünschung; und das ist das Leiden der Verworfenen, mit großem Geschrei Gott zu lästern, so daß sie, wenn sie selbst keine anderen hätten, ihr Schmerz doch unendlich wäre.
 
Franziska versteht, daß die Leiden dadurch verdoppelt werden, weil sie nicht genugthuen
(genugthuen = Genugtuung, Wiedergutmachung leisten) können, und es reine Strafen sind. Der Verdammte leidet in gewisser Beziehung an seinen Sinnen, als ob er schon wieder seinen Körper angenommen hätte, er leidet noch mehr an allen Kräften der Seele.
 
Ein unaufhörlicher Rauch durchdringt die Augen, verkrustet und trocknet sie aus, ohne je die Quelle der brennenden Tränen zu löschen, welche die Wut fortwährend auspresst; er unterhält diese furchtbare äußere Finsternis, deren zweifelhaftes Halblicht jedem Verdammten dabei gestattet, die ihn umgebenden Gegenstände zu sehen; das Ohr hört ewig Geschrei, Geheul und Gotteslästerungen; der furchtbarste Gestank verletzt ohne Unterlass den Geruchssinn; ein brennender Durst und ein grausamer Hunger zerreißen die Organe des Geschmackes und bewirken die Leiden des furchtbarsten Todeskampfes; das Gefühl empfindet unaufhörlich die grausamen Schmerzen Desjenigen, der in geschmolzenes Metall stürzen würde, ohne sterben zu können.
 
Das Gedächtnis ist ewig gepeinigt durch die Gewissensbisse; das Urteil des Verdammten steht immer vor ihm geschrieben; er weiß, daß er ohne Aufhören und ohne Milderung alles das erleiden muss, was er bereits wirklich erleidet. Der nagende Wurm wiederholt ihm ohne Unterlass, daß er sich freiwillig verdammt hat, um sich niedrigen und gemeinen Freuden hinzugeben; er führt ihm jeden Augenblick ins Gedächtnis, daß Gott ihm Zeit gegeben, das Übel gut zu machen, und die notwendigen Gelegenheiten zur Rettung; er erinnert ihn an die guten Gedanken und die guten Vorsätze, welche die Gnade ihm einflößte und denen er untreu gewesen; er ruft ihm fort und fort zu, daß es für ihn kein Heil mehr gebe, daß für ihn die Jahre, die Jahrhunderte, die Jahrtausende vorübergehen und immer auf derselben Stelle sein werden.
 
Die Teufel lachen über seine ohnmächtige Verzweiflung; sie lassen ihm keine Ruhe und freuen sich, indem sie ihn martern, mit der einzigen Freude, die die Hölle kennt, mit der Freude, Leiden zu schaffen und Gotteslästerungen hervorzurufen.
 
Der Wille ist durchaus in sich zerrissen; er ist beraubt aller der Freuden, nach denen er sich sehnt.
 
Die Erkenntnis kennt und beweint das höchste Gut, welches sie verloren und töricht gegen unwürdige Vergnügungen umgetauscht; Gott und das Paradies, Gegenstände seines ewigen Verlustes, sind für ihn Gegenstand seines Hasses und ewigen Gotteslästerung, und in diesem Hasse des höchsten Gutes, für welches die Kreatur bestimmt war, liegt zugleich ein Schmerz, dessen Unermesslichkeit alle übrigen Leiden der Hölle in den Hintergrund treten lässt.
 
Es wurde der Franziska geoffenbart, daß die Qualen der Verdammten nach dem letzten Weltgerichtstage noch zunehmen werden. An diesem furchtbaren Tage wird keine der verdammten Seelen heraustreten wollen; der Ton der furchtbaren Posaune aber wird sie zwingen, und mit Schauder werden sie sich in der Versammlung finden, in welcher die Heiligen und Engel mit so großem Glanze und so großer Freude erscheinen werden.
 
Das wird für sie ihre furchtbarste Strafe sein, ihre verpesteten und entstellten Körper wieder anzunehmen; aber sie werden gezwungen sein, in diese abscheulichen Kadaver einzugehen, welche für sie Feuergefängnisse werden. Die Flammen der Hölle, den Körper und die Seele zugleich brennend, werden dann ihr ewiges Unheil verdoppeln.
 
Sie werden sich gegenseitig hassen und verfluchen, und doch werden sie vereint bleiben müssen; in Gemeinschaft werden sie die Strafe der Sünde ertragen, welche sie gemeinschaftlich verübt haben. Genossen des Verbrechens, werden sie unzertrennbare Genossen in der Bestrafung sein.
 
Die Notwendigkeit,  vor dem Richter zu erscheinen, welchen sie während ihres irdischen Lebens beleidiget hatten, wird ihre Wut und ihre Verzweiflung vermehren; sie werden nicht fliehen, nicht entgehen können; die Furcht, die Schande und die Beschämung werden für sie noch eine furchtbarere Strafe sein, als selbst die der Hölle. Sie werden dann die Stimme des Sohnes Gottes hören, der sie verfluchen, ihnen ihre Verachtung und ihre Beleidigungen vorhalten wird; er wird ihnen ins Gedächtnis zurückrufen, daß er sich für sie aufgeopfert, daß er für ihre Sünden geschlachtet worden sei, daß er sie mit seinem Fleisch und seinem Blute genährt habe, daß er sich beraubt habe, um sie mit seiner Gnade und seinen Verdiensten zu bekleiden, und daß sie seiner Mildtätigkeit mit Verbrechen und Undankbarkeit geantwortet hätten. Dann werden sie schreiend ausrufen:

  • „Berge stürzet über uns, verberget uns vor den Augen Desjenigen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Lamme, das gegen uns erzürnt ist.“ (Offenb. Joh. Cap. VI, 16.)

Aber die Felsen und Berge werden taub für ihren Ruf sein.
 
Die Seligkeit der Heiligen, deren Zeuge sie einen Augenblick sein werden, wird ihre Wut vermehren und mit dem höchsten Hass und Neid erfüllen. Die Beschämung, in ihrem bejammernswerten Zustande gesehen worden zu sein, und der Schmerz, die Andern in der Fülle einer Glückseligkeit zu schauen, welche für sie auf immer verloren und doch auch ihnen bestimmt war, wird für sie eine unaussprechliche Qual sein.

  • „Mussten wir“, werden sie ausrufen, „sehen, was wir verloren haben, und daß das ganze Weltall Zeuge unserer Schmach und unseres Unglückes sein würde! Abgründe, öffnet euch! Finsternisse, verschlinget uns! Genügen nicht die Gewissensbisse und die Bilder unserer Verbrechen, welche uns ohne Unterlass verfolgen! Alle Diejenigen, die wir verwünschen, sollen unser Elend schauen und unsere Strafe durch den Schauder vermehren, den wir ihnen einflößen!“

Franziska drang immer tiefer in den Aufenthalt der endlosen Schmerzen ein. Sie bemerkte einen furchtbaren Drachen, der die ganze Hölle auszufüllen schien; sein ungeheurer Kopf fand sich in der oberen Region, aus seinem Rachen ging ein Strom von Feuer und Schmutz, sein Körper breitete sich in der mittleren Region aus und sein Schweif zog sich in gewundenen Ringen in der untersten Schmutzregion hin.
 
Franziska ist in Gefahr, vor Schrecken und Erstickung tot nieder zu fallen; der Engel hält sie aufrecht, ermutigt sie und bringt sie weiter.
 
Sie geht vorwärts und sieht einen ungeheuren brennenden Balken, der die Mitte der Hölle stützt und zum Throne des Satans dient. Dort sitzt er mit einer Art scheußlicher und furchtbarer Majestät. Seine Arme sind ausgebreitet, aber nicht in Form des Kreuzes, denn das Zeichen der Erlösung findet sich nicht in diesem Abgrunde; die Hörner seines Kopfes verschlingen sich und bilden ihm eine Art von Krone, Flammen gehen aus jeder ihrer Spitzen und ein stinkendes Feuer geht aus allen Teilen seines Körpers, Ketten umschlingen eng den Satan und den Drachen, scheußliche Dämonen erfüllen von allen Seiten den Raum unter der Gestalt chimärischer Tiere und Ungeheuer, ihr schrillendes Pfeifen beherrscht selbst das Geheul der Verdammten.
 
In diesem Augenblicke erschütterte ein ungeheures und lang anhaltendes Geschrei, hervorgerufen durch Wut und Schrecken und verzweiflungsvollen Seufzern, den ganzen Höllenraum bis in seine untersten Tiefen und schien die Schauer der Hölle zu verdoppeln. Franziska, erschreckt, sah vor sich eine zahllose Anzahl von Verdammten vorüberziehen, welche die bösen Geister nach der Tiefe des Abgrundes hinzogen.

  • Zwei Dämonen sind an jede dieser unglücklichen Seelen gekettet; der eine, um sie zu geißeln und zu quälen, der andere, um ihnen ihre Sünden vorzuwerfen und alles Das vorzuhalten, was sie durch ihre Schuld verloren.

Satan verkündet darauf über sie in törichter Anmaßung einen Richterspruch, ehe er sie in den für ihre Verbrechen bestimmten Ort zur Bestrafung hinabstürzt.

Die Missetaten eines jeden Verdammten sind auf seiner Stirne mit unauslöschlichen Charakteren eingegraben. Die Peinen, mit welchen die göttliche Gerechtigkeit die verschiedenen Sünden straft, sind unserer Heiligen in sinnbildlicher Weise gezeigt worden.

Wir können nicht in allen Einzelheiten den Bericht der Franziska an ihren Beichtvater mitteilen, es würde uns das zu weit führen. Wir wollen uns darauf beschränken, nur die hervorstechendsten Tatsachen dieser furchtbaren Vision zu erzählen und uns dabei so viel wie möglich an die eigenen Worte der Heiligen zu halten.

Das Bild der gesamten Höllenstrafen entrollte sich nach und nach den Blicken der Franziska.

 Die Liebhaber der Welt und ihrer sinnlichen Freuden, die Trägen  und  die Wollüstlinge sind verdammt, sich mit kochendem Pech, mit Gewürm und Unrat speisen zu lassen, welches nie ihren verzehrenden Hunger stillt und sie sind Schlangen übergeben, die sie unaufhörlich zerreißen.
   
 Die Weichlinge, welche nichts Gutes getan und das ihnen anvertraute Talent vergraben haben, um sich nicht Mühe zu machen und Gewalt anzutun, sind an brennende Felsen angekettet und Dämonen, bewaffnet mit eisernen Krallen, zerfleischen sie und zerreißen ihnen die Glieder, welche, um ohne Unterlass zerrissen zu werden, ohne Unterlass wieder wachsen.
   
 

Die Spieler sitzen an brennenden Tafeln, die Teufel schlagen sie mit glühenden Stangen;

   
 Die Meineidigen, die Verräter und Verführer sind in besondere Orte eingeschlossen; ihre geschwollenen Zungen hängen aus ihrem Munde heraus, Teufel schneiden sie mit vergifteten Instrumenten, gießen kochendes Öl darüber und glühende Kohlen und stürzen dann diese Unglücklichen in Schwefelgruben, um sie daraus hervorzuziehen und ihre Strafen zu erneuern.
   
 Eine ausgehungerte Hyäne zerreißt die Leiber der Verleumder und nährt sich davon.
   
 Die Gotteslästerer und die Apostaten sind in Stücke geschnitten und in geschmolzenes Zinn eingetaucht.
   
   
 Diejenigen, welche mit Gedanken gesündigt haben und zu spät bereut haben;
   
  Diejenigen, welche ungültige Beichten abgelegt, ohne Schmerz und ohne Reue und ohne den festen Vorsatz, der Sünde und den freiwilligen nahen Gelegenheiten zu entsagen;
   
  Diejenigen endlich, welche Andern nicht Ersatz leisten wollten, sind verdammt, offene Seiten zu haben; Teufel gießen kochendes Öl in ihre faulenden Wunden, welche eine Menge von scheußlichen Würmern erzeugen.
   
  Die furchtbarsten Strafen sind den Wollüstigen aller Art vorbehalten,
   
  

den Vätern und Müttern, welche durch ihren Vorsatz oder durch ihr Beispiel zum Falle ihrer Kinder beigetragen;

   
  den Ehebrechern,
   
  Denjenigen, welche dem Gelübde der Keuschheit untreu gewesen
   
  oder geheime und schmachvolle Sünden begangen,
   
  oder sich in bösen Gedanken gefallen und denen nur die Gelegenheiten gefehlt haben.
  
 Ihre Strafen sind den Verbrechen angemessen. Öffentlich entlarvt, an brennende Balken gefesselt, auf glühende Roste ausgestreckt, getaucht in Kessel voll Schwefel und kochendem Pech, entzwei geschnitten, gekleidet mit einem Gewande von glühender Bronze sind sie ebenfalls Dämonen übergeben, welche unter der Gestalt von wütenden Hunden sie zerfleischen, ihnen das Herz ausreißen und es mit Unflat bedecken.

 

 Diejenigen, die ihren Standespflichten untreu gewesen;
   
 Diejenigen, welche den Nächsten um sein Gut oder um seine Ehre gebracht
   
 

die Geizigen,

   
 

die  Wucherer, welche mit dem Schweiße der Armen  betrügerischen  Handel treiben,

 werden in geschmolzenes Gold oder Silber getaucht; Teufel lassen sie flüssiges Metall trinken, Schlangen benagen ihnen die Eingeweide und pressen sie mit ihren brennen- den Schweifen zusammen.

 

 Ungerechte Richter sitzen auf feurigen Stühlen, haben auf ihrem Haupte Mützen von glühendem Metall, und sind von eisernen Krallen zerrissen und wütenden Löwen übergeben.
   
 Teufel, ähnlich den Wasserschlangen, zerfleischen alle Organe des Kopfes den Verleumdern und Denjenigen, die gegen die Gerechtigkeit und Liebe gehandelt haben.
   
 Die Ruhm- und Ehrsüchtigen sind in Löwen von glühender Bronze.
   
 Die Neidischen, die Gehässigen und die Verleumder der Unschuld sind in Flammen geworfen und gegeisselt; Teufel durchwühlen sie mit eisernen Zähnen und pressen ihnen die Gurgel zusammen, um den Ausgang der Schlange zu verhindern, welche ihr Herz benagt.
   
 Die bösen Söhne sind in große Gefäße eingetaucht, welche mit schneidenden Instrumenten versehen, mit siedendem Pech und mit Schlangen angefüllt sind, bewegen sich dort in alle Ewigkeit, so daß sie ohne Unterlass zerrissen werden. Franziska sollte dieses Schauspiel einen Augenblick für alle undankbaren Kinder der Erde sehen, in der Hoffnung, sie zu bekehren.
   
 Tyrannische Fürsten, die Meuchelmörder und alle Diejenigen, welche ihres Gleichen gewaltsam unterdrückt haben, sind in Pfützen kochenden Blutes geworfen; Teufel zerreißen ihnen die Körper mit spitzigen Räsern, dann werfen sie dieselben in eine eherne Schlange, wo der Schmerz ihnen schreckliches Geheul auspresst; sind sie da herausgezogen, so machen Geister, bewaffnet mit Degen und Pfeilen, eine furchtbare Schlächterei aus ihnen, zerreißen ihnen das Herz und die Eingeweide, welche in siedendes Pech geworfen werden.
   
 Die Ketzer,  die Gönner falscher Lehren, die Exkommunizierten, die pflicht- vergessenen Priester, die Gottesverächter und Pfründenkäufer werden von dem höllischen Drachen verschlungen und, an seinem Schweif herabgleitend, stürzen sie in siedendes Metall, Pech, Öl und Schwefel, welche die Tiefe der Hölle ausfüllen. Ihre Strafe erneuert sich ohne Unterlass, wie bei allen Höllenstrafen.


Mit einem Worte, Franziska sah, daß jede Sünde durch unaussprechliche Peinen gezüchtigt ist, welche mit ihren Strafen in alle Ewigkeit verbunden sind. Der Engel, welche sie führte, sagte ihr, daß in dem Reiche des Luzifer die Teufel in verschiedene Ordnungen geteilt sind, von denen die einen die Lebenden versuchen und verfolgen, die andern die Verdammten quälen.

Mit Schauer hörte Franziska das verworrene Geschrei, welches durch Verzweiflung und unsichtbaren Schmerz ausgepresst wurde; die Lästerungen, welche eine wütende, heulende Rotte gegen Gott ausstieß, gegen die heilige Menschheit unseres Erlösers, gegen die heilige Jungfrau Maria, gegen alle Heiligen und Engel! Dieses Zähneknirschen, dieses Schluchzen, dieses Geschrei der Teufel, welche ihre Opfer verhöhnten und ihnen vorhielten, daß es ihnen für alle Ewigkeit unmöglich wäre, ihren Strafen zu entgehen.

Sie erfuhr, daß die Bewohner der Hölle in ihr Nichts zurückkehren wollten, nicht um sich ihrer Verbrechen zu entäußern, sondern um sich ihren Schmerzen und Peinen zu entziehen; sie sah, daß  die Sünde fortwährend in dem Willen des Verdammten herrscht und daher auch die Pein notwendig ohne Ende fortdauert.

Franziska fand mit Schrecken in der Hölle mehrere Personen, welche sie während ihres Lebens gekannt hatte; ihr Anblick verdoppelte ihren Schrecken und sie sagte in dieser Beziehung ihrem Beichtvater, daß sie Gott nicht genug für eine Vision danken könne, deren schauderhafte Erinnerung, selbst in Ermangelung jedes andern Antriebes, sie für immer von der Sünde fern halten müsste.

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Zweite Höllenvision

….. Die furchtbare Vision der Hölle entrollt sich wieder ihren Blicken. Sie wohnt zum zweiten Mal den Peinen der Verdammten bei; sie werden ihr noch einmal unter schrecklichen körperlichen Gestalten gezeigt, um ihr die Art und den Grad der ewigen Strafen begreiflich zu machen.
 
Franziska wird im Verlaufe dieser Ekstase und einigen späteren Visionen in neuer Ausführlichkeit hinsichtlich der Hölle eingeführt; sie teilt sie ihrem Beichtvater mit, nach ihrer Gewohnheit, feierlich versichernd, daß Alles, was sie sieht und erfährt, dem Urteil unserer heiligen Mutter der Kirche, in deren Schoß sie leben und sterben will, unterwirft.
 
Es wird ihr gesagt, daß die Verdammten ihre gegenseitigen Sünden kennen. Sie ist Zeuge von gewissen furchtbaren und eigens zuerkannten Strafen, noch außer den allgemeinen Höllenpeinen, für Diejenigen, welche dem Geiste ihres Standes zuwider Verbrechen in dieser Welt verübt.
 
Die Priester und Geistlichen, schuldig der Ketzerei, Simonie, Unreinheit, der Nachgiebigkeit oder Lauheit im Beichtstuhl oder auf der Kanzel, sind die am strengsten Bestraften.
 
Die Heilige hört mit Entsetzen ihre schrecklichen und ewigen Verwünschungen gegen Gott und das Geheimnis der Menschwerdung des Wortes. Gleichwie die Glückseligen niemals den göttlichen Einklang ihres Lobgesanges unterbrechen, ebenso auch unterbrechen die Verdammten nie ihre Gotteslästerungen, und diese ewigen Gotteslästerungen sind ihnen selbst schrecklicher als die gesamten Peinen der Hölle. Die Wut der Teufel und die ihrer Opfer brechen besonders gegen die heilige Jungfrau aus; indem sie einwilligte, Mutter Gottes zu werden, hat sie den Kopf der alten Schlange zertreten und ist die unschuldige Ursache der Qualen für die Feinde des Allmächtigen geworden. Sie ermüden nicht, den Hass gegen sie und die Verachtung ihrer Vorrechte anzufachen, und man erkennt den Erfolg ihrer perfiden Einflüsterungen in der Verwerfung des Cultus der Mutter der Barmherzigkeit tatsächlich bei den Ketzern aller Zeiten und Jahrhunderten.
 
Franziska lernt die Einteilung der Dämonen kennen
(Acta Sanct. etc., hierüber p. 154). Es wird ihr geoffenbart, daß der dritte Teil der himmlischen Geister sich unmittelbar nach der Schöpfung empört hat, als die künftige Menschwerdung des Wortes ihnen angekündigt wurde; sich Götter glaubend, verweigerten sie es, die Hoheit des menschgewordenen, dem Vater gleich ewigen Sohnes anzuerkennen, und wurden in den Abgrund der Hölle gestürzt; die andern Engel unterwarfen sich dem Willen ihres Schöpfers und wurden in ihrem heiligen Gnadenzustande befestiget.
 
Die Dämonen sind in drei große Massen verteilt, von welchen jede in mehrere Unterabteilungen zerfällt; die erste Masse umfasst die schuldigsten; ihr Fall entspricht ihrer früheren hohen Stellung. Die beiden anderen bewohnen die Luft und die Erde; das sind die gefallenen Engel, welche neutral bleiben und sich weder für Gott noch für Luzifer entscheiden wollten. Dieser Letztere ist das Haupt der ganzen höllischen Miliz, unter ihm stehen drei Stellvertreter, welche die drei Grade des Abgrundes beherrschen; Franziska erblickt noch eine gewisse, göttlich zugelassene, unzerstörbare Ordnung trotz dem Wirrwarr, der da herrscht.
 
Der erste Stellvertreter des Luzifer, Asmodeus, nahm früher Teil an den Chören der Cherubinen: die Dämonen, beauftragt, in den Menschen unreine Gedanken und Begierden zu erwecken, sie zu sinnlichem Unfug und dem der Reinheit entgegengesetzten Verbrechen anzutreiben, diese sind ihm untergeben.
 
Mammona, der zweite, gehörte zu den Thronen: der Geiz, der Hochmut, der Durst nach Reichtum und Macht und die daraus hervorgehenden Unterordnungen gehören zu seiner Befugnis.
 
Beelzebub, der letzte, stammt aus dem Range der Herrschaften, er steht vor den höllischen Finsternissen, den Arten der Abgötterei und Hexereien; die Legionen, welche er befehligt, flößen dem Menschengeschlecht die Irrtümer gegen den katholischen Glauben ein.
 
Luzifer mit seinen drei hauptsächlichen Ministern sind in der Hölle angefesselt und kommen nie aus ihr heraus. Die bösen Geister jedoch, selbst die der Luft und der Erde, handeln nur nach ihrem Befehl. Sie folgen ihnen, wie die Engel Gott gehorchen; aber bei den Versuchungen, die sie uns bereiten, können sie nicht die Grenzen überschreiten, welche der Allmächtige ihnen gesetzt und über die hinaus ihre Macht sich nicht erstrecken kann, und Gottes Güte gewährt uns immer die hinreichenden Gnaden, um siegreich aus dem Kampfe hervorzugehen.
 
Die Dämonen der Luft und Erde sind nicht den Peinen des Feuers ausgesetzt; aber sie leiden die allerschrecklichsten von allen, die Strafe des Verlustes der Anschauung Gottes, und die tugendhaften und christlichen Handlungen, welche sie hier auf Erden geübt sehen, verursachen ihnen unaussprechliche Schmerzen. Sie haben einen wütenden Hass den Nachkommen Adams zugeschworen und sind besonders dazu, sie zu versuchen und in ihr eigenes Verderben herabzuziehen. Sie einigen sich unter einander, um zu diesem Ziel zu gelangen, und obgleich ein Jeder von ihnen ein bestimmtes Laster zu seiner besondern Aufgabe sich gemacht hat, so stimmen Alle doch darin überein, gleichsam eine giftige Mischung von verschiedenen Versuchungen zu bereiten, um die Seelen von mehreren Seiten auf einmal anzugreifen.
 
Wenn sie auf den Untergang eines kräftigen und entschlossenen Charakters versessen sind, so rufen sie andere mächtigere Dämonen, als sie selbst sind, zu Hilfe. So lange ein Dämon die Seele nicht zum Falle gebracht, die er verführen soll, so ist sie der einzige Gegenstand seiner Sorge; ist er aber zum Siege über sie gekommen, so benutzt er sie, andere Seelen nachzuziehen und zum Ärgernis zu bringen.
 
Sie wird darauf ein Instrument, ganz seiner Macht unterworfen; diese Herrschaft hört auf durch die Reue und die Beichte und der böse Geist erneuert seine List, um sie wieder zu gewinnen.
 
Der Dämon, welcher eine Seele wirklich in sein Verderben mit hineingezogen, bezeugt darüber eine wilde Freude ungeachtet der ewigen Peinen, zu welchen er selbst verdammt ist; er wird in der Hölle mit Akklamationen von der ganzen höllischen Schar empfangen. Der Schutzengel dieser himmlischen Seele verlässt sie in dem Augenblicke, in welchem sie herabgestürzt ist, und nimmt seinen früheren Platz ein in den himmlischen Chören.
 
Ist hingegen eine Seele ins Fegefeuer eingegangen oder ist sie durch ihren himmlischen Führer ins Paradies eingeführt; da verhängt Luzifer über ihren Verführer schwere Strafen und überlässt ihn dem Hohngelächter der übrigen Dämonen, welche ihn peinigen und ihm vorwerfen, durch seine Nachlässigkeit diese Seele verloren zu haben. Dieser Versucher bleibt von da an ein herumirrender Geist ohne besondere Funktionen, nur von dem Streben erfüllt, möglichst oft Gelegenheit zum Bösen zu finden oder in die Leiber von Tieren und Menschen einzugehen, um sie besessen zu machen.
 
Franziska vernahm, daß nach einer besondern Bestimmung alle höllischen Geister sich untereinander sehen und kennen. Es wurde ihr geoffenbart, daß die Dämonen genötigt sind, das Knie zu beugen, so oft sie den hochheiligen Namen Jesu aussprechen hören; und je reiner und tugendhafter die Person ist, welche diesen Namen ausspricht, desto mehr Wut und Schmerz sie empfinden. Wird dieser erhabene Name in gotteslästerlicher Weise genannt, so müssen sie sich ebenfalls verbeugen; aber sie freuen sich zugleich über die Sünde, welche gegen den Gegenstand ihres scheußlichen Hasses begangen worden.

Hl. Franziska Romana

 


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25. Juli 2020

Wahre Hirten oder wahre Priester haben nur noch wenig Zeit, sich zu entscheiden, ob sie Mir oder Luzifer und seinen Günstlingen in der Form des Antichristen dienen.

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16. Juli 2020

Seid nicht töricht anzunehmen dass ihr frei sein werdet, wenn dieser Virus vorbei ist. Es ist die Fortsetzung des großen Glaubensabfalls — der Entfernung von der Wahrheit.

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Der hl. Petrus Fourier

bat in schwerer Zeit seiner Pfarrei, ja hat jedem Bauer vorgeschrieben,
daß er an seine Haus- und Stalltüren die Worte anbringe:

Maria ist ohne Sünde empfangen.

Dies bewirkte, daß seine Gemeinde im Gegensatz zu den angrenzenden Gemeinden
vor Plünderung, Mord und Seuchen verschont blieb.

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Erklärung des hl. Meßopfers

P. Martin von Cochem
† 1712

Eine einzige hl. Messe
im Leben andächtig angehört, wird dir von größerem Nutzen sein,
als viele, die für dich
nach dem Tod aufgeopfert werden.

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Mt 10:22
Ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.

Offb 3:10-12
Weil du das Wort vom Harren auf mich bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der
Stunde der Prüfung, die kommen wird über den ganzen Erdkreis, um die Bewohner der Erde zu prüfen.
Ich komme bald.
Halte fest, was du hast, daß niemand deinen Kranz dir nehme!
Den Sieger werde ich zu einer Säule machen im Tempel meines Gottes, und sie wird nimmermehr herausgenommen werden. Und ich werde auf sie den Namen meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das herabsteigt aus dem Himmel von meinem Gott, und meinen neuen Namen.

 

Die Weihefähigkeit der Frau

Predigt Prof. Dr. Georg May

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Pedro Regis - Brasilien
Botschaften übersetzt
bis 30. Juni 2020

8. Okt. 2019  
Dichte Finsternis wird auf die Kirche fallen, und viele Meiner armen Kinder werden sein wie Blinde, die andere Blinde führen. Ich bin eure Mutter der Schmerzen und leide wegen dem, was auf euch zukommt.

Ich bitte euch, Meinem Sohn Jesus treu zu sein. Entfernt euch nicht von der Wahrheit. Was auch immer geschieht, bleibt mit Jesus und verteidigt das wahre Lehramt Seiner Kirche.

9. April 2019  
Liebe Kinder, es kommt der Tag, an dem viele im Haus Gottes Orientierung suchen, sie aber nur an wenigen Orten finden werden. Die Unordnung wird sich überall ausbreiten, und wenige Geweihte werden Meinem Sohn Jesus treu bleiben. Ich leide wegen dem, was auf euch zukommt. Sagt allen, daß Gott Eile hat und daß dies der günstige Augenblick ist für die Große Heimkehr. Der große Schiffbruch des Glaubens wird sich ereignen aus Schuld der schlechten Hirten, die es vorziehen, der Welt zu gefallen. Ihr, die ihr auf Mich hört, mögt nicht vergessen: in allem Gott an erster Stelle. Vorwärts in der Verteidigung der Wahrheit. Seid Männer und Frauen mit Mut. Was auch immer geschieht, bleibt mit Jesus und hört auf das wahre Lehramt Seiner Kirche.

26. März. 2019  
Ihr geht auf eine Zukunft großer Verfolgungen zu. Die Männer und Frauen des Glaubens werden den bitteren Kelch des Leidens trinken. Sie werden die Kostbare Nahrung suchen, und an vielen Orten werden sie IHN nicht finden. Sie werden den Herrn an geheimen Orten anbeten. Viele Gotteshäuser werden geschlossen werden, und es wird eine große Religionsdiktatur geben. Mut. Meine Jesus wird bei euch sein. Es gibt keinen Sieg ohne das Kreuz. Die Kirche Meines Jesus wird wieder so sein, wie ER sie Petrus anvertraut hat. Sorgt euch um euer geistliches Leben. Weicht nicht zurück. Jene, die bis zum ende treu bleiben, werden als die Gesegneten des Vaters ausgerufen werden. Gebt Mir eure Hände, und Ich werde euch zum Sieg führen. Vorwärts in der Verteidigung der Wahrheit.

 
 
 

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Abtreibung
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Die Welt spielt verrückt. Der Direktor der Geburtskliniken der Berliner Charité formuliert das so: ,,Wir können Frühgeborene mit 400 Gramm retten. Und im Raum nebenan wird ein Kind mit 600 Gramm getötet."

 

Luthers Lebensende von Paul Majunke 1890/1891

Enthüllungen der Wahrheit über Luther's Tod.  

Aus der gotischen Frakturschrift übersetzt und digitalisiert.

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Übersetzung am 8. Juli 2014 abgeschlossen.

 


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Nicht ich, meine Söhne, habe diese Stunde gewollt.
Prophetische Eingebungen an Monsignore Ottavio

Der Feind, dem zu begegnen ist.     Link
Jesus: Ihr, meine Söhne, habt noch nicht verstanden, daß sich die ganze Menschheitsgeschichte seit der Erschaffung der Welt und dem Sündenfall der Menschen auf diesen Krieg konzentriert. Alle Anstrengungen der finsteren Mächte bestehen wirklich darin, die wahre Sicht dieses dramatischen Kampfes von der menschlichen Seele abzulenken, der pausenlos zwischen mir, dem menschgewordenen Wort und Satan mit seinen Legionen stattfindet.

Die ganze Geschichte des Geheimnisses der Erlösung dreht sich um die Geschichte des mystischen Leibes. Die Geschichte der Menschheit hat hier ihre Begründung.

Aber es ist unver-ständlich, daß dies von vielen Bischöfen und vielen, vielen Priestern nicht erkannt wird! Deshalb kam es zur heutigen katastrophalen Lage!

Wenn jene, die zu Wächtern bestimmt sind, die Gefahr nicht kennen, worauf bezieht sich dann ihr Wächteramt? Wenn jene, die führen sollten, den rechten Weg nicht kennen, was taugen sie dann als Führer? Wenn jene, die kämpfen müssen, nicht die rechten Waffen gebrauchen, sind sie zur Niederlage verurteilt.


Ich lade die Priester und Bischöfe zu einem Vergleich ein. Sie sollen, ehe es zu spät ist, zwischen meinem Leben auf Erden und dem ihrigen vergleichen, zwischen dem Weg, den sie gehen, und meinem Weg. So können sie, ohne die Gefahr, sich zu täuschen, die Wirklichkeit erkennen.

Wenn sie wirklich Mut hätten, müßte bei einem aufrichtigen Vergleich der ganze Unrat, den sie in sich tragen, hervorbrechen.

Haben die Beispiele der großen Bischöfe keinen Stellenwert? Und sagt der heilige Pfarrer von Ars den Priestern nichts? Vernachlässigt und verachtet verbrachte er Stunden im Gebet, aber die Gnade Gottes war so mächtig in ihm, daß er selbst schwerste Sünder bekehrte.

Ihr dürft euch nicht der Zeit anpassen, sondern die Zeit muß sich euch anpassen. Welche Verantwortung, den Kampf aufgegeben zu haben! Ihr seid Bischöfe und Priester, und seid es im Hinblick auf diesen Kampf. Ohne diesen Kampf habt ihr keine Daseinsberechtigung. Wie viele wissen dies nicht!

 


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Das "Manna" Wunder am Grab des hl. Apostels Andreas in Amalfi

 

Die Erscheinungen und Himmels-Botschaften
von Ohlau / Polen 1983 - 1997

 

Selige Mutter Maria von Jesus Deluil-Martiny
1841-1884
Am 4. März 1989 im Blick auf ihre Seligsprechung
wurde ihr Leichnam exhumiert.

Er war unversehrt und voll beweglich.

 

ENDZEITLICHE PREDIGTEN

von H.H. Pfarrer Dr. habil. Piotr Natanek

 

Das Wunder des heiligen Feuers

Es findet jedes Jahr zur selben Zeit, auf die selbe Art und am selben Ort statt.

 
Die wachsende Toleranz der Homosexualität in der Gesellschaft.

Gesetze werden erlassen, die nicht nur im Widerspruch zu den Lehren der kath. Kirche stehen, sondern die auch allen christlichen Gesetzen zuwiderlaufen.

Homosexualität im Urteil der Heiligen Schrift

Link

 

Kruzifix zu Limpias;

dasselbe zeigt seit März 1919 Lebensäußerungen:
bewegt Augen, Haupt und Lippen, verändert Gesichtsausdruck und Farbe und gerät in Todesschweiß.

Tausende sahen das Wunder und viele Bekehrungen waren die Folge.
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Die globale Verschwörung

Wir blicken hinter die Kulissen der Macht. Wir beleuchten den inneren Kreis der Weltverschwörung und zerren die Wahrheit ans Licht.
Schattenmacht ans Licht gebracht.

Erstellung 2012 und 2013  
59 Webseiten

Hauptseite der Schattenmachtseiten

 

 Webseiten
 Evangelisch / Luther
Zitate Luthers kontra Worte Jesu
Die Dunkle Seite von Martin Luther
Die Irrtümer von Doktor Martin Luther
Katholiken und Protestanten haben nicht dieselbe Bibel
Luthers Lebensende
Von der Kirche zu den «christlichen» Gemeinschaften, Freikirchen, Sekten
Ökumene? Evangelisch & Katholisch
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